Der Untergang des Abendlandes (1)

In was für einer Welt leben wir eigentlich, in der man seine Mitmenschen daran erinnern muss, dass es unhöflich ist, mehr als eine Person aufzuhalten?

The decline of the West
What kind of world do we actually live in where you have to remind your fellow human beings that it is rude to stop more than one person?

(It’s just a silly play on words with the double meaning of ‚being in a place‘ and ‚to stop someone‘)

Aus dem Familienalbum (30)

Ein Onkel meiner Mutter war schon in jungen Jahren so vergesslich, dass er sich nicht einmal seinen eigenen Namen merken konnte, der seitdem auch in Vergessenheit geriet. Er behalf sich damit, dass er sämtliche Dinge in seiner Umgebung beschriftete, bis er feststellte, dass er nun zwar das Haus nicht mehr mit dem Auto verwechselte, aber dennoch nicht mehr wusste, wo er das Auto abgestellt hatte. Als er seine Frau und seine Kinder fragte, ob man denn nicht die Namensschilder, die sie auf der Stirn tragen mussten und die immer wieder herabfielen, deshalb durch Tätowierungen ersetzen sollte, reichte seine Frau die Scheidung ein. Er hat es aber sogleich vergessen. Welch ein Segen.

From the family album (30)
One of my mother’s uncle was so forgetful at a young age that he couldn’t even remember his own name, which has since been forgotten. He managed with it by labeling everything around him until he realized that he no longer mistook the house for the car, but still could not remember where he had parked the car. When he asked his wife and children if the name tags they had to wear on their foreheads, which kept falling off, should be replaced with tattoos, his wife filed for divorce. But he immediately forgot. What a blessing.

Lästig

In den letzten Tagen hat es so viel geregnet, dass ich die Sonne zum Trocknen aufhängen musste.

Annoying – It has rained so much in the past few days that I had to hang out the sun to dry.

Aus dem Familienalbum (29)

Meine Eltern sind ja beide Künstler. Bis zu ihrer Scheidung kommunizierten sie nur noch mittels abstrakter Rauminstallationen, die aus einem bestimmten Winkel betrachtet sich zu vulgären Ausdrücken und Drohungen formten. Ich vermute, dass meine Abneigung gegenüber moderner Kunst damit zusammenhängt.

From the family album
My parents are both artists. Until their divorce, they only communicated by means of abstract room installations that, viewed from a certain angle, formed into vulgar expressions and threats. I suspect my dislike of modern art is related to this.

Hallo #BesserWeiter,

du bist eine bundesweite Kampagne, mit der Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs das Vertrauen der Fahrgäste zurückgewinnen wollen. Das ist lobenswert und vernünftig. Dass du das mit diesem Horrorclown schaffst, bezweifle ich jedoch. Trotzdem: Ist genau mein Ding. Creepy Grüße!

Hello #BesserWeiter,
You are a nationwide campaign with which the federal government, the federal states, local government associations and local public transport companies want to regain the trust of passengers. That is commendable and sensible. However, I doubt that you can do it with this horror clown. Still: it’s exactly my thing. Creepy greetings!

(On the billboard: „Being sensible. Exactly my thing. Better onwards with a mask“)

So geht es in Bayern zu

In der Kantine der Bayerischen Staatskanzlei genießen nur der Ministerpräsident und sein kleiner Koalitionspartner von den Freien Wählern das Privileg von einem eigenen Teller zu essen. Hier sieht man diese an Haken an der Wand befestigt, den Häkchen zur Mahnung, dass sie sich nur recht schön krümmen mögen, auf dass auch sie einmal einen eigenen Teller bekämen. Das Fußvolk bekommt aber immerhin einen Holzlöffel, mit dem sie einmal in den großen Topf eintauchen dürfen, freilich streng dem Dienstgrad folgend. Wenn die untersten Ränge dran sind, ist der Topf aber meist schon leer.

That’s how it goes in Bavaria
In the canteen of the Bavarian State Chancellery, only the Prime Minister and his little coalition partner of the Free Voters enjoy the privilege of eating from their own plate. Here you can see them attached to hooks on the wall, as a reminder for the hooklets that they should only bend nicely so that they too would get their own plate one day. The staff at least gets a wooden spoon with which they can dip into the large pot, strictly following their rank. When it comes to the bottom ranks, the pot is usually empty.

Famose Erfindungen (3)

Dieses neuartige Dach wurde neulich auf der Erfindermesse mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und beweist, dass man es doch allen recht machen kann. Es ist geeignet für Wasserscheue, da es zumindest einen Teil des Regens abhält, erfreut aber auch den Sonnenfreund, der sich ein lustiges Streifenmuster auf die Haut bräunen lassen kann.

Excellent inventions
This innovative roof was recently awarded the audience prize at the inventors‘ fair and proves that you can please everyone. It is suitable for people who are afraid of water, as it keeps at least part of the rain away, but also delights the sun lover, who can get a funny stripe pattern on his skin.

Aus dem Familienalbum (28)

Als der Sohn einer Cousine meiner Mutter im Kunstunterricht aus selbst gemischtem Mörtel Porträts seiner Eltern an die Wand modellierte, glaubte der Lehrer ein geborenes Genie in dem kleinen Jungen erkannt zu haben, der in der ersten Klasse schon einen Picasso in den Schatten stellte. Er lud einen bekannten Galeristen und Kunstkritiker ein, das Werk zu begutachten. Dieser lobte die archaische und unverfälschte Ästhetik. Der Galerist rief sogleich die Eltern des Jungen an und fragte, ob er das Werk denn nicht kaufen dürfe. Die Cousine war natürlich sehr erfreut, doch als sie und ihr Mann den Kunsthändler aufsuchten, traf diesen vor Schreck der Schlag. Der Junge ist später dann Maurer geworden und man sagt, seine Mauern seien sehr ähnlich.

From the family album
When the son of one of my mother’s cousins modeled portraits of his parents on the wall in art class from self-mixed mortar, the teacher believed he had recognized a born genius in the little boy, who already outshone a Picasso in first grade. He invited a well-known gallery owner and art critic to examine the work, who praised the archaic and unadulterated aesthetics. The gallery owner immediately called the boy’s parents and asked if he shouldn’t buy the work. The cousin was of course very pleased, but when she and her husband went to the art dealer, it gave him a heart attack. The boy later became a bricklayer and it is said that his walls are very alike.

Besser als nichts

Nach jahrelanger Ausbildung und vielen Entbehrungen freute sich Schmidt auf den Tag, an dem er endlich belohnt und die Karriereleiter hinaufsteigen werden würde. Die Enttäuschung war freilich groß als man ihm seine ‚Leiter’ zeigte. Naja. Oben schien immerhin ein, zwei Minuten länger die Sonne.

Better than nothing
After years of training and many hardships, Smith was looking forward to the day when he would finally be rewarded and climb the career ladder. The disappointment was of course great when he was shown his ‚ladder‘. Well, at least the sun shone a minute or two longer upstairs.