Dilemma

Neulich im Zug saßen über den Gang zwei schwäbische Schwätzer. Genervt wollte ich ein bisschen Musik hören, um das unschöne Geräusch zu übertönen, doch wie ich feststellte, hatte ich meine Kopfhörer vergessen. Der Schaffner bedauerte, leider gebe es keine zu kaufen, aber er könne mir gerne seine eigenen Kopfhörer leihen. Ich lehnte das freundliche Angebot dankend ab. Vor die Wahl gestellt zwischen Schwätzern und fremdem Ohrenschmalz, entschied ich mich für die Flucht in den Speisewagen. Ich bitte um Nachsicht.

Dilemma – The other day on the train, two Swabian babblers sat on the other side of the aisle. Annoyed, I wanted to listen to a bit of music to drown out the unsightly sound, but as I realized, I had forgotten my headphones. The conductor regretted, unfortunately, there are none to buy, but he would like to lend me his own headphones. I thankfully rejected the friendly offer. Given the choice between babblers and another person’s earwax, I decided to flee to the dining car. I ask for leniency.


Lästig

Demokratie ist wie Körperhygiene: Sie muss jeden Tag erneuert werden. Viele Leute sind aber der Ansicht: „Schon wieder? Ich habe mich doch erst vor vier Jahren gewaschen!“ Also bleiben sie lieber auf dem Sofa liegen und stinken. Das ist natürlich nicht schön. Andererseits ahnt man ja, wo die Leute mit den braunen Flecken in der Unterhose das Kreuz setzen würden, wenn sie doch zum Wählen gingen. Insofern ist es mir lieber, sie bleiben zuhause. Ich kann sie eh nicht riechen.

Annoying – Democracy is like personal hygiene: It has to be renewed every day. But many people are of the opinion: „Again? I only washed myself four years ago!“ So they prefer to stay on the sofa and stink. That’s not nice, of course. On the other hand, one suspects, where the people with the brown spots in the underpants would put the cross, if they went to vote. In that sense I prefer them to stay at home. I can smell the rat.

Ein Wiener in München

Naja, eigentlich war er ja kein Wiener, sondern Böhme. Jedenfalls, als 1936 die „Fackel“ eingestellt wurde, sattelte K. auf Radio- und Fernsehtechniker um und eröffnete einen Betrieb in München; wie man sieht, leider ohne nachhaltigen Erfolg.

A Viennese in Munich – Well, actually he was not a Viennese, but Bohemian. In any case, when the „Torch“ was discontinued in 1936, K. changed to radio and television technician and opened a business in Munich; as you can see, unfortunately without sustainable success.

Naturtalent

Ihrer Heiratspolitik hatten die Habsburger nicht nur die Herrschaft über die halbe Welt zu verdanken, sondern auch, da vorzüglich die Verwandtschaft geehelicht wurde, eine über die Jahrhunderte zunehmende Überentwicklung des Unterkiefers, die sog. „Habsburger Unterlippe“. Das Kunsthistorische Museum in Wien ist darum ein Paradies für Kieferchirurgen, denn die Habsburger hatten offenbar keine Scheu, sich auf Leinwand und in Stein naturgetreu abbilden zu lassen. Kaiser Leopold I. scheint sogar nicht wenig stolz darauf gewesen zu sein. Mit Sicherheit war er auf jeder Party der einzige, der mit der Zunge in der Nase bohren konnte.

Natural talent – The Habsburgs owed their marriage policy not only the rule of half the world, but also, since especially relatives were married, an over the centuries increasing overdevelopment of the lower jaw, the so-called „Habsburg lower lip“. The Kunsthistorisches Museum in Vienna is therefore a paradise for oral surgeons, because the Habsburgs were apparently not afraid to be reproduced on canvas and in stone true to nature. Emperor Leopold I even seems to have been a little proud of it. He was certainly the only one at any party who could pick his nose with his tongue.

Ihr habt Recht, Impfgegner!

Die Pharmaindustrie will nur Euer Geld. Darum bietet sie Produkte an, die man bezahlen muss. Wusstet Ihr aber, dass der Bäcker an der Ecke gar nicht Euer Kumpel sein will und nur freundlich ist, damit Ihr ihm seine Brötchen abkauft? Und dass die Zigarettenindustrie die Glimmstengel nicht deshalb produziert, weil sie Euch so liebhat? Und dass Eure trotz fehlender Impfungen schon halbwüchsigen Blagen nur noch mit Euch reden, weil Ihr die Quellen des Taschengelds seid?

You are right, vaccine sceptics! The pharmaceutical industry only wants your money. That’s why they offer products that you have to pay for. But did you know that the baker at the corner does not want to be your buddy and is only friendly for you to buy his bread? And that the cigarette industry does not produce the chicks because they love you so much? And that your, despite the lack of vaccinations, already half-grown children only talk to you because you are the sources of pocket money?

Erschienen / published in Titanic 5/2019