An wen, ARAG Rechtsschutzversicherung,

richtet sich eigentlich dein aktueller Werbespot? „Das Wichtigste ist, dass vor dem Recht alle gleich sind. Dafür stehen wir seit über 85 Jahren.“ Vermutlich richtet er sich an Leute, die den Wortlaut von Art 3 GG nicht kennen und nicht wissen, dass Recht und Gesetz nicht dasselbe sind? Oder an diejenigen, die nicht rechnen können und in Geschichte nicht aufgepasst haben? Alle anderen aber werden wohl inzwischen wissen, dass du 1935 gegründet wurdest, als in Deutschland Gesetze in Kraft traten, die dafür sorgten, dass manche weder vor dem Gesetz noch vor dem Rechtsschutzversicherer gleich waren.

To whom, ARAG legal protection insurance company, is your current commercial aimed at? “The most important thing is that everyone is equal before the law. That’s what we’ve stood for for over 85 years.“ Presumably it’s aimed at people who don’t know the wording of Art 3 of the German Basic Law and don’t know that law and order are not the same? Or to those who can’t do math and didn’t pay attention in history? But everyone else will probably know by now that you were founded in 1935, when laws came into force in Germany that ensured that some people were not equal before the law nor before legal protection insurers.

Ein Trauma, Nikolaus Blome c/o Spiegel, ehem. BILD,

hinterließ anscheinend „der stechende Schmerz in der rechten Schulter“, als Ihnen einst bei den Bundesjugendspielen ein Ballweitwurf misslang. Bei manchen äußert sich so etwas nur in Ängsten, Sie führt es außerdem auf den rechten Weg: Eine „links-entschlossene Minderheit“ habe dafür gesorgt, dass die Bundesjugendspiele ab kommendem Schuljahr nur noch als bewegungsorientierter Wettbewerb ausgetragen werden. „Die Bundesjugendspiele ihres traditionellen Wettkampfcharakters beraubt und in Schneeflockenweitpusten verwandelt? Da kann man es auch ganz sein lassen. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Vermutlich eine, die Wettbewerbe wie Fußballbundesliga und Casting-Shows ziemlich offensichtlich mag, aber Wettkämpfe, wenn sie Aua machen, weniger. Man könnte Ihnen jetzt unterstellen, dass Sie nur ein weiteres Schlachtfeld des Kulturkampfes eröffnen wollen, oder sich gar eine Jugend wünschen, die in gewisser Tradition flink ist wie die Windhunde und zäh wie Ihr ledriges Gesichtsfleisch, aber tatsächlich treibt Sie etwas anderes um: „Kurzum: Bundesjugendspiele und das Große und Ganze, das uns in diesem Sommer umtreiben sollte, haben eine Menge miteinander zu tun. Derzeit gewinnt dieses Land eine viel zu kleine Zahl von Wettkämpfen jedweder Art, als dass es sich leisten sollte, weitere abzuschaffen, nur weil sie welche sind.“ Die deutsche Jugend nämlich soll nicht etwa lernen, dass Bewegung gesund ist und Spaß machen darf, auch wenn man Handgranaten nicht 30 Meter weit werfen kann, sondern sie soll darauf gedrillt werden, im internationalen Kampf der Märkte zu bestehen, auf dass Deutschland wieder zu alter Größe auferstehe. Das ist, wir müssen es Ihnen, Blome, leider so deutlich sagen, im Wettbewerb mit stahlharten Kulturkämpferinnen wie Weidel und Storch ein schon sehr erbärmlicher Mädchenwurf und darum wieder keine Siegerurkunde wert. Tragen Sie’s wie ein Mann!

A trauma, Nikolaus Blome c/o Spiegel, formerly BILD, apparently was left behind by „the stabbing pain in the right shoulder“ when you failed to throw a ball at the national youth games. For some, something like this only expresses itself in fears, but you are also put on the right path: A „left-wing determined minority“ has ensured that the National Youth Games will only be held as a movement-oriented competition from the coming school year. „The Bundesjugendspiele robbed of their traditional competitive character and turned into blowing snowflakes? You can drop that. Which society is that supposed to represent?” Probably one that quite obviously likes competitions like the Bundesliga and casting shows, but competitions when they hurt, less so. One could now assume that you just want to open up another battlefield of the Culture War, or that you even wish for a youth that, in a certain tradition, is agile like greyhounds and tough as your leathery face, but actually something else is on your mind: „In short: National Youth Games and the big picture that should be on our minds this summer have a lot in common. At the moment, this country is winning far too few competitions of any kind to afford to abolish more just because they are.” The German youth should not learn that exercise is healthy and can be fun, too, even if you can’t throw hand grenades 30 meters, but it should be drilled to survive in the international battle of the markets, so that Germany rises back to its former glory. Unfortunately, we have to tell you Blome so clearly that, in competition with tough culture warriors like Weidel and Storch, this is a very pathetic malden-like attempt and therefore again not worth a winner’s certificate. Take it like a man!

Lieblings(ge)räusche

Am liebsten habe ich das Geräusch, das dann erklingt,
wenn man in V. einen Old Fashioned trinkt.
Sehr gerne hör ich ebenfalls
in Kneipen: „Geht auf mich, ich zahl’s!“
Und was ich leider selten hör:
„Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“

Favorite noises/intoxications – My favorite is the sound you make when you drink an Old Fashioned in V. I also like to hear in bars: „It’s on me, I’ll pay for it!“ And what I unfortunately rarely hear: „If you have worries, you also have liqueur.“ (Partly a pun. Sorry for that)

Das erklärt einiges!

