Fuck You! – Eine Menschheitsbeschimpfung (8)

Fußballgott
Zur Zeit ist ja Fußballweltmeisterschaft – gesegnet sei, für wen das eine Nachricht ist – und wenn man nicht aufpasst, wird man mit Eindrücken belästigt, die nicht geeignet sind, das seelische und körperliche Wohlbefinden zu erhalten. Sogenannte Fans, die selbst wenn man sie nur hören und nicht auch sehen und riechen kann, den Blutdruck steigen lassen, sind schon Zumutung genug, aber schlimmer noch sind die Hauptpersonen, die, nachdem sie einen Ball in ein Netz befördert haben, auf die Knie sinken, mit den Zeigefingern in der Luft herumfuchteln und ihrem Gott danken, dass er sie mit einem erfolgreichen Torschuss beschenkt hat. Die gleichen Figuren, die vor Beginn des Spiels eine Minute lang gelangweilt herumstehen und so tun, als würden sie der Opfer eines Erdbebens gedenken, sind überzeugt, dass es einen Gott gibt, der jene unter Trümmern begräbt und diesen den Fuß führt, auf dass sie ein Tor schießen. Und niemandem auf dem Feld, im Fernsehstudio oder vor den Bildschirmen scheint aufzustoßen, wie obszön das ist. Insofern finde ich es begrüßenswert, dass das Drogenkartell genannt FIFA seine Ware am liebsten in Diktaturen herstellen lässt. Eine Verbindung, die im Himmel geschlossen wurde.

Fuck You! – An Invective Against Humanity – Football God – It is currently the football World Cup—blessed be anyone for whom this counts as news—and if you aren’t careful, you get pestered with impressions hardly conducive to maintaining one’s mental and physical well-being. So-called fans—who make your blood pressure rise even if you can only hear them, without having to see or smell them—are an imposition in themselves; but worse still are the protagonists who, after propelling a ball into a net, drop to their knees, wave their index fingers in the air, and thank their God for gifting them a successful shot on goal. The very same figures who stand around bored for a minute before the match starts, pretending to commemorate earthquake victims, are convinced that there is a God who buries some people under rubble while guiding the feet of others so they can score a goal. And it doesn’t seem to strike anyone on the pitch, in the TV studio, or in front of the screens just how obscene this is. In this respect, I find it welcome that the drug cartel known as FIFA prefers to have its product manufactured in dictatorships. It’s a match made in heaven.

Nicht nur die Linke hat dieses Problem

Auch auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Tauben konnte man sich nicht auf eine Position zu Israel einigen. Nachdem die besonders aggressiven Friedenstauben unter Protest die Versammlung verlassen haben, beschloss die graue Mehrheit, dass man sich auch künftig einfach dem Kerngeschäft widmen werde. Auf Bäumen und Dächern sitzen und alles vollscheißen sei schon genug zu tun. Um anderes sollten sich eben andere kümmern.

It’s not just the Left that has this problem – At this year’s annual general meeting of the pigeons, they, too, failed to agree on a stance regarding Israel. After the particularly aggressive peace doves walked out of the meeting in protest, the grey majority decided to simply stick to their core business in the future. Sitting on trees and rooftops and shitting all over everything was work enough, after all; other matters should be left to others.

Im Café Weidinger in Wien

Man soll ja bekanntlich nicht alles glauben, was in der Presse steht. Eine Wiener Wochenzeitung zum Beispiel weiß über das Weidinger zu berichten, dass es in seinem Untergeschoß über Räumlichkeiten verfügt, vermutlich im Gegensatz zu anderen Lokalen, deren Keller mit Beton verfüllt sind. Und was soll ich sagen, die Wochenzeitung hat Recht. Ich bin aber nicht wegen des Kellers hingegangen und auch nicht deswegen geblieben, sondern weil sich im Geschoß über dem Untergeschoß ein sehr charmantes, weil schon arg angeranztes Café befindet, das sich als Bühnenbild für „La Bohème“ hervorragend eignen würde. Eigentlich ist es egal, weshalb man hingeht, weil man eh so lange hocken bleibt, bis einen die Schwindsucht in ein anderes Untergeschoß befördert.

At Café Weidinger in Vienna – As the saying goes, you shouldn’t believe everything you read in the press. One Viennese weekly, for instance, reports that the Weidinger actually has usable rooms in its basement—presumably unlike other establishments where the cellars have been filled with concrete. And what can I say? The weekly is right. Yet I didn’t go there for the cellar, nor did I stay for that reason; I stayed because the floor above the basement houses a café that is charming precisely because it is so wonderfully shabby—a place that would make a perfect set for *La Bohème*. In the end, it doesn’t really matter why you go, because you’re bound to sit there until consumption carries you off to a different kind of underground.

