Abstieg zur Hölle

Was alle Regensburger wissen, aber sonst kaum jemand: Dieses unscheinbare Loch ist der Eingang zur Unterwelt. Die Eingeborenen behaupten zwar, sie wüssten nicht, wohin der Gang führe, aber nach dem dreizehnten Bier, das man an diesem sehr katholischen Ort ein Judasbier nennt, verraten sie es doch. Mit angstgeweiteten Augen und brechender Stimme berichten sie von fürchterlichen Qualen, aber auch mit dem vierzehnten Bier kann man ihnen keine Details entlocken. Das wollte ich genauer wissen. Spät in der Nacht schlich ich mich dorthin und kroch in den engen schmutzigen Gang, der wider Erwarten hinab führte und nach einigen hundert Metern hinter einer Tapetentür endete. Zu meiner nicht geringen Überraschung führte diese Tür in das Schlafgemach der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die gerade einige arme Sünder in glühendem Blei kochte. Mehr war leider nicht zu erfahren, denn ein glutäugiger Teufel machte mir schwere Vorwürfe, dass ich ohne Termin hier gar nichts zu suchen hätte und gefälligst verschwinden solle, was ich dann auch gerne tat.

Descent to hell – What everyone in Regensburg knows, but hardly anyone else: This inconspicuous hole is the entrance to the underworld. The natives claim they don’t know where the passage is going, but after the thirteenth beer, which in this very Catholic place is called a Judas beer, they give it away. With eyes wide with fear and breaking voices, they report terrible torments, but even with the fourteenth beer you can’t get any details out of them. I wanted to know more about that. Late at night I crept there and crawled into the narrow, dirty corridor that led down unexpectedly and ended a few hundred meters behind a wallpaper door. To my no small surprise, this door led into the bedroom of Princess Gloria of Thurn und Taxis, who was just boiling some poor sinners in red-hot lead. Unfortunately, more was not to be found out, because a glowy-eyed devil made serious accusations that I had no business here without an appointment and should kindly disappear, which I was happy to do.

Unterm Rad

Was sagen Trottel und Faulenzer, wenn sie sich vor der Arbeit drücken wollen: „Da müssen wir doch nicht das Rad neu erfinden!“ Dann löten sie im letzten Moment schnellschnell irgendeinen Quatsch zusammen und so etwas kommt dann dabei heraus.

Beneath the wheel
What do idiots and idlers say when they want to avoid work: “We don’t have to reinvent the wheel!” Then at the last moment they terribly quickly solder together some nonsense and something like that comes out.

Deutscher Schicksalstag

Unbemerkt von der Welt fiel vor 31 Jahren diese Mauer (Abb. ähnlich) hinter dem Haus von Heinz Karsunke in Oer-Erkenschwick um. Herr Karsunke, der leider genau in diesem Augenblick daran vorbeiging, kann sich nicht mehr erinnern, aber seine Frau bestätigt die Geschichte und schiebt ihren Mann in seinem Rollstuhl wieder vor den Fernseher. „Was muss denn bitte am 9. November noch alles geschehen, bis man ihn endlich verbietet?“ fragt sie aufgebracht. Wir wissen es leider auch nicht, aber die Frage ist berechtigt.

German fateful day
31 years ago, unnoticed by the world, this wall (similar illustration) fell over behind Heinz Karsunke’s house in Oer-Erkenschwick. Mr Karsunke, who unfortunately passed it at that very moment, can no longer remember, but his wife confirms the story and pushes her husband back in his wheelchair in front of the television. “What else has to happen on November 9th before it is finally banned?” she asks angrily. Unfortunately, we don’t know either, but the question is legitimate.

Schöner wohnen

Als Gott neulich inkognito in Oberbayern Urlaub machte, da war er doch recht angetan von der schönen Landschaft, dem vielen Grün und der reizenden Architektur. Das möchte ich auch haben, dachte er sich. Nach Mekka zurückgekehrt, machte er sich sogleich an die Arbeit. Seinem Haus setze er ein hübsches Satteldach auf und den öden Platz drum herum füllte er mit sanften Hügeln, auf denen er grünes Gras und Apfelbäume aufgehen ließ. Am nächsten Morgen waren die Menschen doch sehr erstaunt, denn so etwas hatte man im Wüstenstaat noch nicht gesehen. Und weil Grün gut für die Nerven ist, gab es auch kein böses Wort. Erst als Gott das Betreten des Rasens untersagte und einige Pilger, die sich wie stets anschickten, sein Haus siebenmal zu umrunden, mit unflätigen Flüchen belegte, hob der ein oder andere ungläubig eine Augenbraue.

