Urlaub an der Adria

Riccione 2011, aus meinem Skizzenbuch / from my sketchbook

Vor Jahren habe ich einmal für ein paar Tage Strandurlaub an der Adria gemacht, eine Erfahrung, die viele Deutsche schon in Ihrer Jugend hinter sich gebracht haben, die mir jedoch bis dato fehlte. Es war ein bisschen wie Tatis „Die Ferien des Monsieur Hulot“, wenn auch fast 60 Jahre später. Aber im Speisesaal des kleinen und feinen Hotels ging es ähnlich zu, manche Gesichter schienen direkt aus dem Film ins reale Leben zurückgekehrt zu sein. Tagsüber ging ich an den Strand, wo mir in der siebten Reihe eine Liege und ein Schirm zugewiesen wurden. Links neben mir stritt sich ununterbrochen eine prollige Großfamilie aus Napoli, rechts neben mir grollte ununterbrochen ein hochnäsiges Rentnerpaar aus Rom über die Neapolitaner. Ins Wasser konnte man eigentlich nur gehen, wenn man blind war, denn da schwammen allerhand unappetitliche Dinge herum. Also blieb nur lesen, in der Sonne braten, Eis essen oder Wassermelone, und auf die nächste Mahlzeit im Hotel warten. Das Essen war sehr gut, aber dennoch wurde mir nach drei Tagen so langweilig, dass ich wieder nach Hause fuhr.

Holidays on the Adriatic – „Figs, coconut“ – Years ago I spent a few days on a beach holiday on the Adriatic Sea, an experience that many Germans have already had in their youth, but which I have missed until then. It was a bit like Tati’s ‚The Holidays of Monsieur Hulot‘, albeit almost 60 years later. But in the dining room of the small and fine hotel it was similar, some faces seemed to have returned to real life straight from the film. During the day I went to the beach, where I was assigned a lounger and an umbrella in the seventh row. To my left, a chubby extended family from Napoli was constantly arguing, to my right, a snooty pensioner couple from Rome was constantly grumbling about the Neapolitans. You could actually only go into the water if you were blind, because there were all sorts of unsavory things swimming around. So all that was left was reading, frying in the sun, eating ice cream or watermelon, and waiting for the next meal in the hotel. The food was very good, but after three days I got so bored that I went home.

Liturgisches Rätsel

Vor meiner Haustüre hat jemand einen Altar errichtet. Die Liturgie dieses Kultes scheint mir etwas merkwürdig zu sein, aber die betreffende Gottheit wird schon wissen, was sie mit den Schuhen und der Pillendose anzufangen hat.

Liturgical riddle – Someone erected an altar in front of my front door. The liturgy of this cult seems a little strange to me, but the deity in question will know what to do with the shoes and the pillbox.

Schwarzer Gürtel

Man traut es dem zarten Wesen gar nicht zu, doch Seepferdchen sind sehr an asiatischer Kampfkunst interessiert. Sie überleben zwar selten ihren ersten Kampf, aber was zählt, ist bekanntlich der Wille.

Black belt – You don’t think the delicate creature is capable of it, but seahorses are very interested in Asian martial arts. They rarely survive their first fight, but what counts is the will, as we know.

Es wird heller

Bis der Frühling auch offiziell beginnt, dauert es ja noch ein wenig, aber schon jetzt kann man beobachten, dass die Tage länger werden und es heller wird. Zu verdanken haben wir das den unermüdlichen Schattenfressern, die wie jedes Jahr ihr Bestes geben, die Welt zu einem lichteren Ort zu machen.

It’s getting lighter – It will be a while before spring officially begins, but you can already see that the days are getting longer and it’s getting lighter. We owe that to the tireless shadow eaters who, like every year, do their best to make the world a brighter place.

Neues aus der Wissenschaft (4)

Ein gängiges Vorurteil lautet, dass keine Schneeflocke der anderen gleiche, weil Schneeflocken radikale Individualisten seien. Doch wie ausgerechnet US-amerikanische Wissenschaftler nun herausgefunden haben, ist das Gegenteil der Fall. Tatsächlich sind Schneeflocken, ebenso wie die meisten Menschen, im Grunde ihres Herzens Konformisten, die lieber mit der Masse gehen und ungern auffallen. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, gleichen sie ihre Form den Nachbarn an und verbinden sich mit diesen zu regelmäßigen Mustern. Da im Forschungsbericht unvorsichtigerweise der Terminus ‚Kollektiv’ verwendet wurde, erhob die konservative Presse in den USA sofort den Vorwurf, die Studie sei von China bezahlt worden und das Ganze sei nichts als fake science.

Science news – A common misconception is that no two snowflakes are the same because snowflakes are radical individualists. However, as American scientists of all people have now found out, the opposite is the case. In fact, like most people, Snowflakes are conformists at heart, preferring to go with the crowd and dislike being noticed. As soon as the opportunity arises, they adapt their shape to their neighbors and combine with them to form regular patterns. As the term ‚collective‘ was carelessly used in the research report, the conservative press in the USA immediately accused the study of having been paid for by China and that the whole thing was nothing but fake science.

Ach, Polizei!

Nicht dass wir es toll finden, wenn du Gewalt anwendest, aber wer sich noch erinnern kann, wie es sich angefühlt hat, in Wackersdorf, im Wendland oder an der Startbahn West von dir verprügelt zu werden, der kann nur staunen, wie zärtlich du mit Querdenkern, Spaziergängern und anderen Nazis umgehst. Kann es sein, dass du am Ende erfolgreich resozialisiert wurdest? Frag bitte mal deinen Bewährungshelfer.

