Wie es wirklich war (20)

Bis heute hält sich hartnäckig die Vorstellung, Martin Luther höchstpersönlich habe eine neue Richtung erfunden und wie bei so vielem auch gleich den passenden Begriff dafür. Angeblich seien zuvor alle damit zufrieden gewesen, dass es immer nur linksrum ging, denn mehr hätten sich die Leute damals halt nicht vorstellen können. Das ist natürlich Unsinn, denn freilich wusste man, dass es auch rückwärts gehen kann, wobei rückwärts zugleich das Gegenteil von unten war. Das erscheint uns Heutigen seltsam, aber so war das halt. Jedenfalls hat Luther irgendwann frech behauptet, er habe sich ein Gegenteil für oben ausgedacht, weil es im Deutschen noch kein passendes Wort für einen obskuren hebräischen Begriff aus einem noch obskureren apokryphen Text gebe, den inzwischen aber leider sein Hund gefressen habe. – Was war nochmal die Frage?

How it really was – The idea that Martin Luther himself invented a new direction and, as with so many things, the right term for it, still persists to this day. Supposedly everyone was previously happy with the fact that it always only went to the left, because people couldn’t have imagined anything more at the time. This is of course nonsense, because we knew that things could also go backwards, although backwards was also the opposite of down. That seems strange to us today, but that’s just how it was. In any case, at some point Luther cheekily claimed that he had come up with an opposite for the above because there was not yet a suitable word in German for an obscure Hebrew term from an even more obscure apocryphal text, which his dog had unfortunately eaten in the meantime. – What was the question again?

Im Susiladen

Neulich beim Susiausstatter nachgesehen, was es Neues gibt. Der Ladeninhaber, der überraschenderweise nicht Susi heißt, sondern Karl-Heinz, meinte, der Susimarkt sei gerade im Umbruch, weil die meisten Leute seit der Pandemie vor allem online ihren Susibedarf decken. Was waren das noch für Zeiten, als es in jedem Dorf einen Susiladen gab und die Innenstädte vom Susieinzelhandel dominiert wurden! Tja, vorbei.

At the Susi shop – Recently checked at the Susi-outfitter to see what’s new. The shop owner, whose name is surprisingly not Susi but Karl-Heinz, said that the Susi market is currently in a state of upheaval because most people have been covering their Susi needs primarily online since the pandemic. Those were the days when there was a Susi shop in every village and the inner cities were dominated by Susi retail! Well, over and done.

(Grüße nach W. / Greetings to W.)

Andere Länder, andere Sitten (3)

Bei uns muss man sich entscheiden, ob man Bier lieber aus der Dose trinkt oder aus der Flasche, ob man Fußball mag oder doch ein paar aufs Maul, während man in Luxemburg die wirklich wichtigen Lebensentscheidungen zu treffen hat. – Zivilisation oder Barbarei? Deutschland so: Schland!

Other countries, other customs – With us you have to decide whether you prefer to drink beer from a can or a bottle, whether you like football or a slap in the face, while in Luxembourg you have to make the really important life decisions. – Civilization or barbarism? Germany: Schland!

Winterschlaf

Mein Körper muss sich zwar noch jeden Tag in die Arbeit quälen, aber innerlich befinde ich mich schon im Winterschlaf. Falls ich in den nächsten Wochen etwas mehr Blödsinn reden sollte als sonst oder irgendwie nicht bei mir erscheine, bitte ich vielmals um Verzeihung, aber es wäre nett, wenn Sie mich trotzdem nicht aufwecken würden. Auf Wiedersehen, bis nächstes Frühjahr!

Hibernation – My body still has to struggle to get to work every day, but inside I’m already in hibernation. If I talk a little more nonsense than usual in the next few weeks or somehow don’t seem to be quite all here, I apologize, but it would be nice if you didn’t wake me up anyway. Goodbye, see you next spring!

Glückstreffer

Einen besonders schönen Anblick konnte man heute Nacht genießen, als nämlich die Starlink-Satelliten der weihnachtlich beleuchteten ISS scheinbar sehr nahe kamen.

