An den Himmel versetzt

Klaus wollte nie ein Star sein, aber nachts ließ er gerne das Licht an und stellte sich vor, wie Mond und Venus bewundernd auf ihn herabblickten.

Moved to heaven
Klaus never wanted to be a star, but at night he liked to leave the lights on and imagine the moon and Venus looking down at him in admiration.

Der Untergang des Abendlandes (1)

In was für einer Welt leben wir eigentlich, in der man seine Mitmenschen daran erinnern muss, dass es unhöflich ist, mehr als eine Person aufzuhalten?

The decline of the West
What kind of world do we actually live in where you have to remind your fellow human beings that it is rude to stop more than one person?

(It’s just a silly play on words with the double meaning of ‚being in a place‘ and ‚to stop someone‘)

Aus dem Familienalbum (30)

Ein Onkel meiner Mutter war schon in jungen Jahren so vergesslich, dass er sich nicht einmal seinen eigenen Namen merken konnte, der seitdem auch in Vergessenheit geriet. Er behalf sich damit, dass er sämtliche Dinge in seiner Umgebung beschriftete, bis er feststellte, dass er nun zwar das Haus nicht mehr mit dem Auto verwechselte, aber dennoch nicht mehr wusste, wo er das Auto abgestellt hatte. Als er seine Frau und seine Kinder fragte, ob man denn nicht die Namensschilder, die sie auf der Stirn tragen mussten und die immer wieder herabfielen, deshalb durch Tätowierungen ersetzen sollte, reichte seine Frau die Scheidung ein. Er hat es aber sogleich vergessen. Welch ein Segen.

From the family album (30)
One of my mother’s uncle was so forgetful at a young age that he couldn’t even remember his own name, which has since been forgotten. He managed with it by labeling everything around him until he realized that he no longer mistook the house for the car, but still could not remember where he had parked the car. When he asked his wife and children if the name tags they had to wear on their foreheads, which kept falling off, should be replaced with tattoos, his wife filed for divorce. But he immediately forgot. What a blessing.

Vom Versagen (1)

Als einmal alles schiefgegangen ist, wollte ich mich aus Enttäuschung darüber betrinken, aber schon die erste Flasche Bier habe ich dann nicht geschafft.

About failure – When everything went wrong once, I wanted to get drunk out of disappointment, but then I couldn’t even empty the first bottle of beer.

Lästig

In den letzten Tagen hat es so viel geregnet, dass ich die Sonne zum Trocknen aufhängen musste.

Annoying – It has rained so much in the past few days that I had to hang out the sun to dry.

Selbstkritik

Die Corona-Pandemie bringt meine schlechtesten Eigenschaften zum Vorschein. Neulich zum Beispiel habe ich zum ersten Mal in meinem Leben jemandem zu seiner Erkältung gratuliert.

Self-criticism
The corona pandemic is bringing out my worst traits. For example, recently I congratulated someone on his cold for the first time in my life.

Aus dem Familienalbum (29)

Meine Eltern sind ja beide Künstler. Bis zu ihrer Scheidung kommunizierten sie nur noch mittels abstrakter Rauminstallationen, die aus einem bestimmten Winkel betrachtet sich zu vulgären Ausdrücken und Drohungen formten. Ich vermute, dass meine Abneigung gegenüber moderner Kunst damit zusammenhängt.

From the family album
My parents are both artists. Until their divorce, they only communicated by means of abstract room installations that, viewed from a certain angle, formed into vulgar expressions and threats. I suspect my dislike of modern art is related to this.

Hallo #BesserWeiter,

du bist eine bundesweite Kampagne, mit der Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs das Vertrauen der Fahrgäste zurückgewinnen wollen. Das ist lobenswert und vernünftig. Dass du das mit diesem Horrorclown schaffst, bezweifle ich jedoch. Trotzdem: Ist genau mein Ding. Creepy Grüße!

Hello #BesserWeiter,
You are a nationwide campaign with which the federal government, the federal states, local government associations and local public transport companies want to regain the trust of passengers. That is commendable and sensible. However, I doubt that you can do it with this horror clown. Still: it’s exactly my thing. Creepy greetings!

(On the billboard: „Being sensible. Exactly my thing. Better onwards with a mask“)

So geht es in Bayern zu

In der Kantine der Bayerischen Staatskanzlei genießen nur der Ministerpräsident und sein kleiner Koalitionspartner von den Freien Wählern das Privileg von einem eigenen Teller zu essen. Hier sieht man diese an Haken an der Wand befestigt, den Häkchen zur Mahnung, dass sie sich nur recht schön krümmen mögen, auf dass auch sie einmal einen eigenen Teller bekämen. Das Fußvolk bekommt aber immerhin einen Holzlöffel, mit dem sie einmal in den großen Topf eintauchen dürfen, freilich streng dem Dienstgrad folgend. Wenn die untersten Ränge dran sind, ist der Topf aber meist schon leer.

That’s how it goes in Bavaria
In the canteen of the Bavarian State Chancellery, only the Prime Minister and his little coalition partner of the Free Voters enjoy the privilege of eating from their own plate. Here you can see them attached to hooks on the wall, as a reminder for the hooklets that they should only bend nicely so that they too would get their own plate one day. The staff at least gets a wooden spoon with which they can dip into the large pot, strictly following their rank. When it comes to the bottom ranks, the pot is usually empty.

Die Abenteuer von Pavel Havel (2)

Eines Tages wurde Pavel Havel, der berühmte tschechische Großmeister aller Klassen von seiner Frau aus Wut über eine Nichtigkeit aus dem Fenster geworfen. Weil aber Pavel Havel wusste, was aus so einer Sache an Unheil erwachsen kann und die Nichtigkeit wirklich nicht der Rede wert war, machte er auch kein Aufhebens davon, sondern stürzte sich sogleich selbst ein weiteres Mal aus dem Fenster, und dann ein drittes und ein viertes Mal, und dies tat er solange, bis sich die Menschenmenge auf der Straße unterhalb des Fensters aus Überdruss und Langeweile zerstreute.

The adventures of Pavel Havel
One day, Pavel Havel, the famous Czech grandmaster of all classes, was thrown out the window by his wife out of anger over something nothing. But because Pavel Havel knew what disaster could result from such a thing and the negligence was really not worth mentioning, he made no fuss about it, but immediately rushed himself out of the window one more time, and then a third time and a fourth, and he did so until the crowd in the street below the window of weariness and boredom dispersed.

Erschienen / Published in Titanic 10/2020