Aus dem Familienalbum (10)

Meine Großeltern lebten in einer kleinen Wohnung und besaßen nicht viele Möbel, aber das Wohnzimmer wurde von einem fast zwei Meter großen ausgestopften Bären beherrscht. Wer nicht darauf gefasst oder zum ersten Mal zu Besuch war, bekam einen Schock, von dem sich manche, so sagt man, nie wieder erholt hätten. Der Bär hatte überall kahle Stellen und er roch furchtbar, aber im Halbdunkel war er durchaus noch in der Lage, Schrecken zu verbreiten. Meine Großmutter weigerte sich, das Monstrum auch nur anzurühren und ignorierte es. Mein Großvater behauptete, den Bären im Krieg in Russland persönlich geschossen zu haben, doch wir alle wussten, dass er erstens seiner starken Kurzsichtigkeit wegen gar nicht eingezogen worden war und zweitens den Bären bei einem Trödler gekauft hatte, denn am Hintern des Tieres baumelte noch das Preisschild über 50 Reichsmark, das er aufgrund seiner Kurzsichtigkeit natürlich nicht sehen konnte.

From the family album – My grandparents lived in a small apartment and did not have much furniture, but the living room was dominated by a nearly two meter tall stuffed bear. Those who were not prepared for it or visited for the first time, got a shock that, some say, some never recovered from. The bear had bleak spots everywhere and smelled awful, but in the semi-darkness he was quite able to spread terror. My grandmother refused to even touch the monster and ignored it. My grandfather claimed to have personally shot the bear during the war in Russia, but we all knew that he had not been drafted because of his strong shortsightedness and secondly that he had bought the bear from a junk dealer because the Price tag over 50 Reichsmark was dangling from the beast’s bottom, which of course he could not see because of his shortsightedness.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (3)

Das Land zu machen, gestaltete sich schwieriger als Gott sich vorgestellt hatte. Alles geriet ihm dabei durcheinander, die Elemente vermischten sich, klebten aneinander, beschmutzten seine neue Arbeitskleidung und machten schwarze Ränder unter den Fingernägeln. Es war eine einzige Sauerei. Dabei hatte er sich eine so schöne Ordnung für die Dinge überlegt. Es war vergebens und nicht zu retten. Resigniert verteilte er etwas von dem glitzernden Kleinzeug, ein paar Glasperlen hier, ein paar Muscheln da, aber es half nicht, es sah bescheuert aus. Den Rest ließ er einfach liegen und ging nach nebenan auf ein Bier.

What was left over at creation – Making the land was more difficult than God had imagined. Everything was confused, the elements mingled, stuck together, soiled his new work clothes and made black edges under his fingernails. It was a mess. Yet he had projected such a nice order for all things. It was in vain and past remedy. Resigned, he distributed some of the sparkling little things, a few glass beads here, a few shells there, but it did not help, it looked stupid. He simply left the rest and went next door to have a beer.

Berlin mal wieder!

Da der Gesetzentwurf der Bundesregierung vom Bundestag gegen die Stimmen der CSU-Landesgruppe angenommen wurde, sollen nun im ganzen Land Himmelswischer und Wolkenschieber errichtet werden, um sicherzustellen, dass über der Bundesrepublik auf ewig die Sonne lacht. Regen ist künftig nur noch nachts und an Donnerstagen zwischen 12 und 13 Uhr gestattet. Die Bayerische Staatsregierung hat eine Verfassungsbeschwerde angekündigt und bezeichnet dieses Vorhaben als „antibayerische Aktion“. Bayerns Farben seien bekanntlich Weiß und Blau und dabei bleibe es.

Berlin again! – Since the bill of the Federal Government was adopted by the Bundestag against the votes of the CSU, sky wipers and cloud pushers are now to be erected throughout the country to ensure that the sun shines forever on the Federal Republic. In the future rain will only be permitted at night and on Thursdays between 12 and 13 o’clock. The Bavarian state government has announced a constitutional complaint and calls this project „anti-Bavarian action“. Bavaria’s colors are known to be white and blue and they will keep it that way.

Memento mori!

Als ich neulich in Italien einen Teller Pasta aß

wurde ich daran erinnert, dass man, so gut das Essen auch schmeckt, das Unvermeidliche nicht vermeiden kann; und auch wenn einem der Platz im Altenheim ein Lächeln ins Gesicht zaubert,

fährt man am Ende eben doch in die Grube und sollte daher rechtzeitig sein Begräbnis organisieren.

Ach, wie ist Italien schön!

Memento mori – When I ate a plate of pasta in Italy the other day, I was reminded that, even if the food tastes good, you can not avoid the inevitable. And even if the place in the nursing home conjures a smile on your face, you will kick the bucket in the end and should therefore organize your funeral in time. Oh, how beautiful is Italy!

Wir bitten um Verständnis

Die Fortbildung „Der Umgang mit ständigen Unterbrechungen“ musste wegen ständiger Unterbrechungen ständig unterbrochen werden und wird daher bis auf Weiteres unterbrochen.

We ask for your understanding. – The course „The handling of constant interruptions“ had to be constantly interrupted because of constant interruptions and is therefore interrupted until further notice.

