Vorurteil bestätigt

Ich habe schon immer vermutet, dass ich einen Vogel habe. Jetzt habe ich ihn zum ersten Mal gesehen. Eigentlich habe ich ihn mir aber größer vorgestellt und bunter. Naja, immerhin weiß ich jetzt sicher, dass ich kein normaler Holzkopf bin, denn obwohl kein Ornithologe, bin ich mir ziemlich sicher, dass es kein Specht ist, eher eine Meise.

Prejudice confirmed – I have always suspected that I have a bird. Now I have seen him for the first time. Actually, I imagined him bigger and colorful. Well, after all, it is verified that I’m not a normal wooden head, because though no ornithologist, I’m pretty sure it’s no woodpecker, rather a tit. (to have a bird/a tit means to have bats in the belfry)

Aus dem Familienalbum (45)

Mein Großonkel Hans war bekannt dafür, ein rechter Holzkopf zu sein, was aber nichts machte, da er so unansehnlich war, dass er als Vogelscheuche sehr beliebt war, jedoch ohne daraus Profit schlagen zu können, was aber nichts machte, da er wegen seiner Holzköpfigkeit eh nicht verstand, dass man ihn ausnutzte, was aber nichts machte, da er aufgrund seiner Tätigkeit dem Wetter in einem Maße ausgesetzt war, dass er schon nach wenigen Jahren den Holzschwamm bekam und zu Brennholz verarbeitet werden musste.

From the family album – My great-uncle Hans was known to be a real wooden head, which didn’t matter because he was so ugly that he was very popular as a scarecrow, but without being able to make a profit from it, which didn’t matter because he, due to his wooden headedness, didn’t understand that he was being exploited, but that didn’t matter, because he was exposed to the weather to such an extent that he got the wooden sponge after a few years and had to be processed into firewood.

Nicht alle Vöglein sind mehr da

Klimawandel, Intensivlandwirtschaft und andere Dummheiten des Menschen haben den Vogelbestand um 70% reduziert. Der Rest ist kaum mehr wiederzuerkennen.

Not all the birds are there anymore – Climate change, intensive agriculture and other human stupidities have reduced the bird population by 70%. The rest is hardly recognizable.

2021: A Space Odyssey

Diesmal nicht von Kubrick und auch nicht zum Jupiter, sondern mit der S-Bahn durch den ebenso öden Münchner Westen. Die Sitzplätze sind leer, denn Frank und Dave haben sich freiwillig in die Tiefschlafkammern begeben. HAL hat ihnen keine Kinderlieder vorgesungen, sondern sie alle fünf Minuten mit bayerischem Akzent daran erinnert, Abstand zu halten und Masken zu tragen.

2021: A Space Odyssey – This time not by Kubrick and also not to Jupiter, but with the S-Train through the equally desolate west of Munich. The seats are empty because Frank and Dave have voluntarily gone to the deep sleep chambers. HAL did not sing them children’s songs, but reminded them every five minutes with a Bavarian accent to keep their distance and wear masks.

Liebe Mitbürger!

Den Kalten Krieg haben wir bekanntlich gewonnen, weil Kapitalismus und westliche Demokratie dem Sozialismus selbstverständlich überlegen waren. Jetzt weiß man, was passieren würde, wenn der Russe doch noch kommt. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidentenrunde würden sich nach langen Verhandlungen frühmorgens auf ein Maßnahmenpaket einigen, während die feindliche Armee auf der anderen Seite der Grenze höflich wartet. Nicht wenige von Euch werden die Existenz dieser Truppen leugnen oder bezweifeln, dass sie mit scharfer Munition schießen. Die Ministerpräsidenten sind übermüdet und vergessen sofort, was sie beschlossen haben. Die bayerischen Gebirgsjäger ziehen sich tapfer in die Alpenfestung zurück, die saarländische Marine bedauert, nicht einsatzfähig zu sein und Berlin bestellt in Norwegen ein paar Millionen überteuerte Schneebälle, nachdem Guttenberg dafür lobbyiert hat. Bitte sagt später nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

Dear fellow citizens! – As is well known, we won the Cold War because capitalism and Western democracy were of course superior to socialism. Now you know what would happen if the Russian did come in the end. After long negotiations, the chancellor and the group of prime ministers would agree on a package of measures early in the morning, while the enemy army politely waited on the other side of the border. Quite a few of you will deny the existence of these troops or doubt that they fire live ammunition. The prime ministers are tired and immediately forget what they have decided. The Bavarian mountain infantry bravely retreat to the Alpine fortress, the Saarland navy regrets not being able to operate and Berlin orders a few million overpriced snowballs in Norway after Guttenberg lobbied for them. Please don’t say later that I didn’t warn you.

Nummer 1

Neulich las ich einen Artikel über jemanden, der zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt gehört. Das ist schon eindrucksvoll. Andererseits kann ich von mir behaupten, dass ich die am meisten beeinflusste Person der Welt bin. Und auf dieser Liste bin ich sogar die einzige Person. Das soll mir erst mal jemand nachmachen!

