
Disappointment
Texte und Bilder /// Texts and Images
Neulich auf einer Party erzählte eine Frau, sie baue „medizinische Skulpturen“. Als man eine davon an einer unfallträchtigen Straßenkreuzung aufgestellt habe, seien plötzlich keine Unfälle mehr passiert. Doch das Straßenbauamt sei nicht erfreut gewesen und habe die Plastik entfernt, worauf die Unfallzahlen sogleich gestiegen seien. Ich halte das nicht für unwahrscheinlich, denn das Wunderding war so dermaßen hässlich, dass kein Mensch mit Geschmack ein zweites Mal daran vorbeifahren wollen würde.
Parallel world
Recently at a party, a woman told me she was building „medical sculptures“. As one of them was set up at an accident-prone intersection, suddenly no more accidents happened. But the road construction office had not been pleased and have removed the plastic, whereupon the accident numbers have risen immediately. I do not consider that unlikely, because the magical device was so ugly that no person with taste would want to pass it a second time.
„Ach!“
(Goethe, Faust I, 1. Akt, 2. Szene)
Because of current events
„Oh!“
(Goethe, Faust I, Act 1, Scene 2)

„Dies mein Junge“, sagte der alte Mann, der sich neben mich auf die Bank gesetzt hatte, „dies sind nicht die Bretter, die die Welt bedeuten. Aber sind sie deshalb etwa weniger bedeutend?“ fragte er und sah mich an. Ich wusste nicht, was ich darauf hätte antworten können, darum schwieg ich bedeutungsvoll und deutete durch eine sachte Kopfbewegung Zustimmung an. „Natürlich sind sie das, Dummkopf!“ schrie er plötzlich, sprang auf und stürmte laut schimpfend, mit dem Gehstock in meine Richtung drohend, davon.
On the periphery. – „These, my boy,“ said the old man sitting down next to me on the bench, „these are not the boards that mean the world, but are they hence less significant?“ he asked, looking at me. I did not know what to say, so I kept my silence meaningful and indicated agreement with a gentle nod. „Of course they are, stupid!“ he screamed suddenly, jumped up and stormed off, shouting loudly, threatening me with the cane.
(erschienen / published in Titanic 9/2019)

Wer im Leben sehr aktiv war und auch im Tode nicht gerne untätig bleiben möchte, kann seine Seele in solch einen Grabstein einschließen lassen. Da sie nachtaktiv sind, sieht man sie tagsüber meist bewegungslos herumstehen. Nur manchmal verfolgen sie einen Jogger, was angesichts der Spitze der Pyramide nicht ungefährlich ist, doch die Beinchen sind viel zu kurz, um ein hohes Tempo zu erreichen. Gehbehinderte sollten jedoch vorsichtig sein. Nachts ist darum auch vom Besuch des Friedhofs abzuraten, aber es hat durchaus seinen Reiz, im Schutze der Friedhofsmauer dem geschäftigen Treiben zu lauschen.
Last restlessness
Anyone who was very active in life and would not like to be idle even in death can let his soul be included in such a gravestone. Since they are nocturnal, you can see them standing motionless during the day. Only sometimes they do follow a jogger, which is dangerous given the point of the pyramid, but the legs are far too short to reach a high speed. Handicapped people should be careful. At night it is therefore not recommended to visit the cemetery, but it has quite its charm to listen to the hustle and bustle under the protection of the cemetery wall.

Das Nordkolleg in Rendsburg hat zwei alte Zigarettenautomaten umfunktioniert. Für einen guten Zweck kann man eine Schachtel Kunst erstehen. Ich habe drei Schachteln mit Bausätzen für maritimes Gekrakel gefüllt, das man sich ins Wohnzimmer stellen kann.
Octopusish Scrawl
The Nordkolleg in Rendsburg has converted two old cigarette vending machines. For a good cause, you can buy a box of art. I’ve filled three boxes with maritime kits that can be put into the living room.