Technik von gestern (3)

Nicht durchsetzen konnte sich diese Innovation der Deutschen Bahn, da die meisten normal proportionierten Fahrgäste das Unterboden-WC nicht als angenehm empfanden. Weil man es nur an Haltestellen und nur von außen betreten konnte, wurden damit zwar zwei zusätzliche Sitzplätze pro Waggon gewonnen, was zu einer durchschnittlichen Fahrpreissenkung von 21 Cent geführt hat, doch dieses Argument ließen die Hinterbliebenen der auf dem WC Steckengebliebenen nicht gelten. Die Bahn hatte unerwarteterweise ein Einsehen.

Yesterday’s technology – This innovation from Deutsche Bahn did not catch on because most of the normally proportioned passengers did not find the underfloor toilet to be pleasant. Because you could only enter it at stops and only from the outside, two additional seats per wagon were gained, which led to an average fare reduction of 21 cents, but the bereaved of those who stuck in the toilet, did not accept this argument. The railway unexpectedly had an understanding.

Rand- und Nebenwissen (2)

Den Nachthimmel darf man zu Recht beeindruckend finden, vor allem, wenn man in einer nicht lichtverschmutzten Gegend der Welt lebt, während das Himmelszelt tagsüber nicht nur nicht beeindruckend ist, sondern ausgesprochen hässlich. Tagsüber sind die Leute aber so mit sich selbst bzw. mit überaus sinnlosen Beschäftigungen beschäftigt, die sie Arbeit nennen, dass sie für das Himmelszelt keinen Blick haben. Das ist bestimmt auch besser so.

Marginal and secondary knowledge – The night sky is justifiably impressive, especially if you live in an area of the world that is not polluted by light, while the sky during the day is not only not impressive, it is downright ugly. During the day, however, people are so busy with themselves or with extremely senseless pursuits, which they call work, that they have no view of that canopy. It is definitely better that way.

Neues aus dem Tierreich (10)

Dies ist eine der wenigen Aufnahmen, die es vom gewöhnlichen Fassadenwurm gibt, denn es handelt sich um ein sehr scheues Tier, das man eigentlich nie zu Gesicht bekommt. Das macht aber auch nichts, denn tatsächlich ist überhaupt nichts an dem Vieh interessant. Es ist halt so ein gewöhnlicher Wurm, der in den Fassaden lebt. Wieso sollte man darüber viele Worte verlieren?

News from the animal kingdom – This is one of the few photos of the common facade worm, because it is a very shy animal that you never actually get to see. But that doesn’t matter, because nothing is actually interesting about the animal. It’s just an ordinary worm that lives in the facades. Why should one say so many words about it?

Erfolge der Tourismusbranche

Dem Fremdenverkehr in Deutschland ist es trotz einiger Fortschritte in der Pandemiebekämpfung hervorragend gelungen, Fremde von einer Reise nach Deutschland abzuhalten. Das Bundesinnenministerium hat nur lobende Worte für die zuständigen Landesbehörden, die dafür gesorgt haben, dass Bettwäsche nur noch einmal im Jahr gewechselt werden darf und Gäste, die sich darüber beschweren, sofort nach Afghanistan abgeschoben werden, unabhängig von ihrem Herkunftsland.

Successes in the tourism industry – Despite some progress in fighting the pandemic, tourism in Germany has succeeded extremely well in preventing strangers from traveling to Germany. The Federal Ministry of the Interior only has words of praise for the responsible state authorities, who have ensured that bed linen can only be changed once a year and that guests who complain about this are immediately deported to Afghanistan, regardless of their country of origin. (on the sign: guest room)

Aus dem Familienalbum (52)

Onkel Herbert wollte gerne bauen, aber die zuständige Baubehörde mochte ihm den 50 Meter hohen Turm nicht genehmigen. Nun errichtet er eine Ruine aus dem Frühmittelalter, weil er sicher sei, dass die Baubehörde damals noch nicht zuständig gewesen sei. Gefragt, was er damit denn anzufangen gedenke, denn in einer Ruine könne man doch nicht wohnen, machte er eine sarkastische Bemerkung, deren Wortlaut nicht überliefert ist.

From the family album – Uncle Herbert wanted to build, but the responsible building authorities did not want to approve the 50 meter high tower. Now he is building a ruin from the early Middle Ages, because he is sure that the building authorities were not responsible at the time. When asked what he was going to do with it, because you couldn’t live in a ruin, he made a sarcastic remark, the wording of which has not been passed down.

Bildungsland Bayern

Die Landesregierung hat angesichts der pandemiebedingten Leistungsdefizite der Grundschüler damit begonnen, Wissenslücken im Fach Rechnen durch Gedächtnisstützen im öffentlichen Raum auszugleichen. Falls Ihnen oder Ihrem Kind entfallen sein sollte, was 1+1 ergibt, suchen Sie nach diesem Hinweis.

Education in Bavaria – In view of the pandemic-related performance deficits of primary school students, the state government has begun to compensate for knowledge gaps in arithmetic with memory aids in public spaces. If you or your child misses what results in 1 + 1, look for this hint.

