Was bei der Schöpfung übrig blieb (8)

Gott war gerade damit beschäftigt, ein dreibeiniges Huhn zu machen, das den Donauwalzer pfeifend sehr anmutig auf der Stelle tanzen konnte, als ihm eine geniale Idee kam. Hinterher wusste er noch, dass die Idee genial war, doch leider klingelte es an der Haustür als er gerade daran ging, die geniale Idee zu verwirklichen, und der dumme Nachbar verwickelte ihn in eine völlig sinnfreie und überflüssige Konversation über die Vorzüge eines Pürierstabes gegenüber einem Ohrensessel, worüber er im Stillen, denn schließlich war er ein höflicher Gott, so dermaßen in Wut geriet, dass er, dem Nachbarn unter dem Vorwand, sich nun leider entleiben zu müssen, glücklich entronnen, an die Werkbank zurückgekehrt, völlig vergessen hatte, wobei er gestört worden war und sich, so sehr er sich auch bemühte, nicht mehr erinnern konnte, welchem Zweck die drei Gegenstände, die er offensichtlich gerade erst gemacht hatte, dienen sollten. Im Stillen, denn er war wie gesagt ein höflicher Gott, verwünschte er den Nachbarn und stellte das Gelumpe ins Fenster, so dass der Idiot es von drüben sehen musste und hoffentlich darob erblinden würde.

What was left over at the creation
God was busy making a three-legged chicken that was able to whistle the Danube Waltz while dancing gracefully on the spot, when he had a brilliant idea. Afterwards he still knew that the idea was awesome, but unfortunately it rang at the front door when he was just about to realize the brilliant idea, and the stupid neighbor involved him in a completely meaningless and superfluous conversation about the merits of a blender compared to a wingback chair, whereof he inwardly, because he was a polite god, got enraged in such an extent, that he, after he had escaped from the neighbor under the pretext of having to kill himself, and having returned to the workbench, unfortunately had completely forgotten, what it was he has been interfered, and as hard as he could try, still could not remember the purpose for which the three objects he obviously had just made had served. Silently, as he was, as I said, a polite god, he cursed the neighbor and put the trash on the window sill so that the idiot had to see it from vis-à-vis and hopefully would go blind.

Ausweg

Bekanntlich gibt es nur vier Möglichkeiten, auf die Zumutungen des Lebens zu reagieren: Zynismus, politischer Aktivismus, Aberglaube und Eskapismus. Da ich entscheidungsschwach bin, habe ich mich entschieden, eine Synthese aus allen vieren zu bilden und gründe hiermit eine Glaubensgemeinschaft, deren einziges Ritual darin besteht, sich gegen den aufziehenden Faschismus zu besaufen.

Way out
As you know, there are only four ways to respond to the impositions of life: cynicism, political activism, superstition and escapism. Unable to make a decision, I have decided to form a synthesis of all of them and thus establish a faith community whose only ritual is to get drunk against the gathering fascism.

Aus dem Familienalbum (18)

Ein Cousin meines Großvaters begann offenbar schon in seiner Jugend zu schimmeln. Seitdem sei er nicht mehr derselbe gewesen. Man habe ihn zwar regelmäßig innerlich und äußerlich mit reiner Essigessenz behandelt, doch das habe seinen Zustand nur für kurze Zeit insoweit gebessert, dass er nicht bei jedem Atemzug eine Wolke Pilzsporen von sich gegeben habe. Seiner geistigen Gesundheit sei diese rustikale Behandlung jedoch nicht bekommen. Erst nachdem er in den Keller verbannt worden sei, habe man festgestellt, dass es sich bei dem Cousin um einen Edelpilz handelte. Die Familie gründete sogleich eine Champignonzucht und wurde stinkreich. Glück muss man haben!

From the family album (18)
A cousin of my grandfather evidently began to mold in his youth. He had not been the same since then. Although he was regularly treated internally and externally with pure vinegar essence, this has improved his condition only for a short time so far that he did not give a cloud of fungal spores with every breath. His mental health, however, did not agree with this rustic treatment. Only when he was banished into the cellar, it was found that the cousin was a noble fungus. The family immediately founded a mushroom farm and became filthy rich. You have to have luck!

