Geniale Idee oder unfassbarer Blödsinn?

Das Fremdenverkehrsamt der oberbayerischen Gemeinde Hintertupfing wirbt seit einiger Zeit im Ausland, vornehmlich in den USA, damit, die letzte in Ost und West geteilte Gemeinde Deutschlands zu sein. Der Besucher könne hier den Kalten Krieg und die Teilung durch einen eisernen Vorhang noch mit eigenen Augen besichtigen. Die Berliner Mauer sei ja nun leider Gottes voreilig demoliert worden. Das Fremdenverkehrsamt der Nachbargemeinde Vordertupfing hat zwar seinerseits eine Gegenkampagne gestartet, die nahelegt, dass es sich beim Hintertupfinger Kalten Krieg schlicht um einen Nachbarschaftsstreit zwischen dem Moser Sepp und dem Huber Depp handele, aber wie der Hintertupfinger Bürgermeister mitteilt, könne gegen eine gut erzählte Geschichte „halt auch die Wahrheit nicht anstinken“.

Brilliant idea or unbelievable nonsense? – The tourist office of the Upper Bavarian community of Hintertupfing has been advertising abroad for some time, primarily in the USA, that it is the last community in Germany divided into East and West. Visitors can see the Cold War and the division by an Iron Curtain with their own eyes. Unfortunately, the Berlin Wall was demolished prematurely. The tourist office of the neighboring community of Vordertupfing has launched a counter-campaign, suggesting that the Hintertupfinger Cold War was simply a neighborhood dispute between Moser Sepp and Huber Depp, but as the mayor of Hintertupfing says, „even the truth cannot compete with a well-told story.“

Achtung Verkehrsteilnehmer!

Das Bundesverkehrsministerium weist darauf hin, dass Radfahrer und Fußgänger, bevor sie das Haus verlassen, möglichst darauf Acht geben sollten, ob der Rad- oder Fußweg von den sich momentan rasch ausbreitenden Pocken befallen sei. Die Krankheit sei zwar für den Menschen nicht gefährlich, könne aber von unachtsamen Zweiradfahrern und Spaziergängern weiterverbreitet werden. Von den Pocken befallene Fuß- und Radwege würden innerhalb von einigen Jahren schlaglochähnliche Narben entwickeln, die zu schweren Unfällen führen könnten. Das Ministerium rate daher zum baldigen Kauf eines PKW, denn Straßen seien gegen die Krankheit immun. Epidemiologen weisen dies jedoch strikt zurück und vermuten, dass es sich schlicht um Lobbyarbeit der Autoindustrie handele.

Attention road users! – The Federal Ministry of Transport points out that cyclists and pedestrians should, before leaving the house, check whether the cycle path or footpath is infected with the currently rapidly spreading smallpox. Although the disease is not dangerous for humans, it can be spread by careless cyclists and walkers. Footpaths and cycle paths infected with smallpox will develop pothole-like scars within a few years, which could lead to serious accidents. The ministry therefore advises people to buy a car soon, because roads are immune to the disease. However, epidemiologists strictly reject this and suspect that it is simply lobbying by the car industry.

Schreckliche Vorstellung

Demnächst findet ja die Wahl zum Europäischen Parlament statt und wie immer, wenn Wahl ist, gewähren einem die Leute tiefe Einblicke in die Untiefen ihres Gemüts. Es scheint mir zwar unwahrscheinlich, dass die Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung die absolute Mehrheit gewinnt, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in Utschl inzwischen ausreichend viele Wahnsinnige gibt, die diesen Clowns zu einem Mandat in Straßburg verhelfen. Man stelle sich nur vor, dieser Irrsinn würde Wirklichkeit und man müsste die nächsten tausend Jahre mit diesen Leuten verbringen und mit allen anderen auch! Wer will das schon? In einer guten Woche werden wir es wissen.

