Man kann es niemandem mehr recht machen

Heute früh öffnete ich die Tür zum Garten, um ein wenig zu lüften, und als ich nach einer Viertelstunde zurück ins Wohnzimmer kam, sah ich, dass ein Bäumchen durch die offene Tür hereingewachsen war. Ich forderte es natürlich auf, das bleiben zu lassen, denn so ließe sich die Türe nicht mehr schließen, aber die Pflanze wandte ein, dass es draußen saukalt sei, weshalb sie sich weigere, das Haus wieder zu verlassen. So geht das natürlich auch nicht, also schnitt ich den Zweig ab und stellte ihn in ein Glas Wasser auf die Fensterbank. Ich dachte, das sei ein guter Kompromiss, aber als ich vorhin in den Garten ging, beschimpften mich die Bäume und Sträucher und drohten, mich wegen Körperverletzung anzuzeigen. Einige bewarfen mich sogar mit Zapfen und Nüssen! Ein befreundeter Gärtner meint, das sei inzwischen normal, er erlebe das jeden Tag, vermutlich sei das der negative Einfluss der asozialen Medien und er rate dazu, die Quertreiber herauszureißen und den Garten komplett zu asphaltieren.

You can’t please anyone anymore – This morning I opened the door to the garden to ventilate a bit, and when I came back into the living room after a quarter of an hour I saw that a little tree had grown in through the open door. Of course, I asked him not to do that, because that way the door would no longer close, but the plant objected that it was freezing outside, which is why it refused to leave the house again. Of course that would be unacceptable, so I cut off the branch and put it in a glass of water on the windowsill. I thought it was a good compromise, but when I went into the garden earlier, the trees and bushes cursed me and threatened to report me for assault. Some even pelted me with cones and nuts! A gardener friend says that this is now normal, he experiences it every day, that is probably the negative influence of the anti-social media and he advises tearing out the obstructionists and completely asphalting the garden.

Neue Nachbarn

In den Neubau gegenüber sind neulich die Mieter eingezogen. Im ersten und zweiten Stock wohnen Tag und Nacht, die ja bekanntlich schon seit Ewigkeiten wohnungslos waren und nun endlich ein Dach über dem Kopf haben. Das scheinen ganz angenehme Leute zu sein, während die Studenten im Erdgeschoß ständig Party machen und sich bei Beschwerden darauf herausreden, sie hätten keine Ahnung wie spät es sei, schließlich hätten sich Tag und Nacht schon länger nicht mehr draußen blicken lassen. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen, aber es nervt dennoch.

New neighbors – The tenants recently moved into the new building on the other side of the street. Day and night live on the first and second floors, which, as is well known, have been homeless for ages and now finally have a roof over their heads. They seem to be very pleasant people, while the students on the ground floor are constantly partying and, when we complain, argue that they have no idea what time it is, because after all, day and night have not been seen outside for a long time. The argument cannot be dismissed easily, but it is still annoying.

Neues aus dem Tierreich (12)

Die neueste Aufnahme des Hubble-Weltraum-Teleskops zeigt, was viele schon lange vermutet haben: Die auf dem Mond lebenden Schmetterlinge sitzen die meiste Zeit nur untätig herum, weil sie mangels Atmosphäre nicht fliegen können. Manchmal sieht man einen ein paar Zentimeter ziellos herumhüpfen, aber insgesamt muss man sagen, dass diese Tiere dort überhaupt nichts verloren haben. Die Natur ist offensichtlich ein Trottel und sollte sich schämen!

News from the animal kingdom – The latest image taken with the Hubble Space Telescope shows what many have long suspected: most of the time, the butterflies that live on the moon just sit around idly because they cannot fly due to the lack of an atmosphere. Sometimes you can see one hop around aimlessly a few inches, but overall you have to say that these animals have no business there. Nature is obviously a sucker and should be ashamed of itself!

Wie es wirklich war (8)

Als der alte Waldseemüller unterwegs war, den Globus zu vermessen und akkurat zu erfassen, kam er auch in den kleinen Weiler Finning, wo er in einer richtig urigen Wirtschaft Rast machte. Da gab es ein schönes kühles Helles und einen saftigen Braten, dass es eine rechte Freude war. Nach dem soundsovielten Bier war der alte Waldseemüller schon ziemlich heiter und hat geglaubt, er sehe einen kleinen Drachen, dabei war es tatsächlich nur der Dackel vom Wirt. Darum hat er in seiner Karte vermerkt: Hic sunt dracones. Am nächsten Morgen hatte er einen furchtbaren Kater und keine Lust, den Fehler zu korrigieren, weshalb es dabei blieb. Darum wissen bis heute nur wenige, dass es in Finning eine gute Wirtschaft gibt, aber so können diejenigen, die den Schneid haben, nach den Drachen zu suchen, immerhin eine echte Entdeckung machen.

How it really was – When the old Waldseemüller was on his way to measure the globe and record it accurately, he also came to the small hamlet of Finning, where he stopped in a really rustic inn. There was a nice cool lager and a juicy roast that it was a real pleasure. After the umpteenth beer, the old Waldseemüller was quite cheerful and thought he was seeing a little dragon, but it was actually just the innkeeper’s dachshund. That’s why he noted on his card: Hic sunt dracones. The next morning he had a real hangover and didn’t want to correct the mistake, which is why it stayed that way. This is why few people know to this day that there is a good inn in Finning, but at least those who have the guts to search for the dragons can make a real discovery.

