Ethnologische Studie in Zeiten der Corona-Pandemie (1)

Bisher dachte ich angesichts der üblichen verkniffenen Visagen morgens in der U-Bahn, die Mehrheit der Leute leide unter Verstopfung, aber anscheinend verbringen sie ihre dummen sinnlosen Leben damit, sich die verflüssigte Seele aus dem Leib zu scheißen und dabei tonnenweise Klopapier zu verbrauchen. Mit Aussagen über den Charakter eines Volkes soll man ja aus guten Gründen zurückhaltend sein. Aber falls es noch eines Beweises bedurfte, dass der Deutsche ein im Wortsinne analfixiertes asoziales Arschloch ist, dann habe ich ihn gestern erbracht, nachdem ich auf der Suche nach Toilettenpapier in 10 Supermärkten dasselbe Bild vorfand.

Ethnological study in times of the corona pandemic
So far, given the usual grim mugs in the morning on the subway, I thought the majority of people were constipated, but apparently they were spending their stupid, pointless lives shitting their liquefied souls out of their bodies, using up tons of toilet paper. For good reasons, one should be reluctant to make statements about the character of a people. But if there was yet another proof that the German was literally an anal-retentive anti-social asshole, I did it yesterday after finding the same picture in 10 supermarkets looking for toilet paper.

Neues aus der Kunstgeschichte (1)

Als der Papst neulich dieses unförmige Gebilde auf seinem Dachboden fand, maß er dem keine große Bedeutung zu, denn der päpstliche Dachboden ist sehr groß und er findet dort ständig seltsame Dinge, die seine Vorgänger hinaufgeschafft haben. Das Ding war potthässlich, aber es weckte ungewohnte Gefühle in ihm. Seine Frau schlug die Hände über dem Kopf zusammen und drohte mit Scheidung, als er das Ungetüm ins Wohnzimmer schleppte (also vielmehr von einem Dutzend Ministranten schleppen ließ, er war schließlich ein alter Mann) doch das tat sie ohnehin jeden Tag mehrmals, weshalb er sie wie stets ignorierte. Zufällig warf anderntags ein Besucher einen Blick darauf und erkannte sofort die Sensation: Bei dem Monstrum handelte es sich zweifellos um eines von Michelangelos Übungsstücken. Der Meister war ja bekannt dafür, Menschen weitaus muskulöser abzubilden, als es die Natur möglich machte. Einige Kunsthistoriker wollen daher in diesem Stück den Versuch einer Christusfigur erkannt haben. Sie nennen es „Der Erlöser im Fitness-Studio“. Chinesische Sammler haben schon ihr Interesse angemeldet.

Art History News
When the Pope recently found this bulky structure in his attic, he did not attach much importance to it, because the papal attic is very large and he always finds strange things that his predecessors put there. The thing was ugly, but it made him feel unfamiliar. His wife threw her hands up in horror and threatened with divorce as he dragged the monster into the living room (rather had a dozen altar servers do it, he was an old man after all) but she did that several times a day anyway, which is why he ignored her as always. A visitor happened to take a look the next day and immediately recognized the sensation: the monster was undoubtedly one of Michelangelo’s practice pieces. The master was known for depicting people far more muscularly than nature made possible. Some art historians therefore want to have recognized the attempt of a figure of Christ in this piece. They call it “The Saviour in the Gym”. Chinese collectors have already announced their interest.

Verbesserung

Dank des technischen Fortschrittes muss ich die Schokolade seit neuestem nicht mehr wie bisher von der Schokoladenquelle in Eimern nach Hause schleppen, sondern habe Schokoladenanschluss in allen Zimmern!

Improvement
Thanks to technical progress, I no longer have to carry the chocolate home from the chocolate source in buckets as before, but have a chocolate connection in all rooms!

Stiller Held

Dieses wenig formschöne Besteck aus Aluminium und Stahlblech habe ich dieser Tage vor 30 Jahren auf meiner zweiten Reise in die Sowjetunion aus einer Aeroflotmaschine ‚organisiert’. Das irrationale Bedürfnis nach einem Souvenir war größer als meine damals noch weniger als heute ausgeprägte Furcht vor Blamage. Weder bei der Ankunft in Moskau noch auf dem Rückflug hat ein Metalldetektor protestiert. Das Messer war zwar schon damals stumpf, aber mit der Gabel hätte ich das Flugzeug vermutlich nach Cuba entführen können. Gelegenheit verpasst. Ich will mich nicht rechtfertigen, aber immerhin habe ich durch diesen kleinen Diebstahl meinen Teil dazu beigetragen, die Sowjetunion finanziell zu schwächen und so den kalten Krieg zu beenden. Einen Platz in den Geschichtsbüchern habe ich damit nicht errungen, aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. Der Schweinekapitalismus lässt sich natürlich nicht durch einen entwendeten Kaffeelöffel in die Knie zwingen, aber immerhin werde ich seit Jahren nicht schlecht dafür bezahlt, Jugendlichen beizubringen, was nicht im Lehrplan steht. Hähä!

