Traditionspflege

Der Lehrling hat recht blöd geschaut, als der Maurer ihm gesagt hat, er möge mal eben die Mauer halten, während er den Putz auftrage, aber noch blöder hat er geschaut, als man den Arm dann abnehmen musste. Den Lehrling auf den Arm zu nehmen, ist eine schöne Tradition. Gut, dass es das noch gibt.

Maintaining the tradition – The apprentice looked really stupid when the bricklayer told him to hold the wall while he was applying the plaster, but he looked even more stupid when they had to take his arm off. Poking the prentice is a nice tradition. It’s good that it still exists.

Verbesserung

Als ich heute früh in den Spiegel schaute, stellte ich verwundert fest, dass über Nacht ein kleines Bäumchen auf meinem Kopf gewachsen war, das schon recht kräftig austrieb. Zuerst schien es mir unpraktisch, da ich zwischen den Zweigen und Blättern kaum hindurchsehen konnte, doch später am Tage begriff ich es als Vorzug, denn seien wir doch mal ehrlich, die Welt ist meist recht hässlich und auf den Anblick der Menschen lege ich auch keinen Wert mehr. Da ist es leicht hinzunehmen, dass ich ständig die Wurzeln stutzen muss, die mir aus Ohren und Nase wachsen.

Improvement – When I looked in the mirror this morning, I was astonished to find that a small tree had grown on my head overnight, which was already sprouting quite vigorously. At first it seemed impractical to me, as I could hardly see through between the branches and leaves, but later that day I saw it as an advantage, because let’s be honest, the world is usually quite ugly and I don’t set value on looking at people anymore. So it is easy to accept that I permanently have to prune the roots that grow out of my ears and nose.

Traurig!

Der Siegeszug der elektronischen Medien bis in die Kinderzimmer hinein, führt dazu, dass immer mehr Stofftiere und Spielzeuge auf der Straße ausgesetzt werden, um dort elend zugrunde zu gehen.

Sad! – The triumphant advance of electronic media right into children’s rooms means that more and more stuffed animals and toys are left on the street to perish miserably.

Optische Täuschung

Neulich war ich in Oberösterreich wandern und da wurde ich Zeuge einer sehr ungewöhnlichen optischen Täuschung. Als ich nämlich gerade auf das Dachsteingebirge zuging, sah es für einen Moment so aus, als sei da in der Ferne gar kein Gebirge, sondern als schaute ich die Fassade eines Hauses hinauf; die Vegetation hatte sich in Geranien verwandelt und in die Landschaft schien etwas eingeschrieben zu sein. Vielleicht war es nur ein Marketingtrick des örtlichen Fremdenverkehrsamtes, aber es wirkte, denn sogleich folgte ich dem Bedürfnis, in ein Gasthaus einzukehren und in der Tat war man dort sehr gastfreundlich.

Optical illusion – Recently I was hiking in Upper Austria and there I saw a very unusual optical illusion. As I was walking towards the Dachstein Mountains, it looked for a moment as if there weren’t any mountains in the distance, but as if I was looking up the facade of a house; the vegetation had turned into geraniums and something seemed to be inscribed in the landscape. Maybe it was just a marketing ploy from the local tourist office, but it worked, because I immediately followed the need to stop at an inn and they were indeed very hospitable.

Abstieg zur Hölle

Was alle Regensburger wissen, aber sonst kaum jemand: Dieses unscheinbare Loch ist der Eingang zur Unterwelt. Die Eingeborenen behaupten zwar, sie wüssten nicht, wohin der Gang führe, aber nach dem dreizehnten Bier, das man an diesem sehr katholischen Ort ein Judasbier nennt, verraten sie es doch. Mit angstgeweiteten Augen und brechender Stimme berichten sie von fürchterlichen Qualen, aber auch mit dem vierzehnten Bier kann man ihnen keine Details entlocken. Das wollte ich genauer wissen. Spät in der Nacht schlich ich mich dorthin und kroch in den engen schmutzigen Gang, der wider Erwarten hinab führte und nach einigen hundert Metern hinter einer Tapetentür endete. Zu meiner nicht geringen Überraschung führte diese Tür in das Schlafgemach der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die gerade einige arme Sünder in glühendem Blei kochte. Mehr war leider nicht zu erfahren, denn ein glutäugiger Teufel machte mir schwere Vorwürfe, dass ich ohne Termin hier gar nichts zu suchen hätte und gefälligst verschwinden solle, was ich dann auch gerne tat.

Descent to hell – What everyone in Regensburg knows, but hardly anyone else: This inconspicuous hole is the entrance to the underworld. The natives claim they don’t know where the passage is going, but after the thirteenth beer, which in this very Catholic place is called a Judas beer, they give it away. With eyes wide with fear and breaking voices, they report terrible torments, but even with the fourteenth beer you can’t get any details out of them. I wanted to know more about that. Late at night I crept there and crawled into the narrow, dirty corridor that led down unexpectedly and ended a few hundred meters behind a wallpaper door. To my no small surprise, this door led into the bedroom of Princess Gloria of Thurn und Taxis, who was just boiling some poor sinners in red-hot lead. Unfortunately, more was not to be found out, because a glowy-eyed devil made serious accusations that I had no business here without an appointment and should kindly disappear, which I was happy to do.

