Den Klimaschutz, Söder,

dürfe man nicht den Grünen überlassen, mahnten Sie neulich. Nun ist es ja so, dass Sie, hätten Sie denn vor, tatsächlich Klimaschutz zu betreiben, diesen nicht der Opposition überlassen müssten, die gar nicht die Macht dazu hat, sondern in Ihrer Eigenschaft als bayerischer Regierungschef selbst … Wie? Wir haben Sie da falsch verstanden? Es geht Ihnen gar nicht um Klimaschutz, sondern nur um Wählerstimmen? Ach so! Na, macht nix. Wer Sie trotz allem beim nächsten Mal wählt, ist vermutlich auch der Ansicht, man dürfe das Backen nicht den Bäckern überlassen und das Schlachten nicht den Metzgern. Und solange Sie regieren, bleibt das politische Klima in Bayern sowieso wie schon immer: feucht und muffig wie unter den Armen von Franz Josef Strauß selig. Wir nehmen lieber Kurs nach Norden, Servus.

Climate protection, Söder, shouldn’t be left to the Greens, you recently warned. Well, if you were going to actually do climate protection, you would not have to leave it to the opposition, which does not have the power to do so, but in your capacity as the Bavarian head of government … How? Did we get you wrong? Is it not about climate protection at all, but only about votes? I see! Well, it doesn’t matter. Anyone who votes for you next time, despite everything, is probably also of the opinion that the baking should not be left to the bakers and slaughter should not be left with the butchers. And as long as you rule, the political climate in Bavaria will remain as it always has been: damp and musty, like in the armpits of Franz Josef Strauss. Heading north, bye.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (14)

Als Gott am fünften Tag die Amöben und Vögel geschaffen hatte und außerdem Köpenick und das Ötztal und auch den Fön und sämtliche Möbel, und das nur, weil ihm der Buchstabe ‚ö’ an diesem Tag soviel Freude machte, da erschuf er nebenbei auch das ‚Stuhl’. Am nächsten Tag jedoch konnte er sich nicht mehr erinnern, wofür dieses Ding gut sein sollte. Falls jemand Interesse hat: Es ist gegen Selbstabholung kostenlos zu haben.

What was left over at creation – When God created the amoebas and birds on the fifth day and also Köpenick and the Ötztal and also the hair dryer and all the furniture, and only because the letter ‚ö‘ gave him so much pleasure on that day, he also created the ‚Chair‘. The next day, however, he couldn’t remember what this thing was for. If anyone is interested: It can be picked up free of charge.

Amigoskandal

neulich haben Investigativjournalisten des Oberlandkuriers aufgedeckt, dass die Firma Tiefbau Obermayr aus Rosenheim schon wieder den Auftrag bekommen hat, Renovierungsarbeiten am Fundament der Welt auszuführen, obwohl die Konkurrenzfirma Tiefbau Untermeier aus Passau deren Angebot um einige Milliarden Euro unterboten hat. Das zuständige Ministerium für Bau und Heimat hat auf die Anfragen der Journalisten nur mit den Schultern gezuckt. Es sei doch klar, dass man einen so wichtigen Auftrag nicht an die Niederbayern vergeben könne und außerdem sei der Obermayr Sepp ein Vetter des Unterstaatssekretärs. Schließlich sei man die Partei der Familienwerte.

Nepotism scandal – Investigative journalists from the Oberlandkurier recently uncovered that the underground working company Tiefbau Obermayr from Rosenheim has received the order again to carry out renovation work on the foundation of the world, although the rival company Tiefbau Untermeier from Passau has undercut its offer by a few billion euros. The responsible ministry for construction and homeland only shrugged its shoulders at the journalists‘ inquiries. It should be clear that such an important contract could not be awarded to a company from Lower Bavaria, and that the Obermayr Sepp was also a cousin of the Undersecretary. After all, they are the party of family values, they say.

Geschäftsidee

Ein Bekannter hat neulich ein Ladengeschäft für Fragen und Antworten aller Art eröffnet und es läuft erstaunlich gut. Obwohl die meisten Leute nie um eine Antwort verlegen scheinen, verkaufe er, sagt mein Bekannter, sogar mehr blöde Antworten als kluge. Anscheinend seien die meisten Leute gar nicht so dumm, wie man glauben möchte.

