Letztens in der U-Bahn saß neben mir ein junger Mann mit
einem Dutzend Exemplaren einer Gratiszeitung in der Hand, die er eine nach der
anderen schnell durchblätterte, um sogleich wieder von vorne zu beginnen. Ich
musste dann bald aussteigen, weshalb ich nie erfahren werde, ob der Mann ein
vergesslicher Schnellleser oder doch nur plemplem war.
Uncertain – Recently in the subway next to me sat a young man with a dozen copies of a free newspaper in his hand, which he quickly flipped through one after the other, to start immediately again from the beginning. I had to get out soon, so I’ll never know if the man was a forgetful quick reader or just plain foolish.
Als Werther sein Elternhaus verlassen und in Wahlheim Quartier bezogen hatte, machte er sich schweren Herzens ans Auspacken der Umzugskartons und ans Einrichten seiner Wohnung. Der Aufbau der Bücherregale war verzwickt und zog sich über Tage hin, da er die Aufbauanleitung des schwedischen Möbelkaufhauses nicht verstand und Kleinteile sowohl fehlten als auch überschüssig vorhanden waren. Die Einladung des Amtmannes S. hatte er darüber vollkommen vergessen. Er ärgerte sich maßlos. Endlich standen die Regale, krumm und schief zwar, aber nun konnte er wenigstens die Bücherkisten leeren. Eine Einladung einiger junger Leute zum Tanzvergnügen musste er daher ausschlagen. Allein das Ordnen der Bücher nach Alphabet würde Tage dauern. Während eines Gewitters hatten sich wohl Dachziegel gelöst, jedenfalls regnete es nun auch noch durch die Decke. Bis der Handwerker käme, wäre er im eigenen Haus sicher schon ertrunken, daher machte er sich selbst an die Arbeit, die eine ganze Woche in Anspruch nahm. Darüber vergaß er, die Bewerbung für eine Stelle bei Hofe fristgerecht einzureichen. Er ärgerte sich maßlos. Aber gut, so war Zeit gewonnen, den Rechner auszupacken und zu verkabeln. Die Kabel waren leider völlig verworren, es war zum Haare ausraufen. Abends hatte er eigentlich seine Ossian-Übersetzung fortführen wollen, aber er war zu aufgewühlt. Die Kabel hatten sich zu einem gordischen Knoten verschworen, den er niemals würde lösen können. Gemeines Schicksal! Er eilte zu seiner Waffenkiste, um sich eine Kugel in den unnützen Kopf zu schießen. Es hatte ja alles keinen Sinn mehr! Doch während des Gewitters neulich war offenbar das Pulver nass geworden und nicht mehr zu gebrauchen! Nicht einmal ein unehrenhafter Selbstmord will ihm glücken! Es war ja nicht zu fassen! Da klopfte es an die Türe. Sogleich sprang er hinzu und irren Blickes öffnete er: Der Nachbar Albert wars und seine Frau. Er möge doch das Lärmen sein lassen, es sei schon spät. Werther riss ihm die Eingeweide durch den Halse aus dem Leib und erschlug damit das zeternde Weib. Später am Abend bei einem Glase Wein hatte er sich schon wieder etwas beruhigt.
The cables of the young Werther – When Werther left his parents‘ house and moved to Wahlheim, he made a heavy heart of unpacking the moving boxes and setting up his apartment. The structure of the bookshelves was tricky and dragged on for days, because he did not understand the assembly instructions of the Swedish furniture department store and small parts were both missing and excess. He had completely forgotten the invitation of the magistrate S. He was annoyed excessively. At last the shelves stood, crooked and crooked, but now at least he could empty the boxes of books. Therefore, he had to turn down an invitation of some young people to dance. Just to arrange the books in alphabetical order would take days. During a thunderstorm tiles had apparently been loosened, at least it was raining through the ceiling. By the time the craftsman arrived, he would have drowned in his own house, so he set to work for himself, which took a week to complete. He forgot to submit the application for a job at court on time. He was annoyed excessively. Fair enough, so time was gained to unpack and wire the computer. To tear one’s hair, the cables were completely muddled. He had actually wanted to continue his Ossian translation in the evening, but he was too upset. The cables had conspired to a Gordian knot he would never be able to solve. Cruel fate! He hurried to his gun box to shoot a bullet into his useless head. It was all meaningless! But during the thunderstorm recently the powder had obviously gotten wet and was no longer useful! Even a dishonorable suicide will not succeed! It was unbelievable! There was a knock on the door. Immediately he jumped up and opened with a glare: it was the neighbor Albert and his wife. He should stop the noise, it’s already late, Albert said. Werther tore his guts out of his throat and killed the wailing woman with them. Later in the evening he had calmed down a bit over a glass of wine.
