Unser Pfarrer Lübke (10)

Nachdem am Sonntag das Haus des Metzgers von unserem Pfarrer Lübke sehr überraschend heilig gesprochen worden war, musste der Metzger natürlich überstürzt ausziehen, weil es Lübke zufolge ganz und gar nicht angemessen ist, in einem Heiligen zu wohnen. Er bedauere natürlich, dass die Metzgersfamilie jetzt im Gartenhäuschen hausen müsse, aber das sei ja sicher nur vorübergehend. Der Herr Bischof werde schon eine Lösung finden. Derweil werde er, Lübke, in dem neuen Heiligen nach dem Rechten sehen und besonders auf die Kühlräume achten, dass auch nichts Verderbliches darin zurückbleibe, besonders nicht die Weißwürste, die ja bekanntlich sehr schnell verdürben. Unser alter Pfarrer Lübke ist schon ein richtiger Filou.

Our Pastor Lübke – After the butcher’s house was surprisingly canonized by our pastor Lübke on Sunday, the butcher had to move out in a hurry because, according to Lübke, it is not at all appropriate to live in a saint. Of course he pities that the butcher’s family has to live in the little garden shed now, but that’s only temporary. The Bishop will find a solution. In the meantime, he, Lübke, would take care that everything was right in the new saint and pay particular attention to the cold rooms to ensure that nothing perishable was left in them, especially not the white sausages, which, as is well known, spoil very quickly. Our old pastor Lübke is a real filou.

Neues aus der Wissenschaft (18)

Möglicherweise wird der Cheopspyramide auch ihr letztes Geheimnis bald entrissen werden, da man nun einen Aufzug entdeckt habe, der vielleicht zu einer bisher unbekannten Grabkammer führe. Das zumindest behauptet die europäische Boulevardpresse, während die zuständige ägyptische Altertumsbehörde auf Nachfrage mit den Augen rollt. Der Aufzug sei schon vor Jahrzehnten entdeckt worden, aber leider außer Betrieb. Laut den Hieroglyphen daneben sei der Kundendienst schon verständigt. Handwerker seien eben sehr beschäftigt, man müsse sich in Geduld üben. Und ob man nun noch ein paar Jahrhunderte mehr warte, sei auch schon egal. Von einer Sensation könne jedenfalls keine Rede sein.

Science news – It is possible that the last secret of the Cheops pyramid will soon be prized out of the building, since an elevator has now been discovered that may lead to a previously unknown burial chamber. At least that’s what the European tabloids claim, while the responsible Egyptian antiquities authority rolls its eyes when asked. The elevator was discovered decades ago, but is unfortunately out of service. According to the hieroglyphs next to it, customer service has already been notified. Craftsmen are very busy, you have to be patient. And it doesn’t matter whether you wait a few more centuries. In any case, there can be no talk of a sensation.

Geschmacksache

In einem Restaurant mit so einem Namen darf man natürlich nicht erwarten, dass Spottdrossel auf der Karte steht. Daher war ich überrascht, dass man sie dort sowohl fritiert als auch als Pie serviert bekommt. Wer das nicht mag, kann auch nach nebenan zu Darwins gehen, deren gegrillte Finken sehr gut sein sollen.

Matter of taste – Of course, in a restaurant with a name like that, you can’t expect mockingbirds to be on the menu. So I was surprised that you can get them fried as well as served as a pie. If you don’t like that, you can also go to Darwin’s next door, whose grilled finches are said to be very good.

Hässliche Vorschrift

An bestimmten Orten ist in Neuseeland das Trinken von Alkohol verboten, vermutlich weil Betrunkene kein schöner Anblick sind und die schöne Aussicht verderben. Zum Glück sind die hässlichen Beschriftungen nicht sehr groß, so dass man sich als kleine Gruppe im Kreis darum herum aufstellen und sich trotzdem noch bequem zuprosten kann.

Ugly rule – Drinking alcohol is banned in certain places in New Zealand, presumably because drunk people are not a pretty sight and spoil the beautiful view. Luckily, the ugly inscriptions aren’t very big, so you can stand in a circle around them in a small group and still comfortably toast each other.

Von Natur aus freundlich

Wer die Republic of Whangamomona in Neuseeland verlässt, bekommt nicht nur einen guten Wunsch mit auf den Weg, sondern wird sogar bedankt, etwas, das einem, der beispielsweise Bayern verlässt oder ein anderes der 16 Teile von Utschl, niemals passieren wird. Schön zu sehen, dass die Welt woanders nicht nur anders ist, sondern manchmal tatsächlich besser. Vielen Dank, dass Sie das hier gelesen haben und noch einen schönen Tag!

