Unser Pfarrer Lübke (7)

Da nun die Fastenzeit zu Ende gehe, in der es nur Bier zu trinken gebe und zum Essen nur etwas zu trinken, klagt der Bürgermeister beim karsamstäglichen Frühschoppen im Wirtshaus, er habe nun wohl endgültig ein Alkoholproblem. Unser alter Pfarrer Lübke meint daraufhin verschmitzt, das sei schon wahr, aber er habe es sich darum zur Angewohnheit gemacht, jeden Tag bei einem schönen Glas Messwein Abendmahl zu feiern. Man müsse eben immer einen Ausgleich anstreben, das sei das Geheimnis eines glücklichen Lebens. Und außerdem, sagt er unter allgemeiner Zustimmung, habe auch er gerade ein Alkoholproblem, denn sein Glas sei leer und die nächste Runde gehe also auf ihn. Unser alter Pfarrer Lübke ist schon ein richtiger Filou.

Our Pastor Lübke – As the fasting period is coming to an end, in which there is only beer to drink and only liquids to eat, the mayor complains on Holy Saturday at the morning pint in the pub that he finally has an alcohol problem. Our old pastor Lübke then mischievously said that this was certainly true, but that is why he made it a habit to celebrate the Lord’s Supper every day with a nice glass of mass wine. You always have to strive for a balance, that’s the secret of a happy life. And besides, he says with general agreement, he too has a drinking problem at the moment, because his glass is empty and the next round is on him. Our old pastor Lübke is a real rouge.

Aus dem Familienalbum (43)

Der Höhepunkt unseres Osterfestes ist die traditionelle Kreuzigung des Verlierers des Eierpeckens des letztjährigen Osterfestes. Dabei werden in geselliger Runde die Reste des letzten Abendmahls verzehrt und die Onkel beweisen, dass sie Bier in Wasser verwandeln können. Die meisten Verlierer des Eierpeckens ziehen es jedoch vor, schon vor dem Fest in den Himmel aufzufahren. Deshalb haben wir so viel Verwandtschaft in Australien.

From the family album – The highlight of our Easter festival is the traditional crucifixion of the loser from last year’s egg-pecking, a game in which someone has to break an easter-egg of an opponent with his own easter-egg. The remains of the Last Supper are consumed in good company and the uncles prove that they can turn beer into water. Most egg-pecking losers, however, prefer to go to heaven before the feast. That is why we have so much kinship in Australia.

Ich gehöre wohl zu ‚ihnen’

Heute in der U-Bahn habe ich meine Fahrkarte entwertet. In gewissen Kreisen würde mir das mittlerweile den Vorwurf einbringen, das arme Ding ‚gecancelt’ zu haben. Zurecht.

I probably belong to ‚them‘ – Today on the subway I validated my ticket. In certain circles that would meanwhile lead to the accusation that I ‚canceled‘ the poor thing. Rightly so.

Hallo ESL Sprachreisen!

Im November 2010 haben wir dich schon einmal gefragt, wer denn eigentlich bei dir bucht?
Du hast uns leider nie geantwortet. Aber dank deiner aktuellen Anzeige wissen wir es nun endlich: Alle, die während der Pandemie „nach USA“ reisen wollen. Sprachlos: Titanic

Hello ESL Language trips! – In November 2010 we asked you who is actually booking with you? Unfortunately, you never answered us. But thanks to your current ad, we finally know: everyone who wants to travel „after USA“ during the pandemic. Speechless: Titanic

(ESL sounds like ‚donkey‘ in German)

Erschienen/published in Titanic 4/2021

Neues aus dem Wald (5)

Auch viele Bäume leiden in ihrer Jugend unter Akne. Allerdings leiden sie selten lange, weil sie meist umstandslos gefällt werden. Eine radikale Lösung, gewiss, aber eine, die auch bei jungen Menschen oft die vernünftigste wäre.

News from the forest – Many trees also suffer from acne in their youth. However, they rarely suffer long because they are usually felled without any hassle. A radical solution, of course, but one that would often be the most sensible one, even with young people.

