Herr und Hund

Im Park wirft ein Mann für seinen Hund einen Ball, aber er benutzt dafür eine Art extrem verlängerte Schöpfkelle. Mit diesem Ding könnte er den Ball sicher 100 Meter weit schleudern, aber die Kugel dengelt jedes Mal schon ein paar Schritte entfernt in den Boden. Der Hund wirkt sichtlich enttäuscht, unschlüssig schnüffelt er am Ball. Der Sinn dieses seltsamen Spieles bleibt ihm verschlossen, während das Herrchen richtig Spaß zu haben scheint. Aber das ist eben der Unterschied zwischen niederer Kreatur und Hund.

A man and his dog – In the park, a man throws a ball for his dog, but he uses a kind of extremely elongated ladle. With this thing he could throw the ball safely 100 meters, but every time the ball hits the ground a few paces away. The dog is visibly disappointed. He is sniffing the ball with indecision. The meaning of this strange game remains unclear to him, while the man seems to have fun. But that’s just the difference between lower creature and dog.

Aus dem Familienalbum (14)

Letzten Sommer brachte meine Cousine, die schon lange als das Schwarze Schaf der Familie galt, ihren neuen Freund mit nach Hause, einen ausgesprochen ungestalten jungen Mann mit kleinem Kopf und lächerlich langen Gliedmaßen, der mit niemandem ein Wort wechselte und bei Tisch alle Speisen zurückwies, jedoch völlig schamlos an der Cousine saugte, welche ob der Wirkung des Freundes sehr zufrieden war. Als dieser allerdings Anstalten machte, auch an meiner Tante zu saugen, platze meinem Onkel der Kragen, worauf er den frechen Kerl umgehend erschlug. Meine Cousine, blutleer wie sie war, protestierte nur sehr schwach.

From the family album
Last summer, my cousin, who had long been considered the black sheep of the family, brought home her new boyfriend, a very unshapely young man with a small head and ridiculously long limbs, who did not say a word to anyone and rejected all the food at the table, but completely shamelessly sucked on the cousin, which was very pleased with the effect of the friend. However, when he made preparations to suck on my aunt, my uncle exploded, whereupon he slew the naughty fellow immediately. My cousin, bloodless as she was, protested very weakly.

Völkerkunde

Neulich wurde mir bewusst, worin der wesentliche Unterschied zwischen Österreich und Deutschland besteht. Unter den Sitzen deutscher Züge ist genügend Platz für das Handgepäck, da der Deutsche, sobald er sich in einem Zug bewegt, gerne in Tupperdosen verstaute Eier, Zwiebeln und mit reichlich Knoblauch gewürzte Frikadellen griffbereit hat. Die anderen Fahrgäste sollen ja auch was davon haben. In deutschen Zügen gibt es daher nur sog. „Bord-Bistros“, in denen man zwar nichts Essbares bekommt, aber meistens einen Stehplatz. Im österreichischen Eurocity dagegen gibt es einen Speisewagen, in dem man nicht immer einen Platz bekommt, da dort wohlschmeckende und frisch zubereitete Speisen auf richtigen Tellern bis an den Tisch serviert werden. Dafür ist unter den Sitzen gerade genügend Platz, um ein Wiener Schnitzel zu verstauen, das bekanntlich sehr dünn geklopft wird. Aber da ein gutes Schnitzel naturgemäß nicht verstaut, sondern sofort gegessen wird, ist das auch schon wieder völlig wurscht.

Ethnology
Recently I realized what’s the essential difference between Austria and Germany. Under the seats of German trains there is enough space for hand luggage, as the German, as soon as he moves in a train, likes it to have at hand a lot of Tupperware where he stows eggs, onions and meatballs, spiced with plenty of garlic. The other passengers should also profit by it. In German trains, there are only so-called „Board bistros“, in which one gets nothing edible, but mostly a stance. In Austrian Eurocity, on the other hand, there is a dining car where you do not always get a seat, as tasty and freshly prepared dishes are served on proper plates right to your table. Under the seats there is just enough space to stow a Wiener Schnitzel, which is known to be tapped very thin. But since a good Schnitzel naturally is not stowed but eaten immediately, one couldn’t care less.

Auf der Fahrt durch eine norddeutsche Kleinstadt

Klinker Klinker Klinker Klinker
Beton
Klinker Klinker Klinker Klinker
Beton
Klinker Klinker Klinker Klinker
Beton
Klinker Klinker
Büdchen

Driving through a north German town
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concrete
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concrete
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concrete
clinker clinker
little shop

Bei Vaders daheim (III)

Darth: Luke?
Luke: Hm?
Darth: Luke, ich bin dein Vater!
Luke: Jaaaa, Vater. Ich weiß!
Darth: (kleinlaut) Wollt’s nur noch mal gesagt haben.
Luke: (für sich) Seniler Trottel.

At Vaders‘ home (III)
Darth: Luke?
Luke: Hm?
Darth: Luke, I’m your dad!
Luke: Yeaaaah, father. I know!
Darth: (meekly) I just wanted to say it again.
Luke: (to himself) Senile sucker.

Analogie

Wenn eine Ouvertüre eine Eröffnungsmusik ist, dann ist eine Kuvertüre eine süßlich klebrige Musik, mit der man etwas zu verbergen versucht, vermutlich etwas Schreckliches. Im Grunde also der deutsche Schlager.

Analogy
If an overture is an opening music, then a couverture is a sweet-and-sticky music that is used to hide something, probably something terrible. With other words: the german popular music.

