Im Café Camus in Wien

Das Camus ist kein klassisches Wiener Kaffeehaus, sondern anscheinend eine eher vom jugendlichen Publikum frequentierte Kneipe, aber wer sich nach dem französischen Philosophen benennt, verdient einen zweiten Blick. Zuerst fällt auf, dass man eine halbe Treppe hinab muss, also vielleicht im Sinne einer Metapher für den Tod. Wenn dem so ist, dann ist das Camus ein sehr hübsches und bequemes Grab. Da legt man sich gerne rein. Camus wird ja meist irrtümlich für einen Existenzialisten gehalten, dabei teilte er nicht dessen Annahme, dass die Existenz der Essenz vorausgeht: „Sie gehen und erheben sich beide im gleichen Schritt.“ Das ist offensichtlich wahr, denn der Old Fashioned, den ich bestellt habe, kam ohne Eis, war also die reine Essenz und haute so dermaßen rein, dass ich meiner Existenz aber so was von versichert wurde und das ganz ohne Schritt, sondern im Sitzen. Dem Leid und dem Elend in der Welt sei kein Sinn abzugewinnen, sagte Camus. Da hat er Recht, aber der Freude und dem Genuss durchaus schon – wofür man zwar nicht ins Café Camus gehen muss, aber es tun sollte.

At Café Camus in Vienna – The Camus is not a classic Viennese coffee house, but apparently a pub frequented more by the young crowd, but anyone who names themselves after the French philosopher deserves a second look. The first thing you notice is that you have to go down half a flight of stairs, so maybe in the sense of a metaphor for death. If so, the Camus is a very pretty and comfortable tomb. You like to lie down there. Camus is often mistaken for an existentialist, although he did not share the assumption that existence precedes essence: „They both go and rise in the same step.“ This is obviously true, for the Old Fashioned I ordered, came without ice, so it was the pure essence and hit me so hard that I was assured of my existence and that without any steps, but while sitting. Camus said there was no meaning to be gained from the suffering and misery in the world. He’s right about that, but from joy and enjoyment certainly is – for which you don’t have to go to Café Camus, but you should.

Dialektik der Gastronomie

In einem Wiener Gasthaus stellt mir der aufgeschwemmte und an den Herrn Karl erinnernde Kellner wortlos einen Espresso hin, den ich nicht bestellt habe. Als ich mich wieder gefangen und entschieden hatte, den Espresso dennoch zu trinken, nimmt ihn mir die kleine asiatische Kellnerin, quasi die Antithese zum Herrn Karl, ebenso wortlos wieder weg. Der Schluss, den ich daraus gezogen habe, war, eine Portion Marillenpalatschinken zu bestellen. Ob das logisch war, interessiert mich eigentlich gar nicht, es war aber sicher vernünftig.

Dialectics of gastronomy – In a Viennese inn, the bloated waiter, reminiscent of Herr Karl, wordlessly put an espresso in front of me that I didn’t order. When I recovered my composure and decided to drink the espresso anyway, the little Asian waitress, quasi the antithesis of Herr Karl, took it away from me just as wordlessly. The conclusion I drew from this was to order a portion of apricot pancakes. I’m not really interested in whether that was logical, but it was certainly reasonable.

Für Peter Hammerschlag zum 121. Geburtstag

Pülcher-Dialog ad infinitum: »Tepperter, was schaust denn so?« »Wer is bei dir teppert?« »Der was fragt!!« – »Geh kusch!« – »Ziach o!« – »Wuist a poar, dass’ scheppert?« etc.

For Peter Hammerschlag on his 121st birthday – Bummer dialogue ad infinitum: „Schmuck, what are you staring at?“ – „Who is a schmuck?“ – „The one who asks!“ – „Get lost!“ – „Shove off!“ – „Wanna get a smack?” etc.

(Gesehen am Donaukanal in Wien. – Peter Hammerschlag wurde 1942 in Auschwitz ermordet. / Seen at the Danube Canal in Vienna. – Peter Hammerschlag was murdered in Auschwitz in 1942)

Im Café Eiles in Wien

Im Café Eiles fand im Juli 1934 das letzte Treffen der Nazis vor dem misslungenen Putschversuch gegen die Dollfuß-Regierung statt. Der Ort hat ihnen offenbar kein Glück gebracht. Wie will man auch eine Regierung stürzen, wenn man sich zuvor den Magen mit so vielen schönen Sachen überladen hat. Insofern haben der gute Kaffee und die leckeren Kuchen wohl einen faschistischen Umsturz verhindert. Man kann sich also nur wünschen, dass der Kickl und seine Minions sehr oft und ausgiebig im Eiles speisen.

At Café Eiles in Vienna -The last meeting of the Nazis before the failed coup attempt against the Dollfuss government took place in Café Eiles in July 1934. Apparently the place didn’t bring them luck. How do you want to overthrow a government when you have overloaded your stomach with so many nice things. In this respect, the good coffee and the delicious cakes probably prevented a fascist overthrow. So one can only wish that Kickl and his minions dine very often and extensively in the Eiles.

Im Café Schwarzenberg in Wien

Der Namensgeber des Platzes, nach dem das Café benannt ist, wurde vom Kaiser bei der Jagd erschossen. Das muss man im Café Schwarzenberg nicht befürchten, da die Monarchie ja schon lang abgeschafft ist. Das Schlimmste, was einem dort passieren kann, sind plappernde amerikanische Touristen. Ansonsten ist alles genauso, wie es sein soll.

At the Café Schwarzenberg in Vienna – The namesake of the square, after which the café is named, was shot by the emperor while hunting. You don’t have to worry about that in Café Schwarzenberg, since the monarchy was abolished long ago. The worst thing that can happen to you there is chattering American tourists. Otherwise everything is as it should be.

Unerwartete Folgen

Die Taubenvergrämung hatte zwar Erfolg, aber womit man nicht gerechnet hatte, ist, dass diese ökologische Nische sofort von Hunden und sogar Pferden eingenommen wird. Nun muss man wohl im Wortsinne schwerere Geschütze auffahren, denn wo Taubenkot nur eine Belästigung darstellt, sind Pferdeäpfel, die von den Dächern fallen, eine echte Gefahr für Leib und Leben!

Unexpected Consequences – Pigeon deterrence has been successful, but what was not expected is that this ecological niche is immediately occupied by dogs and even horses. Now you have to bring out heavier artillery, literally, because where pigeon droppings are just a nuisance, horse droppings falling from the roofs are a real danger to life and limb!

Im Café Prückel in Wien

Im Prückel fühlt man sich ein bissl wie in einem Film von Tati und wenn dann der Kaffee kommt, kann es sein, dass man verwirrt ist, weil der französische Meister anscheinend auch selbst serviert.

At the Café Prückel in Vienna – At the Prückel you feel a bit like in a Tati film and when the coffee arrives, it can be that you are confused, because the French master apparently also serves himself.

Im Gasthaus (4)

„Kinderteller kostet mehr als Seniorenteller! Unverschämtheit. Hab ich einen Goldesel?“

At the inn – „Children’s dishes cost more than seniors‘ dishes! Disgrace. Do I have a cash cow?”

(gesehen / seen in Wien)

Fake News

Auch nachdem ich auf dieser Bank gesessen habe, bezweifle ich, dass Falco noch lebt, aber bestätigen kann ich, dass er klebt.

Fake news – Even after sitting on that bench, I doubt Falco is still alive, but I can confirm he sticks. (Sorry for that)

(gesehen auf dem Zentralfriedhof / seen at the Central Cemetery in Wien)