Lucky strike – You could enjoy a particularly beautiful sight tonight when the Starlink satellites appeared to come very close to the ISS, which was lit up for Christmas.

Die lustigste Sprache der Welt

Luxemburg ist ja bekanntlich nicht sehr groß, weshalb seine Hauptstadt eigentlich Luxemdorf heißen müsste, aber auch Lustigburg wäre eine passende Bezeichnung für das kleine Land, denn es hat vermutlich die meisten lustigen Ortsnamen. Vielleicht ist es sogar die lustigste aller Sprachen: In Wasserbillig ist der Wein auch nicht teurer als woanders, das kann man noch als misslungenes Marketing abtun, aber dann gibt es ja noch Welschbillig, Garnich, Habscht, Olm, Bohey, Pommerloch, Winseler, Fensterhaff, Simmerschmelz, Ennerschlenner, Schinker, Grindhausen, Kaesfurt, Weiswampach, Schoos, Asselscheuer, Klingelscheuer, Ernster, Rammeldingen, Wecker, Dickweiler und viele andere. Ach ja, und Sparkasse heißt Spuerkeess.

The funniest language in the world – As we all know, Luxembourg is not very big, which is why its capital should actually be called Luxemvillage, but Laughingbourg would also be a suitable name for the small country, because it probably has the most funny place names. Maybe it’s even the funniest of all languages: In Wasserbillig (Watercheap) the wine is no more expensive than anywhere else, which can still be dismissed as failed marketing, but then there’s Welschbillig, Garnich, Habscht, Olm, Bohey, Pommerloch, Winseler, Fensterhaff, Simmerschmelz, Ennerschlenner, Schinker, Grindhausen, Kaesfurt, Weiswampach, Schoos, Asselscheuer, Klingelscheuer, Ernster, Rammeldingen, Wecker, Dickweiler and many others. Oh yes, and savings bank is called Spuerkeess.

Es wird eh viel zu viel geredet

Gute Eltern finden immer einen Weg, mit ihren Kindern zu kommunizieren, auch wenn die ihnen schon lange nicht mehr zuhören, nur Blödsinn im Kopf haben und Tisch und Wände beschmieren.

There’s way too much talking anyway – Good parents always find a way to communicate with their children, even if the kids have stopped listening to them for a long time, only have nonsense on their minds and vandalize everything.

(„Hör auf, ekelhaft zu sein!“ – „Tut mir Leid, Mama!“ / „Stop being disgusting!“ – „I’m sorry, Mom!“)

Erfolgsrezept

Nach der Namensänderung liefen die Geschäfte dann endlich besser. „Apotheke zur Verzweiflung“ war wohl doch keine gute Wahl gewesen.

Recipe for success – After changing the name, business finally went better. “Pharmacy for Despair” was probably not a good choice after all.

(“Pharmacy for Hope”, gesehen / seen in Wien)

Aus dem Familienalbum (67)

Ein angeheirateter Onkel meiner Mutter war seit jeher etwas sonderbar. Mein Vater meint, das liege daran, dass die Mutter des Onkels in dessen Kindheit gerne Musik mit ihm gemacht habe. Seitdem war mir Musik immer ein wenig unheimlich.

From the family album – One of my mother’s uncles by marriage has always been a bit strange. My father thinks it’s because my uncle’s mother liked to play music with him when he was a child. Since then, music has always been a little scary to me.

(gesehen / seen in Luxemburg)

Ganz recht!

Der Luxemburger mag Bier, das ist sympathisch. Noch sympathischer wird er mir, weil er anscheinend und ganz zu recht davon ausgeht, dass Oberbayern in der Selbst- wie Fremdwahrnehmung eigentlich Überbayern ist, zumindest in Bezug auf die anderen sechs Regierungsbezirke, die das freilich energisch bestreiten würden. Aber das ist dem Überbayer wie auch dem Luxemburger herzlich egal.

Exactly! – The Luxembourger likes beer, that’s nice. I like him even more because he seems to assume, and rightly so, that Upper Bavaria, both as perceived by itself and by others, is actually above all other Bavaria, at least in relation to the other six administrative districts, which would of course vigorously deny this. But that doesn’t really matter to both the people from Uewerbayern and Luxembourg.