Neues vom Wohnungsmarkt (3)

Zu vermieten: großzügige 1 Zimmer-Dachwohnung, tagsüber relativ hell, Frischluftzuleitung, möbliert, 2000 Euro Kaltmiete plus Nebenkosten

News from the housing market
For rent: generous 1 room penthouse, relatively bright during the day, fresh air supply, furnished, 2000 Euros rent excluding heating costs plus utilities

Fortbildung

Neulich habe ich einen Kurs in gewalttätiger Kommunikation belegt. Diskriminieren kann ich nun schon ziemlich gut.

Advanced training course
Recently I took a course in violent communication. Now I know how to discriminate pretty well.

Die Letzte ihrer Art

Wie erst heute bekannt wurde, ist die letzte wildlebende Waldkuh Deutschlands leider im Forstenrieder Park verstorben. Der Förster fand am letzten Freitag nur noch wenige Überreste. Spuren führten zu einer Gruppe Wochenendausflügler aus Fürstenfeldbruck, die gerade das letzte Stück auf den Grill warfen und ihre Tat auch gar nicht leugneten. Sie verstünden die Aufregung nicht, sagten sie, Pilze sammeln sei schließlich auch gestattet.

The last of her kind
As has become known only today, the last wild forest cow in Germany has unfortunately passed away in the Forstenried Park. The forester found only a few remains last Friday. Traces led to a group of weekend excursionists from Fürstenfeldbruck, who were just putting the last piece on the grill and did not deny their act at all. They did not understand the excitement, they said, after all mushroom picking was allowed too.

Neues vom Wohnungsmarkt (2)

Zu vermieten: 1 Zimmer-Wohnung, ohne Küche, ohne Bad, keine Fenster, nicht möbliert, Wasser- und Stromanschluss nicht möglich, ruhige Nachbarschaft, 1000 Euro Kaltmiete

News from the housing market
For rent: 1 room apartment, without kitchen, without bath, no windows, not furnished, water and electricity supply not possible, quiet neighborhood, 1000 Euros rent excluding heating costs

Aus dem Familienalbum (17)

Meine Großtante Marina zog in hohem Alter mit ihrem dritten Mann in ein Anwesen an der Costa Brava, denn wie ihr Name schon verriet, liebte sie das Meer. Da sie aber wasserscheu war und zudem selbst im Hochsommer immer fror und daher nie das überheizte Wohnzimmer verließ, zog ihr Gatte, der das Meer und die südliche Hitze hasste, aber dem Schiffsmodellbau verfallen war, bald ganz in den kühlen Keller, wo er seinem Steckenpferd ungestört frönen konnte. Um ihm, ohne aus dem Sessel aufstehen zu müssen, mitteilen zu können, dass er die Heizung bitte eine Stufe höher stellen solle, ließ Marina ein Haustelefon installieren, mittels dessen sie sich täglich mehrmals darüber austauschten, wie sehr sie es zu schätzen wussten, den perfekten Lebenspartner gefunden zu haben.

From the family album
My great-aunt Marina moved together with her third husband to a property on the Costa Brava in old age, because as her name implied, she loved the sea. But as she was afraid of water and even in the midsummer always was cold and therefore never left the overheated living room, her husband, who hated the sea and the southern heat, but fell under the spell of building model ships, soon moved into the cool basement, where he could indulge in his hobby undisturbed. In order to tell him, without having to get out of the chair, that he should raise the heater one step higher, Marina had an intercom installed, through which they exchanged several daily conversations about how much they appreciated to have found a perfect life partner.

Neues vom Wohnungsmarkt (1)

Zu vermieten: 1 Zimmer-Wohnung, ohne Küche, ohne Bad, nicht möbliert, renovierungsbedürftig, in zentraler Lage, 900 Euro Kaltmiete

News from the housing market
For rent: 1 room apartment, without kitchen, without bath, not furnished, in need of renovation, in a central location, 900 Euros rent excluding heating costs

Diskutiere – Mein Hund ist ein Schwein!