Aus dem Familienalbum (9)

Als meine Mutter neulich aus der Arbeit kam, wurde sie schon von meinem Vater an der Haustür erwartet, der sie bat, die Augen zu schließen und ihr ungeahnte Freuden in Aussicht stellte. Sie habe sich gewundert, denn den 40. Hochzeitstag im Monat zuvor hätte er vergessen, habe sie noch gedacht, als sie von ihrem nervös kichernden Gatten am Arm in die Wohnung geführt wurde. Ihr sei gleich der bittere Geruch aufgefallen, doch vor allem das lauter werdende Geräusch sich ergießenden Wassers habe sie sehr irritiert, als mein Vater sie schließlich aufforderte, die Augen zu öffnen. Sie habe es erst nicht glauben können: Mitten im Wohnzimmer, den Raum fast völlig einnehmend, habe sich ein Becken befunden, in dessen Mitte aus einer Fontäne eine Flüssigkeit sprudelte und sich schäumend in das schon fast randvolle Becken ergoss. „Na?“ habe sie mein Vater mit überschnappender Stimme beinah angeschrien, „Ist das nicht der Wahnsinn? EIN BIERBRUNNEN!“ Ja, er sei sich darüber klar, dass man die an den Rand geschobenen Möbel noch entfernen müsse, um von allen Seiten Zugang zu haben, aber das sei doch rasch getan! Auch das Problem des fehlenden Ablaufs sei leicht behoben, man müsse eben schneller trinken als der Brunnen sich füllen könne. Meine Mutter habe nicht gewusst, was sie darauf sagen sollte und habe vorgegeben, noch Milch einholen zu müssen. Dann sei sie erst einmal in die nächste Kneipe gegangen und habe ein großes Bier bestellt. Dabei möge sie doch gar kein Bier.

From the family album – When my mother came home from work the other day, she was already expected by my father at the front door, who asked her to close her eyes and predicted unforeseen pleasures. She had wondered because he had forgotten the 40th wedding anniversary a month earlier. When she was led into the apartment by her nervously giggling husband she noticed the bitter smell, but above all it was the loud sound of pouring water that had irritated her, when my father finally asked her to open her eyes. At first she could not believe it: in the middle of the living room, almost completely occupying the room, there was a basin of which a liquid bubbled out of a fountain and spilled into the already almost full basin. „Now?“ my dad almost yelled at her with a cracking voice, „Isn’t it great? A BEER FOUNTAIN!“ Yes, he understands that you have to remove the furniture that has been pushed to the edge in order to have access from all sides, but that would be done quickly! Also, the problem of lack of drainage is easily resolved, you just have to drink faster than the well could fill. My mother did not know what to say and pretended to have to get some milk. Then she went to the nearest pub and ordered a big beer. Although she does not like beer.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (2)

Eigentlich hatte Gott eine schöne glatte Kugel machen wollen, die man gut als Handschmeichler oder Briefbeschwerer verwenden konnte, aber das blöde Ding kam völlig missraten aus der Gussform. Es glich mehr einer Kartoffel und die Oberfläche war voller Risse, Dellen, Zacken und Buckel. Eine Zeitlang schabte und rubbelte er daran herum, bis er einsehen musste, dass es keinen Sinn hatte. Die Krümel kehrte er fein zusammen, denn seine Frau Mama hatte ihn zur Sauberkeit erzogen, aber dann besann er sich eines Besseren und ließ den ganzen Schamott einfach liegen. Hinterher könnte er ja immer noch behaupten, er habe es genau so und nicht anders gewollt.

What was left over at creation. – Actually, God had wanted to make a nice smooth ball, which could be used as a hand flatterer or paperweight, but the stupid thing came out of the mold completely out of whack. It was more like a potato and the surface was full of cracks, dents, spikes and humps. For a while he scraped and rubbed it until he realized it did not make sense. He swept up the crumbs because his mum had brought him up to cleanliness, but then he changed his mind and simply left the dirt behind. After all, he could still claim that he wanted it just like that and not otherwise.

Aus dem Familienalbum (8)

Mein Cousin Hartmut ist Busfahrer („300 PS! Kein Ferrari, aber länger. Hö Hö!“), doch sein Hobby ist Reiten („Ein PS, aber scheißt so viel wie 300 von deiner Sorte! Hö Hö!“). Neulich aber hat ihm sein Reitstall gekündigt, weil einige der Pferdemädchen Hartmuts Humor nicht teilen wollten. Daraufhin sollte er seinen Gaul woanders unterstellen, aber Hartmut war der Meinung, er zahle eh zu viel Miete und nahm das Tier mit nach Hause in seine Zweizimmerwohnung im vierten Stock. Nach zwei Tagen merkten es die Nachbarn und holten die Polizei. Nun hat er eine Anzeige wegen Tierquälerei am Hals und die fristlose Kündigung seiner Wohnung in der Tasche. Meine Oma erzählte gestern ganz ahnungslos, Hartmut würde ein paar Tage bei ihr einziehen, während er eine neue Wohnung suche. Ob sie etwas gegen Haustiere habe, habe er gefragt. Solange es kein großer Hund sei, habe sie gesagt, sei das kein Problem. Nein nein, ein großer Hund sei es nicht. Zu großen Hunden habe er kein gutes Verhältnis, die seien meistens faul und machten ihm zu kleine Haufen.

From the family album – My cousin Hartmut is a bus driver („300 hp, not a Ferrari, but longer, Hö Hö!“), but his hobby is riding („Only one horsepower, but they shit as much as 300 of your kind! Hö Hö!“). Recently, however, his riding stable has dismissed him because some of the horse girls did not want to share Hartmut’s humor. So he was supposed to put his horse elsewhere, but Hartmut thought he was paying too much rent anyway and took the animal home with him to his two-room apartment on the fourth floor. After two days, the neighbors noticed it and called the police. Now he is on trial for animal cruelty and got the termination of his rental agreement. Yesterday, my grandmother mentioned quite naive that Hartmut would move in with her for a few days while looking for a new apartment. If she would dislike a pet, he had asked. As long as it’s not a big dog, she said, that would not be a problem. No no, not a big dog. To large dogs he has no good relationship, they are mostly lazy and usually the heaps they lay are too small.