Neues aus dem Tierreich (4)

Neulich am frühen Morgen überraschte ich dieses Rudel Vierbeiner im Garten. Zuerst wagte ich nicht, mich zu bewegen, aber meine Anwesenheit schien sie überhaupt nicht zu stören, was für wilde Tiere schon etwas ungewöhnlich ist. Ich fuhr also ins Büro und als ich am Abend wiederkam, standen sie immer noch da. Das Rasenmähen ist seitdem etwas kompliziert geworden, aber sie haben auch ihre Vorzüge, denn sie mögen es offenbar, wenn man sich auf sie draufsetzt. Ansonsten machen sie nicht viel, sie stehen bloß in der Gegend herum. Mein Nachbar weiß auch nicht, was das für Viecher sind, aber er wollte wissen, ob sie essbar seien und hat vorgeschlagen, eines zu grillen. Aber sagen Sie selbst: Die sind doch nur Haut und Knochen, da könnte man ja auch gleich ein Stuhlbein grillen. Lächerlich.

News from the animal kingdom – The other day in the early morning I surprised this pack of four-legged friends in the garden. At first I didn’t dare move, but they didn’t seem to mind my presence at all, which is a bit unusual for wild animals. So I drove to the office and when I came back that evening they were still there. Mowing the lawn has gotten a bit complicated since then, but they also have their merits, because they seem to like it when you sit on them. Otherwise they don’t do much, they just stand around. My neighbor doesn’t know what kind of critters they are either, but he wanted to know if they were edible and suggested we grill one. But tell yourself: They are just skin and bones, you could grill a chair leg right away. Ridiculous.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (13)

Als Gott das Licht erschaffen hatte, um damit Tag und Nacht voneinander zu scheiden, konnte er die folgende Nacht nicht schlafen, weil das Licht keine Ruhe gab. Bis zum frühen Morgen huschte es durch die Wohnung, kroch unter der Türe des Schlafzimmers hindurch und setzte sich auf seine Nasenspitze. Es war eine rechte Plage. Darum machte er sich am nächsten Tag daran, den Himmel zu erschaffen, um das Licht dort zu befestigen. Er fand, dass die Kacheln für den Himmel wirklich schön geworden waren und so verlegte er schnell die Stromkabel, klebte die Kacheln schön ordentlich darüber und verdübelte das Licht. Leider stellte sich heraus, dass er damit de facto die Nacht wieder abgeschafft hatte, denn nun blieb das Licht zwar an Ort und Stelle, aber eben darum wurde es auch nicht mehr dunkel. Weil ihm vor einer weiteren Nacht ohne Schlaf graute, entfernte er das Licht wieder, wobei er jedoch zu heftig daran zog, so dass die frisch verlegten Kacheln von der Decke fielen. Vor Wut vollkommen außer sich warf er das Licht fort, das seitdem in einer Umlaufbahn um die Erde kreist. Die Kacheln aber warf er auf den Müll und sprach nicht mehr darüber.

What was left over at creation – When God created the light to separate day and night, he could not sleep the following night because the light did not give rest. It scurried through the apartment until early morning, crawled under the bedroom door and sat on the tip of its nose. It was a real nuisance. So the next day he set about creating heaven to fix the light there. He found that the tiles for the sky had turned out really nice, so he quickly laid the power cables, glued the tiles neatly over them and doweled the light. Unfortunately, it turned out that he had in fact abolished the night again, because now the light stayed where it was, but that is precisely why it didin’t get dark anymore. Because he was dreading another night without sleep, he removed the light again, pulling too hard, however, so that the freshly laid tiles fell from the ceiling. Completely beside himself with anger, he threw away the light that has since been in orbit around the earth. But he threw the tiles on the trash and no longer spoke about them.

Berechtigtes Anliegen

Mein Nachbar beklagt sich, dass es in letzter Zeit zunehmend zwei bis drei Leute seien, die seine Türe eintreten würden. Das halte er für unangemessen, darum habe er nun dieses Schild angebracht und hoffe auf Besserung. Ich bin da eher pessimistisch. Die Leute haben heutzutage kein Benehmen mehr.

Legitimate concern – My neighbor complains that lately on a more regular basis two or three people have been killing his door. He thinks that is inappropriate, which is why he has now attached this sign and hopes for improvement. I’m more pessimistic about that. People have lost their manners these days.

(On the sign: „Please enter only one person“. ‚eintreten‘ also means ‚to kick in and smash‘)

Aus dem Familienalbum (33)

Meine Mutter hatte sich schon immer einen Ententeich hinterm Haus gewünscht, was daran scheiterte, dass unser Garten nicht größer war als der Bierkasten, den mein Vater manchmal nach draußen stellte, um ihm dort Gesellschaft zu leisten, wenn ihm meine Mutter mit ihrem Gejammer über den nicht vorhandenen Ententeich wieder einmal auf die Nerven ging. Irgendwann hatte er es satt und als ich damals von der Schule kam, war ich doch sehr überrascht, hinter dem Haus nicht nur einen Teich, sondern einen See vorzufinden. Meine Mutter war gar nicht mehr zu beruhigen, ebensowenig die Nachbarn, die, von der Arbeit heimgekehrt, feststellen mussten, dass jemand (mein Vater) ihre Häuser abgeräumt hatte. „Hier habe ich wenigstens meine Ruhe“, meinte mein Vater, als ich ihn nach dem Prozess im Gefängnis besuchte.