Number 1 – The other day I read an article about someone in the 100 Most Influential People in the World. That is impressive. On the other hand, I can say that I am the most influenced person in the world. And I’m the only person on that list. Match that if you can!

Aha, Bora Lüftungstechnik!

Du bist ein oberbayerisches Unternehmen, das Kochfeldabzugsysteme entwickelt, und du bewirbst deine Produkte mit dem auch historisch interessanten claim, diese würden „aus Küchen echten Lebensraum“ machen. Wenn das der Führer gewusst hätte, wärst heute nicht du der Vorreiter in Kochfeldabzugsystemen, sondern das Unternehmen Barbarossa. Gruß aus der verqualmten Kombüse: Titanic

Aha, Bora ventilation technology! – You are an Upper Bavarian company that develops cooktop extractor systems, and you advertise your products with the also historically interesting claim that they would „turn kitchens into real living space“. If the Führer had known, you would not be the pioneer in cooktop extractor systems today, but the Barbarossa company. Greetings from the smoke-filled galley: Titanic

Erschienen / published in Titanic 5/2021

Neues aus dem Wald (8)

Die politische Lage im Wald ist der in Berlin erstaunlich ähnlich: Noch bilden Rot- und Schwarzwild eine Koalition, aber seit es wärmer wird, wird es auch im Wald grüner. Das empfinden nicht alle als positiv: „Wir müssen uns hier mit Jägern auseinandersetzen!“, erregt sich ein Wildschwein. „Das sind existenzielle Probleme, aber von Blättern und Büschen hört man nur Geraschel. Die wissen doch auch nicht, wie es geht!“

News from the forest – The political situation in the forest is astonishingly similar to that in Berlin: red deer and wild boar are still forming a coalition, but since it has been warmer, the forest has also become greener. Not everyone feels that this is positive: “We have to deal with hunters here!” exclaims a wild boar. “These are existential problems, but you only hear rustling from leaves and bushes. They don’t know how to do it either!“

Neues aus der Kunstgeschichte (3)

Neulich fand man in Florenz auf dem Dachboden des Palazzo Vecchio die Tube, auf die der berühmte Schnellmaler Michelangelo immer gedrückt hat. Leider war die Tube vollkommen ausgedrückt, was vermutlich auch der Grund war, weshalb der Mann im Alter immer langsamer malte, bis seine Auftraggeber keine Geduld mehr haben wollten. Weil Michelangelo aber bekanntlich ein Genie war, hat er sich einfach auf die Schneckenzucht verlegt, eine Sache, bei der man sich Zeit lassen darf.

News from art history – The other day in Florence, in the attic of the Palazzo Vecchio, the tube was found that the famous fast painter Michelangelo used to squeece. Unfortunately, the tube was completely squeeced, which was probably the reason why the man painted more and more slowly as he got older, until his clients no longer wanted to be patient. But because Michelangelo was known to be a genius, he simply switched to snail breeding, a thing you can take your time with. (‚auf die Tube drücken‘ means ‚to rush‘)

Berufsrisiko

Für den ersten Entwurf ihres Logos hat sich eine US-amerikanische Computerfirma viel Zeit gelassen. Das war am 1. April 1976. Damals war es sehr angesagt, ein bisschen exzentrisch zu sein, besonders in der IT-Branche. Der damalige Kreativdirektor hat ein Apfelbäumchen gepflanzt und dann einige Jahrzehnte gewartet. Nachdem der Baum gefällt und zu Brettern zersägt worden war, hat er ein Astloch mit Spachtelmasse ausgefüllt und fand die Form so schön, dass er das Brett zur nächsten Vorstandssitzung mitbrachte. Dummerweise hatte der Chef für dieses Vorgehen kein Verständnis und den Kreativheini darum schon vor Jahrzehnten gefeuert und war inzwischen sowieso schon tot. Auch vor Gericht hatte die Klage des Designers, man habe ihm seinen Entwurf gestohlen, keinen Erfolg. Danach behauptete der Mann, es habe sich eh um einen Aprilscherz gehandelt, aber damit machte er auf die Pfleger in der geschlossenen Abteilung kaum Eindruck.

Occupational risk – An American computer company took a long time to draft its logo. That was on April 1st, 1976. Back then, being a little eccentric was very popular, especially in the IT industry. The creative director at the time planted an apple tree and then waited a few decades. After the tree was felled and sawed into boards, he filled a knothole with filler and found the shape so beautiful that he brought the board to the next board meeting. Unfortunately, the boss had no understanding for this approach and therefore fired the creative twerp decades ago and was already dead in the meantime. Even in court, the designer’s complaint that his design had been stolen from him was unsuccessful. The man then claimed it was an April Fool’s joke anyway, but that made little impression on the nurses in the closed ward.