Ein Wiener in München

Naja, eigentlich war er ja kein Wiener, sondern Böhme. Jedenfalls, als 1936 die „Fackel“ eingestellt wurde, sattelte K. auf Radio- und Fernsehtechniker um und eröffnete einen Betrieb in München; wie man sieht, leider ohne nachhaltigen Erfolg.

A Viennese in Munich – Well, actually he was not a Viennese, but Bohemian. In any case, when the „Torch“ was discontinued in 1936, K. changed to radio and television technician and opened a business in Munich; as you can see, unfortunately without sustainable success.

Naturtalent

Ihrer Heiratspolitik hatten die Habsburger nicht nur die Herrschaft über die halbe Welt zu verdanken, sondern auch, da vorzüglich die Verwandtschaft geehelicht wurde, eine über die Jahrhunderte zunehmende Überentwicklung des Unterkiefers, die sog. „Habsburger Unterlippe“. Das Kunsthistorische Museum in Wien ist darum ein Paradies für Kieferchirurgen, denn die Habsburger hatten offenbar keine Scheu, sich auf Leinwand und in Stein naturgetreu abbilden zu lassen. Kaiser Leopold I. scheint sogar nicht wenig stolz darauf gewesen zu sein. Mit Sicherheit war er auf jeder Party der einzige, der mit der Zunge in der Nase bohren konnte.

Natural talent – The Habsburgs owed their marriage policy not only the rule of half the world, but also, since especially relatives were married, an over the centuries increasing overdevelopment of the lower jaw, the so-called „Habsburg lower lip“. The Kunsthistorisches Museum in Vienna is therefore a paradise for oral surgeons, because the Habsburgs were apparently not afraid to be reproduced on canvas and in stone true to nature. Emperor Leopold I even seems to have been a little proud of it. He was certainly the only one at any party who could pick his nose with his tongue.

Ihr habt Recht, Impfgegner!

Die Pharmaindustrie will nur Euer Geld. Darum bietet sie Produkte an, die man bezahlen muss. Wusstet Ihr aber, dass der Bäcker an der Ecke gar nicht Euer Kumpel sein will und nur freundlich ist, damit Ihr ihm seine Brötchen abkauft? Und dass die Zigarettenindustrie die Glimmstengel nicht deshalb produziert, weil sie Euch so liebhat? Und dass Eure trotz fehlender Impfungen schon halbwüchsigen Blagen nur noch mit Euch reden, weil Ihr die Quellen des Taschengelds seid?

You are right, vaccine sceptics! The pharmaceutical industry only wants your money. That’s why they offer products that you have to pay for. But did you know that the baker at the corner does not want to be your buddy and is only friendly for you to buy his bread? And that the cigarette industry does not produce the chicks because they love you so much? And that your, despite the lack of vaccinations, already half-grown children only talk to you because you are the sources of pocket money?

Erschienen / published in Titanic 5/2019

Ohne Schuhe in Wien

Neulich war ich sehr früh im Kunsthistorischen Museum in Wien und schaffte es tatsächlich, ein paar Minuten allein zu sein mit Caravaggios Rosenkranzmadonna. Die Madonna ist natürlich wunderschön und das ganze Bild ein Meisterwerk, aber mein liebstes Detail sind die schmutzigen Füße, die dem Betrachter ins Gesicht ragen. Ich glaube, Caravaggio hatte seinen Spaß dabei.

Without shoes in Vienna – Recently I was very early in the Kunsthistorisches Museum in Vienna and actually managed to be alone for a few minutes with Caravaggio’s Rosary Madonna. The Madonna is of course beautiful and the whole picture a masterpiece, but my favorite detail is the dirty feet that stick to the viewer’s face. I think Caravaggio had fun with it.