Business idea – A friend recently opened a store for all kinds of questions and answers and is doing amazingly well. Although most people never seem at a loss for an answer, my friend says he sells even more stupid answers than smart ones. Apparently most people are not as thick as one would like to think. (on the signs: Realy, You bet, definitely)

Lästig

Seit kurzem werde ich von diesem Schild gestalkt, das mir scheint’s überallhin folgt und mich bisweilen durch unvermitteltes Erscheinen hinter Hecken oder Mauern erschreckt und zu einer Umarmung auffordert. Als ich mich bei der Polizei beschwerte, lachten die Herren nur und ermahnten mich, dass das Umarmen wildfremder Schilder nicht den immer noch geltenden Hygienemaßnahmen entspreche und darum davon abzuraten sei. Als ob ich das nicht wüsste. Sind denn alle verrückt geworden?

Annoying – Recently I have been stalked by this sign, which seems to follow me everywhere and sometimes frightened me by suddenly appearing behind hedges or walls and asking for a hug. When I complained to the police, the gentlemen just laughed and warned me that hugging totaly unknown signs did not comply with the hygiene measures that are still in force and that it should therefore be discouraged. As if I don’t know. Has everyone gone mad?

Rätsel des Alltags (5)

Als ich neulich eine Kleinstadt in einem Bundesland besuchte, das mich gebeten hat, seine Identität geheim zu halten, wunderte ich mich über den Namen der Ortschaft. Neugierig wie ich bin, fragte ich einen Einheimischen, was denn der Name bedeute, doch die Person sah mich kaum an und machte nur ein verächtliches Geräusch mit den Lippen. Das kam mir seltsam vor und steigerte meine Neugier, doch auch der nächste und alle anderen Einheimischen, die ich fragte, wollten es mir nicht verraten und machten stattdessen das Geräusch. Inzwischen war ich schon so verstimmt, dass ich, als ich in einem Gasthaus gefragt wurde, was ich zu Mittag zu essen wünsche, nur ein verächtliches Geräusch mit den Lippen machte. Der Kellner nickte und brachte mir etwas, das ich mit Worten kaum beschreiben kann.

Everyday Mysteries – When I recently visited a small town in a german state that asked me to keep its identity a secret, I was wondering about the name of the place. Curious as I am, I asked a local what the name meant, but the person barely looked at me and just made a contemptuous noise with his lips. That struck me as strange and increased my curiosity, but the next and all other locals I asked wouldn’t tell me and instead made the noise. By now I was so upset that when I was asked in an inn what I would like to eat for lunch, I only made a contemptuous noise with my lips. The waiter nodded and brought me something that I can hardly describe in words.

Muss das sein?

Etwas enttäuscht war ich schon, dass selbst im Wartesaal zur Hölle Abstandsregeln und Maskenpflicht eingehalten werden sollten. Ich meine, welchen Sinn hat es dann noch, böse zu sein?

Does it have to be that way? – Somewhat disappointed I was, that even in the waiting room for hell spacing rules and mask obligations should be adhered to. I mean, what is the point of being evil?

Midlife-Crisis

Als 1984 heute früh in den Spiegel schaute, wurde ihm schlagartig klar, dass es nun auf die 40 zuging und das Leben morgen schon vorbei sein könnte. Es war offensichtlich: Der Lack war ab, die Leichtigkeit verschwunden, nichts war mehr selbstverständlich. Das Nachtleben hinterlässt Spuren, Augenringe, das Haar lichtet sich, der Rücken schmerzt. Gestern war es das älteste im Club und von einem der Nullerjahre wurde es sogar gesiezt! Blöde Kinder. Früher war es doch einmal berühmt und alle wollten ein Autogramm und Journalisten fragten nach seiner Meinung zum Ende der Sowjetunion und in Talkshows sollte es über Totalitarismus diskutieren. Dabei war es damals noch ein Kind und das blöde Buch hatte es bis heute nicht gelesen. Ihr könnt mich alle, dachte es und ging wieder ins Bett.

