Neues aus dem Wald (11)

Was manche nicht wissen, ist, dass viele Bäume furchtbar unter Karies leiden, aber aus verschiedenen Gründen nicht zum Zahnarzt gehen wollen. Darauf angesprochen rechtfertigen sie sich damit, dass sie an ihrem Standort tief verwurzelt seien und den Wald gar nicht verlassen könnten, aber einem Flachwurzler muss man das nun wirklich nicht glauben. Andere geben vor, es sei gar nicht schlimm und sie würden eh nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Tatsächlich schämen sie sich, weil sie glauben, Bäume dürften keine Schwäche zeigen, ohne befürchten zu müssen, gleich ins Sägewerk geschickt zu werden. Diese Haltung führt dann erst dazu, dass sie innerlich so sehr verrotten, dass es nicht einmal mehr fürs Sägewerk reicht. Dass im Wald immer noch der Machismo der 1950er Jahre verbreitet ist, zeigt, dass es grundfalsch war, die Forsten jahrzehntelang allein unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit zu betrachten.

News from the forest – What some don’t know is that many trees suffer terribly from tooth decay, but for various reasons they don’t want to go to the dentist. When asked about this, they justify themselves by saying that they are deeply rooted in their location and cannot leave the forest at all, but you really don’t have to believe that statment by a shallow root tree. Others pretend that it doesn’t matter and that they only consume liquid food anyway. In fact, they are ashamed because they believe trees shouldn’t show weakness without fear of being sent to the sawmill. This attitude then leads to the fact that they rot inside so much that it even won’t do for the sawmill. The fact that the machismo of the 1950s is still widespread in the forest shows that it was fundamentally wrong to look at forests solely from the point of view of economic efficiency for decades.

Aus Prinzip nicht

Wir wissen, was Bert Brecht über Banken gesagt hat, und der Mann hatte natürlich Recht. Nun habe ich eine Bank entdeckt, die scheinbar eine Ausnahme darstellt, denn jedes Mal wenn ich daran vorbeigehe, stehen dort einige Pfandflaschen, oft im Wert von einem Euro oder mehr. Ich könnte sie mir einfach nehmen und hätte Zinsen bekommen, ohne etwas eingezahlt zu haben. Dennoch lasse ich die Flaschen stehen, denn ich traue keiner Bank und will mit denen möglichst nichts zu tun haben.

On principle not – We know what Bert Brecht said about banks, and of course the man was right. Now I have discovered a bank that seems to be an exception, because every time I pass it, there are some returnable bottles, often worth one euro or more. I could just take it and get interest without placing a deposit. Still, I leave the bottles because I don’t trust any bank and don’t want to have anything to do with them.

Vermutung bestätigt

Auf einem Spaziergang habe ich diesen Rettungstreffpunkt entdeckt. Seitdem bleibe ich immer mal wieder stehen und warte. Neulich habe ich ein dickes Buch mitgenommen und ein paar Stunden dort verbracht, aber nichts ist passiert. Ich hatte ja schon immer den Verdacht, dass ich nicht zu retten bin. Es hat auch etwas von einer Katharsis.

Assumption confirmed – I discovered this rescue meeting point on a walk. Since then I have stopped and waited every now and then. The other day I took a big book with me and spent a couple of hours there, but nothing happened. I’ve always suspected that I couldn’t be saved. It also has something of a catharsis.

Neues aus dem Tierreich (7)

Als ich neulich auf der Suche nach einem Eisenwarenladen versehentlich eine Tierhandlung betrat, war mir das so unangenehm, dass ich aus Verlegenheit zwei Wellensittiche verlangte. Der Händler war sehr freundlich und verkaufte mir die Vögel zu einem Sonderpreis, weil sie angeblich schon bald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen würden. Ich hätte nicht gedacht, dass Wellensittiche so teuer sind, aber da es sich um ein Schnäppchen handelte, sagte ich natürlich nichts. Die Vögel sahen auch eigentlich noch ziemlich brauchbar aus. Allerdings waren sie sehr groß und passten nicht zusammen in einen Käfig. So nahm ich eben zwei, man will den Tieren ja nichts Schlechtes. Als ich sie am gleichen Abend füttern wollte, bissen sie mich in die Hand und singen wollten sie auch nicht. Ich habe sie dann aus den Käfigen gelassen, damit sie sich etwas die Flügel vertreten könnten. Dummerweise war das Fenster offen. Ich hängte also überall Zettel aus, dass mir zwei Wellensittiche entflogen seien, aber niemand hat sich gemeldet. Zum Glück verschwinden in letzter Zeit alle Katzen aus der Gegend, so besteht vielleicht doch eine Chance, dass die beiden armen Vögel zumindest überleben.

