Armlose Bitte

„Entschuldigen Sie, haben Sie womöglich meinen rechten Arm gesehen?“
„Nein, tut mir leid.“
„Gerade hatte ich ihn noch. Muss ihn wohl verloren haben.“
„Wie ärgerlich. Aber ich kann Ihnen meinen leihen, wenn Sie wollen.“
„Das wäre zauberhaft. Er wird auch sicher keinen Schaden nehmen.“
„Wozu brauchen Sie ihn denn? (misstrauisch) Sie führen doch nichts Böses im Schilde?“
„Aber nein, es ist völlig harmlos.“
„Nämlich?“
„Wie gesagt. Völlig harmlos.“
„Das würde ich jetzt schon gerne etwas genauer wissen.“
„Sie sind aber neugierig! Das geht Sie doch gar nichts an!“
„Entschuldigen Sie bitte! Natürlich geht mich das etwas an. Schließlich handelt es sich hier um meinen Arm!“
„Dann behalten Sie doch ihren blöden Arm. Er ist sowie viel zu kurz“
„Sie unverschämter Kerl! Mein Arm ist völlig in Ordnung!“
„Ihr Arm ist Schrott!“ (im Weggehen) „Den würde ich nicht einmal geschenkt nehmen!“
„Hier, erstick daran!“ (reißt sich den Arm ab und schleudert ihn dem Anderen hinterher. Der Mann nimmt den Arm und rennt davon)
„Mein Gott. Was habe ich getan?“
(Spricht einen Passanten an) „Entschuldigung. Haben Sie womöglich meinen rechten Arm gesehen?“

Armless request – „Excuse me, did you see my right arm?“ – „No, I’m sorry.“ – “I just had it. Must have lost it.“ – “How annoying. But I can lend you mine if you want.“ – “That would be nice. It will certainly not be damaged.“ – “What do you need it for? (suspiciously) You are not up to any evil?“ – „But no, it’s completely harmless.“ – „Namely?“ – „As I said. Completely harmless.“ – „I would like to know more about that now.“ – “But you are curious! It’s none of your business!“ – „Excuse me please! Of course that’s my business. After all, this is my arm!“ – “Then keep your bloody arm. It is too short as well“ – “You cheeky fellow! My arm is perfectly fine!“ – „Your arm is scrap!“ (As he walks away) „I wouldn’t even take it for free!“ – „Here, choke on it!“ (Tears off his arm and hurls it after the other. The man takes the arm and runs away) „My God. What have I done?“ (Addresses a passer-by) “Sorry. Have you seen my right arm?“

Christlicher Humor

Die Christen stehen ja, ebenso wie die Anhänger der anderen Buchreligionen, selten in Verdacht zum Lachen nicht in den Keller zu gehen, weshalb ein kurz vor Mitternacht auf der Trompete aus dem offenen Fenster geblasenes „Stille Nacht“ vermutlich auch für Christen mit Humor ein bisschen zu subtil ist.

Christian humor – Christians, like the followers of the other book religions, are seldom suspected of not being a cold fish, which is why a „Silent Night“ blown on the trumpet from the open window shortly before midnight is probably, even for Christians with a sense of humor, a bit too subtle.

Tragische Verwechslung

Der Angeklagte gab zu Protokoll, ihm sei bei seinem Gang um den Block, den er wie jeden Tag getätigt habe, zuerst nichts Ungewöhnliches aufgefallen. Plötzlich jedoch sei ihm an einer Hauswand der Geist seiner Großmutter mütterlicherseits erschienen. Wenn er es genau bedenke, habe es sich eigentlich nur um einen Lichtfleck gehandelt, doch der Fleck habe darauf bestanden, der Geist seiner verblichenen Großmutter zu sein. Zwar habe ihn der Geist mehrmals Franz genannt, obwohl dies nicht sein Name sei, aber er habe sich gedacht, das sei ein Fehler, mit dem man bei einer Achtzigjährigen, zumal tot, rechnen müsse.
Die Großmutter habe ihm befohlen, sofort ihre Tochter, also seine Mutter, aufzuschneiden und beim nächsten Bäcker einen Kuchen zu erwerben und zu grüßen. Das sei ihm schon etwas ungewöhnlich vorgekommen, aber mit der Großmutter habe sich nicht reden lassen. Sie habe darauf bestanden. Also sei er nach Hause gegangen, habe die Mutter aufgeschnitten und dann, wie verlangt, beim Bäcker einen Kuchen erworben und gegrüßt. Der Bäcker habe komisch geschaut, als er den Kuchen nicht gegessen, sondern gegrüßt habe, aber vielleicht habe das auch an seiner blutgetränkten Kleidung gelegen. Auf dem Heimweg sei ihm die Großmutter noch einmal erschienen und habe eingestanden, dass es sich wohl um einen Irrtum gehandelt habe, denn er sei nicht der richtige Franz, wie sie nun feststellen habe müssen. Es tue ihr sehr leid. Natürlich habe er der alten Dame keinerlei Vorwürfe gemacht, daher könne man an seinen Manieren gewiss keinen Anstoß nehmen.