Midlife crisis – When 1984 looked in the mirror this morning, it suddenly became clear to him that it was now approaching 40 and that life could be over tomorrow. It was obvious: the paint was off, the lightness disappeared, nothing could be taken for granted anymore. The nightlife leaves its mark, dark circles under the eyes, the hair thins, the back hurts. Yesterday it was the oldest in the club and from one of the noughties it was even adressed formally! Stupid kids. It used to be famous and everyone wanted an autograph and journalists asked for its opinion on the end of the Soviet Union and on talk shows it was supposed to discuss totalitarianism. At that time it was still a child and it hadn’t read the stupid book until today. Up yours, it thought and went back to bed.

Aus dem Familienalbum (48)

Meine Großtante Herta war noch während des Krieges mit Zwillingen schwanger geworden, während ihr Mann Hans an der Front war. Natürlich gab das Gerede, aber Herta war schon immer ziemlich eigensinnig und bestand darauf, dass bekanntlich der Krieg der Vater aller Dinge sei. Als der Geburtstermin verstrichen war und die Wehen dennoch nicht einsetzen wollten, ging Herta zur allgemeinen Verwunderung nicht etwa zum Arzt, sondern zu einem Anwalt. Über die Gründe für dieses seltsame Verhalten schwieg sie eisern, doch als Herta auch nach über zwei Jahren Schwangerschaft nicht niedergekommen war, ließ das Interesse der Leute nach und sie wandten sich wieder anderen Dingen zu, auch wenn sich heute niemand mehr erinnern kann, was damals außerdem noch so geschehen ist. Später erfuhren wir, dass Hertas Zwillinge sich weigerten, auf die Welt zu kommen, schließlich sei Krieg und in so einer Situation geboren zu werden, sei überaus leichtsinnig. Außerdem wollten sie Auskunft haben, wer denn nun ihr Erzeuger sei, doch Herta wies diese Frage beleidigt zurück und ließ den beiden Ungeborenen per Gerichtsbeschluss eine Frist zur freiwilligen Räumung setzen, welche die Zwillinge jedoch nicht einhielten. Der Rechtstreit zog sich über Jahre hin. Die letzte Nachricht war, dass Herta sich sträubte, die Freundin eines der Buben bei diesem übernachten zu lassen. Meine Mutter sagt, die Großtante sei dann vor Ärger geplatzt.

From the family album – My great-aunt Herta got pregnant with twins during the war, while her husband Hans was at the front. Of course there was talk, but Herta was always quite headstrong and insisted that war is known to be the father of all things. When the due date had passed and the labor did not want to start, Herta, to everyone’s amazement, did not go to the doctor, but to a lawyer. She was sternly silent about the reasons for this strange behavior, but when Herta had not come down after more than two years of pregnancy, people’s interest waned and they turned back to other things, even if today nobody can remember what back then happened besides it. We later learned that Herta’s twins refused to be born, because after all it was a war and to be born in such a situation was extremely reckless. In addition, they wanted to know who their father was, but Herta rejected this question, insulted, and gave the two unborn children a deadline for voluntary eviction by court order, which the twins did not keep. The legal dispute dragged on for years. The last news was that Herta was reluctant to let the girlfriend of one of the boys spend the night with him. My mother says the great-aunt then burst out of anger.

Bericht zur deutschen Einheit

Deutschland sei auf dem Weg zu gleichwertigen Lebensverhältnissen weit vorangekommen, sagte neulich der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer mit dem passenden Namen Wanderwitz. Ob das stimmt? Auch wenn man es bei einer Fahrt durch Branden- oder Mecklenburg kaum glauben mag, ist sicher, dass die Deutschen zumindest eines erreicht haben: gleichwertige Todesverhältnisse.

Report on German unity – Germany has made good progress on the way to equal living conditions, said the Federal Government Commissioner for the new federal states with the appropriate name Wanderwitz (Hiking Joke). If that’s true? Even if you can hardly believe it when driving through Branden- or Mecklenburg, it is certain that the Germans have achieved at least one thing: equal death conditions.