Neulich habe ich aus Zufall die stressfreie Zone entdeckt, die wirklich sehr klein ist. Mehr als eine Person hat darin kaum Platz. Ich habe mich natürlich sogleich hineinbegeben, aber keine zwei Minuten später hatte sich schon eine Schlange gebildet, deren Ende ungeduldig mit den Hufen scharrte. Nicht einmal in der stressfreien Zone hat man seine Ruhe! Zum Kotzen!

That explains a lot! – The other day I accidentally discovered the stress-free zone, which is really very small. There is hardly room for more than one person. I went in right away, of course, but less than two minutes later a line had formed, the end of which was pawing its hooves impatiently. Even in the stress-free zone you don’t have peace and quiet! Disgusting!

Unser Pfarrer Lübke (10)

Nachdem am Sonntag das Haus des Metzgers von unserem Pfarrer Lübke sehr überraschend heilig gesprochen worden war, musste der Metzger natürlich überstürzt ausziehen, weil es Lübke zufolge ganz und gar nicht angemessen ist, in einem Heiligen zu wohnen. Er bedauere natürlich, dass die Metzgersfamilie jetzt im Gartenhäuschen hausen müsse, aber das sei ja sicher nur vorübergehend. Der Herr Bischof werde schon eine Lösung finden. Derweil werde er, Lübke, in dem neuen Heiligen nach dem Rechten sehen und besonders auf die Kühlräume achten, dass auch nichts Verderbliches darin zurückbleibe, besonders nicht die Weißwürste, die ja bekanntlich sehr schnell verdürben. Unser alter Pfarrer Lübke ist schon ein richtiger Filou.

Our Pastor Lübke – After the butcher’s house was surprisingly canonized by our pastor Lübke on Sunday, the butcher had to move out in a hurry because, according to Lübke, it is not at all appropriate to live in a saint. Of course he pities that the butcher’s family has to live in the little garden shed now, but that’s only temporary. The Bishop will find a solution. In the meantime, he, Lübke, would take care that everything was right in the new saint and pay particular attention to the cold rooms to ensure that nothing perishable was left in them, especially not the white sausages, which, as is well known, spoil very quickly. Our old pastor Lübke is a real filou.

Neues aus der Wissenschaft (18)

Möglicherweise wird der Cheopspyramide auch ihr letztes Geheimnis bald entrissen werden, da man nun einen Aufzug entdeckt habe, der vielleicht zu einer bisher unbekannten Grabkammer führe. Das zumindest behauptet die europäische Boulevardpresse, während die zuständige ägyptische Altertumsbehörde auf Nachfrage mit den Augen rollt. Der Aufzug sei schon vor Jahrzehnten entdeckt worden, aber leider außer Betrieb. Laut den Hieroglyphen daneben sei der Kundendienst schon verständigt. Handwerker seien eben sehr beschäftigt, man müsse sich in Geduld üben. Und ob man nun noch ein paar Jahrhunderte mehr warte, sei auch schon egal. Von einer Sensation könne jedenfalls keine Rede sein.

Science news – It is possible that the last secret of the Cheops pyramid will soon be prized out of the building, since an elevator has now been discovered that may lead to a previously unknown burial chamber. At least that’s what the European tabloids claim, while the responsible Egyptian antiquities authority rolls its eyes when asked. The elevator was discovered decades ago, but is unfortunately out of service. According to the hieroglyphs next to it, customer service has already been notified. Craftsmen are very busy, you have to be patient. And it doesn’t matter whether you wait a few more centuries. In any case, there can be no talk of a sensation.

Geschmacksache

In einem Restaurant mit so einem Namen darf man natürlich nicht erwarten, dass Spottdrossel auf der Karte steht. Daher war ich überrascht, dass man sie dort sowohl fritiert als auch als Pie serviert bekommt. Wer das nicht mag, kann auch nach nebenan zu Darwins gehen, deren gegrillte Finken sehr gut sein sollen.

Matter of taste – Of course, in a restaurant with a name like that, you can’t expect mockingbirds to be on the menu. So I was surprised that you can get them fried as well as served as a pie. If you don’t like that, you can also go to Darwin’s next door, whose grilled finches are said to be very good.

Im Café Jelinek in Wien

Welche Farbe die Tapeten im Café Jelinek einmal hatten, ist nach ungefähr 1000 Jahren Räucherung durch Pfeifentabak, Fritierdämpfe und schwere Gedanken nicht mehr zu erkennen. Vermutlich ist, was wie ein Muster unter der Patina aussieht, das Kräuseln der Zeit selbst, die wie Wellen am Gestade eines Ozeans ihre Spuren hinterlässt. Man muss nur Geduld haben, um die Zeit dabei beobachten zu können, also bleibt man einfach hocken und bestellt noch ein Achtel, oder besser ein Viertel. Ach was, Herr Ober, bringens doch bitte gleich die ganze Flasche.

At Café Jelinek in Vienna – What color the wallpaper in the Café Jelinek once had can no longer be recognized after about 1000 years of cure with pipe tobacco, frying vapors and heavy thoughts. Presumably what looks like a pattern beneath the patina is the ripple of time itself, leaving its mark like waves on an ocean shore. You just have to be patient to keep track of the time, so just sit back and order an eighth, or even better, a quarter. Nevermind, waiter, please bring the whole bottle right away.