Neues aus der Wissenschaft (64)

Der wissenschaftliche Stammtisch der Eckkneipe „Zum durstigen Polyeder“ hat bekanntgegeben, dass erstmals eine runde Ecke konstruiert worden sei. Man sei sich bewusst, dass damit nicht nur die Existenz der Eckkneipenbranche gefährdet sei, sondern auch die Existenz des eigenen Stammtischs, aber der Fortschritt der Wissenschaft dürfe auf Partikularinteressen keine Rücksicht nehmen. Aus der Industrie wird jedoch verlautbart, dass man wirklich keinen Schimmer habe, wozu das gut sein soll und dass es sich offensichtlich um eine Schnapsidee handele.

Science News – The scientific regulars‘ table at the corner pub „The Thirsty Polyhedron“ has announced the first-ever construction of a round corner. They acknowledge that this jeopardizes not only the existence of the corner-pub industry but also that of their own regulars‘ table; however, scientific progress cannot be expected to defer to vested interests. Industry sources, meanwhile, have stated that they haven’t the faintest idea what purpose this is supposed to serve and that it is clearly a harebrained scheme induced by hard liquor.

Luxusproblem

Der neue Gärtner lag entweder faul herum oder machte alles kaputt. Neulich hatte er sämtliche Blumen gefressen und dann auf die Terrasse geköttelt. Dabei hatte ihn der Elefant, der in Gerdas Porzellanladen arbeitet, nachdrücklich empfohlen. Gerda fürchtete, sie habe womöglich keine glückliche Hand bei der Auswahl ihres Personals.

Luxury problem – The new gardener either lazed around or ruined everything. Recently he ate all the flowers and then defecated on the terrace. The elephant who works in Gerda’s china shop strongly recommended him. Gerda feared that she might not have a good hand in selecting her staff.

Wie es wirklich war (44)

Nachdem Gott Noah endlich überzeugt hatte, die Arche zu bauen und der alte Trunkenbold es tatsächlich geschafft hatte, sich aus sämtlichen Zoos ein Paar jeder Spezis zu besorgen, außer ein paar wenigen, die schon bei der Schöpfung misslungen waren und um die es nicht schade sein würde, konnte Gott endlich mit der Sintflut beginnen. Doch als er die Himmelsschleusen öffnete, kam da nicht mehr als ein Rinnsal heraus. Anscheinend hatte man ihm das Wasser abgestellt! Das war ja unerhört. Natürlich hatte er die Rechnungen immer sofort weggeworfen, denn wo käme man denn da hin, wenn ER, der alles erschaffen hatte, für sein eigenes Wasser auch noch zahlen sollte? Diese Menschen waren wirklich durch und durch verkommene, undankbare Vollidioten! Damit sich diese peinliche Episode nicht herumsprach, ertränkte er Noah und seine blöden Viecher im Schwarzen Meer und erzählte später eine Version der Geschichte, die ihn in besserem Lichte dastehen ließ.

How it really was – After God had finally convinced Noah to build the Ark—and the old drunkard had actually managed to round up a pair of every species from all the zoos (except for a few botched creations from the dawn of time that wouldn’t be missed)—God could finally unleash the Great Flood. But when He opened the floodgates of heaven, nothing more than a trickle came out. Apparently, His water supply had been cut off! It was outrageous. Of course, He had always thrown the bills away immediately; after all, where would things end up if *He*—the Creator of everything—were expected to pay for His own water? Those humans were truly depraved, ungrateful morons, one and all! To keep word of this embarrassing episode from getting out, He drowned Noah and his stupid beasts in the Black Sea and later told a version of the story that cast Him in a better light.

Wo soll das alles enden?

Manche Menschen haben keine Lust, sich an Regeln des Anstands zu halten. Das ist wirklich keine Neuigkeit, das war schon immer so und kaum zu vermeiden. Dass nun aber auch die Kunst im öffentlichen Raum beginnt, sich daneben zu benehmen, haben wir mit Sicherheit dem schlechten Beispiel dieser Leute zu verdanken. Bisher kam es nämlich höchst selten vor, dass ein Kunstwerk wie dieses hier in Kopenhagen von seinem Sockel steigt und sich dann in aller Öffentlichkeit an einer Hauswand erleichtert. Ekelhaft! Und nun stellen Sie sich bitte vor, die Häuser selbst täten ein Gleiches!

