Was bei der Schöpfung übrig blieb (12)

Nachdem Gott alle Tiere und den Menschen gemacht hatte, stellte er fest, dass er vielleicht doch noch einen Blick in seinen Plan hätte werfen sollen. Leider war da nun einiges durcheinander geraten, denn eigentlich hatte er vorgesehen, dem Menschen, der eh zu nichts taugte, einen unpraktischen Schnabel ins Gesicht zu setzen und der Krone der Schöpfung, den kleinen Spatzen, kräftige Zähne zu geben, damit sie den Menschen, der als ihr Beutetier vorgesehen war, auch gut zerkauen könnten. Stattdessen hatte er den Spatzen den Schnabel gegeben und dem Hai die scharfen Reißzähne und dem Menschen das eigentlich für die Hummeln gedachte strahlend weiße Lächeln. Dumm gelaufen, aber von vorne anzufangen, hatte er auch keine Lust. Sei’s drum! Das für den Menschen vorgesehene kariöse und verwachsene Gebiss, für das er nun keine Verwendung mehr hatte, ließ er darum am Abend auf dem Heimweg einfach in der U-Bahn liegen.

What was left over at creation – After God had made all animals and the man, he realized that maybe he should have taken a look at his plan after all. Unfortunately, a lot had gotten mixed up, because actually he had intended to put an impractical beak in the face of the man who was anyway no good for nothing and to give the crown of creation, the little sparrows, strong teeth so that they could chew well the man, which was intended as their prey. Instead, he had given the beak to the sparrows and the sharp fangs to the shark and the human being got the bright white smile what was actually intended for the bumblebees. Shit happens, but he didn’t feel like starting over. So be it! The carious and overgrown bit intended for the man, for which he no longer had any use, was therefore simply left in the subway in the evening on the way home.

Traditionspflege

Der Lehrling hat recht blöd geschaut, als der Maurer ihm gesagt hat, er möge mal eben die Mauer halten, während er den Putz auftrage, aber noch blöder hat er geschaut, als man den Arm dann abnehmen musste. Den Lehrling auf den Arm zu nehmen, ist eine schöne Tradition. Gut, dass es das noch gibt.

Maintaining the tradition – The apprentice looked really stupid when the bricklayer told him to hold the wall while he was applying the plaster, but he looked even more stupid when they had to take his arm off. Poking the prentice is a nice tradition. It’s good that it still exists.

Verbesserung

Als ich heute früh in den Spiegel schaute, stellte ich verwundert fest, dass über Nacht ein kleines Bäumchen auf meinem Kopf gewachsen war, das schon recht kräftig austrieb. Zuerst schien es mir unpraktisch, da ich zwischen den Zweigen und Blättern kaum hindurchsehen konnte, doch später am Tage begriff ich es als Vorzug, denn seien wir doch mal ehrlich, die Welt ist meist recht hässlich und auf den Anblick der Menschen lege ich auch keinen Wert mehr. Da ist es leicht hinzunehmen, dass ich ständig die Wurzeln stutzen muss, die mir aus Ohren und Nase wachsen.

Improvement – When I looked in the mirror this morning, I was astonished to find that a small tree had grown on my head overnight, which was already sprouting quite vigorously. At first it seemed impractical to me, as I could hardly see through between the branches and leaves, but later that day I saw it as an advantage, because let’s be honest, the world is usually quite ugly and I don’t set value on looking at people anymore. So it is easy to accept that I permanently have to prune the roots that grow out of my ears and nose.

Traurig!

Der Siegeszug der elektronischen Medien bis in die Kinderzimmer hinein, führt dazu, dass immer mehr Stofftiere und Spielzeuge auf der Straße ausgesetzt werden, um dort elend zugrunde zu gehen.

Sad! – The triumphant advance of electronic media right into children’s rooms means that more and more stuffed animals and toys are left on the street to perish miserably.

Optische Täuschung

Neulich war ich in Oberösterreich wandern und da wurde ich Zeuge einer sehr ungewöhnlichen optischen Täuschung. Als ich nämlich gerade auf das Dachsteingebirge zuging, sah es für einen Moment so aus, als sei da in der Ferne gar kein Gebirge, sondern als schaute ich die Fassade eines Hauses hinauf; die Vegetation hatte sich in Geranien verwandelt und in die Landschaft schien etwas eingeschrieben zu sein. Vielleicht war es nur ein Marketingtrick des örtlichen Fremdenverkehrsamtes, aber es wirkte, denn sogleich folgte ich dem Bedürfnis, in ein Gasthaus einzukehren und in der Tat war man dort sehr gastfreundlich.

Optical illusion – Recently I was hiking in Upper Austria and there I saw a very unusual optical illusion. As I was walking towards the Dachstein Mountains, it looked for a moment as if there weren’t any mountains in the distance, but as if I was looking up the facade of a house; the vegetation had turned into geraniums and something seemed to be inscribed in the landscape. Maybe it was just a marketing ploy from the local tourist office, but it worked, because I immediately followed the need to stop at an inn and they were indeed very hospitable.

