Wie es wirklich war (45)

Als der dänisch-spanische Edelmann Kalle del Becher im Frühjahr 1699 im Auftrag des spanischen Königs Karl II, nach Venedig kam, um in großen Mengen kommende Getreideernten für das an einer Hungersnot leidende Spanien aufzukaufen, musste er einerseits feststellen, dass die ihm zur Verfügung gestellten Mittel zwar beachtlich waren, aber zu gering, um die Venezianer zu überzeugen, die Handelsverträge mit Frankreich und Österreich zu kündigen, die ebenfalls unter Getreidemangel litten. Andererseits war er sehr geschmeichelt, als er eines Tages durch die Stadt irrend, entdeckte, dass man, ohne ihm etwas zu sagen, eine Gasse nach ihm benannt hatte, die zwar unscheinbar und schmal war, aber ohne Zweifel seinen Namen trug. Als er sich während der nächsten Audienz im Dogenpalast für die große Ehre bedankte, sah man ihn verständnislos und belustigt an und schickte ihn mit einem Schulterklopfen und der Empfehlung, das nächste Mal eine größere Börse mitzubringen, wieder nach Hause. In Spanien angekommen, musste er gestehen, keinen Erfolg gehabt zu haben, schmückte seine Erzählung aber mit der ihn betreffenden Anekdote, was den geistesschwachen König Karl in solches Entzücken versetzte, dass er in lautes Lachen und Frohlocken ausbrach und eine ganze Woche lang nicht damit aufhören wollte. Der Hofstaat musste natürlich, ob er wollte oder nicht, darin einstimmen. Die Nachricht, dass der König und der Adel sich trotz der furchtbaren Hungersnot so prächtig amüsierten, führte kurz darauf zu einem Aufstand in Madrid, dem Sturz des regierenden Ministers, der Stärkung der profranzösischen Fraktion am Hofe und nach dem Tode des kinderlosen Karl im Jahr darauf schließlich zum Spanischen Erbfolgekrieg, in dessen erster Schlacht bei Carpi der Conte del Becher, der, ohne es je erfahren zu haben, aufgrund seiner Unkenntnis des venezianischen Dialekts und seiner Eitelkeit einen mehr als 13 Jahre langen gesamteuropäischen Konflikt ausgelöst hatte, von einem herabfallenden Ast erschlagen wurde.

How it really was – When the Danish-Spanish nobleman Kalle del Becher arrived in Venice in the spring of 1699—commissioned by King Charles II of Spain to purchase large quantities of upcoming grain harvests for a famine-stricken Spain—he found, on the one hand, that the funds placed at his disposal, while substantial, were insufficient to persuade the Venetians to cancel their trade agreements with France and Austria, both of which were also suffering from grain shortages. On the other hand, he was deeply flattered when, while wandering through the city one day, he discovered that—without anyone having told him—an alleyway had been named after him; it was admittedly narrow and unassuming, but it undoubtedly bore his name. When he expressed his gratitude for this great honor during his next audience at the Doge’s Palace, he was met with looks of bewilderment and amusement; he was then sent on his way with a pat on the back and a recommendation to bring a larger purse next time. Upon his return to Spain, he had to admit his failure, yet he embellished his account with the anecdote concerning the alleyway—a story that delighted the feeble-minded King Charles so much that he burst into loud laughter and rejoicing, refusing to stop for a full week. Naturally, the courtiers were obliged to join in, whether they wished to or not. The news that the king and the nobility were amusing themselves so lavishly despite the terrible famine led shortly thereafter to an uprising in Madrid, the fall of the ruling minister, and the strengthening of the pro-French faction at court; following the death of the childless Charles the next year, it ultimately resulted in the War of the Spanish Succession—during the first battle of which, at Carpi, the Conte del Becher was killed by a falling branch, having—without ever realizing it—triggered a pan-European conflict lasting more than thirteen years due to his vanity and his ignorance of the Venetian dialect.