2021: A Space Odyssey

Diesmal nicht von Kubrick und auch nicht zum Jupiter, sondern mit der S-Bahn durch den ebenso öden Münchner Westen. Die Sitzplätze sind leer, denn Frank und Dave haben sich freiwillig in die Tiefschlafkammern begeben. HAL hat ihnen keine Kinderlieder vorgesungen, sondern sie alle fünf Minuten mit bayerischem Akzent daran erinnert, Abstand zu halten und Masken zu tragen.

2021: A Space Odyssey – This time not by Kubrick and also not to Jupiter, but with the S-Train through the equally desolate west of Munich. The seats are empty because Frank and Dave have voluntarily gone to the deep sleep chambers. HAL did not sing them children’s songs, but reminded them every five minutes with a Bavarian accent to keep their distance and wear masks.

Neues aus dem Wald (8)

Die politische Lage im Wald ist der in Berlin erstaunlich ähnlich: Noch bilden Rot- und Schwarzwild eine Koalition, aber seit es wärmer wird, wird es auch im Wald grüner. Das empfinden nicht alle als positiv: „Wir müssen uns hier mit Jägern auseinandersetzen!“, erregt sich ein Wildschwein. „Das sind existenzielle Probleme, aber von Blättern und Büschen hört man nur Geraschel. Die wissen doch auch nicht, wie es geht!“

News from the forest – The political situation in the forest is astonishingly similar to that in Berlin: red deer and wild boar are still forming a coalition, but since it has been warmer, the forest has also become greener. Not everyone feels that this is positive: “We have to deal with hunters here!” exclaims a wild boar. “These are existential problems, but you only hear rustling from leaves and bushes. They don’t know how to do it either!“

Neues aus der Kunstgeschichte (3)

Neulich fand man in Florenz auf dem Dachboden des Palazzo Vecchio die Tube, auf die der berühmte Schnellmaler Michelangelo immer gedrückt hat. Leider war die Tube vollkommen ausgedrückt, was vermutlich auch der Grund war, weshalb der Mann im Alter immer langsamer malte, bis seine Auftraggeber keine Geduld mehr haben wollten. Weil Michelangelo aber bekanntlich ein Genie war, hat er sich einfach auf die Schneckenzucht verlegt, eine Sache, bei der man sich Zeit lassen darf.

News from art history – The other day in Florence, in the attic of the Palazzo Vecchio, the tube was found that the famous fast painter Michelangelo used to squeece. Unfortunately, the tube was completely squeeced, which was probably the reason why the man painted more and more slowly as he got older, until his clients no longer wanted to be patient. But because Michelangelo was known to be a genius, he simply switched to snail breeding, a thing you can take your time with. (‚auf die Tube drücken‘ means ‚to rush‘)

Berufsrisiko

Für den ersten Entwurf ihres Logos hat sich eine US-amerikanische Computerfirma viel Zeit gelassen. Das war am 1. April 1976. Damals war es sehr angesagt, ein bisschen exzentrisch zu sein, besonders in der IT-Branche. Der damalige Kreativdirektor hat ein Apfelbäumchen gepflanzt und dann einige Jahrzehnte gewartet. Nachdem der Baum gefällt und zu Brettern zersägt worden war, hat er ein Astloch mit Spachtelmasse ausgefüllt und fand die Form so schön, dass er das Brett zur nächsten Vorstandssitzung mitbrachte. Dummerweise hatte der Chef für dieses Vorgehen kein Verständnis und den Kreativheini darum schon vor Jahrzehnten gefeuert und war inzwischen sowieso schon tot. Auch vor Gericht hatte die Klage des Designers, man habe ihm seinen Entwurf gestohlen, keinen Erfolg. Danach behauptete der Mann, es habe sich eh um einen Aprilscherz gehandelt, aber damit machte er auf die Pfleger in der geschlossenen Abteilung kaum Eindruck.

Occupational risk – An American computer company took a long time to draft its logo. That was on April 1st, 1976. Back then, being a little eccentric was very popular, especially in the IT industry. The creative director at the time planted an apple tree and then waited a few decades. After the tree was felled and sawed into boards, he filled a knothole with filler and found the shape so beautiful that he brought the board to the next board meeting. Unfortunately, the boss had no understanding for this approach and therefore fired the creative twerp decades ago and was already dead in the meantime. Even in court, the designer’s complaint that his design had been stolen from him was unsuccessful. The man then claimed it was an April Fool’s joke anyway, but that made little impression on the nurses in the closed ward.

Staatsversagen

Eben habe ich eines der Alfabetometer ausprobiert, die ich auf Staatskosten von meinem Arbeitgeber erhalten habe. Obwohl ich deutlich „Staatsversagen“ gesagt habe, behauptet das Gerät, es habe ein ‚c’ gemessen. Dabei kommt in dem Wort gar kein ‚c’ vor, aber dafür ‚s’ und ‚t’, die jedoch nicht angezeigt werden. Was für ein Schrott ist das denn? Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, wozu man ein Messgerät braucht, das nicht mal ein ‚o’ erkennt und nur einmal verwendbar ist. Peinlich!

State failure – I have just tried one of the alphabet meters that I received from my employer at government expense. Although I clearly said „state failure“, the device claims it measured a ‚c‘. There is no ‚c‘ in the word, but instead ’s‘ and ‚t‘, which are not displayed. What kind of junk is that? Apart from the fact that I don’t understand why you need a measuring device that doesn’t even recognize an ‚o‘ and can only be used once. Embarrassing!