Where will it all end? – Some people have no desire to observe the rules of decency. That is hardly news; it has always been the case and is all but unavoidable. Yet the fact that public art is now starting to misbehave as well is surely down to the bad example set by such people. After all, it has been extremely rare—until now—for a work of art like this one in Copenhagen to step down from its pedestal and relieve itself against a building wall in full view of the public. Disgusting! And now, just imagine if the buildings themselves were to do the same!

Erster Entwurf (1)

Aus einem abgelehnten Drehbuch: „In das Gefängnis für delinquente Möbel aus dem 19. Jahrhundert wird ein hochdekoriertes Feldbett aus dem amerikanischen Bürgerkrieg eingeliefert, das sich dort mit dem sadistischen Leiter der Polsterei anlegt. Das Feldbett organisiert die Mitgefangenen zu einer Streitmacht, die das System herausfordert.“ Angeblich wurde eine spätere Fassung dann mit Robert Redford in der Hauptrolle verfilmt. Man sieht: Selbst aus dem größten Schrott lässt sich noch etwas drechseln, das ein williges Publikum findet.

First Draft – From a rejected screenplay: “A highly decorated American Civil War cot is admitted to a prison for delinquent 19th-century furniture, where it clashes with the sadistic head of the upholstery workshop. The cot organizes its fellow inmates into a fighting force that challenges the system.” A later version was reportedly filmed starring Robert Redford. It just goes to show: even from the absolute worst rubbish, one can still fashion something that finds a willing audience.

Guter Rat (17)

Als Batman einmal vergessen hatte, dass er Batman war, und sich stattdessen für Superman hielt, musste er schmerzhaft erfahren, dass so eine kleine Verwechslung unangenehme Folgen haben kann. Da ist es gut, wenn man eine gute Krankenversicherung hat. Denken Sie das nächste Mal daran, bevor auch Sie sich so dumm anstellen.

Good Advice – When Batman once forgot he was Batman and thought he was Superman instead, he learned the hard way that such a mix-up can have unpleasant consequences. That’s when having good health insurance comes in handy. Keep that in mind next time, before you do something just as foolish.

Notfallmaßnahme

Die Bundesregierung gibt eine weitere Sparmaßnahme bekannt: Künftig seien aufgrund der wirtschaftlichen Lage alle Notfälle verboten. Man könne sich diesen Luxus nicht mehr leisten, schließlich leide darunter hauptsächlich die deutsche Wirtschaft. Die Leute sollten sich nicht so anstellen und sich ein Vorbild an früheren Generationen nehmen, die zwei Weltkriege überstanden hätten, ohne sich über die Folgen zu beklagen. Wenn das Dach in Flammen stehe oder der Krebs die Lunge zersetze, müsse man sich eben zusammenreißen und künftig besser aufpassen.

Emergency Measure – The federal government has announced another cost-cutting measure: henceforth, all emergencies are prohibited due to the economic situation. The country can no longer afford such a luxury; after all, it is primarily the German economy that suffers as a result. People should stop making a fuss and take a leaf out of the book of earlier generations, who survived two world wars without complaining about the consequences. If the roof is ablaze or cancer is eating away at one’s lungs, one simply needs to pull oneself together—and be more careful in the future.

Technik von gestern (12)

Forscher des Max-Planck-Instituts für angewandte Blödheitsforschung in München haben herausgefunden, dass natürliche Dummheit der künstlichen Intelligenz mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen ist. Indem man, anstatt energieintensive Datenfarmen zu errichten, sämtliche Idioten dieser Welt an einem Ort versammele, könne man die Gefahren, die von der KI wie von den Idioten ausgingen, fast vollständig minimieren. Wie die Forscher am Beispiel des Münchner Taxifahrers Franz M. demonstrierten, komme ein Idiot zu den gleichen Ergebnissen wie die KI, benötige dafür aber wesentlichen weniger Energie. Ein Verbot der KI sei jedoch eine Aufgabe, die den entsprechenden politischen Willen und internationale Zusammenarbeit voraussetze, ebenso wie Einweisung von Milliarden von Idioten in entsprechende Einrichtungen.