Wenn jemand nach dem Sport/Essen/Schlafen/Sex behauptet,
er/sie fühle sich „wie neugeboren“, dabei jedoch weder schreit noch blau
anläuft, kann man davon ausgehen, dass er/sie entweder keine Vorstellung hat,
wie sich Geborenwerden anfühlt, oder ein in jeder Beziehung beschissenes Leben
führt. Außerdem wirft das die Frage auf, wer denn um Himmels Willen beim
Sport/Essen/Schlafen/Sex die Rolle der gebärenden Mutter spielt und ob uns das
eigentlich irgendetwas angeht!
Too much information – If someone claims after sports / eating / sleeping / sex that he / she feels „reborn“ but does not cry or blush, one can assume that he / she either has no idea what it’s like to be born, or live a shitty life in every way. In addition, this raises the question of who for heaven’s sake in sports / eating / sleeping / sex plays the role of the mother giving birth and if it is actually a business of ours!
Neulich im Zug saßen über den Gang zwei schwäbische
Schwätzer. Genervt wollte ich ein bisschen Musik hören, um das unschöne
Geräusch zu übertönen, doch wie ich feststellte, hatte ich meine Kopfhörer
vergessen. Der Schaffner bedauerte, leider gebe es keine zu kaufen, aber er
könne mir gerne seine eigenen Kopfhörer leihen. Ich lehnte das freundliche
Angebot dankend ab. Vor die Wahl gestellt zwischen Schwätzern und fremdem
Ohrenschmalz, entschied ich mich für die Flucht in den Speisewagen. Ich bitte
um Nachsicht.
Dilemma – The other day on the train, two Swabian babblers sat on the other side of the aisle. Annoyed, I wanted to listen to a bit of music to drown out the unsightly sound, but as I realized, I had forgotten my headphones. The conductor regretted, unfortunately, there are none to buy, but he would like to lend me his own headphones. I thankfully rejected the friendly offer. Given the choice between babblers and another person’s earwax, I decided to flee to the dining car. I ask for leniency.
Demokratie ist wie Körperhygiene: Sie muss jeden Tag
erneuert werden. Viele Leute sind aber der Ansicht: „Schon wieder? Ich habe
mich doch erst vor vier Jahren gewaschen!“ Also bleiben sie lieber auf dem Sofa
liegen und stinken. Das ist natürlich nicht schön. Andererseits ahnt man ja, wo
die Leute mit den braunen Flecken in der Unterhose das Kreuz setzen würden,
wenn sie doch zum Wählen gingen. Insofern ist es mir lieber, sie bleiben
zuhause. Ich kann sie eh nicht riechen.
Annoying – Democracy is like personal hygiene: It has to be renewed every day. But many people are of the opinion: „Again? I only washed myself four years ago!“ So they prefer to stay on the sofa and stink. That’s not nice, of course. On the other hand, one suspects, where the people with the brown spots in the underpants would put the cross, if they went to vote. In that sense I prefer them to stay at home. I can smell the rat.
Die Pharmaindustrie will nur Euer Geld. Darum bietet sie Produkte an, die man bezahlen muss. Wusstet Ihr aber, dass der Bäcker an der Ecke gar nicht Euer Kumpel sein will und nur freundlich ist, damit Ihr ihm seine Brötchen abkauft? Und dass die Zigarettenindustrie die Glimmstengel nicht deshalb produziert, weil sie Euch so liebhat? Und dass Eure trotz fehlender Impfungen schon halbwüchsigen Blagen nur noch mit Euch reden, weil Ihr die Quellen des Taschengelds seid?
You are right, vaccine sceptics! The pharmaceutical industry only wants your money. That’s why they offer products that you have to pay for. But did you know that the baker at the corner does not want to be your buddy and is only friendly for you to buy his bread? And that the cigarette industry does not produce the chicks because they love you so much? And that your, despite the lack of vaccinations, already half-grown children only talk to you because you are the sources of pocket money?
In Wien ist das Parlament seit über einem Jahr eine riesige Baustelle. Das Gebäude wird angeblich generalsaniert. Da trifft es sich, dass die rechte Regierung zeitgleich auch die anderen demokratischen Institutionen entkernt. Man wird sie nach der Sanierung eh nicht mehr benötigen.
Coincidence? – In Vienna, Parliament has been a huge construction site for over a year. The building is supposed to be completely refurbished. As it happens, the right-wing government at the same time gutted the other democratic institutions. You will not need them after the renovation anyway.
Jedes Jahr, während der Grippewelle, verwandle ich mich in einen bellenden Heizpilz. Das Schlimme daran sind nicht der rotglühende Kopf und der Husten, sondern dass beide Wesen, die in mir hybridisieren, ihrem Trieb folgend auf die Straße hinaus drängen, in die Kälte, obwohl sie das natürlich nicht dürfen. Ich habe schon beim Tierschutzverein nachgefragt, aber die können oder wollen mir auch nicht helfen.
Against nature – Every year, during the flu epidemic, I turn into a barking mushroom heater. The bad thing is not the red-hot head and the cough, but that both beings, which hybridize in me, following their drive to the street, pushing out into the cold, although of course they are not allowed to do so. I have already asked the animal welfare association, but they can not or do not want to help me.
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