Neues aus dem Wald (7)

Der Wald ist eine überaus komplexe Gemeinschaft, die sich dem Fremden kaum erschließt. „Wir haben hier aber genau die gleichen sozialen Problemlagen wie überall“, meint der Förster Franz M. Es gibt arme Bäume, die sich nur eine dünne Rinde leisten können, während andere mit ihren zahlreichen Zapfen protzen und sich breitmachen. „Diebstahl ist das häufigste Verbrechen, besonders in Trockenzeiten. Die graben sich gegenseitig das Wasser ab“, berichtet der Waldhüter. „Letzte Woche gab es hier sogar einen erweiterten Suizid, als eine umstürzende Tanne drei kleine Fichten mit in den Tod riss.“ Ein im Wald ausgesetzter Ficus elastica berichtet von fremdenfeindlichen Übergriffen und das Moos am Boden lässt deprimiert die Köpfe hängen und klagt, dass alle auf ihm herumtrampeln würden.

News from the forest – The forest is an extremely complex community that strangers can hardly access. “But we have exactly the same social problems here as everywhere,” says the forester Franz M. There are poor trees that can only afford a thin bark, while others show off their numerous cones and spread out. “Theft is the most common crime, especially in dry seasons. They dig each other’s water”, reports the forest ranger. „Last week there was even an extended suicide here when a falling fir tree tore three small spruce trees with it.“ A Ficus elastica exposed in the forest reports xenophobic attacks and the moss on the ground droops their heads in depression and complains that everyone would trample on him.

Vermeintlich genialer Trick

Sie kennen doch dieses Spiel, bei dem man sich gegenseitig einen beschrifteten Zettel auf die Stirn klebt und erraten muss, wer man ist. Ich hatte mich schon gefreut, dass er nie darauf kommen würde, dass er er selbst ist, aber der Schlauberger überlegt schon seit Ewigkeiten, ohne etwas zu sagen. Langweilig.

Supposedly brilliant trick – You know this game in which you stick a labeled piece of paper on each other’s foreheads and have to guess who you are. I was sure that he would never guess that he was himself, but the aleck has been thinking about it for ages without saying anything. Boring. (on the strip it says: post)

Aus dem Familienalbum (44)

Ein entfernter Onkel hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er kann nämlich sehr ausdauernd und präzise schlafen, ohne dabei herumzustrampeln wie ein Welpe, weshalb man ihm eine Vollzeitstelle als Grabdenkmal des örtlichen Heiligen in der Kathedrale seiner Heimatstadt angeboten hat. Die Lebendigkeit seiner Darstellung wird allgemein gelobt.

From the family album – A distant uncle turned his hobby into a job. He can sleep very long and precisely without kicking his legs like a puppy, which is why he has been offered a full-time position as the grave monument of the local saint in the cathedral of his hometown. The liveliness of its portrayal is widely praised.

Geduldsprobe

Als Buddha neulich in eine sehr kleine Ein-Zimmer-Wohnung gezogen ist, hat er das noch ziemlich entspannt gesehen. Platz ist in der kleinsten Hütte, sagte er sich, und außerdem, was brauchte er denn schon. Schließlich war er ein Asket. Auch als die Nachbarn sich am zweiten Tag beschwerten, er würde nachts zu laut meditieren, verlor er nicht die Contenance, schließlich war er der Buddha. Aber als er zum x-ten Mal mit dem Weisheitsauswuchs auf seinem Kopf im viel zu niedrigen Türrahmen hängen blieb, riss ihm dann doch der Geduldsfaden. Natürlich beschwerten sich die dummen Nachbarn sogleich über den Lärm, aber nicht lange. Schließlich war er nicht nur der Buddha, sondern seit seiner Jugend auch ein passabler Faustkämpfer.

Test of patience – When the Buddha recently moved into a very small one-room apartment, he was still quite relaxed about it. There’s room in the smallest hut, he told himself, and besides, what did he need? After all, he was an ascetic. Even when the neighbors complained on the second day that he was meditating too loudly at night, he did not lose his composure, after all he was the Buddha. But when he got stuck with the wisdom growth on his head for the umpteenth time in the far too low door frame, the thread of patience broke. Of course, the stupid neighbors immediately complained about the noise, but not for long. After all, he was not only the Buddha, but a decent pugilist since his youth.

Neues aus dem Wald (6)

Der Klimawandel setzt den Bäumen ziemlich zu, aber anders als man vermuten würde, sind es vor allem die älteren Bäume, die ein Problembewusstsein besitzen. „Wir haben das Waldsterben in den 80ern überlebt“, erzählt ein vom Alter gekrümmter Veteran. „Das können sich die Jungen gar nicht vorstellen! Die halten das hier für normal.“ Keine Spur von Fichten for Future, die Waldjugend ist politisch desinteressiert. „Wenn ich groß bin, möchte ich zu Ikea“, sagt ein kleiner Nadelbaum. Ob dieser Traum in Erfüllung gehen wird? „Ihr seid doch am Arsch! Das könnt Ihr wörtlich nehmen!“ ruft der Alte hinüber zu einer jungen Schonung. Vermutlich hat er Recht, denn statistisch gesehen wird fast jeder zweite Baum in der Papierindustrie landen.

News from the forest – Climate change is affecting trees quite a bit, but contrary to what one would expect, it is the older trees in particular that have an awareness of the problem. „We survived the forest dieback in the 80s,“ says a veteran bent with age. “The kids can’t even imagine that! They think this is normal.” There is no trace of Spruces for Future, the youth in the forest are politically disinterested. “When I grow up, I want to go to Ikea,” says a small conifer. Will this dream come true? “You’re full of shit! You can take that literally!” shouts the old tree at a young plantation. He is probably right, because statistically, almost every second tree will end up in the paper industry.