From the family album – My mother had always wanted a duck pond behind the house, which failed because our garden was no bigger than the beer crate my father sometimes put outside to keep him company when my mother complained about the nonexistent duck pond once again. At some point he got tired of it and when I got home from school, I was very surprised to find not just a pond but a lake behind the house. My mother could not be calmed, and neither were the neighbors who, having returned home from work, found that someone (my father) had demolished their houses. „At least I have my peace here,“ said my father when I visited him in prison after the trial.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (12)

Nachdem Gott alle Tiere und den Menschen gemacht hatte, stellte er fest, dass er vielleicht doch noch einen Blick in seinen Plan hätte werfen sollen. Leider war da nun einiges durcheinander geraten, denn eigentlich hatte er vorgesehen, dem Menschen, der eh zu nichts taugte, einen unpraktischen Schnabel ins Gesicht zu setzen und der Krone der Schöpfung, den kleinen Spatzen, kräftige Zähne zu geben, damit sie den Menschen, der als ihr Beutetier vorgesehen war, auch gut zerkauen könnten. Stattdessen hatte er den Spatzen den Schnabel gegeben und dem Hai die scharfen Reißzähne und dem Menschen das eigentlich für die Hummeln gedachte strahlend weiße Lächeln. Dumm gelaufen, aber von vorne anzufangen, hatte er auch keine Lust. Sei’s drum! Das für den Menschen vorgesehene kariöse und verwachsene Gebiss, für das er nun keine Verwendung mehr hatte, ließ er darum am Abend auf dem Heimweg einfach in der U-Bahn liegen.

What was left over at creation – After God had made all animals and the man, he realized that maybe he should have taken a look at his plan after all. Unfortunately, a lot had gotten mixed up, because actually he had intended to put an impractical beak in the face of the man who was anyway no good for nothing and to give the crown of creation, the little sparrows, strong teeth so that they could chew well the man, which was intended as their prey. Instead, he had given the beak to the sparrows and the sharp fangs to the shark and the human being got the bright white smile what was actually intended for the bumblebees. Shit happens, but he didn’t feel like starting over. So be it! The carious and overgrown bit intended for the man, for which he no longer had any use, was therefore simply left in the subway in the evening on the way home.

Traditionspflege

Der Lehrling hat recht blöd geschaut, als der Maurer ihm gesagt hat, er möge mal eben die Mauer halten, während er den Putz auftrage, aber noch blöder hat er geschaut, als man den Arm dann abnehmen musste. Den Lehrling auf den Arm zu nehmen, ist eine schöne Tradition. Gut, dass es das noch gibt.

Maintaining the tradition – The apprentice looked really stupid when the bricklayer told him to hold the wall while he was applying the plaster, but he looked even more stupid when they had to take his arm off. Poking the prentice is a nice tradition. It’s good that it still exists.

Verbesserung

Als ich heute früh in den Spiegel schaute, stellte ich verwundert fest, dass über Nacht ein kleines Bäumchen auf meinem Kopf gewachsen war, das schon recht kräftig austrieb. Zuerst schien es mir unpraktisch, da ich zwischen den Zweigen und Blättern kaum hindurchsehen konnte, doch später am Tage begriff ich es als Vorzug, denn seien wir doch mal ehrlich, die Welt ist meist recht hässlich und auf den Anblick der Menschen lege ich auch keinen Wert mehr. Da ist es leicht hinzunehmen, dass ich ständig die Wurzeln stutzen muss, die mir aus Ohren und Nase wachsen.

Improvement – When I looked in the mirror this morning, I was astonished to find that a small tree had grown on my head overnight, which was already sprouting quite vigorously. At first it seemed impractical to me, as I could hardly see through between the branches and leaves, but later that day I saw it as an advantage, because let’s be honest, the world is usually quite ugly and I don’t set value on looking at people anymore. So it is easy to accept that I permanently have to prune the roots that grow out of my ears and nose.

Traurig!

Der Siegeszug der elektronischen Medien bis in die Kinderzimmer hinein, führt dazu, dass immer mehr Stofftiere und Spielzeuge auf der Straße ausgesetzt werden, um dort elend zugrunde zu gehen.

Sad! – The triumphant advance of electronic media right into children’s rooms means that more and more stuffed animals and toys are left on the street to perish miserably.

Optische Täuschung

Neulich war ich in Oberösterreich wandern und da wurde ich Zeuge einer sehr ungewöhnlichen optischen Täuschung. Als ich nämlich gerade auf das Dachsteingebirge zuging, sah es für einen Moment so aus, als sei da in der Ferne gar kein Gebirge, sondern als schaute ich die Fassade eines Hauses hinauf; die Vegetation hatte sich in Geranien verwandelt und in die Landschaft schien etwas eingeschrieben zu sein. Vielleicht war es nur ein Marketingtrick des örtlichen Fremdenverkehrsamtes, aber es wirkte, denn sogleich folgte ich dem Bedürfnis, in ein Gasthaus einzukehren und in der Tat war man dort sehr gastfreundlich.

Optical illusion – Recently I was hiking in Upper Austria and there I saw a very unusual optical illusion. As I was walking towards the Dachstein Mountains, it looked for a moment as if there weren’t any mountains in the distance, but as if I was looking up the facade of a house; the vegetation had turned into geraniums and something seemed to be inscribed in the landscape. Maybe it was just a marketing ploy from the local tourist office, but it worked, because I immediately followed the need to stop at an inn and they were indeed very hospitable.