Neues aus dem Wald (10)

Auch im Wald hat die Pandemie zu gesellschaftlichen Verwerfungen geführt. In manchen Rudeln wurde so hart um Masken und Impfungen gestritten, dass man sich nun aus dem Weg geht und nicht einmal mehr miteinander röhrt.

News from the forest – The pandemic has also led to social upheavals in the forest. In some packs, masks and vaccinations were argued so hard that they now avoid contact and don’t even roar with each other.

Reschpekt, Marie von Waldburg!

Neulich erzählten Sie der Süddeutschen Qualitätszeitung von einem Interview, das Sie für eine Münchner Boulevardzeitung mit dem todkranken Bob Marley geführt haben, nachdem Sie und ein Paparazzo stundenlang im Schnee auf eine Gelegenheit gewartet hatten: „Das war mein drittes Jahr bei der AZ, da hat man öfter so welche Überfallgeschichten gemacht.“ Es verdient Anerkennung, wenn eine bekannte Gesellschaftskolumnisten sich öffentlich zu ihrer kriminellen Vergangenheit bekennt, mehr noch aber, dass Sie einen Scheißdreck auf sprachliche Richtigkeit geben, sondern einfach drauflos schnattern, wie krumm Ihnen der Schnabel auch gewachsen ist. Ehrlich und unverstellt, so geht Qualitätsjournalismus. Wenn Sie sich jetzt noch angewöhnen, öfter ‚öfters’ zu schreiben, werden wir Ihr Fan.

Respeeect, Marie von Waldburg! The other day you told the quality newspaper Süddeutsche about an interview you conducted for a Munich tabloid with the terminally ill Bob Marley after you and a paparazzo had waited for hours in the snow for an opportunity: “That was my third year at AZ, there has you often made so hit-and-run stories like that.” It deserves recognition when a well-known society columnist publicly confesses to their criminal past, but even more that you give a shit about linguistic accuracy, but just chatter on how crooked your beak has grown. Honest and undisguised, that is how quality journalism works. If you get used to writing ‚oftener‘ more often, we will your fan.

Aus dem Familienalbum (47)

Bei Familientreffen müssen neuerdings Warnschilder aufgestellt werden, weil unser Stammbaum offenbar einige Schwachstellen aufweist. Nachdem neulich ein sehr vertrockneter Onkel im Fallen einige Tanten erschlagen hat, meinten einige Cousins sogar, unsere Familie sei im Innersten verfault und also nicht mehr zu retten. Einige Großmütter haben ihnen das mit einigen kräftigen Ohrfeigen vergolten und nun hat man sich darauf geeinigt, die Schilder aufzustellen und die Verantwortung für den desaströsen Zustand der Sippe auf die schon verstorbenen Familienmitglieder abzuwälzen.

From the family album – Recently warning signs have to be put up at family get-togethers because our family tree apparently has some weaknesses. After a very withered uncle recently killed some aunts while falling, some cousins even said that our family was rotten at heart and could no longer be saved. Some grandmothers rewarded them with some hard slaps in the face and now it has been agreed to put up the signs and to shift the responsibility for the disastrous state of the clan onto the family members who have already died.

Wie, Süddeutsche Zeitung,

geht eigentlich dieser Qualitätsjournalismus, von dem man immer munkeln hört? So anscheinend: „Heidi Klum und ihr Vater streiten sich um die Markenrechte am Namen von Leni Klum. Unmenschlich oder geschäftstüchtig?“ Ein weiterer Beleg dafür, dass es keine dummen Fragen gibt, sondern nur solche, die sich am Ende nicht auszahlen. Qualität erlangt diese Art von Journalismus darum erst, wenn er die eigene Geschäftsgrundlage nicht in Frage stellt, nämlich eine attraktive Umgebung für die Anzeigenkunden zu schaffen. Da macht es einen Unterschied, welche Konjunktion man verwendet, auch wenn jeder weiß, dass ‚also’ die präzisere Formulierung gewesen wäre.

How, Süddeutsche Zeitung, does this quality journalism, which one always hears rumors about, actually work? Apparently: “Heidi Klum and her father are fighting over the trademark rights to the name of Leni Klum. Inhuman or enterprising?” Another proof that there are no stupid questions, only those that don’t pay off in the end. This type of journalism therefore only achieves quality if it does not question the basis of its own business, namely to create an attractive environment for advertisers. It makes a difference which conjunction you use, even if everyone knows that ’so‘ would have been the more precise formulation.

Vorhersage für übermorgen (1)

Nachdem die Bayernpartei durch einen Putsch gestern überraschend an die Macht gekommen ist, werden alle Verweise auf eine Preußifizierung Bayerns getilgt, u.a. wird der Kaiserschnitt künftig als König-Ludwig-Schnitt bezeichnet.

Forecast for the day after tomorrow – After the Bavarian party surprisingly came to power in a coup yesterday, all references to a Prussification of Bavaria are deleted, including the caesarean section will in future be referred to as the King Ludwig section.

Neues aus dem Wald (9)

Obwohl die Pandemie noch nicht vorbei ist und viele noch nicht geimpft wurden, sieht man im Wald vermehrt vor allem junge Bäume in inniger Umarmung. Wenn man sie darauf hinweist, dass sie wenigstens ihre Masken aufsetzen sollen, bewerfen sie einen mit trockenen Ästen. Förster befürchten, dass diese Generation später einmal höchstens zu Brennholz verarbeitet werden kann.

News from the forest – Although the pandemic is not over yet and many have not yet been vaccinated, you can see more and more young trees in close embrace in the forest. If you tell them to at least put on their masks, they throw dry branches at you. Foresters fear that later this generation will at most be processed into firewood.

Wie es wirklich war (5)

Heute vor 135 Jahren ertrank bei Schloss Berg im Würmsee, dem heutigen Starnberger See, König Ludwig II. von Bayern. Was sich in jener regnerischen Nacht tatsächlich ereignete, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben, doch noch heute erzählt man sich in der Gegend, der König sei nur deshalb erst nach Stunden gefunden worden, und hätte womöglich sogar gerettet werden können, wenn nicht die verantwortlichen Hofschranzen und Minister, wie alle Mitglieder bayerischer Regierungen seit jeher, ob adlig oder nicht, zu dumm gewesen seien, den ordentlich ausgeschilderten Rettungsweg zu finden.

How it really was – 135 years ago today, King Ludwig II of Bavaria drowned near Berg Castle in the Würmlake, today’s Lake Starnberg. What actually happened on that rainy night will probably remain a secret forever, but still today people in the area say that the king was only found hours afterwards and might even have been saved, if not those responsible courtiers and ministers, like all members of Bavarian governments always, whether noble or not, have been too stupid to find the properly signposted emergency route. (on the sign: emergency route)