
Ambiguity intolerance – „Good night, Mama Emmi“ „Bye Bitch“
Texte und Bilder /// Texts and Images

Neulich hatte das Rathaus in Wien einen Albtraum, in dem ich eine unschöne Rolle spielte, und der mit der völligen Zerstörung des Gebäudes endete. Zum Glück war es nur ein Traum, aber seitdem spricht das Rathaus nicht mehr mit mir, was ich ziemlich mies finde, denn schließlich habe ich ihm nichts getan. Aber was will man auch erwarten von einem größenwahnsinnigen barock-neogotischen Zuckerbäckerzwitter.
Nightmare – Recently, Vienna’s City Hall had a nightmare in which I played a rather unpleasant role, and which ended with the building’s complete destruction. Luckily, it was only a dream, but since then, City Hall hasn’t spoken to me, which I find quite unfair, since I didn’t do anything to it. But what can you expect from a megalomaniacal, baroque-neo-gothic monstrosity?

Nach dem Einbruch in den Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen, bei dem sich die Diebe mit einem Spezialbohrer Zugang verschafft und dabei großen Schaden angerichtet haben, entscheiden sich nun viele Banken, dieses Risiko zu minimieren, indem sie den Zugang zu ihren Tresorräumen deutlich beschildern, gut ausleuchten und den Schlüssel stecken lassen, so dass Einbrecher nicht mehr gezwungen sind, wertvolle Bausubstanz zu zerstören.
Suggestion for improvement – Following the break-in at the Sparkasse Gelsenkirchen vault, where thieves gained access with a special drill and caused extensive damage, many banks are now deciding to minimize this risk by clearly marking the entrance to their vaults, illuminating them well, and leaving the key in the lock, so that burglars are no longer forced to destroy valuable building materials.

Wie das Fremdenverkehrsamt mitteilt, werden künftig in der Umgebung aller Sehenswürdigkeiten universal verständliche Hinweisgeber installiert, so dass die Touristen nichts mehr übersehen können und die Einheimischen nicht mehr mit dummen Fragen belästigen.
Our village should be more beautiful – According to the tourist office, universally understandable signage will be installed near all tourist attractions in the future, so that tourists can no longer miss anything and no longer bother locals with stupid questions.

Kein Kaffeehaus, aber zwischen zwei kleinen Braunen braucht man hin und wieder ein gutes Schnitzel. Der etwas aufgeschwemmte Kellner sieht naturgemäß aus wie Qualtingers Herr Karl, er redet aber zum Glück nicht so viel. Die andere Bedienung stellt mir ebenso wortlos einen Espresso hin, den ich nicht bestellt habe, und nimmt ihn wieder mit, als ich ihn trinken will. Vermutlich hat sie mir angesehen, dass ich gerade Kaffeejause hatte und keinen Kaffee brauchte. Wenn ich einen Kaffee bräuchte, würde ich auch lieber ins Sperl gehen, wo es tatsächlich einen Herrn Karl gibt, der aber nicht aussieht wie der Herr Karl, nicht mal wie ein junger Qualtinger. Wien scheint gerade a bissl durcheinander zu sein. – Endlich bringt der falsche Herr Karl ein richtiges Schnitzel und alles ist wieder gut.
At the Pfudl in Vienna – Not a coffee house, but between two espressos you need a good schnitzel every now and then. The somewhat bloated waiter naturally looks like Qualtinger’s Herr Karl, but thankfully he doesn’t talk as much. The other waitress, just as silently, puts an espresso I didn’t order in front of me and takes it away when I’m about to drink it. She probably noticed that I was just having a coffee break and didn’t need it. If I needed a coffee, I’d rather go to the Sperl, where there actually is a Herr Karl, but he doesn’t look like Herr Karl, not even like a young Qualtinger. Vienna seems to be a bit confused right now. Finally, the fake Herr Karl brings me a proper schnitzel, and everything is fine again.

Wie aus einem erst neulich aufgefundenen Briefwechsel der Gebrüder Kupelwieser hervorgeht, kündigte Franz Schubert, als er 1817 aus dem Lehrdienst ausschied und über kein Einkommen mehr verfügte, bei einer Sitzung der Unsinnsgesellschaft an, das Komponieren sein zu lassen und Kraftfahrzeugmechaniker werden zu wollen, denn darin liege die Zukunft. Die anderen Mitglieder der Unsinnsgesellschaft taten das freilich als Unsinn ab, zumal niemand eine Vorstellung davon hatte, was ein Kraftfahrzeug sein sollte. Bekanntlich gründete Schubert im Jahr darauf tatsächlich eine Werkstatt mit angeschlossener Garage, die jedoch von der Kundschaft schlecht angenommen wurde, da Schubert die Leute, die ihr Pferd reparieren oder unterstellen wollten, mit scheinbar unsinnigen Ansinnen wie einem Ölwechsel oder dem Austausch der Zündkerzen verstörte. Als wäre die Existenz des so früh verstorbenen Musikgenies nicht schon tragisch genug gewesen, erfuhr Schubert nie, wie weit er seiner Zeit voraus gewesen ist.
Art History News – As a recently discovered correspondence between the Kupelwieser brothers reveals, when Franz Schubert retired from teaching in 1817 and no longer had any income, he announced at a meeting of the Nonsense Society that he would give up composing and become a motor mechanic, because that was the future. The other members of the Nonsense Society dismissed this as nonsense, of course, especially since no one had any idea what a motor vehicle was supposed to be. As is well known, Schubert did indeed open a workshop with an attached garage the following year, but it was not well received by customers, as Schubert would disturb people who wanted to repair or stable their horses with seemingly nonsensical requests such as changing the oil or replacing the spark plugs. As if the existence of the musical genius who died so early wasn’t tragic enough, Schubert never learned how far ahead of his time he was.

An der Kette mit dem komischen Namen kommt man in Wien nicht vorbei, bzw. man kommt ständig an ihr vorbei, weil es in Wien und darüber hinaus gefühlt ca. 10.000 Filialen gibt, von denen vermutlich keine ein Sexshop ist, was ich aber nicht aus erster Hand bezeugen kann. In der Niederlassung am Naschmarkt, wo ich einen Espresso nehme und eine Flasche Wasser kaufe, fragt mich die hübsche Bedienung mit kokettem Augenaufschlag: „Frische Croissants?“ Ich würde eigentlich gerne ‚Ja’ sagen, aber am Ende könnte sie das falsch verstehen.
The Man Who Pampers – You can’t miss the chain with the strange name in Vienna, or rather, you pass it constantly, because there are what feels like about 10,000 branches in Vienna and beyond, probably none of which is a sex shop, although I can’t verify this firsthand. In the branch at Naschmarkt, where I’m getting an espresso and buying a bottle of water, the pretty waitress asks me with a flirtatious glance: „Fresh croissants?“ I’d actually like to say ‚yes,‘ but she might end up misunderstanding me.