Better Homes and Gardens
When God recently went on holiday incognito in Upper Bavaria, he was really taken with the beautiful landscape, the greenery and the lovely architecture. I want that too, he thought to himself. When he returned to Mecca, he immediately got to work. He put a pretty gable roof on his house and filled the dreary space around it with rolling hills on which he let green grass and apple trees grow. The next morning the people were very astonished, because nothing like this had been seen in the desert state. And because green is good for the nerves, there was no bad word. Only when God forbade walking on the lawn and cursed some pilgrims, who were preparing to circle his house seven times as usual, did one or the other raise an eyebrow in disbelief.

Neustart

Dieses Jahr hat mir endgültig klar gemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Daher fange ich noch einmal ganz von vorn an.

Restart
This year finally made it clear to me that things cannot go on like this. So I’ll start all over again.

Aus dem Familienalbum (32)

Mein Onkel Günther wurde von meiner Großmutter entweder „Saubär“, „Schweinderl“ oder „Ferkel“ gerufen, weil er sich seit seiner Jugend nur selten die Haare geschnitten hat und, zugegeben, manchmal nicht gut riecht. Trotzdem kann ich meiner Großmutter nur eingeschränkt recht geben.

From the family album
My uncle Günther was called either “swine”, “hog” or “Piglet” by my grandmother because he has rarely cut his hair since his youth and, admittedly, sometimes does not smell good. Nevertheless, I can only partially agree with my grandmother.

Divergenz

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Frucht der kleinen roten wohlschmeckenden Radischen so aussieht wie ein großer weißer wässriger Radi, den man aus mir unerfindlichen Gründen im Biergarten als Brotzeit anbietet? Beim homo mehr oder weniger sapiens ist das genau umgekehrt. Als Kind schaut er aus wie ein Mensch, klein und rund und schön anzusehen. Ausgewachsen jedoch hat er sich in ein langweiliges bleiches Gemüse verwandelt, das lätschert herumliegt und darauf wartet, weggeschmissen zu werden.

Divergence
Have you ever noticed that the fruit of the small red tasty radish looks like a large white watery radish that, for reasons inexplicable to me, is offered as a snack in the beer garden? With homo more or less sapiens it is exactly the opposite. As a child he looks like a person, small and round and beautiful to look at. When fully grown, however, he has turned into a boring, pale vegetable that lays around flabbily, waiting to be thrown away.

Fauxpas

Die meisten Kreise fanden es sehr befremdlich, dass ihr Kreiskultur-Vorsitzender auch Vertreter der Quaderkultur, der Achteck-Kultur und der Stangen-Kultur zum geselligen Beisammensein eingeladen hatte. Immerhin machten sich die Banausen nützlich.

Faux pas
Most circles found it very strange that their circle culture chairman had invited representatives of the square culture, the octagon culture and the pole culture to social get-togethers. After all, the ignoramuses made themselves useful.

Aus dem Familienalbum (31)

Als mein Cousin Albert neulich den Eltern seine neue Freundin Waltraut vorstellte, hätten diese endlich verstanden, weshalb Albert von ihr immer als der „Großkopferten“ gesprochen habe. Dabei komme die Waltraut aus einer ganz normalen Familie und sei überhaupt nicht überheblich. Dumm sei nur, dass ihr Kopf nicht durch die Tür gepasst habe und man ihr Kaffee und Kuchen darum nach draußen auf die Straße reichen musste. „Aber mei“, meinte Alberts Mutter, „wo die Liebe eben hinfällt.“

From the family album
When my cousin Albert recently introduced his new girlfriend Waltraut to his parents, they finally understood why Albert always referred to her as the “big head”. Waltraut comes from a completely normal family and is not at all arrogant. The only thing is that her head did not fit through the door and that she had to be handed coffee and cake outside on the street. „Well,“ said Albert’s mother, „wherever love falls.“