
The story so far
Texte und Bilder /// Texts and Images

Die CSU war lange die stärkste Fraktion im Stadtrat von München, inzwischen ist sie nur noch die zweitstärkste nach den Grünen. Man müsste sie doch loben, dass sie eine vernünftige Forderung stellt, angesichts der katastrophalen Wohnsituation in der Stadt. Wenn es nur eine Möglichkeit gäbe, dieses politische Ziel auch durchzusetzen, wo Grüne, SPD, Linke und alle anderen seit Jahrzehnten gegen bezahlbaren Wohnraum kämpfen. Die CSU steht da offenbar völlig allein. Dabei ist allgemein bekannt, dass die Kernwählerschaft der CSU, die Aubinger und Bogenhausener Erbengemeinschaften, die Hausbesitzer und Vermieter in München nichts so sehr wünschen wie bezahlbaren Wohnraum. Wenn die CSU dann im März die Mehrheit im Stadtrat zurückerobert hat, wird sie hoffentlich irgendwann auch einmal die Bayerische Staatsregierung und die Bundesregierung stellen und dort dafür sorgen, dass die gesetzlichen Grundlagen für bezahlbaren Wohnraum geschaffen werden.
How the CSU envisions its voters (presumably with good reason) – The CSU was long the strongest faction in Munich’s city council; now it’s only the second strongest after the Greens. One would think they should be commended for making a sensible demand, given the catastrophic housing situation in the city. If only there were a way to actually achieve this political goal, given that the Greens, SPD, Left Party, and everyone else have been fighting against affordable housing for decades. The CSU appears to be completely alone in this. It’s common knowledge that the CSU’s core electorate—the heirs of Aubing and Bogenhausen, the homeowners and landlords in Munich—desire nothing more than affordable housing. If the CSU manages to regain its majority in the city council in March, hopefully it will one day form the Bavarian state government and the federal government, ensuring that the legal framework for affordable housing is established.

Der Klimawandel hat auch unerwartete Folgen. Immer mehr Bäume werden aus Verzweiflung über die miesen Zukunftsperspektiven kriminell. Manche gehen sogar so weit, mit schweren Ästen nach Passanten zu werfen. Da die städtische Baumschutzverordnung das Fällen von Bäumen selbst bei Kapitalverbrechen bisher nicht vorsieht, helfen sich die Behörden vorerst durch polizeiliche Maßnahmen wie Einzelhaft hinter einem massiven Zaun oder durch Fußfesseln. Der Gesetzgeber ist aufgefordert, endlich tätig zu werden.
News from the Botanical World – Climate change is having unexpected consequences. Increasingly, trees are becoming criminals out of despair over the bleak future. Some are even going so far as to throw heavy branches at passersby. Since the city’s tree protection ordinance doesn’t currently allow for the felling of trees, even in cases of serious crimes, the authorities are resorting to police measures such as solitary confinement behind a heavy fence or the use of leg irons. The legislature is urged to finally take action.

Am Max-Planck-Institut Kufstein wurde zum ersten Mal der sogenannte Tunnelblick fotografisch dokumentiert. Das benachbarte Max-Planck-Institut Kiefersfelden versucht nun herauszufinden, welcher Fachidiot dafür verantwortlich ist und was derjenige sich dabei gedacht hat. Nachfragen könnten nicht beantwortet werden, weil man gerade sehr beschäftigt sei. „Können Sie das denn nicht sehen?“
Science News – At the Max Planck Institute in Kufstein, the so-called „tunnel vision“ phenomenon has been photographically documented for the first time. The neighboring Max Planck Institute in Kiefersfelden is now trying to find out which narrow-minded specialist is responsible and what they were thinking. They are unable to answer inquiries because they are currently very busy trying to figure that out – „Could’t you see that?“

Nachts hängt der Mond an einer Ecke herum und lauert auf die Mondsüchtigen, denen er den Stoff ihrer Träume verkauft und auf die Mondkälber und Verrückten, die er zu seinem Amüsement auf Abwege leitet.
The moon lurks – At night, the moon hangs around a corner, lurking for the moonstruck, to whom he sells the stuff of their dreams, and for the mooncalves and lunatics whom he leads astray for his amusement.

Während Herrchen und Frauchen tief schlafen, ziehen die Hunde um die Häuser und in die Clubs. Das hier ist die beliebteste location, aber der Türsteher ist ein harter Knochen.
What dogs get up to at night – While their owners are asleep, the dogs roam the streets and go to the clubs. This is the most popular spot, but the bouncer is a tough nut to crack.

Früher, in der alten Bundesrepublik, wurde man bisweilen von alten Männern mit Schaum vor dem Mund angeblafft, ob man denn überhaupt gedient habe. Dann teilten sie einem mit leuchtenden Augen mit, wie sehr sie in Stalingrad gelitten hätten, wussten aber wenig darüber, was sie dort eigentlich zu suchen hatten. Wenn heute alte Männer von ihrem harten Dienst berichten, dann bezieht sich das auf eine Zeit, als die Post noch eine Behörde und nicht nur eine Zumutung war und der Dienst darin bestand, mit dem nicht elektrifizierten Fahrrad durch tief verschneite Straßen zu pflügen. Erfrierungen waren dennoch selten. Mit dem Wenigen, das ich aus meinem Zivildienst erzählen kann, kann ich keine Krankenpflegerin beeindrucken, die an einem Tag mehr Wahnsinn sieht als ich in den fast zwei Jahren. – Lange sah es so aus, dass die heutige Jugend ihren Enkeln höchstens noch von seltsamen Erlebnissen als Bedienung in der Kneipe berichten könnte. Doch der zivilisatorische Rückschritt wird diese Generation womöglich an die Orte führen, an denen ihre Urgroßväter nur ihre Pflicht erfüllt haben, mindestens aber in eine Mehrbettstube, wo ihnen der Stubenälteste das Saufen beibringen wird.
A Picture from Another Time – Back in the old Federal Republic, you’d sometimes be barked at by old men, foaming at the mouth, asking if you’d even served. Then, with shining eyes, they’d tell you how much they’d suffered in Stalingrad, but knew little about what they’d actually been doing there. When old men talk about their arduous service today, it refers to a time when the post office was still a government agency and not just a nuisance, and the service consisted of plowing through deep snow-covered streets on a non-electric bicycle. Frostbite was rare, though. With the little I can recount from my civilian service, I can’t impress a nurse who sees more madness in a single day than I did in almost two years. – For a long time, it seemed that today’s youth would only be able to tell their grandchildren about strange experiences working in service at a pub. But civilizational regression may lead this generation to the places where their great-grandfathers only fulfilled their duty, or at least to a shared room where the room elder will teach them how to booze. („German Post Office, In-service training“)