Oh, police! Not that we think it’s great when you use violence, but anyone who can still remember what it felt like to be beaten up by you in Wackersdorf, in Wendland or at Startbahn West can only be amazed at how tenderly you are with those anti-Corona-activists and other Nazis. Could it be that you were successfully rehabilitated in the end? Please ask your probation officer.

Hoppla, Andrew Torba!

Sie sind Gründer und Geschäftsführer des bei Nazis sehr beliebten Kurznachrichtendienstes Gab und glauben sich vom deutschen Staat verfolgt, weil der von Ihnen verlangt, in Deutschland gepostete Inhalte Ihres asozialen Netzwerkes zu kontrollieren. Dem Magazin Spiegel sagten Sie daher: „Deutschland hat seine Chance die amerikanische Redefreiheit zu verteidigen im Jahr 1945 verpasst.“ Da sind Sie ja einer heißen Sache auf der Spur! Wir werden Ihre Beschwerde sofort an die reptiloide Reichshistorikerkammer weiterleiten. Bleiben Sie dran! Heil usw.

Oops, Andrew Torba! You are the founder and managing director of the short message service Gab, which is very popular with the Nazis, and you believe that you are being persecuted by the German state because it requires you to control the content of your anti-social network posted in Germany. So you told Spiegel magazine: “Germany missed its chance to defend American freedom of speech in 1945.” You are on the trail of a hot topic! We will immediately forward your complaint to the reptilian Reich Chamber of History. Stay tuned! Heil, etc.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller!

Neulich haben Sie festgestellt, dass die Coronapandemie dazu genutzt werde, um „die Menschen jetzt gleichzuschalten“, einer „totalen Kontrolle“ zu unterziehen und dass hinter Maßnahmen gegen die Pandemie eine finanzkräftige Elite stecke. Bei anderen würden wir dies als antisemitisches Verschwörungsgeschwätz abtun, doch da Sie als Führungskraft einer absolutistischen Monarchie, als Mitglied einer finanzkräftigen Elite (Besoldungsgruppe B 6), sowie als ehemaliger Chef der Glaubenskongregation aka Inquisition dafür zuständig waren, eine totalitäre Ideologie gegen schwuljüdische Kommunistenketzer zu verteidigen, da Sie geübt sind im Vertuschen sexuellen Missbrauchs durch Priester, und darin, Ihre Schäflein auf Linie zu bringen und bis ins Schlafzimmer hinein einer totalen Kontrolle zu unterwerfen, sind wir geneigt zu glauben, dass Sie genau wissen, wovon Sie sprechen und das Böse zuverlässig erkennen, wenn Sie in den Spiegel schauen. Gegen Ihre Art des Wahnsinns ist man am besten dreifaltig geimpft.

Cardinal Gerhard Ludwig Müller! You recently discovered that the corona pandemic was being used to “bring people into line”, to subject them to “total control” and that there was a financially strong elite behind measures to combat the pandemic. With others we would dismiss this as anti-Semitic conspiracy gossip, but since you, as a leader of an absolutist monarchy, as a member of a financially strong elite (pay step B 6), and as the former head of the Congregation for the Doctrine of the Faith aka Inquisition, were responsible for defending a totalitarian ideology against gay jewish communist heretics, since you are skilled at covering up sexual abuse by priests, getting your flocks in line and subjecting them to total control even in the bedroom, we are inclined to believe that you know exactly what you are talking about and would recognize the evil reliably when you look in the mirror. Everbody should get a trinity vaccination against your kind of madness.

Wir alle sind, Olaf Scholz,

etwas verwirrt, nachdem Sie in Ihrer ersten Rede vor dem Bundestag angekündigt haben: „Wir wollen unser Land zum führenden Start-up-Standort in Deutschland machen.“ Hat sich da ein Satz aus Ihrer Zeit als Hamburger Bundesmeister bzw. Bürgerkanzler eingeschlichen? Antwort bitte an mich (z.Z. auf Weltreise in München)

We are, Olaf Scholz, a bit confused after you announced in your first speech to the Bundestag: “We want to make our country the leading start-up location in Germany.” Has a sentence crept in from your time as Hamburg’s federal mayor respectively city chancellor? Please answer to me (currently on a world tour in Munich)

Ach, Doc Morris!

„Was ist eigentlich das Wichtigste im Leben?“ fragst du uns. Wir ahnen aber, dass Du die Antwort schon kennst, schließlich bist Du der Doc: „Ich glaube leben, etwas erleben, sich ausleben“. Danke, da wären wir gar nicht drauf gekommen. Und wie stellst Du dir das vor? „Mit Medikamenten, die man online bestellen kann.“ Oje, das ist ja traurig. Und dafür hast Du studiert? Wir dagegen glauben, das Wichtigste im Leben ist, sich von Dummschwätzern wie Dir nicht sagen zu lassen, was das Wichtigste im Leben ist. Weißt Du, wenn Du wirklich „das neue Gesund“ sein solltest, dann bleiben wir lieber beim alten. Hat was gegen dich: Titanic

Oh, Doc Morris! – “What is actually the most important thing in life?” you ask us. We suspect, however, that you already know the answer, after all, you are the Doc: „I believe to live, to experience something, to act out“. Thank you, we wouldn’t have thought of that. And how do you imagine that? “With drugs that can be ordered online.” Oh dear, that’s sad. And that’s what you studied for? We, on the other hand, believe that the most important thing in life is not to let idiots like you tell us what the most important thing in life is. You know, if you really should be „the new healthy“, then we’d rather stick with the old one. Has something against you: Titanic

Erschienen / Published in Titanic 2/2022