Bericht zur deutschen Einheit

Deutschland sei auf dem Weg zu gleichwertigen Lebensverhältnissen weit vorangekommen, sagte neulich der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer mit dem passenden Namen Wanderwitz. Ob das stimmt? Auch wenn man es bei einer Fahrt durch Branden- oder Mecklenburg kaum glauben mag, ist sicher, dass die Deutschen zumindest eines erreicht haben: gleichwertige Todesverhältnisse.

Report on German unity – Germany has made good progress on the way to equal living conditions, said the Federal Government Commissioner for the new federal states with the appropriate name Wanderwitz (Hiking Joke). If that’s true? Even if you can hardly believe it when driving through Branden- or Mecklenburg, it is certain that the Germans have achieved at least one thing: equal death conditions.

Berechtigter Zweifel

Neulich war ich nicht auf aber unter dem Dach der Welt und ich muss sagen, es kam mir nicht sehr stabil vor. Und hätte es geregnet, wäre ich vermutlich nicht trocken geblieben. Was soll das? Ich denke, die Welt hat etwas Besseres verdient!

Reasonable doubt – The other day I wasn’t up but under the roof of the world and I have to say it didn’t feel very stable to me. And if it had rained, I probably wouldn’t have stayed dry. What the heck? I think the world deserves better!

Neuer Untermieter

Mit meinem neuen Untermieter hatte ich wirklich Glück. Er sagte, er brauche kein eigenes Zimmer und auch Bad und Küche werde er nicht benutzen. Allerdings könne er auch nicht bezahlen, aber wenn ich ihm gestatten würde, an der Decke zu kleben, dann könnte er mir als Notbeleuchtung dienen. Er arbeite nachts als Planet und brauche tagsüber einen stillen Ort, um auszuruhen. Ehrlich gesagt brauche ich tagsüber keine Notbeleuchtung, aber das kleine rote Licht stört auch nicht. Und schließlich kann nicht jeder von sich behaupten, einen echten Planeten zu Gast zu haben.

New subtenant – I was really lucky with my new lodger. He said he didn’t need a room of his own and he wouldn’t use neither the bathroom or kitchen. He couldn’t pay, but if I let him stick to the ceiling he could serve as emergency lighting for me. He works as a planet at night and needs a quiet place to rest during the day. To be honest, I don’t need emergency lighting during the day, but the little red light doesn’t bother me either. And finally, not everyone can claim to be hosting a real planet.

Neues aus dem Tierreich (8)

Wie auf dieser stark vergrößerten Ansicht eines Schmetterlingsflügels zu sehen ist, hat das Tier mit heftigem Moosbefall zu kämpfen, wodurch sich die langsame und groteske Art der Fortbewegung dieser albernen Geschöpfe leicht erklären lässt. Nun bedarf es auch keines weiteren Beweises, dass es sich bei dem sogenannten „Schmetterlingseffekt“ um eine lächerliche Hypothese handelt, die nur einem sehr bemoosten Schädel entspringen konnte.

News from the animal kingdom – As can be seen on this greatly enlarged view of a butterfly’s wing, the animal is struggling with heavy moss infestation, which easily explains the slow and grotesque way these silly creatures move. No further proof is required that the so-called “butterfly effect” is a ridiculous hypothesis that could only arise from a very mossy skull.

Was machen eigentlich die Pflanzen in der Nacht?

Nachdem die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Pflanzen unter der Gartenleuchte und lauschen der alten Distel, die Abend für Abend den kleinen Unkräutern, die gerade erst den Keimblättern entwachsen sind, mächtig Angst einjagt mit Märchen von fernen Ländern, in denen es so kalt ist, dass alle Pflanzen augenblicklich erfrieren, oder in denen die Sonne niemals scheint, so dass alle Pflanzen einen langsamen, grausamen Tod sterben, oder in denen es so heiß ist, dass jede Pflanze bei lebendigen Leib verbrennt, oder in denen die Sonne nie untergeht, so dass … „Nun ist’s aber gut!“ ruft da die Fetthenne. „Die Kleinen sind schon halb verdorrt vor Angst! Das ist doch außerdem alles Unfug, solche Länder gibt es gar nicht.“ Doch bevor die Distel protestieren kann, gibt das Pfeifengras zu bedenken, dass die einen so sagen und die anderen so, aber wo die Wahrheit liege, das könne man nicht wissen. Das leuchtet allen ein und darum gehen sie beruhigt zu Bett und betreiben ein wenig Dunkelatmung.

What do the plants actually do at night? – After the sun has set, the plants gather under the garden lamp and listen to the old thistle, which every evening scares the little weeds that have just outgrown the cotyledons with fairy tales from distant countries where it is so cold that all plants freeze to death instantly, or where the sun never shines, so that all plants die a slow, cruel death, or where it is so hot that every plant burns alive, or where the sun never sets, so that … „Well, now it’s good!“ calls out the fat hen. “The little ones are already half withered from fear! Besides, that is all nonsense, there are no such countries.” But before the thistle can protest, the whistle-grass points out that some say that and others say that, but where the truth lies cannot be known. That makes sense to everyone and that’s why they go to bed calmly and take a little dark respiration.

