Wie es wirklich war (5)

Heute vor 135 Jahren ertrank bei Schloss Berg im Würmsee, dem heutigen Starnberger See, König Ludwig II. von Bayern. Was sich in jener regnerischen Nacht tatsächlich ereignete, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben, doch noch heute erzählt man sich in der Gegend, der König sei nur deshalb erst nach Stunden gefunden worden, und hätte womöglich sogar gerettet werden können, wenn nicht die verantwortlichen Hofschranzen und Minister, wie alle Mitglieder bayerischer Regierungen seit jeher, ob adlig oder nicht, zu dumm gewesen seien, den ordentlich ausgeschilderten Rettungsweg zu finden.

How it really was – 135 years ago today, King Ludwig II of Bavaria drowned near Berg Castle in the Würmlake, today’s Lake Starnberg. What actually happened on that rainy night will probably remain a secret forever, but still today people in the area say that the king was only found hours afterwards and might even have been saved, if not those responsible courtiers and ministers, like all members of Bavarian governments always, whether noble or not, have been too stupid to find the properly signposted emergency route. (on the sign: emergency route)

Ein Lob der Bürokratie

Der Bau der einzigen Pyramide nördlich der Alpen zog sich aufgrund einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem städtischen Baureferat und der Regierung von Oberbayern so dermaßen in die Länge, dass nach einigen tausend Jahren das Pyramidenbauen nicht nur aus der Mode gekommen war, sondern das Projekt aufgrund einer neuen Verordnung der unteren Umweltschutzbehörde sowieso nicht mehr zu realisieren gewesen wäre. Der Bund der Steuerzahler war ausnahmsweise zufrieden.

Kudos to the bureaucracy – The construction of the only pyramid north of the Alps was so protracted due to a difference of opinion between the municipal building department and the government of Upper Bavaria that after a few thousand years building pyramids was not only out of fashion, but due to a new decree by the lower environmental protection authority the project would no longer have been realized anyway. The taxpayers association was satisfied for once.

Träume nicht dein Leben

Weil der kleine Drache, wie man weiß, nicht Feuerwehrmann werden durfte, kaufte er sich einen Feuerlöscher und wartete darauf, dass es brennt. Da es aber partout nicht brennen wollte, half er bisweilen etwas nach und wartete am Fenster auf einen Passanten, den er löschen konnte. Leider waren die Passanten meist schon völlig verbrannt, bevor er seinen kleinen Hund davon überzeugen konnte, ihm den Feuerlöscher zu überlassen, den jener bewachte, obwohl das vollkommen unnötig war. Der kleine Hund wäre nämlich so gerne ein berühmter Wachhund geworden, aber das ist eine andere Geschichte.

Don’t dream your life – Because the little dragon was not allowed to become a firefighter, as we know, he bought a fire extinguisher and waited for it to burn. But since it didn’t want to burn at all, he sometimes helped a little and waited at the window for a passer-by, whom he could put out. Unfortunately, most of the passers-by were completely burned before he could convince his little dog to let him have the fire extinguisher, which he was guarding, even though it was completely unnecessary. The little dog would have loved to become a famous watchdog, but that’s another story.

Krise

Um den Einzelhandel steht es wahrlich nicht gut. Aufgrund der Pandemie hat der Laden um die Ecke seit über einem Jahr geschlossen. Man kann zwar etwas bestellen, aber es gibt so gut wie nichts mehr. Ich brauche weder ein paar halb verwelkte Rosen noch eine Dankeskarte für die Großeltern. Meine Großeltern sind alle tot und dafür bin ich ihnen nicht dankbar. Und Rosen habe ich noch nie gemocht. Für das Schnapsglas hätte ich vielleicht Verwendung, aber der Arzt hat mir abgeraten. Wo soll das alles enden?

Crisis – The retail sector is really not doing well. Due to the pandemic, the corner store has closed for over a year. You can order something, but there is almost nothing left. I don’t need a couple of half-withered roses or a thank you card for the grandparents. My grandparents are all dead and I am not grateful to them for that. And aside from that I’ve never liked roses. I might have a use for the shot glass, but the doctor advised against it. Where is all of this supposed to end?

Rand- und Nebenwissen (1)

Was wie eine Satellitenaufnahme aussieht, ist in Wahrheit ein Stück Schorf, das mir nach dem letzten Sonnenbrand auf der Schulter gewachsen ist. Aber auch das ist eine optische Täuschung, denn als ich den Schorf unter dem Mikroskop betrachtete, musste ich feststellen, dass es sich um Frankreich handelt. Bei sehr starker Vergrößerung konnte ich sogar den Eiffelturm in Paris sehen. Da ich keine Idee hatte, was ich mit Frankreich anfangen sollte, habe ich es in einen Briefumschlag gesteckt und nach Brüssel an die Europäische Kommission geschickt. Sollen die sich mal um Frankreich kümmern.

