Da hilft auch keine Medizin

Nicht, dass es mich gewundert hat, auch am anderen Ende der Welt Dummköpfe vorzufinden. So jemanden will man nicht in der Nähe haben, aber diesen hier hätte ich gerne gesehen, wenn ich ihm einen Impfstoff gegen Kommunismus angeboten hätte. Ich bin mir fast sicher, dass er auch den ablehnen würde. Tja, Jock, da jeder mindestens einmal Covid bekommt, solltest du vielleicht jetzt schon den Text der Internationalen üben.

In this case even medicine doesn’t help – Not that I was surprised to find fools on the other side of the world. You don’t want someone like that around, but I would have loved to see this one if I’d offered him a vaccine against Communism. I’m almost certain he’d turn it down too. Well, Jock, since everyone gets Covid at least once, you might want to start practicing the International’s lines now.

Servus, Museum für angewandte Kunst in Wien!

Du bist in mehrfacher Hinsicht aufregend, denn nicht nur ist deine Sammlung sehr interessant, sondern in deinen Toiletten sind die Papierhandtuchspender so designed, dass man sie nicht anwenden kann. Es kommen nur Fetzen heraus. Wir vermuten, dass die Form hier weniger der Funktion folgt als vielmehr der Blödheit des Designers, aber vielleicht handelt es sich ja um moderne Kunst, die wir nur nicht verstehen.

Servus, Museum of Applied Arts in Vienna! – You are exciting in more ways than one, not only is your collection very interesting, but the paper towel dispensers in your restrooms are designed in such a way that they cannot be applied. Only scraps come out. We suspect form doesn’t follow function here, but rather the stupidity of the designer, but maybe this is modern art we just don’t understand.

Aus dem Familienalbum (64)

Nachdem mein Vetter 3. Grades Karl-Karl, so benannt nach seinen beiden Großvätern, letztes Jahr an einem simultanen Herzinfarkt und Hirnschlag verstorben war, brachte seine Witwe im Wohnzimmer eine Installation an, die Fragen aufwarf. Sie machte aber gar kein Geheimnis daraus, sondern verriet bereitwillig, dass es sich um den Stein handele, der ihr vom Herzen gefallen sei, als der Depp endlich tot war. „Nomen ist eben manchmal doch Omen“, sagte sie, denn ihr Mann hätte sie, wäre er nicht vorzeitig verschieden, seinerseits unter die Erde gebracht, „indem er alles, aber auch wirklich alles zweimal gesagt hat!“ Das müsse man sich einmal vorstellen, was das mit einem gesunden Menschen mache, sagte sie, und seufzte tief. Ich konnte es mir vorstellen und seufzte zur Bestätigung, was sie aber so dermaßen in Rage brachte, dass ich mich unter einem Vorwand verabschiedete.

From the family album – After my third cousin Karl-Karl, named after both of his grandfathers, died of a simultaneous heart attack and stroke last year, his widow installed an installation in the living room that raised questions. But she made no secret of it and readily revealed that it was the stone that fell from her heart when the idiot was finally dead. „Sometimes it’s all in the name“, she said, because her husband would have buried her if he hadn’t died prematurely, „by saying everything, really everything twice!“ You have to imagine what that can do to a healthy person, she said, and sighed deeply. I could imagine it and sighed in confirmation, but this enraged her so much that I made an excuse to say goodbye.

Rechte Logik

Die Ausländer sind faule Sozialbetrüger, die den Deutschen die Arbeit wegnehmen, weshalb ich sie schwarz auf meiner Baustelle beschäftigen muss, weil die Schweine Überstunden machen und trotzdem billiger sind!

Right wing logic – The foreigners are lazy social scammers who take the jobs away from the Germans, which is why I have to employ them illegally on my construction site, because the pigs work overtime and are still cheaper!

Gastraum

Neulich hatte ich einen Albtraum und fühlte mich, als sei ich im falschen Film. Titel und Untertitel waren redundant aber klar. Dazwischen war nichts zu sehen, es roch jedoch nach faulen Eiern und mir wurde schlecht. Es handelte sich also vermutlich um russisches Erdgas und ich weiß nicht, wie ich das auffassen soll.

Gasdream – I had a nightmare the other day and felt like I was in the wrong movie. Titles and subtitles were redundant but clear. In between there was nothing to see, but it smelled like rotten eggs and I felt nauseous. So it was probably Russian natural gas and I don’t know how to interpret that. (It’s a pun. Sorry for that)

Konsequent, Bildungspolitik!