Yesterday’s Technology – Researchers at the Max Planck Institute for Applied Stupidity Research in Munich have discovered that natural stupidity is at least on a par with—if not superior to—artificial intelligence. By gathering all the world’s idiots in one place instead of building energy-intensive data farms, the dangers posed by both AI and idiots could be almost entirely minimized. As the researchers demonstrated using the example of Munich taxi driver Franz M., an idiot arrives at the same results as AI but requires significantly less energy to do so. However, banning AI is a task that requires the necessary political will and international cooperation—just as committing billions of idiots to appropriate facilities would.

Aus Scheiße Kunst machen bzw. umgekehrt

Was hier noch fehlt, fehlt eigentlich nur denen, die kaum jemandem fehlen würden, wenn sie endlich den Weg allen Fleisches gingen: Das Denkmal für den antisemischen Wiener Bürgermeister Karl Lueger wurde restauriert, um nun am ursprünglichen Ort am Stubentor um 3,5 Grad geneigt wieder auf den Sockel gestellt zu werden. Lueger ist zwar schon seit 1910 nicht mehr im Amt, aber es scheint immer noch Leute zu geben, die gerne an ihn erinnert werden wollen und andere, die zu glauben scheinen, dem Faschismus und Rassismus sei mit Konzeptkunst beizukommen. Wenn das stimmt, dann wird es höchste Zeit, überall im Land, in jedem Dorf, in jeder Stadt, ein künstlerisch verfremdetes Hitlerbildnis aufzustellen.

Turning shit into art—or vice versa – What is missing here is something only those would miss who themselves would hardly be missed if they finally went the way of all flesh: the monument to the antisemitic Viennese mayor Karl Lueger was being restored, only to be placed back on its pedestal these days at the original site near Stubentor—tilted at an angle of 3.5 degrees. Although Lueger has been out of office since 1910, there still seem to be people who want to be reminded of him, as well as others who apparently believe that fascism and racism can be tackled through conceptual art. If that is true, then it is high time to erect artistically altered images of Hitler all over the country—in every village and every city.

Fuck You! – Eine Menschheitsbeschimpfung (8)

Fußballgott
Zur Zeit ist ja Fußballweltmeisterschaft – gesegnet sei, für wen das eine Nachricht ist – und wenn man nicht aufpasst, wird man mit Eindrücken belästigt, die nicht geeignet sind, das seelische und körperliche Wohlbefinden zu erhalten. Sogenannte Fans, die selbst wenn man sie nur hören und nicht auch sehen und riechen kann, den Blutdruck steigen lassen, sind schon Zumutung genug, aber schlimmer noch sind die Hauptpersonen, die, nachdem sie einen Ball in ein Netz befördert haben, auf die Knie sinken, mit den Zeigefingern in der Luft herumfuchteln und ihrem Gott danken, dass er sie mit einem erfolgreichen Torschuss beschenkt hat. Die gleichen Figuren, die vor Beginn des Spiels eine Minute lang gelangweilt herumstehen und so tun, als würden sie der Opfer eines Erdbebens gedenken, sind überzeugt, dass es einen Gott gibt, der jene unter Trümmern begräbt und diesen den Fuß führt, auf dass sie ein Tor schießen. Und niemandem auf dem Feld, im Fernsehstudio oder vor den Bildschirmen scheint aufzustoßen, wie obszön das ist. Insofern finde ich es begrüßenswert, dass das Drogenkartell genannt FIFA seine Ware am liebsten in Diktaturen herstellen lässt. Eine Verbindung, die im Himmel geschlossen wurde.

Fuck You! – An Invective Against Humanity – Football God – It is currently the football World Cup—blessed be anyone for whom this counts as news—and if you aren’t careful, you get pestered with impressions hardly conducive to maintaining one’s mental and physical well-being. So-called fans—who make your blood pressure rise even if you can only hear them, without having to see or smell them—are an imposition in themselves; but worse still are the protagonists who, after propelling a ball into a net, drop to their knees, wave their index fingers in the air, and thank their God for gifting them a successful shot on goal. The very same figures who stand around bored for a minute before the match starts, pretending to commemorate earthquake victims, are convinced that there is a God who buries some people under rubble while guiding the feet of others so they can score a goal. And it doesn’t seem to strike anyone on the pitch, in the TV studio, or in front of the screens just how obscene this is. In this respect, I find it welcome that the drug cartel known as FIFA prefers to have its product manufactured in dictatorships. It’s a match made in heaven.