Optical illusion – What looks like a satellite image is actually a piece of scab that grew on my shoulder after the last sunburn. But that too is an optical illusion, because when I looked at the scab under the microscope, I discovered that it was France. At very high magnification I could even see the Eiffel Tower in Paris. Since I had no idea what to do with France, I put it in an envelope and sent it to the European Commission in Brussels. Let them take care of France.

Neues vom Wohnungsmarkt (7)

Die Wohnungsnot treibt in München immer schlimmere Blüten. Heinz B. ist Untermieter bei einem Studenten, der seinen Neoprenanzug für 500 Euro zur Verfügung stellt. Der selbständige Heizungstechniker B. ist dennoch nicht völlig unzufrieden. Im Sommer sei das draußen ganz angenehm und im Winter sei er sowieso immer auf Montage. Unangenehm sei allerdings, dass er nicht im Liegen schlafen könne und erst ans Fenster klopfen müsse, bevor er nachts mal auf die Toilette könne.

News from the housing market – The housing shortage is growing worse and worse in Munich. Heinz B. is subtenant with a student who provides his wetsuit for 500 euros. The independent heating technician B. is still not completely dissatisfied. In summer it is very pleasant outside and in winter he is always away on a construction job anyway. It is unpleasant, however, that he cannot sleep lying down and has to knock on the window before he can go to the toilet at night.

Immer dieses Gemecker!

Nachdem Politik und Industrie sich darauf geeinigt haben, dass Personenkraftwagen künftig weder Stickoxide noch andere Schadstoffe ausstoßen dürfen, sondern ausschließlich Kirschblütenblätter, mehren sich die Beschwerden, besonders in gutbürgerlichen Stadtvierteln, die Straßenreinigung würde ihre Aufgaben vernachlässigen und die Kinder würden nur darum den Dreck mit vollen Händen in die Wohnungen tragen können.

Always this bitch! – After politics and industry have agreed that passenger cars should not emit nitrogen oxides or other pollutants in the future, but only cherry blossom petals, the complaints are increasing, especially in middle-class city districts, street cleaning would neglect its tasks and only for that reason the children would carry hands full of dirt into the apartments.

Langeweile

Schon lange hat der Krieg die Nase voll von dem ewigen Frieden in Europa. Nicht einmal die wenigen Geschäftsreisen nach Asien oder Afrika lohnen sich und sind ihm eher lästig. Es bräuchte wieder einen richtigen Weltkrieg, denkt er. Aber seit der Pandemie ist es besonders fad. Jeden Tag hält er am Fenster Ausschau, ob nicht vielleicht doch jemand kommt und nach ein wenig Abwechslung verlangt. „Das wird Euch noch leid tun!“ denkt er zornig, bevor er sich im Fernsehen die 265. Wiederholung einer zehnteiligen Serie über den deutschen Überfall auf die UdSSR ansieht.

Boredom – The war has long been fed up with eternal peace in Europe. Even the few business trips to Asia or Africa are not worthwhile and tend to be a nuisance for him. It would take a real world war again, he thinks. But it’s been particularly boring since the pandemic. Every day he looks out of the window to see if someone might come and ask for a change. “You will be sorry for that!” he thinks angrily before watching the 265th repetition of a ten-part series about the German attack on the USSR on television.

Gottesbeweis

Der Titel verspricht zu viel, denn nicht die Existenz des einen Gottes kann hiermit bewiesen werden, sondern nur, dass der altrömische Gott Janus das Konzept einer Mund-Nasen-Maske nicht verstanden hat.

Proof of God – The title promises too much, because I cannot prove the existence of the one and only god, but that the ancient Roman god Janus did not understand the concept of a mouth and nose mask.

Aus dem Familienalbum (46)

Onkel Albert ist eigentlich kein Onkel, sondern der Mann meiner Tante Anneliese, und er ist auch gar kein Schwabe, sondern Niederbayer, aber dennoch weiß er, sagt er, wie man das Geld zusammenhält. Warum viel Miete zahlen, wenn man auch wenig zahlen kann, fragt er, sagt er, aber bisher habe er noch keine gültige Antwort erhalten. Darum sind er, seine drei Kinder, sein Vater und dessen Pferd und Hund in eine kleine Wohnung gezogen, die gerade ausreichend groß ist, dass alle Platz finden und ihm genügend Raum bleibt, das Geld zusammenzuhalten. Seine Frau habe bedauerlicherweise keinen Platz mehr gefunden, aber die müsse eh arbeiten gehen und sei deshalb nie zuhause, glaubt er, sagt er. Ich bin mir da nicht so sicher.

From the family album – Uncle Albert isn’t actually an uncle, he’s my aunt Anneliese’s husband, and he’s not a Swabian at all, but a Lower Bavarian, however he knows, he says, how to keep the money together. Why pay a lot of rent when you can pay little, he asks, he says, but so far he has not received a valid answer. That is why he, his three children, his father and his horse and dog moved into a small apartment that is just big enough for everyone to find space and for him to keep the money together. Unfortunately, his wife has not found a place, but she has to go to work anyway and is therefore never home, he believes, he says. I’m not so sure about that.