Tragic confusion – The defendant stated that he had not noticed anything unusual while his usual walk around the block. Suddenly, however, the ghost of his maternal grandmother appeared on the wall of a house. When he thinks about it, it was really just a patch of light, but the patch had insisted on being the ghost of his faded grandmother. Although the ghost called him Franz several times, even though that was not his name, he thought that was a mistake to be expected with an eighty-year-old who was also dead. The grandmother ordered him to cut up her daughter, his mother, immediately and to buy a cake from the next baker and say hello to it. That seemed a bit unusual to him, but he couldn’t talk to the grandmother. She insisted on it. So he went home, cut the mother open and then, as requested, bought a cake from the bakery and said hello to it. The baker looked funny when he didn’t eat the cake but saluted it, but maybe that was also due to his blood-soaked clothes. On the way home, his grandmother appeared again and admitted that it was probably a mistake, because he was not the right Franz, as she had now to discover. She was very sorry. Of course, he hadn’t blamed the old lady in any way, so his manners certainly couldn’t be questioned.

Steriles Gedicht

Dieses Gedicht ist absolut
keimfrei
Verse müssen nicht
keimen
um ein Gedicht zu
sein
Keime sollen bleiben
wo sie sind
aber nicht
hier

Sterile poem – This poem is absolute / germ-free / Verses don’t have to / germinate / to be a poem / Germs should stay / where they are / but not / here (silly wordplay with the german germs eh terms for germ and rime)

Die letzte Grenze

Worüber der Deutsche Alpenverein kaum ein Wort verliert, weil es ihm so peinlich ist: Die Kirchturmspitze, der letzte unbestiegene Gipfel der bayerischen Alpen, der so heißt, weil er halt so aussieht, ist neulich dann doch erobert worden, und zwar von einem japanischen Touristen, der sich dessen gar nicht bewusst war. Der alte Untermoser Sepp hat es aber schon immer gesagt. „Buam!“, hat er gesagt, „Wenn ich nicht schon so klapprig wäre, dann hätt ich die Spitze schon längst genommen!“ Aber die Jungen haben ihn nur ausgelacht. „Ja freilich, Sepp!“ haben sie ihn aufgezogen. Aber alle waren sie zu feige, die Steilwände in Angriff zu nehmen. Bis dann eben der Japaner kam und zufällig entdeckt hat, dass im Inneren des Berges eine vom Wasser ausgewaschene Treppe bis auf den Gipfel führt. Der DAV sagt, dass das keine richtige Erstbesteigung sei und man einen Berg schon von außen bezwingen müsse und auch der alte Untermoser Sepp sagt etwas Ähnliches, aber es hört schon niemand mehr zu.

The final frontier
What the German Alpine Association hardly says a word about because it is so embarrassing: The top of the Church Tower, the last unclimbed peak in the Bavarian Alps, which is called like that because it looks like that, was recently conquered by a japanese Tourist who wasn’t even aware of it. The old Untermoser Sepp has always said it. “Boys!” he said, “If I weren’t already so rickety, then I would have taken the summit long time ago!” But the boys just laughed at him. „Yes, of course, Sepp!“ they teased him. But they were all too cowardly to tackle the steep walls. Until the Japanese came and discovered by chance that inside the mountain a staircase washed out by the water leads to the peak. The Alpine Association says that this is not a real first ascent and that you have to conquer a mountain from the outside and the old Untermoser Sepp says something similar, but nobody is listening anymore.

Erschienen / published in Titanic 1/2021

Gute Frage (1)

Als einmal einige Tiere für ihre besonderen Fähigkeiten von der Natur ausgezeichnet wurden, bekam der Mensch sogar eine Goldmedaille. Da fragte die Fledermaus den Nashornkäfer, wofür der Zweibeiner die Auszeichnung denn bekomme. „Kann er wie ich fliegen und Ultraschall hören oder wie du das 850fache seines Körpergewichts heben?“ Der Nashornkäfer verneinte das, aber er habe gehört, der Mensch könne denken und sei schon auf dem Mond gewesen. Die Fledermaus konnte das nicht begreifen. „Wenn er denken kann, was wollte er dann auf dem Mond?“ fragte sie und fraß den Käfer. Weil sie aber keine Antwort erhielt, flog sie nach Hause und machte dort, was Fledermäuse eben so tun.

Good question – When nature once decorated some animals for their special abilities, humans even received a gold medal. The bat then asked the rhinoceros beetle why the biped was getting the award. „Can he fly like me and hear ultrasound or how you lift 850 times his body weight?“ The rhinoceros beetle said no, but he heard that humans could think and have already been to the moon. The bat couldn’t understand that. „If he can think, what was he doing on the moon?“ she asked, eating the beetle. But because she got no answer, she flew home and did what bats do.

Die Abenteuer von Pavel Havel (3)

Neulich hat Pavel Havel, der berühmte tschechische GMAK (Großmeister aller Klassen), eine Zeitmaschine erfunden und ist damit in die Zukunft gereist. Als er zurückkehrte, wurde er natürlich neugierig befragt, aber Pavel Havel winkte nur ab. Er könne die Zukunft nicht empfehlen, besonders nicht nächsten Freitag. Mehr ließ er sich nicht entlocken. Am Freitag darauf blieben die Leute alle zuhause und zitterten vor Angst. Später waren sie sich einig, es sei tatsächlich richtig beschissen gewesen. Pavel Havel aber hatte den Tag im Stadtpark verbracht und die himmlische Ruhe genossen.

The adventures of Pavel Havel
The other day, Pavel Havel, the famous Czech GMAC (Grand Master of All Classes) invented a time machine and traveled with it into the future. When he returned he was of course questioned curiously, but Pavel Havel only waved aside. He couldn’t recommend the future, especially next Friday. No more could be wormed out of him. The following Friday people all stayed at home, trembling with fear. They later agreed that it actually really sucked. But Pavel Havel had spent the day in the city park and enjoyed the heavenly peace.