Neues aus dem Wald (12)

Ein ahnungsloser Spaziergänger mag hier vorbeigehen und denken: „Ach, wie schön ist doch der Wald, aber so unordentlich!“, dabei sind die heutigen Forsten ein Produkt höchsten ökonomischen Sachverstandes. In der Hauptschicht stehen Trupps mit einem Flächendurchmesser bis zu 15 m so angeordnet, dass sich von einem Messpunkt aus mit einem Scanner ein Barcode ablesen lässt. „Hier zum Beispiel“, sagt Förster M., „habe ich die Information gespeichert, dass mein Hochzeitstag am 3. Juli ist. Den kann ich mir nämlich nie merken“, fügt er verschmitzt an und stutzt. „Moment mal! Das war ja gestern!“ ruft er panisch und verabschiedet sich hastig. Tja, selbst im Wald irrt der Mensch, solang‘ er strebt.

News from the forest – A clueless stroller may pass by and think: „Oh, how beautiful the forest is, but so messy!“, but actually today’s forests are a product of the highest economic expertise. In the main shift, teams with a surface diameter of up to 15 m are arranged in such a way that a barcode can be read from a measuring point with a scanner. “Here, for example,” says ranger M., “I have saved the information that my wedding day is on July 3rd. I can never remember it” he adds mischievously, and is taken aback. „Wait a moment! That was yesterday!” he exclaims in panic and hastily says goodbye. Well, even in the forest, people err as long as they strive.

Rätsel des Alltags (4)

Gestern hat Slowenien die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Der Spiegel schreibt, Spitzenkräfte aus dem EU-Parlament sähen das mit Sorge, wegen des „rechtskonservativen“ Ministerpräsidenten Jansa. Jetzt habe ich zwei Fragen. Erstens: Gibt es eigentlich auch Linkskonservative? Und drittens: Warum scheuen sich die Scheißliberalen so sehr, die Faschisten beim Namen zu nennen? Jetzt fragen Sie sich, ob ich überhaupt bis drei zählen kann. Schon, aber wozu, es ergibt ja sowieso alles keinen Sinn.

Everyday Mysteries – Slovenia took over the EU Council Presidency yesterday. Der Spiegel writes that top executives from the EU Parliament see this with concern because of the “right-wing conservative” Prime Minister Jansa. Now I have two questions. First: Are there actually also left-wing conservatives? And third: Why do the fucking liberals shy away from calling the fascists by their name? Now you are wondering if I can even count to three. Yes, but why, it doesn’t make any sense anyway.

Neues aus dem Wald (11)

Was manche nicht wissen, ist, dass viele Bäume furchtbar unter Karies leiden, aber aus verschiedenen Gründen nicht zum Zahnarzt gehen wollen. Darauf angesprochen rechtfertigen sie sich damit, dass sie an ihrem Standort tief verwurzelt seien und den Wald gar nicht verlassen könnten, aber einem Flachwurzler muss man das nun wirklich nicht glauben. Andere geben vor, es sei gar nicht schlimm und sie würden eh nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Tatsächlich schämen sie sich, weil sie glauben, Bäume dürften keine Schwäche zeigen, ohne befürchten zu müssen, gleich ins Sägewerk geschickt zu werden. Diese Haltung führt dann erst dazu, dass sie innerlich so sehr verrotten, dass es nicht einmal mehr fürs Sägewerk reicht. Dass im Wald immer noch der Machismo der 1950er Jahre verbreitet ist, zeigt, dass es grundfalsch war, die Forsten jahrzehntelang allein unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit zu betrachten.

News from the forest – What some don’t know is that many trees suffer terribly from tooth decay, but for various reasons they don’t want to go to the dentist. When asked about this, they justify themselves by saying that they are deeply rooted in their location and cannot leave the forest at all, but you really don’t have to believe that statment by a shallow root tree. Others pretend that it doesn’t matter and that they only consume liquid food anyway. In fact, they are ashamed because they believe trees shouldn’t show weakness without fear of being sent to the sawmill. This attitude then leads to the fact that they rot inside so much that it even won’t do for the sawmill. The fact that the machismo of the 1950s is still widespread in the forest shows that it was fundamentally wrong to look at forests solely from the point of view of economic efficiency for decades.

Aus Prinzip nicht

Wir wissen, was Bert Brecht über Banken gesagt hat, und der Mann hatte natürlich Recht. Nun habe ich eine Bank entdeckt, die scheinbar eine Ausnahme darstellt, denn jedes Mal wenn ich daran vorbeigehe, stehen dort einige Pfandflaschen, oft im Wert von einem Euro oder mehr. Ich könnte sie mir einfach nehmen und hätte Zinsen bekommen, ohne etwas eingezahlt zu haben. Dennoch lasse ich die Flaschen stehen, denn ich traue keiner Bank und will mit denen möglichst nichts zu tun haben.

On principle not – We know what Bert Brecht said about banks, and of course the man was right. Now I have discovered a bank that seems to be an exception, because every time I pass it, there are some returnable bottles, often worth one euro or more. I could just take it and get interest without placing a deposit. Still, I leave the bottles because I don’t trust any bank and don’t want to have anything to do with them.