Terrible idea – The elections for the European Parliament are coming up soon and, as always when there is an election, people give you deep insights into the depths of their minds. It seems unlikely to me that the Party for Conventional Medical Rejuvenation Research will win an absolute majority, but I can certainly imagine that there are enough lunatics to help these clowns get a mandate in Strasbourg. Just imagine if this madness became reality and you had to spend the next thousand years with these people and everyone else too! Who wants that anyway? We’ll know in a good week. (On the poster: Unlimited life for all. For faster development of medicine that repairs the damage of aging and allows people to live healthy lives for thousands of years)

Rechtsruck

Der AfD-Vorstand hat neulich eine Pressemitteilung herausgegeben, in der gefordert wird, das Linksabbiegen zu verbieten und in jeder Kreuzung eine Statue des Eisernen Kanzlers so zu platzieren, dass es linksgrünversifften Autofahrern unmöglich gemacht wird, in die falsche Richtung zu fahren. Der Verkehrsminister im Exil Andreas S. hat, als er von diesem Ansinnen erfahren hat, anerkennend genickt. Etwas so blödes sei selbst ihm noch nie eingefallen.

Shift to the right – The AfD executive committee recently published a press release in which it is required to ban the turn to the left and to place a statue of the Iron Chancellor in every intersection in such a way that it is made impossible for leftleaning drivers to drive in the wrong direction. The Minister of Transport in exile Andreas S., when he found out about this request, nodded appreciatively. Something so stupid has never come up with himself.

Raum für Vermittlung

Nachdem die letzte PISA-Studie erneut gezeigt hat, wie miserabel unser Schulsystem tatsächlich ist, gackern wieder alle aufgeregt durcheinander und tun so, als sei nicht eh klar, wie das Problem zu lösen wäre. Wir Lehrer bekommen einfach nicht den notwendigen Raum für Vermittlung, weil so ein Raum eben eine Stange Geld kostet, das dann aber fehlen würde, wenn wieder einmal eine Bank gerettet werden muss oder ein DB-Vorstandmitglied eine neue Yacht braucht.

Space for imparting – After the last PISA study showed once again how miserable our school system actually is, everyone is cackling excitedly again and acting as if it wasn’t clear how the problem could be solved. We teachers simply don’t get the necessary space for imparting because such a room costs a lot of money, which would then be missing if a bank had to be saved again or a DB board member needed a new yacht.

Andere Länder, andere Sitten (3)

Bei uns muss man sich entscheiden, ob man Bier lieber aus der Dose trinkt oder aus der Flasche, ob man Fußball mag oder doch ein paar aufs Maul, während man in Luxemburg die wirklich wichtigen Lebensentscheidungen zu treffen hat. – Zivilisation oder Barbarei? Deutschland so: Schland!

Other countries, other customs – With us you have to decide whether you prefer to drink beer from a can or a bottle, whether you like football or a slap in the face, while in Luxembourg you have to make the really important life decisions. – Civilization or barbarism? Germany: Schland!

Unbekannte Geschichte

Dieses Jahr jährt sich der sog. „Hitler-Putsch“ bekanntlich zum 100. Mal, aber was kaum jemand weiß, nicht einmal in München, ist, dass zugleich der „Hitler-Punsch“ Jubiläum feiert. Als der spätere Führer vom Schauplatz des misslungenen Umsturzversuchs floh, suchte er zunächst in einer Kneipe im Bahnhofsviertel Zuflucht, nämlich in „Sepps Boazn“, einem Stehausschank, der von dem mit der KPD sympathisierenden Wirt Josef Gruber betrieben wurde. Der erkannte den Flüchtenden natürlich, aber anstatt ihn sofort zu erschießen, servierte er dem nahezu hysterischen H. einen „ganz besonderen Punsch“, wie er sich erinnerte, den er aus den Neigen des Vortages zusammengerührt hatte. H. habe das Glas mit dem bräunlichen Gebräu zügig geleert, ohne eine Miene zu verziehen, habe gezahlt und sei gegangen. Später hätten ihm die Nazis dann regelmäßig die Kneipe vollgekotzt, weil der H. seinen Punsch so gelobt habe.

