Wie in allen Bahnhofsvierteln der Welt spuckt auch der Wiener Westbahnhof viele schräge Gestalten aus, spült sie die Mariahilfer Straße hinab und damit auch ins Café Westend. Manche kommen offensichtlich von sehr weit her. Wer nach Wien reist und Geld hat, der geht meist in der Kärntner Straße shoppen; wer kein Geld hat, gibt es in der Mariahilfer Straße aus. Dafür bekommt man auch im Café Westend nicht viel, aber was zum Schauen immer.
At Café Westend in Vienna – As in all station districts the world over, Vienna’s Westbahnhof disgorges a host of eccentric characters, washing them down Mariahilfer Straße—and, in the process, right into Café Westend. Some, evidently, have traveled from very far away. Those who travel to Vienna with money in their pockets usually go shopping on Kärntner Straße; those with no money spend it on Mariahilfer Straße. For that money, you won’t get much at Café Westend—but there is always plenty to look at.
Amerikanische Sportwissenschaftler haben herausgefunden, warum das Turnen mit Ringen so seltsam aussieht. Es liegt an den Seilen, an denen die Ringe befestigt sind. Lässt man die Seile weg, gewinnt der Sportler viel an Bewegungsfreiheit und kann, so er in großer Höhe turnt, im Vergleich zum Turnen an Seilen, beim Abgang die zehnfache Anzahl an Salti zeigen! Leider hat der Athlet selten einen zweiten Versuch, aber der wissenschaftliche Fortschritt hat eben immer auch einen Preis.
Science News – American sports scientists have discovered why gymnastics on the rings looks so peculiar. The reason lies in the ropes to which the rings are attached. If the ropes are removed, the athlete gains a great deal of freedom of movement; indeed—provided they are performing at a sufficient height—they can execute ten times as many somersaults during their dismount compared to performing on ropes! Unfortunately, the athlete rarely gets a second attempt—but then again, scientific progress always comes at a price.
In der Mariahilferstraße wurde einige Jahre lang gebaut und dann einige Jahre lang nicht. Nun wird seit einigen Jahren abgerissen, was daran liegt, dass der Bauherr ein Ungustl war, der es verdienen würde, im tiefsten Verließ der Hofburg zu vergammeln. Aber gut, dass ein Immobilienspekulant kriminell ist, ist ja keine Nachricht. Sein eigentliches Vergehen war vielmehr, dass sein Luxuskaufhaus auf eine ekelerregend schmierige Weise mit dem Namen und dem Gesicht von Hedy Lamarr geworben hat. Die Lamarr war eine Hollywooddiva, die aus einer Wiener jüdischen Familie stammend in die USA ausgewandert und dort zu Ruhm gekommen war. Außerdem hat sie eine Funkfernsteuerung für Torpedos erfunden und maßgeblich dazu beigetragen, den Nazis in den Arsch zu treten und den Krieg zu gewinnen. Das daraus entwickelte Frequenzsprungverfahren hat später dann Bluetooth möglich gemacht. Die Frau ist also nicht irgendwer, sondern ziemlich einzigartig.
Das Lamarr jedoch wäre nicht mehr als irgendwas geworden, das kein Mensch braucht, weil es davon schon viel zu viel gibt. Das Grundstück wird nun von der „Stumpf-Gruppe“ bebaut. Der Name passt viel besser in die Gegend. Und darum wird in der Mariahilferstraße fleißig demoliert. „Ben-ko Ben-ko Ben-ko“ macht der Presslufthammer. Ein schönes Geräusch!
Hedy’s Revenge – For several years, construction was underway on Mariahilferstraße—and then, for several years, it wasn’t. Now, for the past few years, demolition has been the order of the day; this is due to the fact that the developer was a total scoundrel—the kind who deserves to rot in the deepest dungeon of the Hofburg. But then again, the fact that a real estate speculator turns out to be a criminal is hardly news. His true offense, rather, was that his luxury department store traded on the name and face of Hedy Lamarr in a disgustingly slimy manner. Lamarr was a Hollywood diva who, hailing from a Viennese Jewish family, had emigrated to the USA and achieved fame there. Furthermore, she invented a radio-controlled guidance system for torpedoes and played a pivotal role in helping to kick the Nazis in the ass and win the war. The frequency-hopping technology developed from this invention later paved the way for Bluetooth. So, this woman isn’t just *anyone*—she is truly unique. „The Lamarr,“ however, would have amounted to nothing more than just another piece of *stuff* that nobody needs, simply because there is already far too much of it in the world. The site is now being developed by the „Stumpf Group.“ That name fits the neighborhood much better. And that is why demolition work is proceeding apace on Mariahilferstraße. „Ben-ko, Ben-ko, Ben-ko,“ goes the jackhammer. A beautiful sound!