Vorurteil revidiert

Neulich war ich auf der Suche nach einer Adresse und weil die Häuser unklar nummeriert waren, klingelte ich wo und fragte nach dem Weg. Wie sich dann herausstellte, war ich in der Hölle gelandet, und ich muss sagen, das ist eigentlich ein sehr angenehmer Ort. Der Eingang sieht ein bisschen verwunschen aus, aber die Hölle dahinter besteht aus vereinzelt stehenden und von viel Grün umgebenen wohltemperierten Gästehäusern. Das Personal war nett und hilfsbereit. Man hat mir das Anwesen gezeigt und sogar ein kaltes Getränk angeboten. Seitdem versuche ich, ein Schwein zu sein, bisher leider ohne Erfolg.

Revised prejudice – The other day I was looking for an address and because the houses were unclearly numbered, I rang a doorbell and asked for directions. As it turned out, I had ended up in hell, and I have to say that it is actually a very pleasant place. The entrance looks a bit haunted, but the hell behind it consists of isolated and well-tempered guest houses surrounded by greenery. The staff was nice and helpful. I was shown the property and even offered a cold drink. Since then I’ve been trying to be a pig, unfortunately without success so far.

Bundespressekonferenz am 25. März anlässlich der Verkündigung des Herrn

Es spricht Steffen Seibert, Staatssekretär und Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung.
Seibert: Die Bundesregierung wendet sich hiermit an die Jungfrau Maria und lässt Grüße ausrichten. Die Bundeskanzlerin legt Wert auf die Feststellung, dass sich die Jungfrau nicht fürchten müsse, sondern sich vielmehr freuen dürfe, denn nach Kenntnisstand des Bundes-Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird die Jungfrau einen Sohn gebären, dem sie den Namen Jesus geben soll.
Tilo Jung: Herr Seibert, nachdem diese Maria, wie sie eben selbst gesagt haben, eine Jungfrau ist, frage ich mich, wie das gehen soll. Jungfrau bedeutet doch, dass sie noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt hat?
Seibert (verdreht die Augen, wendet sich an seinen Nebenmann): Er erwartet darauf nicht wirklich eine Antwort?
Jung: Woher weiß denn die Kanzlerin, dass es sich bei dieser Maria um eine Jungfrau handelt?
Seibert: Ich habe zu diesem Thema wirklich alles gesagt. Das ist jetzt nichts Neues, was ich da zu verkünden habe (flattert fort).

Federal press conference on March 25th on the occasion of the proclamation of the Lord Steffen Seibert, State Secretary and Head of the Press and Information Office of the Federal Government. Seibert: The Federal Government is addressing the Virgin Mary and sending greetings. The Chancellor attaches importance to the statement that the virgin should not be afraid, but rather should be happy, because according to the knowledge of the Federal Ministry for Family, Seniors, Women and Youth, the virgin will give birth to a son, to whom they name Jesus should be given. Tilo Jung: Mr. Seibert, since this Mary, as you have just said yourself, is a virgin, I wonder how that should work. Doesn’t a virgin mean that she has never had sexual intercourse? Seibert (rolls his eyes, turns to his neighbor): He doesn’t really expect an answer to that? Jung: How does the Chancellor know that this Mary is a virgin? Seibert: I really said everything on this subject. This is nothing new to announce now (flutters away).

Neues aus dem Wald (4)

Leicht kann man im Wald den falschen Eindruck bekommen, die Bäume könnten sich gegenseitig nicht ausstehen und gingen sich aus dem Weg, da man selten zwei so eng zusammenstehen sieht, dass sie sich berühren. Tatsächlich aber sind viele Bäume sehr anlehnungsbedürftig und hätten gerne mehr Kontakt, „aber dann kommt sofort die Säge“, flüstert dieser Baum hinter vorgehaltener Hand. „Wenn keiner hinschaut, dann darf sich der Kleine auch mal anlehnen.“ Die meisten Bäume seien deshalb wohl psychisch gestört, vermutet der Förster Franz M., der wie immer mehr junge Förster einen neuen Ansatz verfolgt: „Ist der Baum glücklich, freut sich später auch der Schreiner.“

News from the forest – It is easy to get the wrong impression in the forest that the trees cannot stand each other and avoid each other, since you rarely see two standing so close together that they touch. In fact, however, many trees need a lot of support and would like to have more contact, „but then the saw comes straight away,“ this tree whispers behind its hand. “If no one is looking, the little one can lean against me.” Most trees are therefore psychologically disturbed, suspects the forester Franz M., who, like more and more young foresters, is pursuing a new approach: “If the tree is happy, later also the carpenter will be pleased.“