Allerorts finden nun in den Schulen Fortbildungen zum Einsatz von Virtual-Reality-Brillen statt, obwohl schon die Benutzeroberfläche der Real Reality nicht funktioniert. Leider stört es den Aufenthalt in der Virtuellen Realität ein wenig, dass es auch mit dieser Brille nicht gelingt, den allgegenwärtigen Duft ungewaschener Schüler und verpisster Schultoiletten zu überdecken. Das ist definitiv ein „Potenzialthema“ für das nächste Audit! Geld ist ja nicht das Problem, gell? Ich rate zum Eintritt ins Berufsleben.

Very consistent, educational politicians! – Training courses on the use of virtual reality glasses are now taking place in schools everywhere, even though the real reality user interface does not work. Unfortunately, the stay in virtual reality is a little disturbed by the fact that even with these glasses it is not possible to cover up the ubiquitous smell of unwashed students and dirty school toilets. This is definitely a „potential topic“ for the next audit! Money isn’t the problem, is it? I recommend entering the workforce.

Moderne Lyrik

Da steht das Alte vor dem Neuen und kann es nicht fassen, wie heruntergekommen die Welt doch ist. Andererseits handelt es sich um die Fassade der „Versuchsanstalt“. Das erklärt einiges, aber das Alte denkt sich dennoch: „Versuch gescheitert“ und hat damit auch völlig recht.

Modern poetry – The old stands in front of the new and can’t believe how run-down the world has become. On the other hand, it is the facade of the „experimental institute“. That explains a lot, but the old still thinks: „Attempt failed“ and is absolutely right.

(Gesehen / seen in Wien. Graffito: „Klaus Schwab kills us / open your eyes / the robots of tomorrow“)

An der Haustür

„Haben Sie gerade Zeit, über Gott zu sprechen?“
„Lustig, dass Sie fragen, ich bin in einer Stunde mit ihr verabredet!“

At the door – „Do you have time to talk about God right now?“ „Funny, you ask, I have an appointment with her in an hour!“

Feierabend

Nach einem harten Arbeitstag wartet die Frühschicht der hiesigen Möwenbelegschaft auf die Fähre ans andere Ufer. Gefragt, warum sie nicht einfach hinüberfliegen, lachen sie genervt. „Was für ne blöde Frage! Wir fliegen den ganzen Morgen schon im Regen herum, sind nass und durchgefroren bis auf die Knochen und dann sollen wir auch noch dumme Fragen beantworten. Fresst Euren Fisch doch selber! Menschen! Ha! Ha-Ha-Ha-Ha!“

Knock off – After a hard day’s work, the morning shift of the local seagull workforce is waiting for the ferry to the other bank. When asked why they don’t just fly over, they laugh annoyed. „What a stupid question! We’ve been flying around in the rain all morning, wet and frozen to the bone, and then we’re supposed to answer stupid questions. Eat the fish yourself! Humans! Ha! Ha-Ha-Ha-Ha!“

Ja und?

Neulich in Wien habe ich meine bildungsbürgerliche Pflicht getan und selbstverständlich auch die berühmte Strudelhofstiege besichtigt, die der Schriftsteller Doderer in Roman und Gedicht so zauberhaft verewigt hat. Manche Leute, die mir auf der Treppe entgegenkamen, sahen mich, wie mir schien, mit einer Melange aus Mitleid und Spott an, als würden sie denken: Noch so ein Piefke, der nur herkommt, um sich eine depperte Treppe anzuschauen! – Wiener, was soll ich sagen, Ihr habt recht. Aber die Deutschen hatten schon schlechtere Gründe Wien zu besuchen, vergesst das nicht! Ich will’s nur gesagt haben.

So what? – Recently in Vienna I did my bourgeois duty and of course also visited the famous Strudelhof stairs, which the writer Doderer immortalized so enchantingly in novel and poem. Some of the people who met me on the stairs looked at me, it seemed to me, with a mélange of pity and mockery, as if they were thinking: Another kraut who only comes here to look at a stupid staircase! – Viennese, what can I say, you are right. But the Germans had worse reasons to visit Vienna, don’t forget that! I just want it said.

(erschienen / published inTitanic 7/2023)