Unterm Rad

Was sagen Trottel und Faulenzer, wenn sie sich vor der Arbeit drücken wollen: „Da müssen wir doch nicht das Rad neu erfinden!“ Dann löten sie im letzten Moment schnellschnell irgendeinen Quatsch zusammen und so etwas kommt dann dabei heraus.

Beneath the wheel
What do idiots and idlers say when they want to avoid work: “We don’t have to reinvent the wheel!” Then at the last moment they terribly quickly solder together some nonsense and something like that comes out.

Fuck You! – Eine Menschheitsbeschimpfung (6)

Ismismus
Nun scheint es zum Glück sehr wahrscheinlich, dass uns weitere vier Jahre Donald Trump erspart bleiben, sofern er nicht mit Hilfe korrupter Richter doch noch einen Staatsstreich veranstaltet. Allerdings wird er bis Ende Januar über Atomwaffen verfügen und Männer seines Schlages sind ja dafür bekannt, dass sie, wenn sie abtreten sollen, alles mit in den Abgrund reißen. Aber gut – vorerst kein Wort mehr über dieses Monstrum. Doch halt! Jetzt, wo man (trotz Mund-Nasen-Schutz) endlich einmal durchatmen könnte, erinnern einen die Medien unentwegt daran, dass man die Zumutung nicht so einfach loswerden wird: Der Trumpismus sei nach wie vor lebendig. Wie bitte? Ob seine 70 Millionen Wähler tatsächlich lebendig sind oder nicht doch eher untot, müsste wissenschaftlich überprüft werden, aber ‚Trumpismus’? Ernsthaft? Ismus ist ein Suffix, das politischen Ideologien angeheftet wird, deren Anhänger deutlich unterscheidbare Wege zum Glück beschreiten wollen. Wofür aber steht Trump, außer für sich selbst? Seine Anhänger sind zu einem Großteil Rassisten und vermutlich haben sie alle einen autoritären Charakter. Aber auch wenn Trump Mussolini imitierend die Arme verschränkt und das Kinn vorstreckt, macht ihn das nicht zum Führer einer faschistischen Bewegung. Er ist auch nicht der erste und nicht der einzige, der verstanden hat, dass man eine Lüge nur oft genug wiederholen muss, bis sie zur Wahrheit wird. Was ihn von anderen Populisten unterscheidet, ist, dass er sehr unterschiedliche Gruppen mit sehr unterschiedlichen Ideologien hinter sich vereint hat, ohne tatsächlich das zu verkörpern, was seine Anhänger in ihm angeblich sehen. Er ist weder ein Wertkonservativer, noch ein Evangelikaler, noch ein Arbeiterführer, noch ein Nazi, noch ein Hinterwäldler oder ein Alpha-Mann. Er ist nur ein großmäuliger Hochstapler und Schlangenölverkäufer, der allen alles verspricht. Er ist die Folie, auf die seine Wähler ihre Wünsche projizieren können. Wenn sie für ihn stimmen, tun sie das, rational betrachtet, gegen ihre eigenen Interessen, aber diese Leute betrachten es nicht rational, sie praktizieren magisches Denken, denn sie glauben, sie seien im Krieg. Seine Anhänger sind offensichtlich naiv, ungebildet, dumm, verblendet, egoistisch. Ja, sie halten nichts von liberaler Demokratie und manche sind christliche Taliban und manche sind Nazi-Terroristen, aber die Mehrheit von ihnen wird zweifellos am besten von jenem Volltrottel verkörpert, der sich nach der Wahl vor die Fernsehkameras drängte und einen angeblichen Wahlbetrug beklagte. Sein politisches Programm trug er auf dem T-Shirt, das seinen Schmerbauch umspannte: „BBQ, Beer, Freedom“. Das mag man widerlich oder putzig finden, aber es ist keine Ideologie, sondern der Lebensinhalt einer unterdrückten, ausgebeuteten und entsolidarisierten Arbeiterklasse. Wer das mit dem Suffix -ismus verunklart, der trägt dazu bei, die Idee davon, dass politisches Handeln nicht einer mediokren Politikerkaste überlassen werden, sondern ideengeleitet sein sollte, zu entwerten. Wenn dann alles gleichwertig gequatscht wurde, ist der Weg frei für die Demagogen. Ich lege mich fest: Der Tag ist nicht mehr fern, an dem der erste Schmock etwas von ‚Laschetismus’ oder ‚Söderismus‘ faseln wird.

