Aus dem Familienalbum (38)

Dies ist der Haken, an den mein Urgroßvater seinen Beruf gehängt hat, nachdem ihn jemand überzeugen konnte, dass seine Manufaktur für Freiluft-Garderoben keine Zukunft haben wird. Zum Glück hat ihm niemand erklärt, dass man seinen Beruf nicht an einen Haken, sondern an einen Nagel hängt. Das hätte er wohl nicht verkraftet. Sein letztes Geld hat er dann in die Produktion von Wohnzimmer-Hydranten gesteckt, bevor ihn meine Urgroßmutter entnervt der Heilsarmee gespendet hat. Sicher hätte man auf dem Flohmarkt noch ein paar Mark für ihn bekommen, aber auch meine Urgroßmutter war wenig geschäftstüchtig.

From the family album – This is the hook my great-grandfather put his profession on after someone convinced him that his manufacture of outdoor coatracks would have no future. Fortunately, nobody explained to him that you don’t hang your job on a hook, but on a nail. He probably wouldn’t have coped with that. He then put the last of his money into the production of living room hydrants before my great-grandmother donated him to the Salvation Army. Certainly you could have got a few marks for him at the flea market, but my great-grandmother was not very business-minded either.

Vom Versagen (2)

Mein Job schafft mich, macht mich fertig, bringt mich um. Ich bin am Ende, kann nicht mehr und will nicht mehr, aber so sehr ich mich auch bemühe, nicht einmal einen richtigen Burnout bekomme ich hin.

About failure – My job defeates me, wears me down, kills me. I’m at the end, can’t go on and don’t want to, but no matter how hard I try, I can’t even get a real burnout.

Sprichwort, überprüft (3)

Neue Besen kehren keineswegs immer gut, meistens hängen sie wie alle Jugendlichen in Rudeln faul herum, beschmieren die Wände und belästigen die Passanten.

Proverb verified – New brooms do not always sweep well, mostly like all young people they hang around in packs, smear the walls and bother passers-by.

Spiegel, alte Metaphernschleuder!

„So ziemlich alle Gesellschaften in der Geschichte der Menschheit sind irgendwann untergegangen. Unserer Zivilisation wird es nicht anders gehen“, konstatierst du und stellst raunend-rhetorisch die saudumme Frage: „Wann beginnt das Ende?“ Nun könnte man, wenn man sich von dir nicht für blöd verkaufen lässt, erstens antworten, dass „so ziemlich alle“ einfach nur sehr schlecht geraten ist, und zweitens den apokalyptischen Metaphernquatsch von sich und im Sinne der Aufklärung darauf hinweisen, dass Gesellschaften keine Schiffe sind. Doch auch wenn sie welche wären, würden sie deshalb nicht zwangsläufig untergehen, es sei denn, sie würden wie bisher immer von hab- und machtgierigen Männern versenkt werden. Das Sturmgeschütz der Demokratie spielt wohl gerne Schiffeversenken, hm?

Spiegel magazine, old metaphor spewer! – “Pretty much all societies in human history have gone down at some point. It won’t be any different for our civilization”, you state and, whispering rhetorically, ask the stupid question: “When does the end begin?” Now, if you don’t let yourself be fooled, one could answer first that “pretty much all“ is just a very bad guess, and secondly, reject the apocalyptic metaphor nonsense and on behalf of the Enlightenment point out that societies are not ships. But even if they were, that would not necessarily mean that they would go down, unless, as before, they would be sunk by men who are greedy for money and power. Democracy’s assault gun likes to play Battleships, huh?

Übrigens, werte Miteuropäer!

Habt Ihr es gemerkt? Die Briten sind tatsächlich raus. Ja, doch. Die Luft ist auf einmal viel frischer, weil unsere europäischen Grenzen so dicht sind, dass sogar der Gestank von frittiertem Fisch auf der Insel bleibt. Im Supermarkt ist auf einmal viel mehr Platz für kontinentaleuropäische Spezialitäten, weil niemand mehr Orangenmarmelade, Marmite und Baked Beans kaufen muss. Und die britischen Torys sind auch zufrieden, denn jetzt können sie zum altbewährten Raubtierkapitalismus zurückkehren und müssen sich von den snobs auf der anderen Seite des Atlantiks nicht mehr auslachen lassen. Endlich dürfen sie wieder ungestört Beute machen! Darum: Noch ein, zwei Gurkenkrümmungsverordnungen und drei, vier Gleichstellungsgesetze und wir schaffen es, dass auch Polen und Ungarn austreten. Frisch ans Werk!

By the way, my fellow Europeans! – Did you notice it? The British are actually out. Yes, yes. The air is suddenly much fresher because our European borders are so dense that even the smell of fried fish stays on the island. Suddenly there is a lot more space in the supermarket for continental European specialties because nobody has to buy orange jam, marmite and baked beans anymore. And the British Tories are happy too, because now they can return to the tried and tested predatory capitalism and no longer have to be laughed at by the snobs on the other side of the Atlantic. They are finally allowed to prey again undisturbed! So: One or two more cucumber curvature ordinances and three or four equality laws and we can get Poland and Hungary to leave. Fresh to work!

