Ich Paparazzo

Auch außerhalb der Filmfestspiele kann man in Venedig Stars sehen, sogar tote Filmstars wie Fernandel, der sich hier offenbar als Löwe oder Katze verkleidet hat, um nicht erkannt zu werden.

I paparazzo – Stars can also be seen in Venice outside of the film festival, even dead film stars like Fernandel, who apparently disguised himself as a lion or a cat so as not to be recognized.

Sempé ist tot

aus meinem Archiv / from my archives

Letzte Woche ist der großartige französische Zeichner Sempé gestorben. Er war eine Offenbarung für mich und ich habe lange versucht, wenigstens ein ordentlicher Epigone zu werden. Das hier ist noch eines der besseren Blätter aus meinem ersten Zeichenseminar in Rendsburg. Merci Monsieur Sempé!

Sempé is dead – The great French artist Sempé died last week. He was a revelation for me and I tried for a long time to become at least a proper epigone. This is one of the better sheets from my first drawing seminar in Rendsburg. Thank you Monsieur Sempé!

Wie es wirklich war (12)

Eines Tages war es das Burgfräulein leid, dass die Burg zwar einige Dutzend Schießscharten hatte, aber keine Öffnungen, durch die man die schöne Landschaft betrachten oder mit einem hübschen Ritter flirten konnte. Vor allem aber fiel durch die Scharten nicht genügend Licht, um ihre Schönheit sichtbar zu machen. Tatsächlich war es in der Burg so dunkel, dass man ständig gegen geschlossene Türen lief oder auf der Treppe stolperte. Darum bat sie ihren Vater, ein paar der Schießscharten zu Schauscharten zu vergrößern, doch der war strikt dagegen, denn das sei aus militärischer Sicht Unfug. Das Fräulein war aber nicht davon abzubringen und baute die Schießscharte in ihrem Gemach deshalb heimlich zu einer Schauscharte um. Dabei wurde sie von einem zwar hübschen, aber feindlichen Ritter gesehen und mit einem gut gezielten Pfeil erschossen. Seitdem sind Schießscharten zum Glück aus der Mode gekommen, dennoch hat sich für die Öffnungen, aus denen wir die Landschaft bewundern und hübschen Rittern zuwinken, die Bezeichnung Schauscharte nicht durchsetzen können, weshalb wir sie heute noch unzutreffend Finster nennen.

How it really was – One day the damsel of the castle got tired of the fact that the castle had a few dozen embrasures but no openings through which one could admire the beautiful landscape or flirt with a handsome knight. Above all, however, not enough light fell through the gaps to make her beauty visible. In fact, it was so dark in the castle that you kept running into closed doors or tripping on the stairs. So she asked her father to enlarge some of the arrow slits to viewing slits, but he was strictly against it, because from a military point of view that was nonsense. However, the young lady could not be dissuaded and therefore secretly converted the arrow slit in her room into a viewing slit. She was seen by a handsome but hostile knight and shot with a well-aimed arrow. Since then, embrasures have fortunately gone out of fashion, but the denomination for the openings from which we admire the landscape and wave at handsome knights has not prevailed, which is why we still incorrectly call them windarks. (silly wordplay with the german expression für ‚gloomy‘)

Gemischte Gefühle in Changi

In der Transit Lounge im Flughafen von Singapur, wo ein Sitzplatz für ein paar Stunden 40 Euro kostet, versuche ich, nach einem quälend langen Flug ohne Schlaf, ein bisschen Ruhe zu finden, doch die meisten Leute plappern ins Handy und aus den Lautsprechern tönt „Guten Abend, gute Nacht“ als Gitarrenmusik! Hier ist es acht Uhr morgens, aber der Typ am Empfang händigt mir lächelnd zwei Gutscheine für alkoholische Getränke aus. Ich bin todmüde und stocksauer, doch der südostasiatische Humor ist genau mein Ding.

Mixed feelings in Changi – In the Singapore airport transit lounge, where a seat costs €40 for a few hours, I’m trying to get some rest after an agonizingly long, sleepless flight, but most people are chattering away on their phones and the speakers are blaring, „Good evening, good night” as guitar music! It’s eight in the morning here, but the guy at the desk is smiling and handing me two vouchers for alcoholic drinks. I’m dead tired and pissed off, but Southeast Asian humor is right up my alley.

Rand- und Nebenwissen (5)

In Venedig ist es nach wie vor üblich, dem Reisenden bei seiner Ankunft während der größten Sommerhitze einen warmen Umhang und eine Kappe aufzusetzen, um auf diese Weise seine Körpertemperatur bis ins Unerträgliche zu steigern, sowie ihn mit von einem Anfänger gefiedelten Jahreszeiten von Vivaldi zu quälen, bis der Tourist in einem Ausbruch äußersten Zorns mittels des ausgehändigten Knüppels den kleinen Geiger massakriert. Nach diesem kathartischen Akt der Triebabfuhr sei der Reisende entspannt und geläutert und werde so erst in die Lage versetzt, die Schönheiten Venedigs in sich aufzunehmen.

Marginal and secondary knowledge – In Venice, it is still customary to put a warm cloak and cap on the traveler upon arrival, during the hottest summer heat, thus raising his body temperature to the point of unbearability, and to torment him with Vivaldi’s Seasons fiddled by a beginner, until the tourist, in a fit of extreme anger, massacres the little violinist with the handed club. After this cathartic act of dispelling the instincts, the traveler is relaxed and purified and only then is he able to take in the beauties of Venice.

(gesehen in der / seen in the Gallerie dell’Accademia)

Selbsterziehungstipp

Ich habe zwar keine Kinder, habe aber neulich gelernt, dass man nie sagen soll: „Das ist mir egal“, wenn einen die Blagen vor die Wahl zwischen Pest und Cholera stellen, sondern stets „Mir ist beides Recht“. Seitdem treibe ich meinen Vorgesetzten erfolgreich in den Wahnsinn, denn jetzt muss er die Entscheidungen fällen, die er bisher bequem delegieren konnte. Ich lehne mich zurück und schaue zu, wie er den Karren an die Wand fährt.

Self-education tip – I don’t have any children, but I recently learned that you should never say: „I don’t care“ when the brats give you the choice between plague and cholera, but always say: „I’m fine with either.“ Since then, I’ve been successfully driving my manager insane, because now he has to make the decisions that he was previously able to delegate easily. I sit back and watch as he drives the cart into the wall.