Fuck you! – A revile of mankind
Ismism
Fortunately, it now seems very likely that we will be spared another four years from Donald Trump, if he does not organize a coup with the help of corrupt judges. However, he will have nuclear weapons by the end of January and men of his type are known for pulling everything into the abyss if they are to resign. Well – for the time being no more a word about this monster. But wait! Now that you can finally take a deep breath (despite mouth and nose protection), the media are constantly reminding you that you will not get rid of the imposition that Trumpism is still alive. I beg your pardon? Whether its 70 million voters are actually alive or not rather undead would have to be scientifically verified, but ‚Trumpism‘? Seriously? Ism is a suffix attached to political ideologies whose followers want to tread distinct paths to happiness. But what does Trump stand for besides himself? Most of his supporters are racist and presumably they are all authoritarian. But even if Trump imitates Mussolini and crosses his arms and sticks out his chin, that does not make him the leader of a fascist movement. Nor is he the first or the only one to understand that you just have to repeat a lie enough times before it becomes the truth. What sets him apart from other populists is that he has united very different groups with very different ideologies without actually embodying what his followers supposedly see in him. He is neither a value conservative, nor an evangelical, nor a labor leader, nor a Nazi, nor a redneck or an alpha male. He’s just a loud mouthed impostor and snake oil seller who promises everything to everyone. He is the foil on which his constituents can project their wishes. If they vote for him, rationally, they are doing it against their own interests, but these people are not considering it rationally, they practice magical thinking because they believe they are at war. His followers are obviously naive, uneducated, stupid, deluded, selfish. Yes, they don’t believe in liberal democracy and some are Christian Taliban and some are Nazi terrorists, but the majority of them are undoubtedly best embodied by that idiot who huddled in front of the television cameras after the election complaining of alleged electoral fraud. He wore his political program on the t-shirt that spanned his potbelly: “BBQ, Beer, Freedom”. You may find that disgusting or cute, but it is not an ideology. It’s the purpose of life of an oppressed, exploited and de-solidarized working class. Those who obscure it with the suffix -ism are helping to devalue the idea that political action should not be left to a mediocre political caste, but should be guided by ideas. When everything has been chatted equal, the way is clear for the demagogues. I make a commitment: the day is not far off when the first hack will babble something about ‚Laschetism‘ or ‚Söderism‘.

(Note: Armin Laschet is Prime Minister of the state of North Rhine-Westphalia and Markus Söder is the uncrowned king of Bavaria, but both want to be caliph in lieu of the caliph)

Deutscher Schicksalstag

Unbemerkt von der Welt fiel vor 31 Jahren diese Mauer (Abb. ähnlich) hinter dem Haus von Heinz Karsunke in Oer-Erkenschwick um. Herr Karsunke, der leider genau in diesem Augenblick daran vorbeiging, kann sich nicht mehr erinnern, aber seine Frau bestätigt die Geschichte und schiebt ihren Mann in seinem Rollstuhl wieder vor den Fernseher. „Was muss denn bitte am 9. November noch alles geschehen, bis man ihn endlich verbietet?“ fragt sie aufgebracht. Wir wissen es leider auch nicht, aber die Frage ist berechtigt.

German fateful day
31 years ago, unnoticed by the world, this wall (similar illustration) fell over behind Heinz Karsunke’s house in Oer-Erkenschwick. Mr Karsunke, who unfortunately passed it at that very moment, can no longer remember, but his wife confirms the story and pushes her husband back in his wheelchair in front of the television. “What else has to happen on November 9th before it is finally banned?” she asks angrily. Unfortunately, we don’t know either, but the question is legitimate.

Schöner wohnen

Als Gott neulich inkognito in Oberbayern Urlaub machte, da war er doch recht angetan von der schönen Landschaft, dem vielen Grün und der reizenden Architektur. Das möchte ich auch haben, dachte er sich. Nach Mekka zurückgekehrt, machte er sich sogleich an die Arbeit. Seinem Haus setze er ein hübsches Satteldach auf und den öden Platz drum herum füllte er mit sanften Hügeln, auf denen er grünes Gras und Apfelbäume aufgehen ließ. Am nächsten Morgen waren die Menschen doch sehr erstaunt, denn so etwas hatte man im Wüstenstaat noch nicht gesehen. Und weil Grün gut für die Nerven ist, gab es auch kein böses Wort. Erst als Gott das Betreten des Rasens untersagte und einige Pilger, die sich wie stets anschickten, sein Haus siebenmal zu umrunden, mit unflätigen Flüchen belegte, hob der ein oder andere ungläubig eine Augenbraue.

Better Homes and Gardens
When God recently went on holiday incognito in Upper Bavaria, he was really taken with the beautiful landscape, the greenery and the lovely architecture. I want that too, he thought to himself. When he returned to Mecca, he immediately got to work. He put a pretty gable roof on his house and filled the dreary space around it with rolling hills on which he let green grass and apple trees grow. The next morning the people were very astonished, because nothing like this had been seen in the desert state. And because green is good for the nerves, there was no bad word. Only when God forbade walking on the lawn and cursed some pilgrims, who were preparing to circle his house seven times as usual, did one or the other raise an eyebrow in disbelief.

Neustart

Dieses Jahr hat mir endgültig klar gemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Daher fange ich noch einmal ganz von vorn an.

Restart
This year finally made it clear to me that things cannot go on like this. So I’ll start all over again.