Neues aus der Wissenschaft (62)

Bildungsforscher der Universität Bad Aibling haben herausgefunden, dass der Begriff ‚Schule‘ zunehmend negativ besetzt werde und schlagen daher vor, ihn durch objektivere Begriffe zu ersetzen. Wirklich verbessern könne man am System eh nichts und ihr Vorschlag sei immer noch der kostengünstigste.

Science News – Education researchers at the University of Bad Aibling have found that the term „school“ is increasingly taking on negative connotations and therefore propose replacing it with more objective terms. In any case, nothing about the system can really be improved, and their proposal remains the most cost-effective option. („learning place“)

Schilder, die bald nicht mehr gebraucht werden (10)

Immer mehr Kommunen klagen über die hohen Kosten, die verschimmelte Straßenschilder und Ampeln verursachen, berichtet der Deutsche Städtetag. Der Austausch koste Milliarden, aber viele Schilder seien schon nach einer Woche erneut unbrauchbar. Zudem komme, dass die durch Motten verursachten Haushaltslöcher besonders in finanzschwachen Kleinstädten nicht mehr gestopft werden könnten. Der Gesetzgeber müsse nun darüber nachdenken, ob man die Straßenverkehrsordnung nicht einfach komplett abschaffen könnte.

Signs that will soon be obsolete – An increasing number of municipalities are complaining about the high costs caused by moldy street signs and traffic lights, reports the Association of German Cities. Replacing them costs billions, yet many signs become unusable again after just a week. Furthermore, the budget gaps caused by moths can no longer be plugged, particularly in financially weak small towns. Lawmakers must now consider whether the road traffic regulations could simply be abolished altogether.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (17)

Als Gott endlich fertig war mit der Schöpfung, denn tatsächlich hatte er es schon seit Mittwoch gründlich satt und sehnte sich nach dem Wochenende, stellte er fest, dass er wohl doch ein oder zwei Zigarettenpausen zu viel gemacht hatte. Die Müllabfuhr würde erst in etwa vierzehn Milliarden Jahren kommen, solange konnte der Dreck nicht draußen vor der Tür liegen bleiben! Darum machte er noch schnell die Deutsche Bahn und alle ihre Bahnhöfe, um den Dreck gleichmäßig verteilen zu können. Als auch das erledigt war, konnte er endlich in Ruhe eine rauchen.

What Was Left Over from Creation – When God finally finished with Creation—having actually been thoroughly fed up with it since Wednesday and longing for the weekend—he realized he had perhaps taken one or two too many cigarette breaks. The garbage collectors wouldn’t be coming for another fourteen billion years or so, and the rubbish couldn’t just sit out on the doorstep that long! So, he quickly created Deutsche Bahn and all its train stations to distribute the mess evenly. Once that was done, too, he could finally have a smoke in peace.

Technik von gestern (11)

Zu Recht nicht durchsetzen konnte sich das Konzept des sogenannten „Smart Home“, da es eigentlich niemanden gibt, der es mag, wenn alles, was man sagt und tut von der eigenen Wohnung kommentiert wird. Wobei die meisten Menschen es vermutlich noch viel weniger mögen, wenn die Wohnung viel smarter ist als man selbst. Eine Umfrage unter Smart Homes hat außerdem ergeben, dass die meisten ihre Bewohner tatsächlich für Vollidioten halten.

Yesterday’s Technology – The concept of the so-called „smart home“ rightly failed to catch on, as hardly anyone enjoys having everything they say and do commented on by their own living space. Then again, most people probably dislike it even more when their home is significantly smarter than they are. Furthermore, a survey of smart homes revealed that most of them actually consider their occupants to be complete idiots. („nice!“)

Fast ein Wunder

Nach seiner Auferstehung ist Jesus gar nicht zum Himmel aufgefahren – das haben die Jünger später nur erzählt, weil die Wahrheit viel profaner ist – sondern hat sich in Bad Kötzting vier Wochen Reha inklusive Yoga-Kurs gegönnt. Die Kreuzschmerzen sind seitdem wie weggeblasen.

Almost a Miracle – After his resurrection, Jesus didn’t actually ascend to heaven—the disciples only told that story later because the truth is far more mundane—but instead treated himself to four weeks of rehab in Bad Kötzting, yoga class included. His lower back pain has vanished completely since then.