Silent hero
This unattractive cutlery made of aluminum and sheet steel I organized these days 30 years ago on my second trip to the Soviet Union from an aeroflot machine. The irrational need for a souvenir was greater than my fear of embarrassment, which then was less pronounced than it is today. No metal detector protested on arrival in Moscow or on the return flight. The knife was blunt even then, but I probably could have taken the plane to Cuba with the fork. Missed the opportunity. I don’t want to justify myself, but at least by doing this little theft, I did my part to weaken the Soviet Union financially and thus end the Cold War. I didn’t get a place in the history books with it, but maybe it will work the next time. Filthy capitalism can of course not be brought to its knees by a stolen coffee spoon, but at least I have not been paid badly for years to teach young people what is not in the curriculum. Ha-ha!

Das Grab der Nofretete

Seit Jahrzehnten war die archäologische Fachwelt uneins, ob sich hinter der zugemauerten Türe am Ende der Treppe tatsächlich Nofretetes Grabkammer befindet. Einer der Lehrbuben hatte schon vor Wochen vorgeschlagen, die Mauer zu durchbrechen und nachzusehen, aber freilich lachte man ihn aus. Inzwischen schien sich jedoch eine Mehrheit der Forscher daran zu erinnern, diese Idee zuerst gehabt zu haben, weshalb man neulich einen Durchschlupf in die Wand schlug und den vorlauten Lehrbuben hindurchschickte. Noch bevor dieser mitteilen konnte, was er sah, war das Loch dummerweise jedoch schon wieder zugemauert worden. Die Debatte wird also wohl noch eine Weile weitergeführt werden müssen.

The tomb of the Nefertiti
For decades, archaeological experts have disagreed as to whether Nefertiti’s burial chamber is actually behind the bricked door at the end of the stairs. One of the apprentices had suggested weeks ago to break through the wall and look, but of course they laughed at him. In the meantime, however, a majority of the researchers seemed to remember having had this idea first, which is why recently a slip was made in the wall and the cheeky apprentice was sent through. Unfortunately, before he could tell what he saw, the hole had already been bricked up again. So the debate will probably have to go on for a while.

Lob des Defätisten

Neulich im Geschichtsunterricht ist mir ein Schüler so dermaßen auf die Nerven gegangen, dass ich ihm wegen fortgesetzter Lehrkraftzersetzung erst ein Referat über den Nationalsozialismus aufgebrummt und es ihm aber sogleich wieder erlassen habe, da eine Jugend, die so respektlos und autoritätsresistent ist, mir nicht wenig Hoffnung auf eine friedliche Zukunft gibt.

Praise of the defeatist
The other day in history lessons a student got on my nerves so badly that I gave him a lecture about National Socialism due to continued teacher disintegration only to exempt him from it immediately, because a youth which is so irreverent and resistant to authority gives me more than a little hope for a peaceful future. (untranslatable wordplay with the german words for teaching staff and Activities affecting armed forces)

Erschienen / Published in Titanic 3/2020

Ernsthaft, Weltgeist?

Hast du einen Clown gefrühstückt? Dass Roger Federer neulich in einem unerwartet harten Match am Ende doch die Nummer 100 der Weltrangliste besiegt hat, wäre eigentlich nicht erwähnenswert, wenn nicht sein Gegner ein US-Amerikaner namens – und das nehme ich dir wirklich übel – „Tennys Sandgren“ gewesen wäre, in dessen Name nur noch die Asche fehlt, die du dir für diesen albernen Kalauer bittschön aufs Haupt streust! Solche sind immer noch meine Aufgabe!

Seriously, world spirit?
Did you eat a clown? It shouldn’t be worth mentioning that Roger Federer recently ended up beating number 100 in the world rankings in an unexpectedly tough match if his opponent hadn’t been an American, called – and I really blame you for this – „Tennys Sandgren“, in whose name all that is missing is the ashes that you, for a silly groaner like this, now are ordered to wear! Those are still my job!