Neozoon

Im Süden Münchens ist seit neuestem eine ziemlich große Qualle ansässig, die vermutlich aus dem Mittelmeerraum stammt. Bis jetzt hat sie sich noch nicht dazu geäußert, warum sie ihre Heimat verlassen hat und was sie hier will. Anwohner haben sich schon beschwert, das Vieh leuchte im Dunkeln dermaßen stark, dass man nicht mehr schlafen könne. Die Stadtverwaltung prüft noch, ob man den Zuwanderer gleich abschieben kann oder polizeilich in den Tierpark überstellen lassen soll.

Neozoon – A fairly large jellyfish has recently moved to the south of Munich, presumably from the Mediterranean region. So far, it has not yet commented on why it left its home and what it wants here. Residents have already complained that the animal glow so brightly in the dark that you can no longer sleep. The city administration is still checking whether the immigrant can be deported straight away or whether the police should transfer it to the zoo.

Doppelpatrozinium

Nicht weit von hier ist eine Kirche, die gleich zwei Heiligen gewidmet ist. Ob die aber auch tatsächlich kanonisch sind, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sind St. Flaschenöffner und St. Fliegenklatsch zwei Heilige zum Anfassen, mit denen jeder etwas anfangen kann, während beispielsweise die Schutzheiligen der Kohlenbrenner oder Taschendiebe doch eher etwas elitär anmuten.

Double patronage – Not far from here is a church that is dedicated to two saints. But I don’t know whether they are actually canonical. In any case, St. Bottle Opener and St. Fly Swatter are two saints you can touch, with whom everyone can relate, while, for example, the patron saints of charcoal burners or pickpockets seem somewhat elitist.

Aus dem Familienalbum (54)

Onkel Rugolf, der eigentlich Rudolf heißt, aber Rugolf genannt wird, weil er fanatischer Golfer ist, hat sich endlich einen lange gehegten Wunsch erfüllt und sein zweistöckiges Einfamilienhaus in einen Indoor-Minigolfplatz umgestaltet. Seine Frau habe ihn deswegen zwar verlassen, aber das mache nichts, denn so habe er eine weitere Bahn im ehemaligen Schlafzimmer aufbauen können. Lästig sei nur, dass immer wieder Bälle den Ablauf der Dusche verstopften.

From the family album – Uncle Rugolf, whose real name is Rudolf, but is called Rugolf because he is a fanatical golfer, has finally fulfilled a long-cherished wish and converted his two-story house into an indoor mini golf course. His wife left him because of that, but that didn’t matter, because he was able to set up another runway in the former bedroom. The only annoyance was that balls kept clogging the shower drain.

Safe space

Auch wenn konservative Kreise es als wokeism diffamieren, verstehen doch immer mehr Menschen, dass es zu einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft gehört, auf Minderheiten Rücksicht zu nehmen. Daher werden beispielsweise am Stadtrand von München geschützte Bereiche ausgewiesen, in welche sich schüchterne Schilder zurückziehen können, wenn sie gerade nicht gesehen werden wollen. „Jeder von uns braucht mal eine Auszeit, für Introvertierte gilt dies umso mehr“, sagt der Leiter des Straßenverkehrsamtes. Wer diese Maßnahme für übertrieben halte, möge sich einmal für ein paar Tage an den Mittleren Ring stellen und sich permanent anglotzen lassen, fügt ein Verkehrszeichen hinzu.

Safe space – Even if conservative circles defame it as wokeism, more and more people understand that it is part of a democratic and enlightened society to show consideration for minorities. For this reason, for example, on the outskirts of Munich, protected areas are designated, into which shy signs can withdraw if they do not want to be seen. „Each of us needs a break from time to time, and this applies even more to introverts“, says the head of the road traffic office. Anyone who thinks this measure is excessive should stand at the middle ring for a few days and let themselves be gawked at, adds a traffic sign.

Deutschtümelei

Als 1913 dieses Denkmal für den 1911 verstorbenen Geografen errichtet wurde, war die Verteidigung des Tums nicht nur in Deutschland noch etwas, wofür einem ein Denkmal errichtet werden konnte. Ein Jahr später konnten die Tümler Europas schon froh sein, wenn sie ein eigenes Grab bekommen haben, wobei es ihnen wohl eh wurscht war. Die meisten waren auch keine Geografen und viel gesehen von der Welt haben sie sowieso nicht. Ein paar Meter vor und wieder zurück, von einem Schützengraben in den anderen. Da hätte man sich die Geografen auch sparen können. Dabei hört sich ‚Weltkrieg’ so herumgekommen an. Mehr als umkommen war dann aber nicht drin. Alles ein großer Beschiss, wie immer.

Teutomania – When this memorial was erected in 1913 for the geographer who died in 1911, the defense of ze fazerland was not only in Germany something for which a memorial could be erected. A year later, the patridiots of Europe could be happy when they got their own grave, although they probably didn’t care. Most of them weren’t geographers either, and they haven’t seen much of the world anyway. A few meters back and forth, from one trench to the other. One could have spared the geographers. ‚World War‘ sounds like getting around. But then there was no more than getting underground. It was all a big scam, as always.