Die neogotische Votivkirche ließ Kaiser Franz Josef I. zum Dank für das misslungene Attentat von 1853 errichten. Im nebenan gelegenen Café Votiv gibt es guten Kaffee und wohlschmeckendes Zuckerwerk und man hat einen interessanten Ausblick auf das Zuckerbäckermonstrum, den Sigmund-Freud-Park, den Roosevelt-Platz und die Straße des 8. Mai. Da kommt einiges zusammen, was sicher nicht zusammengehört. Statt in der Hölle muss darum der Attentäter Libényi bis in alle Ewigkeit am Fenster sitzen und darüber sinnieren, was er da angerichtet hat. Ehrlich gesagt: Es gibt Schlimmeres.
At Café Votiv in Vienna – Emperor Franz Joseph I commissioned the construction of the Neo-Gothic Votivkirche as an act of thanksgiving for the failed assassination attempt of 1853. At the adjacent Café Votiv, one can enjoy good coffee and delicious confectionery, along with an intriguing view of that confectioner’s monstrosity, the Sigmund Freud Park, Roosevelt Square, and the Straße des 8. Mai. It is quite a jumble—a collection of elements that surely do not belong together. Consequently, rather than languishing in Hell, the would-be assassin Libényi is condemned to sit by the window for all eternity, contemplating the mess he has wrought. To be honest: there are worse fates.
Als das mit dem Internet richtig losging und besonders mit den sozialen Medien, waren die Bilder plötzlich so gefragt wie nie zuvor. Sie machten damit so viel Geld, dass sie bald schon in eine bessere Gegend ziehen konnten. Jetzt leben sie in einer riesigen Villa am Stadtrand, während das „Haus der Bilder“ nun seit Jahren angeblich leer steht. Tatsächlich leben dort einige Dutzend obdachloser Texte ohne Strom, Heizung und fließendes Wasser. Da niemand mehr lesen will, wurde ihnen von den Zeitungsverlagen gekündigt, denn den Raum zwischen den Anzeigen kann die KI viel billiger mit bunten Bildern füllen.
Social Decline – When the internet really took off—and especially with the advent of social media—images suddenly became more in demand than ever before. They made so much money that they were soon able to move to a better neighborhood. Now they live in a massive villa on the outskirts of the city, while the „House of Images“ has allegedly stood empty for years. In reality, however, several dozen homeless texts reside there—without electricity, heating, or running water. Since no one wants to read anymore, the newspaper publishers terminated their contracts; after all, AI can fill the space between the advertisements with colorful images far more cheaply.
Wer noch nie in Kreta war, muss gar nicht so weit in den Süden reisen, sondern fährt einfach nach Wien, wo es im 10. Bezirk ein kleines Grätzel gibt, das „Die Kreta“ heißt und einmal als die ärmste und gefährlichste Gegend Wiens galt. Natürlich gibt es hier keinen Strand und keine wilde Insellandschaft zu bestaunen, aber wer einige zehn Minuten an einer Ecke stehenbleibt und nichts weiter tut als zu schauen, wird sicher etwas sehen, das es auf keiner griechischen Insel zu sehen gibt.
Why travel so far? – If you’ve never been to Crete, you don’t have to travel so far south. Just go to Vienna, where in the 10th district there’s a small neighborhood called „the crete“, which was once considered the poorest and most dangerous area of Vienna. Of course, there’s no beach or wild island scenery to admire here, but if you stand on a corner for a few ten minutes and do nothing but look around, you’re sure to see something you won’t find on any Greek island.
Angesichts des wieder erstarkenden Faschismus könnte man durchaus die Hoffnung aufgeben wollen, dass die Menschheit doch einmal aus ihren Fehlern lernen wird, aber besser ist es, dem Wahnsinn mit Humor zu begegnen. Mit dieser Waffe kann man sie vielleicht nicht besiegen, aber da die Nazis bekanntlich keinen Humor haben, stirbt man wenigstens in der Gewissheit, als letzter gelacht zu haben.
Just don’t lose your head – In the face of resurgent fascism, one might be tempted to give up hope that humanity will ever learn from its mistakes, but it’s better to meet the madness with humor. This weapon might not defeat them, but since the Nazis are known to have no sense of humor, at least you’ll die knowing you had the last laugh. („To the loyal fighters against fascist tyranny“)
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