Neues aus der Kunstgeschichte (1)

Als der Papst neulich dieses unförmige Gebilde auf seinem Dachboden fand, maß er dem keine große Bedeutung zu, denn der päpstliche Dachboden ist sehr groß und er findet dort ständig seltsame Dinge, die seine Vorgänger hinaufgeschafft haben. Das Ding war potthässlich, aber es weckte ungewohnte Gefühle in ihm. Seine Frau schlug die Hände über dem Kopf zusammen und drohte mit Scheidung, als er das Ungetüm ins Wohnzimmer schleppte (also vielmehr von einem Dutzend Ministranten schleppen ließ, er war schließlich ein alter Mann) doch das tat sie ohnehin jeden Tag mehrmals, weshalb er sie wie stets ignorierte. Zufällig warf anderntags ein Besucher einen Blick darauf und erkannte sofort die Sensation: Bei dem Monstrum handelte es sich zweifellos um eines von Michelangelos Übungsstücken. Der Meister war ja bekannt dafür, Menschen weitaus muskulöser abzubilden, als es die Natur möglich machte. Einige Kunsthistoriker wollen daher in diesem Stück den Versuch einer Christusfigur erkannt haben. Sie nennen es „Der Erlöser im Fitness-Studio“. Chinesische Sammler haben schon ihr Interesse angemeldet.

Art History News
When the Pope recently found this bulky structure in his attic, he did not attach much importance to it, because the papal attic is very large and he always finds strange things that his predecessors put there. The thing was ugly, but it made him feel unfamiliar. His wife threw her hands up in horror and threatened with divorce as he dragged the monster into the living room (rather had a dozen altar servers do it, he was an old man after all) but she did that several times a day anyway, which is why he ignored her as always. A visitor happened to take a look the next day and immediately recognized the sensation: the monster was undoubtedly one of Michelangelo’s practice pieces. The master was known for depicting people far more muscularly than nature made possible. Some art historians therefore want to have recognized the attempt of a figure of Christ in this piece. They call it “The Saviour in the Gym”. Chinese collectors have already announced their interest.

Verbesserung

Dank des technischen Fortschrittes muss ich die Schokolade seit neuestem nicht mehr wie bisher von der Schokoladenquelle in Eimern nach Hause schleppen, sondern habe Schokoladenanschluss in allen Zimmern!

Improvement
Thanks to technical progress, I no longer have to carry the chocolate home from the chocolate source in buckets as before, but have a chocolate connection in all rooms!

Banzai!

Im Naturhistorischen Museum in Wien

Museumsbesuche waren früher auch ungefährlicher!

Banzai!
Visits to museums used to be less dangerous!
(In the Natural History Museum in Vienna)

Stiller Held

Dieses wenig formschöne Besteck aus Aluminium und Stahlblech habe ich dieser Tage vor 30 Jahren auf meiner zweiten Reise in die Sowjetunion aus einer Aeroflotmaschine ‚organisiert’. Das irrationale Bedürfnis nach einem Souvenir war größer als meine damals noch weniger als heute ausgeprägte Furcht vor Blamage. Weder bei der Ankunft in Moskau noch auf dem Rückflug hat ein Metalldetektor protestiert. Das Messer war zwar schon damals stumpf, aber mit der Gabel hätte ich das Flugzeug vermutlich nach Cuba entführen können. Gelegenheit verpasst. Ich will mich nicht rechtfertigen, aber immerhin habe ich durch diesen kleinen Diebstahl meinen Teil dazu beigetragen, die Sowjetunion finanziell zu schwächen und so den kalten Krieg zu beenden. Einen Platz in den Geschichtsbüchern habe ich damit nicht errungen, aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. Der Schweinekapitalismus lässt sich natürlich nicht durch einen entwendeten Kaffeelöffel in die Knie zwingen, aber immerhin werde ich seit Jahren nicht schlecht dafür bezahlt, Jugendlichen beizubringen, was nicht im Lehrplan steht. Hähä!

Silent hero
This unattractive cutlery made of aluminum and sheet steel I organized these days 30 years ago on my second trip to the Soviet Union from an aeroflot machine. The irrational need for a souvenir was greater than my fear of embarrassment, which then was less pronounced than it is today. No metal detector protested on arrival in Moscow or on the return flight. The knife was blunt even then, but I probably could have taken the plane to Cuba with the fork. Missed the opportunity. I don’t want to justify myself, but at least by doing this little theft, I did my part to weaken the Soviet Union financially and thus end the Cold War. I didn’t get a place in the history books with it, but maybe it will work the next time. Filthy capitalism can of course not be brought to its knees by a stolen coffee spoon, but at least I have not been paid badly for years to teach young people what is not in the curriculum. Ha-ha!

