Man wächst nicht nur zusammen

Wenn man so lange ein Paar ist, wie die Bank und der Busch, dann kann man auch einige Jahrzehnte nebeneinander am Strand herumsitzen und hinaus auf das Wasser schauen, ohne dabei ein Wort zu sagen und ohne dass einem dabei langweilig wird. Als der Busch dann als erstes das Gefühl hatte, jetzt sei es aber doch genug mit dem Herumsitzen und aufs Wasser hinaus schauen und dem Schweigen, da merkte er, dass er sich keinen Zentimeter vom Fleck rühren konnte. Er raschelte ein bisschen mit den Zweigen und Blättern und beschloss, die Bank nicht mit diesem kleinen Problem zu behelligen. Sie hatte ja schon genug damit zu tun, dass sich ständig Leute auf sie setzten und ihre Hintern an ihr rieben.

You don’t just grow together – If you’ve been a couple as long as the bank and the bush, you can sit side by side on the beach and look out at the water for a few decades without saying a word and without getting bored. But when the bush first had the feeling that sitting around and looking out at the water and the silence was enough, he realized that he couldn’t move an inch. He rustled the branches and leaves a bit and decided not to bother the bank with this little problem. She already had enough to do with people sitting and rubbing their butts on her.

Aus dem Familienalbum (66)

Mein Onkel hat eine Abstellkammer in seiner Wohnung zum Telefonzimmer umfunktioniert. Das fanden wir alle etwas seltsam, da er seinen Festnetzanschluss schon vor Jahren gekündigt hat. Nein, sagte er, das sei schon richtig so. Wer zu Besuch sei und telefonieren oder mit dem Handy herumspielen wolle, der müsse das im Telefonzimmer tun. Das sei blickdicht und schallisoliert, da er die permanente geistige Abwesenheit seiner Gäste nicht weiter zu ertragen bereit sei. Wer ihn besuche, habe gefälligst ihm seine volle Aufmerksamkeit zu schenken und nicht diesem kleinen Terroristen. Überflüssig zu sagen, dass in der gut isolierten Kammer kein Netzempfang ist.

From the family album – My uncle converted a closet in his apartment into a telephone room. We all thought that was a bit strange, since he canceled his landline years ago. No, he said, that’s all right. If you are visiting and want to make a call or play around with your cell phone, you have to do it in the telephone room. It’s opaque and soundproof, because he’s no longer willing to endure the permanent mental absence of his guests. Anyone who visits him should kindly give him his full attention and not this little terrorist. Needless to say, there is no signal reception in the well-insulated chamber.

Ernte 23

Da nun die Ferien zu Ende gehen und morgen der erste Schultag ist, bereite ich mich schon auf einen langen, schrecklichen Winter vor und dose heute die Ernte 23 ein, womit nicht die widerliche Bauarbeiterzigarettenmarke gemeint ist, sondern die diesjährige Balkonernte Lavendel. Die kommt in ein Glas, das ein bisschen Sommerduft für trübe Tage konservieren wird.

Harvest 23 – Now that the holidays are over and tomorrow is the first day of school, I’m already preparing for a long, horrible winter and today I’m canning Harvest 23, which doesn’t mean the disgusting brand of construction worker cigarettes, but this year’s balcony harvest of lavender. It comes in a jar that will preserve a bit of summer scent for cloudy days.

Grüß Gott, FDP Bayern!

Für deinen Wahlkampf zur Landtagswahl hast du dir anscheinend vorgenommen, alles anders zu machen als bisher, hast den Christian Lindner eingeladen, in München eine Rede zu halten, und hast Plakate gedruckt, auf denen diesmal tatsächlich die Wahrheit steht, zumindest zum Teil: „Lindner kommt! Servus Zukunft“. Jetzt ist es halt so, dass ‚Servus’ in Bayern durchaus auch mit ‚Auf Wiedersehen’ übersetzt werden kann. Aber schon klar, das kann man als aus Düsseldorf Zugereister nicht wissen. In diesem Sinne sage ich gerne Servus.

Hello, FDP Bavaria! For your campaign for the state elections, you apparently decided to do everything differently than before, invited Christian Lindner to give a speech in Munich, and printed posters that actually said the truth this time, at least in part: „Lindner comes! Servus future“. Now it’s the case that ‚Servus‘ in Bavaria can also be translated as ‚Goodbye‘. But of course, you can’t know that as a person who has moved here from Düsseldorf. With this in mind, I say Servus.

Du, Gesundheitspolitik,

möchtest also ganz ganz viele Krankenhäuser schließen, weil sie sich nicht rechnen. Das sagst du zwar nicht mehr so offen, aber weißt du, eine Gesellschaft, in der Krankenhäuser gewinnbringend arbeiten sollen, ist offensichtlich suizidgefährdet und sollte dringend in die Psychiatrie eingewiesen werden. Ach, für Kassenpatienten ist gerade kein Platz frei? In zwei Jahren wieder anrufen? Na, dann wünsche ich Hals- und Beinbruch.

You, health care policians, want to close a lot of hospitals because they don’t pay off. You’re not saying that outright anymore, but you know, a society where hospitals are supposed to be profitable, is obviously suicidal and should be committed to psychiatry as a matter of urgency. Oh, there is no space available for public health patients right now? Call again in two years? Well, then: Break a leg!

Gebrauchsanweisung für Wien

Wer in Wien ‚Sisyphos’ sagt, muss auch immer ‚und Franz’ sagen. Und dann eine ruhige Mozartkugel schieben.

Instructions for Vienna – Anyone who says ‚Sisyphus‘ in Vienna always has to say ‚and Franz‘. And then calmly push a Mozart ball.

Goethe hat schon wieder Geburtstag!

Im Seniorenheim gab es an Geburtstagen allerdings immer nur Pizza, obwohl sie wussten, dass er sie nicht mehr beißen konnte.

It’s Goethe’s birthday again! – „Pipfa … always pipfa!“ – In the retirement home, however, at birthdays they always served pizza, even though they knew he couldn’t bite it anymore.