Berechtigtes Anliegen

Mein Nachbar beklagt sich, dass es in letzter Zeit zunehmend zwei bis drei Leute seien, die seine Türe eintreten würden. Das halte er für unangemessen, darum habe er nun dieses Schild angebracht und hoffe auf Besserung. Ich bin da eher pessimistisch. Die Leute haben heutzutage kein Benehmen mehr.

Legitimate concern – My neighbor complains that lately on a more regular basis two or three people have been killing his door. He thinks that is inappropriate, which is why he has now attached this sign and hopes for improvement. I’m more pessimistic about that. People have lost their manners these days.

(On the sign: „Please enter only one person“. ‚eintreten‘ also means ‚to kick in and smash‘)

Aus dem Familienalbum (33)

Meine Mutter hatte sich schon immer einen Ententeich hinterm Haus gewünscht, was daran scheiterte, dass unser Garten nicht größer war als der Bierkasten, den mein Vater manchmal nach draußen stellte, um ihm dort Gesellschaft zu leisten, wenn ihm meine Mutter mit ihrem Gejammer über den nicht vorhandenen Ententeich wieder einmal auf die Nerven ging. Irgendwann hatte er es satt und als ich damals von der Schule kam, war ich doch sehr überrascht, hinter dem Haus nicht nur einen Teich, sondern einen See vorzufinden. Meine Mutter war gar nicht mehr zu beruhigen, ebensowenig die Nachbarn, die, von der Arbeit heimgekehrt, feststellen mussten, dass jemand (mein Vater) ihre Häuser abgeräumt hatte. „Hier habe ich wenigstens meine Ruhe“, meinte mein Vater, als ich ihn nach dem Prozess im Gefängnis besuchte.

From the family album – My mother had always wanted a duck pond behind the house, which failed because our garden was no bigger than the beer crate my father sometimes put outside to keep him company when my mother complained about the nonexistent duck pond once again. At some point he got tired of it and when I got home from school, I was very surprised to find not just a pond but a lake behind the house. My mother could not be calmed, and neither were the neighbors who, having returned home from work, found that someone (my father) had demolished their houses. „At least I have my peace here,“ said my father when I visited him in prison after the trial.

Stauffenberg!

Leider sind Sie ja damals gescheitert beim Versuch, den Diktator zu beseitigen. Hätten Sie sich mal lieber ein Vorbild an der aktuellen Widerstandsbewegung genommen, die Augenklappe unterm Kinn getragen und den Führer zu Tode gequatscht. Das fände ich bombig.

Stauffenberg!
Unfortunately, you failed at the time in your attempt to eliminate the dictator. If you’d rather have taken a role model from the current resistance movement, worn the eye patch under your chin and chatted the Führer to death. That would have blown me away.

Und übrigens, Mr. Bond!

Nun wurde also der Start Ihres neuesten Films erneut verschoben. Wäre es dann nicht sinnvoll, den Titel entsprechend zu ändern? Also zum Beispiel „Keine Zeit, ins Kino zu gehen“ oder besser noch „Keine Zeit für den Quatsch“. Geschüttelt: Titanic

And by the way, Mr. Bond!
So now the start of your latest movie has been postponed again. Wouldn’t it make sense then to change the title accordingly? For example, “No time to go to the cinema” or, better yet, “No time for nonsense”. Shaken: Titanic

Erschienen / published in Titanic 12/2020

Was bei der Schöpfung übrig blieb (12)

Nachdem Gott alle Tiere und den Menschen gemacht hatte, stellte er fest, dass er vielleicht doch noch einen Blick in seinen Plan hätte werfen sollen. Leider war da nun einiges durcheinander geraten, denn eigentlich hatte er vorgesehen, dem Menschen, der eh zu nichts taugte, einen unpraktischen Schnabel ins Gesicht zu setzen und der Krone der Schöpfung, den kleinen Spatzen, kräftige Zähne zu geben, damit sie den Menschen, der als ihr Beutetier vorgesehen war, auch gut zerkauen könnten. Stattdessen hatte er den Spatzen den Schnabel gegeben und dem Hai die scharfen Reißzähne und dem Menschen das eigentlich für die Hummeln gedachte strahlend weiße Lächeln. Dumm gelaufen, aber von vorne anzufangen, hatte er auch keine Lust. Sei’s drum! Das für den Menschen vorgesehene kariöse und verwachsene Gebiss, für das er nun keine Verwendung mehr hatte, ließ er darum am Abend auf dem Heimweg einfach in der U-Bahn liegen.

What was left over at creation – After God had made all animals and the man, he realized that maybe he should have taken a look at his plan after all. Unfortunately, a lot had gotten mixed up, because actually he had intended to put an impractical beak in the face of the man who was anyway no good for nothing and to give the crown of creation, the little sparrows, strong teeth so that they could chew well the man, which was intended as their prey. Instead, he had given the beak to the sparrows and the sharp fangs to the shark and the human being got the bright white smile what was actually intended for the bumblebees. Shit happens, but he didn’t feel like starting over. So be it! The carious and overgrown bit intended for the man, for which he no longer had any use, was therefore simply left in the subway in the evening on the way home.

Großartig, Mr. Connery!

Dass Sie noch vor dem Start des neuen Bond-Filmes „Keine Zeit zu sterben“ tatsächlich sterben, ist vermutlich die Sorte schottischer Humor, den die Engländer so lieben. Gerührt: Titanic

Great, Mr. Connery!
That you actually die before the start of the new Bond film „No Time to Die“ is probably the kind of Scottish humor that the English love so much. Stirred: Titanic

Erschienen / published in Titanic 12/2020