Friendly by nature – Anyone who leaves the Republic of Whangamomona in New Zealand not only gets a good wish, but is even thanked, something that will never happen to someone who leaves Bavaria or another of the 16 parts of Utschl, for example. Nice to see that the world is not only different elsewhere, but sometimes actually better. Thank you for reading this and have a nice day!

Gut vorbereitet

Weil mir eine Nervensäge immer mal wieder die Ohren abkaut, habe ich stets ein Paar Ersatzohren dabei. Wer es zu weit treibt, bekommt von mir aber einen Satz heiße Ohren, ganz umsonst. Die kann man sogar öfter benutzen. Praktisch.

Well prepared – Because a nuisance time and again is chewing my ears off, I always have a pair of spare ears with me. But if you take it too far, you’ll get a set of hot ears from me, for free. You can even use it several times. Practical.

(gesehen / seen in the Louvre)

Ente des Tages

Wenn es wie eine Ente aussieht und wie eine Ente auf dem Wasser treibt, dann ist es auf jeden Fall ein Boot, das ich gerne auf dem Teller hätte.

Duck of the day – If it looks like a duck and floats like a duck, then it’s definitely a boat I’d like to have on my plate.

(gesehen / seen in Venezia)

So weit ist es also!

Was ist nur mit uns passiert, dass nun sogar schon harmlose alte Damen eingesperrt werden, nur weil sie unerlaubt die Tauben füttern. Früher war das Taubenmutterl ein respektiertes Mitglied der Gesellschaft, jetzt wird sie öffentlich an den Pranger gestellt. Es ist eine Schande!

So that’s it! – What happened to us that now even harmless old ladies are locked up just because they feed the pigeons without permission. The pigeonlady used to be a respected member of society, but now she is publicly pilloried. It’s a shame!

(gesehen / seen in Venezia)

Da hilft auch keine Medizin

Nicht, dass es mich gewundert hat, auch am anderen Ende der Welt Dummköpfe vorzufinden. So jemanden will man nicht in der Nähe haben, aber diesen hier hätte ich gerne gesehen, wenn ich ihm einen Impfstoff gegen Kommunismus angeboten hätte. Ich bin mir fast sicher, dass er auch den ablehnen würde. Tja, Jock, da jeder mindestens einmal Covid bekommt, solltest du vielleicht jetzt schon den Text der Internationalen üben.

In this case even medicine doesn’t help – Not that I was surprised to find fools on the other side of the world. You don’t want someone like that around, but I would have loved to see this one if I’d offered him a vaccine against Communism. I’m almost certain he’d turn it down too. Well, Jock, since everyone gets Covid at least once, you might want to start practicing the International’s lines now.

Aus dem Familienalbum (64)

Nachdem mein Vetter 3. Grades Karl-Karl, so benannt nach seinen beiden Großvätern, letztes Jahr an einem simultanen Herzinfarkt und Hirnschlag verstorben war, brachte seine Witwe im Wohnzimmer eine Installation an, die Fragen aufwarf. Sie machte aber gar kein Geheimnis daraus, sondern verriet bereitwillig, dass es sich um den Stein handele, der ihr vom Herzen gefallen sei, als der Depp endlich tot war. „Nomen ist eben manchmal doch Omen“, sagte sie, denn ihr Mann hätte sie, wäre er nicht vorzeitig verschieden, seinerseits unter die Erde gebracht, „indem er alles, aber auch wirklich alles zweimal gesagt hat!“ Das müsse man sich einmal vorstellen, was das mit einem gesunden Menschen mache, sagte sie, und seufzte tief. Ich konnte es mir vorstellen und seufzte zur Bestätigung, was sie aber so dermaßen in Rage brachte, dass ich mich unter einem Vorwand verabschiedete.

From the family album – After my third cousin Karl-Karl, named after both of his grandfathers, died of a simultaneous heart attack and stroke last year, his widow installed an installation in the living room that raised questions. But she made no secret of it and readily revealed that it was the stone that fell from her heart when the idiot was finally dead. „Sometimes it’s all in the name“, she said, because her husband would have buried her if he hadn’t died prematurely, „by saying everything, really everything twice!“ You have to imagine what that can do to a healthy person, she said, and sighed deeply. I could imagine it and sighed in confirmation, but this enraged her so much that I made an excuse to say goodbye.