Abstieg zur Hölle

Was alle Regensburger wissen, aber sonst kaum jemand: Dieses unscheinbare Loch ist der Eingang zur Unterwelt. Die Eingeborenen behaupten zwar, sie wüssten nicht, wohin der Gang führe, aber nach dem dreizehnten Bier, das man an diesem sehr katholischen Ort ein Judasbier nennt, verraten sie es doch. Mit angstgeweiteten Augen und brechender Stimme berichten sie von fürchterlichen Qualen, aber auch mit dem vierzehnten Bier kann man ihnen keine Details entlocken. Das wollte ich genauer wissen. Spät in der Nacht schlich ich mich dorthin und kroch in den engen schmutzigen Gang, der wider Erwarten hinab führte und nach einigen hundert Metern hinter einer Tapetentür endete. Zu meiner nicht geringen Überraschung führte diese Tür in das Schlafgemach der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die gerade einige arme Sünder in glühendem Blei kochte. Mehr war leider nicht zu erfahren, denn ein glutäugiger Teufel machte mir schwere Vorwürfe, dass ich ohne Termin hier gar nichts zu suchen hätte und gefälligst verschwinden solle, was ich dann auch gerne tat.

Descent to hell – What everyone in Regensburg knows, but hardly anyone else: This inconspicuous hole is the entrance to the underworld. The natives claim they don’t know where the passage is going, but after the thirteenth beer, which in this very Catholic place is called a Judas beer, they give it away. With eyes wide with fear and breaking voices, they report terrible torments, but even with the fourteenth beer you can’t get any details out of them. I wanted to know more about that. Late at night I crept there and crawled into the narrow, dirty corridor that led down unexpectedly and ended a few hundred meters behind a wallpaper door. To my no small surprise, this door led into the bedroom of Princess Gloria of Thurn und Taxis, who was just boiling some poor sinners in red-hot lead. Unfortunately, more was not to be found out, because a glowy-eyed devil made serious accusations that I had no business here without an appointment and should kindly disappear, which I was happy to do.

Unterm Rad

Was sagen Trottel und Faulenzer, wenn sie sich vor der Arbeit drücken wollen: „Da müssen wir doch nicht das Rad neu erfinden!“ Dann löten sie im letzten Moment schnellschnell irgendeinen Quatsch zusammen und so etwas kommt dann dabei heraus.

Beneath the wheel
What do idiots and idlers say when they want to avoid work: “We don’t have to reinvent the wheel!” Then at the last moment they terribly quickly solder together some nonsense and something like that comes out.

Deutscher Schicksalstag

Unbemerkt von der Welt fiel vor 31 Jahren diese Mauer (Abb. ähnlich) hinter dem Haus von Heinz Karsunke in Oer-Erkenschwick um. Herr Karsunke, der leider genau in diesem Augenblick daran vorbeiging, kann sich nicht mehr erinnern, aber seine Frau bestätigt die Geschichte und schiebt ihren Mann in seinem Rollstuhl wieder vor den Fernseher. „Was muss denn bitte am 9. November noch alles geschehen, bis man ihn endlich verbietet?“ fragt sie aufgebracht. Wir wissen es leider auch nicht, aber die Frage ist berechtigt.

German fateful day
31 years ago, unnoticed by the world, this wall (similar illustration) fell over behind Heinz Karsunke’s house in Oer-Erkenschwick. Mr Karsunke, who unfortunately passed it at that very moment, can no longer remember, but his wife confirms the story and pushes her husband back in his wheelchair in front of the television. “What else has to happen on November 9th before it is finally banned?” she asks angrily. Unfortunately, we don’t know either, but the question is legitimate.

Schöner wohnen

Als Gott neulich inkognito in Oberbayern Urlaub machte, da war er doch recht angetan von der schönen Landschaft, dem vielen Grün und der reizenden Architektur. Das möchte ich auch haben, dachte er sich. Nach Mekka zurückgekehrt, machte er sich sogleich an die Arbeit. Seinem Haus setze er ein hübsches Satteldach auf und den öden Platz drum herum füllte er mit sanften Hügeln, auf denen er grünes Gras und Apfelbäume aufgehen ließ. Am nächsten Morgen waren die Menschen doch sehr erstaunt, denn so etwas hatte man im Wüstenstaat noch nicht gesehen. Und weil Grün gut für die Nerven ist, gab es auch kein böses Wort. Erst als Gott das Betreten des Rasens untersagte und einige Pilger, die sich wie stets anschickten, sein Haus siebenmal zu umrunden, mit unflätigen Flüchen belegte, hob der ein oder andere ungläubig eine Augenbraue.

Better Homes and Gardens
When God recently went on holiday incognito in Upper Bavaria, he was really taken with the beautiful landscape, the greenery and the lovely architecture. I want that too, he thought to himself. When he returned to Mecca, he immediately got to work. He put a pretty gable roof on his house and filled the dreary space around it with rolling hills on which he let green grass and apple trees grow. The next morning the people were very astonished, because nothing like this had been seen in the desert state. And because green is good for the nerves, there was no bad word. Only when God forbade walking on the lawn and cursed some pilgrims, who were preparing to circle his house seven times as usual, did one or the other raise an eyebrow in disbelief.