Maria allein zu Haus

Nachdem ihr Mann es vorzog, den ganzen Tag in der Werkstatt zu verbringen und ihr Sohn komplett übergeschnappt war, mit einer Bande anderer Spinner durch die Gegend zog und glaubte, er sei der Erlöser, beschloss Maria, einen radialen Schnitt zu machen. Sie mauerte die Tür zu, ließ die Rollläden herunter und betrat ihren kleinen Balkon nur noch, um auf den Pizza-Lieferservice zu warten.

Mary at home alone – After her husband preferred to spend all day in the shop and her son went completely mad, wandering around with a gang of other weirdos believing he was the savior, Mary decided to make a radial cut. She walled up the door, lowered the shutters, and only went into her small balcony to wait for the pizza delivery service.

Was bei der Schöpfung übrig blieb (15)

Nachdem Gott am Morgen des vierten Tages alles Runde und am Nachmittag alles Eckige erschaffen hatte, war diese Ecke übriggeblieben. Gott hatte keine Ahnung, wofür man sie verwenden könnte und darüberhinaus war sie sehr dreckig, eine Drecke sozusagen. Zum Glück hatte er schon alle Ecken erschaffen, darum stellte er die Drecke einfach in eine Ecke. Zum Feierabend machte er sich ein Bier auf und dachte sich ein paar Dinge aus, die man mit diesen runden Dingern anstellen könnte. Zum Beispiel könnte man vier Ecken an den Rand einer Wiese stellen und dann ein rundes Ding in zwei andere Dinger aus vier Ecken an den Schmalseiten kicken. Das würde er am Sonntag gleich mal ausprobieren. Über diesen Plänen hatte er die Drecke in der Ecke schon völlig vergessen und dort steht sie wohl heute noch.

What was left over at creation – After God created everything round on the morning of the fourth day and everything square in the afternoon, that corner was left. God had no idea what it could be used for and it was very dirty, too, a dirtex so to speak. Fortunately, he had already created all the corners, so he just put the dirtex in a corner. At the end of the day he opened a beer and thought of a few things that could be done with these round things. For example, you could put four corners at the edge of a meadow and then kick one round thing into two other things from four corners on the narrow sides. He would try that out on Sunday. Because of these plans, he had completely forgotten about the dirtex in the corner and it is probably still there today.

Aus dem Familienalbum (51)

Mein Vetter Klaus, der von allen Familienmitgliedern nur „der Halbvetter“ genannt wird, weil er zur Korpulenz neigt und immer behauptet, er mache keine halben Sachen, hat sich nun endlich seinen Kindheitstraum erfüllt, Schleusenwärter auf seiner eigenen Schleuse zu sein. Dazu hat er den kleinen Bach, der über sein Grundstück fließt, aufgestaut. So kann er jeden Morgen erst eine schöne Runde schwimmen und dann vom Schleusenhaupt aus mit dem Fernglas beobachten, wie das abgelassene Wasser das Dorf kräftig durchspült. Dass dabei ab und zu kleine Kinder und Hunde mitgerissen werden, ist ihm egal. Die Kinder müssten in der Früh eh in der Schule sein und wer seinen Köter draußen frei herumlaufen lasse, sei selbst schuld.

From the family album – My cousin Klaus, who is only called “the half-cousin” by all family members because he tends to be obese and always claims that he doesn’t do things by halves, has finally fulfilled his childhood dream of being a lock keeper on his own lock. To do this, he dammed the small stream that flows over his property. So he can first swim a nice lap every morning and then watch with binoculars from the top of the lock as the drained water washes through the village vigorously. He doesn’t care that small children and dogs are carried away every now and then. The children have to be at school in the morning anyway and it is your own fault if you let your dog run around outside.

Festung der Hässlichkeit

Hässliches findet man allerorten, nicht nur in der eigenen Familie. Kaum jemand weiß aber, wo die Hässlichkeit zuhause ist. Tatsächlich interessiert es auch kaum jemanden, außer die wenigen seltsamen Gestalten, die so etwas interessiert. Nach Feierabend und am Wochenende zieht sich die Hässlichkeit in ihr großzügiges aber naturgemäß potthässliches Eigenheim zurück, wo sie sich dann Dingen widmet. Weil die Hässlichkeit dabei nicht gestört werden möchte, gleicht ihr Heim einer Festung. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Wie auch immer. Den Sommer verbrachte die Hässlichkeit früher gerne an der Costa Brava oder an der italienischen Adria, heutzutage hält sie sich aber auch gerne an der Ostsee auf. Ab Mitte September ist sie dann wieder voll und ganz damit beschäftigt, uns auf den Sack zu gehen.

Fortress of ugliness – You can find ugly things everywhere, not just in your own family. But hardly anyone knows where ugliness is at home. In fact, hardly anyone cares, except for the few strange characters who are interested in something like that. After work and on weekends, ugliness retreats to her spacious but naturally ugly home, where she then devotes herself to things. Because the ugliness doesn’t want to be disturbed, her home is like a fortress. Maybe it’s the other way around. However. The ugliness used to like to spend the summer on the Costa Brava or the Italian Adriatic Sea, but nowadays it also likes to stay on the Baltic Sea. From mid-September she will be fully occupied again with pissing us off.