Zum Speien

Jaja, heute ist Nationalfeiertag, ich weiß. Vor 29 Jahren wurde wieder angenäht, was die Alliierten amputiert hatten. Dass wir uns dabei den Wundbrand geholt haben, ist aber eine andere Geschichte. Den 3. Oktober hat Helmut Kohl angeblich als Datum der sog. Wiedervereinigung gewählt, weil er im Gegensatz zum 9. November, den viele bevorzugt hätten, wg. ‚Dt. Schicksalstag’ usw., historisch unbelastet gewesen sei. Dabei stimmt das gar nicht: nur zwei Jahre zuvor war Franz Josef Strauß gestorben! Das war sehr geschickt von Kohl, denn so würde das Gejammer aus München um seinen Erzrivalen jedes Jahr vom Einheitsfeuerwerk übertönt werden. Darum soll heute an dieser Stelle mal gegen das Einheitsgedöns angeflüstert werden. Wer wie ich als junge „Ratte und Schmeißfliege“ unter dem Strauß-Regime politisiert wurde, weiß eh, wie sich die DDR angefühlt haben muss, auch wenn bei uns das Bier besser war. – Im Herbst 1988 nahm ich mit einigen harmlosen Karikaturen an einer Ausstellung teil, die im Rathaus eines Münchner Vororts präsentiert wurde. Als Strauß dann beim Jagen der Schlag traf, wurde meine FJS-Karikatur sofort abgehängt und wahrscheinlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt, jedenfalls habe ich sie nie wieder gesehen. Meine liebste Strauß-Erinnerung aber ist nur ein paar Monate älter, als ich nämlich mit einer Jugendgruppe bei einem Bundestagsabgeordneten in Bonn zu Gast war. Der führte uns auch in die Bayerische Landesvertretung, die freilich mit Bildern des Großen Vorsitzenden förmlich tapeziert war. Sogar auf dem Klo gab es eines. Dort traf ich auch zum ersten Mal auf eine spezifisch bayerische Sanitäreinrichtung: das Kotzbecken. Das war ein sehr tiefes rechteckiges Waschbecken mit einem armdicken Ablauf und zwei darüber angebrachten Bügeln zum Festhalten, so dass man speien konnte, ohne sich zu beschmutzen. In dieses Becken, so wurde ehrfürchtig gewispert, habe auch ER sich schon erleichtert. Ich verzichtete, obwohl mir angesichts der Omnipräsenz des S. nicht wenig übel war.

It makes you puke – Yes, today it’s National holiday, I know. 29 years ago was attached again, what the Allies had amputated. The fact that we thereby got the gangrene, that’s a different story. Helmut Kohl allegedly chose the 3rd of October as the date of the so-called reunification because it was historically unencumbered, in contrast to the 9th of November, which would have been prefered by many, because of ‚date of german fate‘ etc. But that’s not true: only two years earlier, Franz Josef Strauss had died! This was very clever by Kohl, because now the whining from Munich about his archrivals death would be drowned out every year by the unification fireworks. Therefore today I want to whisper against the fuss a little bit. Anyone who, like me, was politicized under the Strauss regime as a young „rat and blowfly“, knows how the GDR must have felt anyway, even if the beer was better at ours. – In the autumn of 1988, I participated in an exhibition that was presented in the town hall of a Munich suburb with some harmless caricatures. After Strauss had a stroke at a deer hunt, my FJS caricature was immediately dropped and probably burned at a stake, at least I never saw it again. But my favorite Strauss-experience took place only a few months earlier, when I was part of a youth group which was invited by a member of the Bundestag in Bonn. He also took us to the Bavarian State Representation, which was literally papered with pictures of the Great Chairman. Even in the bathroom. There I also experienced a specifically Bavarian sanitary facility for the first time: the puking pond. That is a very deep rectangular washbasin with an arm-thick drain and two handles to hold on so you could vomit without getting soiled. At this basin, it was whispered reverentially, even HE himself already had relief. I renounced, though I was quite sick of the omnipresence of S.

Anekdote vom alten Fritz

Als wir einmal den Fritz besuchen wollten, hatten wir mächtig Pech, denn der Friedhof, wo der Fritz jetzt wohnt, war verschlossen. Dummerweise war vier Uhr vorbei und in Berlin werden die Friedhöfe scheint’s schon um diese Stunde verrammelt. Enttäuscht standen wir im Regen herum, rüttelten sinnlos am Tor, und riefen hinein, ob der Fritz nicht vielleicht doch zum Spielen rauskommen dürfe, aber niemand antwortete. Da sind wir eben in die nächste Kneipe gegangen, welche sich Blues-Garage nannte, und siehe da, der freundliche Mann hinter der Theke besaß zwar keinen Schnauz, hieß aber ebenfalls Fritz! Da war auch schon wieder fast alles fast gut.

An Anecdote of old Fritz
Once we wanted to visit Fritz, but we had bad luck, because the cemetery, where Fritz now lives, was closed. Unfortunately, four o’clock was over and in Berlin the cemeteries seem to be already locked up at this hour. Disappointed, we stood around in the rain, rattling senselessly at the gate, and called in, whether Fritz might come out to play, but no one answered. Since we have just gone to the nearest pub, which called itself Blues garage, and to our surprise the friendly man behind the counter did not have a mustache, but was also called Fritz! Almost everything was almost good.

Manchmal ist es besser

Um auf Partys einen Eindruck zu hinterlassen, muss man kein Meister des one-liners sein wie Oscar Wilde. Ich zum Beispiel bevorzuge den non-liner, so dass sich alle bald gelangweilt von mir abwenden und ich früh nach Hause gehen darf. Lieber einen schlechten Eindruck hinterlassen als gar keinen.

Sometimes it’s better
To make an impression on parties, you do not have to be a master of one-liners like Oscar Wilde. For example, I prefer the non-liner, so everyone soon turns away from me and I’m allowed to go home early. Better to leave a bad impression than none at all.