News from the animal kingdom – The other day, when I accidentally walked into a pet store looking for a hardware store, I found it so uncomfortable that I was embarrassed and asked for two budgies. The dealer was very friendly and sold me the birds at a special price because they supposedly would soon reach their best-before date. I didn’t think budgies were that expensive, but of course since it was a bargain I didn’t say anything. The birds actually looked pretty usable too. However, they were very large and did not fit together in a single cage. So I just took two, you don’t want anything bad for the animals. When I tried to feed them that evening, they bit my hand and they didn’t want to sing either. I then let them out of the cages so they could stretch their wings a little. Unfortunately the window was open. So I posted notes everywhere that two budgies had escaped from me, but no one answered. Fortunately, all cats have been disappearing from the area lately, so maybe there is a chance that the two poor birds will at least survive.

Neues aus dem Wald (10)

Auch im Wald hat die Pandemie zu gesellschaftlichen Verwerfungen geführt. In manchen Rudeln wurde so hart um Masken und Impfungen gestritten, dass man sich nun aus dem Weg geht und nicht einmal mehr miteinander röhrt.

News from the forest – The pandemic has also led to social upheavals in the forest. In some packs, masks and vaccinations were argued so hard that they now avoid contact and don’t even roar with each other.

Aus dem Familienalbum (47)

Bei Familientreffen müssen neuerdings Warnschilder aufgestellt werden, weil unser Stammbaum offenbar einige Schwachstellen aufweist. Nachdem neulich ein sehr vertrockneter Onkel im Fallen einige Tanten erschlagen hat, meinten einige Cousins sogar, unsere Familie sei im Innersten verfault und also nicht mehr zu retten. Einige Großmütter haben ihnen das mit einigen kräftigen Ohrfeigen vergolten und nun hat man sich darauf geeinigt, die Schilder aufzustellen und die Verantwortung für den desaströsen Zustand der Sippe auf die schon verstorbenen Familienmitglieder abzuwälzen.

From the family album – Recently warning signs have to be put up at family get-togethers because our family tree apparently has some weaknesses. After a very withered uncle recently killed some aunts while falling, some cousins even said that our family was rotten at heart and could no longer be saved. Some grandmothers rewarded them with some hard slaps in the face and now it has been agreed to put up the signs and to shift the responsibility for the disastrous state of the clan onto the family members who have already died.

Neues aus dem Wald (9)

Obwohl die Pandemie noch nicht vorbei ist und viele noch nicht geimpft wurden, sieht man im Wald vermehrt vor allem junge Bäume in inniger Umarmung. Wenn man sie darauf hinweist, dass sie wenigstens ihre Masken aufsetzen sollen, bewerfen sie einen mit trockenen Ästen. Förster befürchten, dass diese Generation später einmal höchstens zu Brennholz verarbeitet werden kann.

News from the forest – Although the pandemic is not over yet and many have not yet been vaccinated, you can see more and more young trees in close embrace in the forest. If you tell them to at least put on their masks, they throw dry branches at you. Foresters fear that later this generation will at most be processed into firewood.

Wie es wirklich war (5)

Heute vor 135 Jahren ertrank bei Schloss Berg im Würmsee, dem heutigen Starnberger See, König Ludwig II. von Bayern. Was sich in jener regnerischen Nacht tatsächlich ereignete, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben, doch noch heute erzählt man sich in der Gegend, der König sei nur deshalb erst nach Stunden gefunden worden, und hätte womöglich sogar gerettet werden können, wenn nicht die verantwortlichen Hofschranzen und Minister, wie alle Mitglieder bayerischer Regierungen seit jeher, ob adlig oder nicht, zu dumm gewesen seien, den ordentlich ausgeschilderten Rettungsweg zu finden.

How it really was – 135 years ago today, King Ludwig II of Bavaria drowned near Berg Castle in the Würmlake, today’s Lake Starnberg. What actually happened on that rainy night will probably remain a secret forever, but still today people in the area say that the king was only found hours afterwards and might even have been saved, if not those responsible courtiers and ministers, like all members of Bavarian governments always, whether noble or not, have been too stupid to find the properly signposted emergency route. (on the sign: emergency route)

Ein Lob der Bürokratie

Der Bau der einzigen Pyramide nördlich der Alpen zog sich aufgrund einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem städtischen Baureferat und der Regierung von Oberbayern so dermaßen in die Länge, dass nach einigen tausend Jahren das Pyramidenbauen nicht nur aus der Mode gekommen war, sondern das Projekt aufgrund einer neuen Verordnung der unteren Umweltschutzbehörde sowieso nicht mehr zu realisieren gewesen wäre. Der Bund der Steuerzahler war ausnahmsweise zufrieden.

Kudos to the bureaucracy – The construction of the only pyramid north of the Alps was so protracted due to a difference of opinion between the municipal building department and the government of Upper Bavaria that after a few thousand years building pyramids was not only out of fashion, but due to a new decree by the lower environmental protection authority the project would no longer have been realized anyway. The taxpayers association was satisfied for once.