Das Grab der Nofretete

Seit Jahrzehnten war die archäologische Fachwelt uneins, ob sich hinter der zugemauerten Türe am Ende der Treppe tatsächlich Nofretetes Grabkammer befindet. Einer der Lehrbuben hatte schon vor Wochen vorgeschlagen, die Mauer zu durchbrechen und nachzusehen, aber freilich lachte man ihn aus. Inzwischen schien sich jedoch eine Mehrheit der Forscher daran zu erinnern, diese Idee zuerst gehabt zu haben, weshalb man neulich einen Durchschlupf in die Wand schlug und den vorlauten Lehrbuben hindurchschickte. Noch bevor dieser mitteilen konnte, was er sah, war das Loch dummerweise jedoch schon wieder zugemauert worden. Die Debatte wird also wohl noch eine Weile weitergeführt werden müssen.

The tomb of the Nefertiti
For decades, archaeological experts have disagreed as to whether Nefertiti’s burial chamber is actually behind the bricked door at the end of the stairs. One of the apprentices had suggested weeks ago to break through the wall and look, but of course they laughed at him. In the meantime, however, a majority of the researchers seemed to remember having had this idea first, which is why recently a slip was made in the wall and the cheeky apprentice was sent through. Unfortunately, before he could tell what he saw, the hole had already been bricked up again. So the debate will probably have to go on for a while.

Ausstellung der Rendsburger Zeichnerei

design.peterpneuhaus.de

Gestern Abend wurde die große Postkartenausstellung der Rendsburger Zeichnerei im Caricatura Museum in Frankfurt eröffnet. Leider konnte ich nicht dabei sein, aber wie ich höre, wurde ich gut vertreten.
Seit 1993 bin ich Teil einer Gruppe von Zeichnerinnen und Zeichnern, die sich einmal im Jahr eine Woche lang im Nordkolleg in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal zum gemeinsamen Zeichnen, Essen, Trinken und Blödsinnmachen versammeln. Gegründet wurde die Rendsburger Zeichnerei 1990 von F.W. Bernstein, unserem 2018 leider schon verstorbenen Meister und Mentor. Um auch über das Jahr in Kontakt zu bleiben und nicht einzurosten, hat Fritz einst das Dekret ausgegeben, uns gegenseitig gezeichnete Postkarten zu schicken. Das machen wir nun seit 30 Jahren und da wurde einiges gezeichnet. Es gab schon kleinere und größere Ausstellungen, darunter 1998 eine im Münchner Karl-Valentin-Musäum, aber im Jubiläumsjahr sind wir nun quasi an den Ursprung zurückgekehrt, nach Frankfurt, wo mit den satirischen Zeitschriften Pardon und Titanic alles angefangen hat. Im Bernsteinzimmer der Caricatura hängen nun auch einige der Karten, die uns Fritz geschickt hat. Die Ausstellung ist in Frankfurt bis 27. August zu sehen und wird dann weiterziehen ins Sauerland nach Menden. Der Katalog ist im Museumsshop der Caricatura erhältlich. (Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main)

Exhibition of the Rendsburg Drawing Group
The large postcard exhibition of the Rendsburg Drawing Group opened in the Caricatura Museum in Frankfurt yesterday evening. Unfortunately I couldn’t be there, but I hear that I was well represented.
Since 1993 I have been part of a group of draftsmen and -women who gather once a year for a week in the Nordkolleg in Rendsburg on the Kiel Canal to draw, eat, drink and make nonsense. The Group was founded in 1990 by F.W. Bernstein, our in 2018 unfortunately deceased master and mentor. In order to stay in contact throughout the year and not to rust, Fritz once issued the decree to send drawn postcards to each other. We have been doing this for 30 years now and a lot has been drawn. There have already been smaller and larger exhibitions, including one in 1998 at the Karl Valentin Musäum in Munich, but in the anniversary year we have returned to the origin, to Frankfurt, where everything started with the satirical magazines Pardon and Titanic. Some of the cards Fritz sent us are now hanging in the Caricatura’s Bernstein room. The exhibition can be seen in Frankfurt until August 27th and will then move on to Menden in the Sauerland. The catalog is available in the Caricatura museum shop. (Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main)