Du, McKinsey & Company,

bist eine milliardenschwere Unternehmens- und Strategieberatung und veranstaltest im Februar ein „virtuelles Event für Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen“, bei dem „die Teilnehmer zusammen mit erfahrenen McKinsey-Berater(inne)n alle Phasen eines typischen Beratungsprojekts – von der Problemstrukturierung bis hin zur Abschlusspräsentation“ durchlaufen. Dabei bekommen die angehenden Strategen dann vermutlich einen Einblick in ein typisches Projekt wie Entlassungen, Verkaufsförderung von harten Drogen wie Oxycontin oder Unterstützung Saudi-Arabiens bei der Identifikation und Verfolgung von Oppositionellen. Die Abschlusspräsentationen auf dem Job-Center, der Bahnhofstoilette und unter dem Galgen dürften interessant werden. Immerhin bist du so ehrlich und nennst dein Event „Spuren hinterlassen“. Nachwuchsprobleme wirst du daher keine haben, denn geldgeile und gewissenlose Psychopathen, die Spaß daran finden, Spuren der Verwüstung zu hinterlassen, gibt es leider reichlich. Rät dir nichts und das umsonst: Titanic

You, McKinsey & Company, – are a multi-billion dollar corporate and strategy consultancy and are organizing a “virtual event for students and doctoral candidates of all disciplines” in February, in which “the participants, together with experienced McKinsey consultants, can go through all phases of a typical consulting project – from problem structuring to Final presentation”. The budding strategists will then probably get an insight into a typical project such as layoffs, sales promotion of hard drugs such as Oxycontin or support of Saudi Arabia in the identification and persecution of opposition members. The final presentations on the job center, the train station toilet and under the gallows should be interesting. After all, you are so honest and call the event “Leave Your Mark”. You will therefore have no problems to find future junior staff, because there are unfortunately plenty of money-hungry and unscrupulous psychopaths who enjoy leaving traces of devastation. Don’t advise you and does it for free: Titanic

Erschienen / published in Titanic 2/2021

Notlösung

Drei Hirsche zu schießen, um sie als Haken zu verwenden, sollte nur im äußersten Notfall geschehen. Zum Beispiel wenn man überhaupt keinen Haken mehr im Werkzeugkasten hat. Aber auch nur dann. Alles andere wäre ja Verschwendung.

Emergency solution – Shooting three deer to use as a hook should only be done in a dire emergency. For example, if you don’t have any hook in your toolbox at all. But only then. Anything else would be a waste.

Aus dem Familienalbum (37)

Der Sohn der Nachbarn war ein schleimiger Widerling, aber als einziger in der Nachbarschaft hatte er ein Baumhaus. Als ich mein Bonanzarad bekam, bin ich aus Versehen über ihn drüber gefahren. Das war vielleicht eine Schweinerei. Seine Eltern waren natürlich sauer, aber mein Vater klopfte mir heimlich auf die Schulter.

From the family album – The neighbors‘ son was a slimy creep, but he was the only one in the neighborhood with a tree house. When I got my Bonanza bike, I accidentally ran over him. That was a mess. His parents were pissed off, of course, but my father secretly patted me on the shoulder.

Rätsel gelöst

Falls Sie sich jemals gefragt haben, warum es so wenige echte Zauberer gibt, wird es sie vielleicht interessieren, dass nun erstmals die vermutliche Ursache dafür beobachtet werden konnte. Dieser Zauberer ging gerade spazieren und begann unvorsichtigerweise damit, das lustige Liedchen „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“ zu singen, worauf er sich zur Verblüffung der anderen Spaziergänger in einen bemoosten Steinblock verwandelte. Nun wäre ja zu erwarten gewesen, dass er sich in ein Huhn verwandelte, aber wer von uns weiß schon um die Geheimnisse der Magie?

Mystery unraveld – If you’ve ever wondered why there are so few real wizards, you might be interested to know that for the first time the probable cause has been observed. This wizard was just out for a walk and carelessly began to sing the funny song „I want’ I was ’a chicken“, whereupon, to the amazement of the other walkers, he turned into a mossy stone block. Well, one would have expected him to turn into a chicken, but who of us knows the secrets of magic?

Sprichwort, überprüft (2)

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt nur in den seltensten Fällen tatsächlich von irgendwo ein Lichtlein her. Und selbst wenn, hast du meistens Recht mit deiner Annahme. Es bleibt duster und wenn du nicht übers Wasser gehen kannst, bist du mit großer Wahrscheinlichkeit am Ende deines Weges angelangt. Also mach das Beste draus, setze dich ans Ufer, bestelle ein Bier und eine Schweinshaxe und warte auf die Sperrstunde.

Proverb verified – If you think you can’t stand it any longer, only in the rarest of cases does a little light actually shine. And even if, you are mostly right in your assumption. It stays dusky and if you can’t walk across the water, there is a high probability that you have reached the end of your path. So make the most of it, sit down on the bank, order a beer and a pork knuckle and wait for the end.