Unknown hisstory – As is well known, this year marks the 100th anniversary of the so-called „Hitler-Putsch“, but what hardly anyone knows, not even in Munich, is that the „Hitler Punch“ is also celebrating an anniversary. When the future leader fled from the scene of the unsuccessful attempted coup, he first sought refuge in a bar in the station district, namely in „Sepps Boazn“, a standing tavern run by the innkeeper Josef Gruber, who was sympathetic to the KPD. Of course, he recognized the fugitive, but instead of shooting him immediately, he served the almost hysterical H. a “very special punch”, as he recalled, which he had made from the dregs of the previous day. H. quickly emptied the glass with the brownish brew without making a face, paid and left. Later, the Nazis regularly threw up in the pub because H. praised his punch so much.

Ein Trauma, Nikolaus Blome c/o Spiegel, ehem. BILD,

hinterließ anscheinend „der stechende Schmerz in der rechten Schulter“, als Ihnen einst bei den Bundesjugendspielen ein Ballweitwurf misslang. Bei manchen äußert sich so etwas nur in Ängsten, Sie führt es außerdem auf den rechten Weg: Eine „links-entschlossene Minderheit“ habe dafür gesorgt, dass die Bundesjugendspiele ab kommendem Schuljahr nur noch als bewegungsorientierter Wettbewerb ausgetragen werden. „Die Bundesjugendspiele ihres traditionellen Wettkampfcharakters beraubt und in Schneeflockenweitpusten verwandelt? Da kann man es auch ganz sein lassen. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Vermutlich eine, die Wettbewerbe wie Fußballbundesliga und Casting-Shows ziemlich offensichtlich mag, aber Wettkämpfe, wenn sie Aua machen, weniger. Man könnte Ihnen jetzt unterstellen, dass Sie nur ein weiteres Schlachtfeld des Kulturkampfes eröffnen wollen, oder sich gar eine Jugend wünschen, die in gewisser Tradition flink ist wie die Windhunde und zäh wie Ihr ledriges Gesichtsfleisch, aber tatsächlich treibt Sie etwas anderes um: „Kurzum: Bundesjugendspiele und das Große und Ganze, das uns in diesem Sommer umtreiben sollte, haben eine Menge miteinander zu tun. Derzeit gewinnt dieses Land eine viel zu kleine Zahl von Wettkämpfen jedweder Art, als dass es sich leisten sollte, weitere abzuschaffen, nur weil sie welche sind.“ Die deutsche Jugend nämlich soll nicht etwa lernen, dass Bewegung gesund ist und Spaß machen darf, auch wenn man Handgranaten nicht 30 Meter weit werfen kann, sondern sie soll darauf gedrillt werden, im internationalen Kampf der Märkte zu bestehen, auf dass Deutschland wieder zu alter Größe auferstehe. Das ist, wir müssen es Ihnen, Blome, leider so deutlich sagen, im Wettbewerb mit stahlharten Kulturkämpferinnen wie Weidel und Storch ein schon sehr erbärmlicher Mädchenwurf und darum wieder keine Siegerurkunde wert. Tragen Sie’s wie ein Mann!

A trauma, Nikolaus Blome c/o Spiegel, formerly BILD, apparently was left behind by „the stabbing pain in the right shoulder“ when you failed to throw a ball at the national youth games. For some, something like this only expresses itself in fears, but you are also put on the right path: A „left-wing determined minority“ has ensured that the National Youth Games will only be held as a movement-oriented competition from the coming school year. „The Bundesjugendspiele robbed of their traditional competitive character and turned into blowing snowflakes? You can drop that. Which society is that supposed to represent?” Probably one that quite obviously likes competitions like the Bundesliga and casting shows, but competitions when they hurt, less so. One could now assume that you just want to open up another battlefield of the Culture War, or that you even wish for a youth that, in a certain tradition, is agile like greyhounds and tough as your leathery face, but actually something else is on your mind: „In short: National Youth Games and the big picture that should be on our minds this summer have a lot in common. At the moment, this country is winning far too few competitions of any kind to afford to abolish more just because they are.” The German youth should not learn that exercise is healthy and can be fun, too, even if you can’t throw hand grenades 30 meters, but it should be drilled to survive in the international battle of the markets, so that Germany rises back to its former glory. Unfortunately, we have to tell you Blome so clearly that, in competition with tough culture warriors like Weidel and Storch, this is a very pathetic malden-like attempt and therefore again not worth a winner’s certificate. Take it like a man!