Immer weniger Menschen sind noch in der Lage, ihren Haustieren Grenzen zu setzen. Stattdessen führen sie fruchtlose Streitgespräche, nicht nur an der Supermarktkasse. Doch oft ist es selbst dafür zu spät. Franz P.: „Mein Goldfisch spricht nicht mehr mit mir!“
Tierhändler raten kauffreudigen Kunden inzwischen nicht selten vom Erwerb eines Haustieres ab. Max K.: „Ich sehe das immer häufiger, dass Leute, die keiner Fliege was zuleide tun können, sich unbedingt eine anschaffen wollen. Nach ein paar Stunden sind sie völlig entnervt und bringen das Tier zurück. Die Leute haben keine Ahnung und sind der Aufgabe nicht gewachsen.“
Manche haben schon in der Kindheit Erfahrungen mit Haustieren gemacht und erinnern sich an schöne Stunden mit kuscheligen Fellknäueln. Früher war vielleicht einiges besser, aber wie so oft wird vieles auch verklärt, Verletzungen werden verdrängt. Experten bestätigen: Die meisten Tiere sind nicht mehr dieselben wie früher.
Wir haben uns mit einem Betroffenen verabredet, der anonym bleiben möchte (Darum bitte mit verfremdeter Stimme lesen; die Red.): „Seit ein paar Wochen ignorieren mich meine Katzen. Ich habe schon versucht, mit ihnen zu reden, aber dann schauen sie mich so seltsam an, stecken die Köpfe zusammen und kichern. Heute haben sie den ganzen Tag ostentativ ihre Krallen geschärft, aber ich traue mich nicht, die Polizei zu rufen.“
Dass sich Mensch und Tier nur noch wenig zu sagen haben, liegt auch an den digitalen Medien. Karl M.: „Früher hatten wir so viel Spaß miteinander, mein Python und ich, aber seit einigen Monaten spricht er nur noch mit seinem Rechner. Einmal wollte ich ihm den wegnehmen, da hat er mich gewürgt!“
Das mag wie ein Extremfall aussehen, aber in den einschlägigen Foren berichten Haustierbesitzer zunehmend von physischer und psychischer Gewalt, Fälle von Mobbing sind keine Seltenheit. Peter K.: „Ich bin mit den Nerven fertig. Die Papageien verbreiten Gerüchte über mich. Meine Frau hat schon die Scheidung eingereicht.“ Andere müssen noch schlimmere Demütigungen erdulden. Bernd Z.: „Mein Hund ist ein Schwein! Immer wenn ich in Ruhe fernsehen will, reibt er sich an mir und fickt mich dann ins Knie. Ich komme mir so benutzt vor!“
Tierpsychologen ist das Problem seit langem bekannt. Prof. Dr. Sielmann jr. von der Universität Schweinfurt: „Seit 1968 wurden Generationen von Hunden an der langen Leine gehalten und wuchsen in dem Bewusstsein heran, dass Autoritäten ungestraft in Frage gebellt werden dürfen. Mit dem Fall der Mauer sind bei vielen dann endgültig die letzten Hemmungen verschwunden.“
In Großstädten ist das Problem natürlich sichtbarer als auf dem Land. Zahlreiche Hundehalter verzichten daher darauf, ihre Tiere in die Schule zu schicken. Atze O. aus Berlin-Marzahn: „Der Kiez hier wird seit der Flüchtlingswelle von aggressiven Afghanenrudeln beherrscht. Meinen Rex lasse ich nicht mehr alleine auf die Straße!“ Lehrer berichten von zunehmender Verrohung. Fritz W.: „Unsere Schüler rüsten auf. Das sind zum Teil schon regelrechte Kampfhunde. Ich hab da durchaus Verständnis für.“
Doch nicht nur in sozialen Brennpunkten und an Hundeschulen nimmt die Gewalt zu, auch in gutbürgerlichen Gegenden herrscht Verunsicherung. Boutiquenbesitzerin Annette v. B. aus Buxtehude: „Diese widerlichen Chihuahuas! Stolzieren hier frech in der Gegend herum und pissen vor meinen Laden, die mexikanischen Kläffer. Trump hat doch völlig Recht! Das nächste Mal wähle ich den!“
Die Tiere haben den Respekt vor ihrem Halter verloren. Erna M.: „Der Hamster tyrannisiert mich! Ständig verlangt er Dinge von mir, die ich entwürdigend finde. Was soll ich nur tun?“ Polizei und Justiz konnten nichts ausrichten, da der Hamster sich nicht zu den Vorwürfen äußern wollte – schon gar nicht bei Tageslicht. Polizeihauptkommissar Dieter R.: „Die meisten Hamster schweigen sich aus, andere haben die Backentaschen so voll, dass man kein Wort versteht. Das sind oft Gewohnheitsverbrecher, denen es überhaupt nichts ausmacht, jahrelang in einen Käfig gesperrt zu werden.“
Ein besonders tragischer Fall ereignete sich im letzten Winter in München. Bei Minusgraden erfror dort ein Rentner, der von seinem Dachshund in einem öffentlichen Park ausgesetzt worden war! Der Täter aber konnte sich geschickt seiner Strafe entziehen, indem er vor Gericht eine üble Dackelblicknummer abzog.
Auch der Tierschutzbund ist von seinen ursprünglichen Idealen längst abgerückt. Er rät dazu, im Zweifel das Haustier einfach aufzuessen.

