Das Warten hat ein Ende!

Hervorgehoben

Ich freue mich mitteilen zu dürfen, dass mein neues Buch „Wien von Alt bis Zartl“ erschienen ist. In den vergangenen drei Jahren habe ich die schönsten und schrägsten Wiener Kaffeehäuser besucht und dabei Zeichnungen und Texte angefertigt, die nun auch gedruckt vorliegen. Falls Sie jetzt schon ein Weihnachtsgeschenk benötigen oder sicher sind, dieses Jahr keines erwarten zu dürfen: Machen Sie sich selbst eine Freude und erwerben Sie dieses Buch. Oder besser noch: Nehmen Sie es mit nach Wien! – Auch als e-book und bald in englischer Sprache. – Bestellbar im lokalen Buchhandel oder hier im BoD-bookshop.

The wait is over! – I am delighted to announce the release of my new book, *Wien von Alt bis Zartl*. Over the past three years, I have visited Vienna’s most beautiful and quirky coffeehouses, creating drawings and texts that are now available in print. Whether you need a Christmas gift right now or are certain you won’t be receiving one this year, treat yourself to a copy. Or better yet: take it along with you to Vienna! – Also as an e-book and, before long, in English as well. – Available to order from local bookstores or here in the BoD bookshop.

Früher war nicht alles schlecht

Vor 80 Jahren zum Beispiel war in der Markuskirche in Venedig anscheinend so wenig los, dass man ungestört seinen Namen in den Stein ritzen konnte. Heute treten einem die anderen Touristen auf die Füße und wenn man sein Messer auspackt, fangen sie an zu schreien und trampeln sich gegenseitig zu Tode. Wie soll man denn in so einer Welt noch Spuren hinterlassen?

Not everything used to be bad – Eighty years ago, for instance, St. Mark’s Basilica in Venice was apparently so quiet that one could carve one’s name into the stone undisturbed. Today, other tourists step on your feet, and if you pull out your knife, they start screaming and trample each other to death. How is one supposed to leave a mark in a world like that?

Neues von Gott (3)

Weil Gottvater eher so der Outdoortyp ist, verbringt er die Sommerferien gerne auf der Weide, wo man nichts anderes zu tun hat als in die Landschaft zu schauen, zu grasen, ab und zu einen bisschen zu traben und am Nachmittag ein paar Äpfel fallen zu lassen. Weil seine beiden anderen Personen das wie immer zu langweilig finden und schon nach ein paar Stunden anfangen zu maulen, achtet er darauf, immer dort zu äpfeln, wo die beiden gerade grasen. Wenn sie dann ein langes Gesicht machen, könnte er wiehern vor Freude, aber Gottvater ist eben doch eher ein stiller Genießer.

News from God – Since God the Father is something of an outdoorsy type, he likes spending his summer holidays out in the pasture, where there is nothing to do but gaze at the landscape, graze, trot a little now and then, and drop a few apples in the afternoon. Because his other two personas find this boring—as always—and start grumbling after just a few hours, he makes sure to drop his apples right where the other two happen to be grazing. When they pull long faces, he could neigh with delight, but God the Father is, after all, the sort who prefers to savor things quietly.

Zu verschenken (3)

Man muss mit Respekt betrachten, dass hier jemand ganz offensichtlich extrem unentspannt gewesen sein muss und es dennoch geschafft hat, sich davon frei zu machen. Ich bezweifle aber, dass sich einer findet, der Bedarf hat.

Free to a good home – One has to respect the fact that the person involved was quite obviously extremely uptight at the time, yet managed to break free from that state. I doubt, however, that anyone will be found who has a use for it.

Wie es wirklich war (45)

Als der dänisch-spanische Edelmann Kalle del Becher im Frühjahr 1699 im Auftrag des spanischen Königs Karl II, nach Venedig kam, um in großen Mengen kommende Getreideernten für das an einer Hungersnot leidende Spanien aufzukaufen, musste er einerseits feststellen, dass die ihm zur Verfügung gestellten Mittel zwar beachtlich waren, aber zu gering, um die Venezianer zu überzeugen, die Handelsverträge mit Frankreich und Österreich zu kündigen, die ebenfalls unter Getreidemangel litten. Andererseits war er sehr geschmeichelt, als er eines Tages durch die Stadt irrend, entdeckte, dass man, ohne ihm etwas zu sagen, eine Gasse nach ihm benannt hatte, die zwar unscheinbar und schmal war, aber ohne Zweifel seinen Namen trug. Als er sich während der nächsten Audienz im Dogenpalast für die große Ehre bedankte, sah man ihn verständnislos und belustigt an und schickte ihn mit einem Schulterklopfen und der Empfehlung, das nächste Mal eine größere Börse mitzubringen, wieder nach Hause. In Spanien angekommen, musste er gestehen, keinen Erfolg gehabt zu haben, schmückte seine Erzählung aber mit der ihn betreffenden Anekdote, was den geistesschwachen König Karl in solches Entzücken versetzte, dass er in lautes Lachen und Frohlocken ausbrach und eine ganze Woche lang nicht damit aufhören wollte. Der Hofstaat musste natürlich, ob er wollte oder nicht, darin einstimmen. Die Nachricht, dass der König und der Adel sich trotz der furchtbaren Hungersnot so prächtig amüsierten, führte kurz darauf zu einem Aufstand in Madrid, dem Sturz des regierenden Ministers, der Stärkung der profranzösischen Fraktion am Hofe und nach dem Tode des kinderlosen Karl im Jahr darauf schließlich zum Spanischen Erbfolgekrieg, in dessen erster Schlacht bei Carpi der Conte del Becher, der, ohne es je erfahren zu haben, aufgrund seiner Unkenntnis des venezianischen Dialekts und seiner Eitelkeit einen mehr als 13 Jahre langen gesamteuropäischen Konflikt ausgelöst hatte, von einem herabfallenden Ast erschlagen wurde.

How it really was – When the Danish-Spanish nobleman Kalle del Becher arrived in Venice in the spring of 1699—commissioned by King Charles II of Spain to purchase large quantities of upcoming grain harvests for a famine-stricken Spain—he found, on the one hand, that the funds placed at his disposal, while substantial, were insufficient to persuade the Venetians to cancel their trade agreements with France and Austria, both of which were also suffering from grain shortages. On the other hand, he was deeply flattered when, while wandering through the city one day, he discovered that—without anyone having told him—an alleyway had been named after him; it was admittedly narrow and unassuming, but it undoubtedly bore his name. When he expressed his gratitude for this great honor during his next audience at the Doge’s Palace, he was met with looks of bewilderment and amusement; he was then sent on his way with a pat on the back and a recommendation to bring a larger purse next time. Upon his return to Spain, he had to admit his failure, yet he embellished his account with the anecdote concerning the alleyway—a story that delighted the feeble-minded King Charles so much that he burst into loud laughter and rejoicing, refusing to stop for a full week. Naturally, the courtiers were obliged to join in, whether they wished to or not. The news that the king and the nobility were amusing themselves so lavishly despite the terrible famine led shortly thereafter to an uprising in Madrid, the fall of the ruling minister, and the strengthening of the pro-French faction at court; following the death of the childless Charles the next year, it ultimately resulted in the War of the Spanish Succession—during the first battle of which, at Carpi, the Conte del Becher was killed by a falling branch, having—without ever realizing it—triggered a pan-European conflict lasting more than thirteen years due to his vanity and his ignorance of the Venetian dialect.