Debatanimals – My dog is a pig!
Fewer and fewer people are still able to set limits on their pets. Instead, they lead fruitless arguments, not only at the supermarket checkout. But often it is too late for that. Franz P.: „My goldfish does not speak to me anymore!“
In the meantime, pet traders often advise buyers who are keen to buying a pet. Max K.: „I see it more and more often that people who can not harm a fly want to buy one. After a few hours they are completely unnerved and bring the animal back. People have no idea and are no match for the task.“
Some have had experience with pets since childhood and remember happy hours with cuddly fur balls. In the past, perhaps a lot was better, but as so often many things are transfigured, psychic trauma are repressed. Experts confirm:
Most animals are not the same as they used to be.
We have an appointment with an affected person who wants to remain anonymous (Therefore, please read in an alienated voice, the Red.): „For a few weeks now my cats do ignore me. I’ve tried to talk to them, but then they look at me so strangely, sticking their heads together and giggling. Today they have sharpened their claws ostentatious all day, but I do not dare to call the police.“
That humans and animals have nothing left to say to each other, is also due to the digital media. Karl M.: „We used to have so much fun together, my Python and me, but for several months now he’s only talking to his computer. Once I wanted to take that away from him, he strangled me!“
This may seem like an extreme case, but in the relevant forums pet owners are increasingly reporting physical and psychological violence, cases of bullying are not uncommon. Peter K.: „I’m a nervous wreck. The parrots spread rumors about me. My wife has already filed for divorce.“ Others have to endure even worse humiliation. Bernd Z.: „My dog ​​is a pig! Whenever I want to watch TV in peace, he rubs against me and then fucks my knee. I feel so used!“
Animal psychologists have long known the problem. Prof. Dr. Sielmann jr. from the University of Schweinfurt: „Since 1968, generations of dogs have been kept on a long leash and grew up aware that authorities can be questioned with impunity. With the fall of the wall, many have finally lost their last inhibitions.“
In big cities the problem is of course more visible than in the countryside. Many dog ​​owners therefore refrain from sending their animals to school. Atze O. from Berlin-Wedding: „The neighborhood here has been ruled by aggressive Afghans since the wave of refugees. I do not leave my Rex alone on the street!“ Teachers report increasing brutalization. Fritz W.: „Our students are getting ready. They are partly true fighting dogs. I understand that.“
However, violence is on the increase not only in social hotspots and dog training centers, but also in middle-class areas there is uncertainty. Boutiques owner Annette v. B. from Buxtehude: „These disgusting Chihuahuas! Proudly boast around in the area and piss in front of my shop, these Mexican curs. Trump is completely right! Next time I will vote for him! „
The animals have lost the respect for their owner. Erna M.: „The hamster is bullying me! He constantly demands things from me that I find degrading. What should I do?“ Police and Justice could not do anything, because the hamster did not want to comment on the allegations – especially not in daylight. Chief Inspector Dieter R.: „Most hamsters keep silent, others got their cheek pouches loaded so you do not understand a word. These are often habitual criminals who do not mind being locked in a cage for years.“
A particularly tragic case occurred last winter in Munich. At minus degrees a pensioner froze who had been exposed by his Dachshund in a public park! The perpetrator but could deftly escape his punishment by putting up an appalling puppy-dog-eyes-fuss in court.
The Animal Welfare Association has long since moved away from its original ideals. Their advise, if in doubt, is to simply eat the pet.

Erschienen heute / published today in taz.die tageszeitung