Aus dem Familienalbum (80)

Ein schlecht gehütetes Familiengeheimnis ist, weshalb in N., dem Wohnort meines Großonkels F., immer schlechtes Wetter herrscht. Angeblich ist F.s Großvater daran schuld, der einen Wetterhahn auf das Dach seines Hauses gesetzt hat. Aber weil der Hahn unbeweglich ist, zeige er seitdem stets das gleiche Wetter an. Und ja, in N. ist es eigentlich immer bewölkt und regnerisch, wenn wir den Großonkel besuchen. Mein Vater sagt, das liege daran, dass der Großonkel im Spätherbst Geburtstag habe und dann herrsche eben meistens schlechtes Wetter. Meine Tanten jedoch wollen nicht an Zufall glauben, was überhaupt kein Geheimnis ist, weder gut noch schlecht gehütet.

From the family album – A poorly kept family secret is why the weather is always bad in N., where my great-uncle F. lives. Supposedly, it’s F.’s grandfather’s fault, who put a weather vane on the roof of his house. But because the vane is immobile, it’s always shown the same weather ever since. And yes, it’s actually always cloudy and rainy in N. when we visit my great-uncle. My father says that’s because my great-uncle’s birthday is in late autumn, and the weather is usually bad then. My aunts, however, don’t want to believe it’s a coincidence, which is no secret at all, neither well-kept nor poorly kept.

Früher war manches besser

Angesichts der skandalösen Hitze ist es wirklich eine Gemeinheit, dass die letzte Eiszeit schon 12000 Jahre her ist. Und wozu haben wir eigentlich eine Bundesregierung?

Things were better in the past – Given the outrageous heat, it’s truly cruel that the last ice age was 12,000 years ago. And what do we even have a federal government for?

Urlaub daheim

Das ist eine pfiffige Idee! Warum viel Geld ausgeben und eine anstrengende Reise auf sich nehmen, nur um am anderen Ende der Welt in der Sonne zu liegen? Mit einer Zimmersonne kann man sich die Tortur sparen, während des Sonnenbads weiter seine Lieblingsserien glotzen und ist unabhängig von der Tageszeit.

Vacation at home – That’s a clever idea! Why spend a lot of money and undertake a strenuous trip just to lie in the sun on the other side of the world? With an indoor sun, you can avoid the torture and continue watching your favorite TV shows while sunbathing, regardless of the time of day.

Schilder, die bald nicht mehr gebraucht werden (3)

Früher gingen die Leute noch auf die Toilette, heute gehen sie nur noch aufs Klo, aufs WC oder sie belästigen einen mit Details. Allerdings muss ich zugeben, dass auch ich keine Ahnung habe, welches Bedürfnis man einst mit ‚Francesco‘ bezeichnet hat. Das ist wohl eine Aufgabe für Volkskundler.

Signs that will soon be obsolete – People used to go to the toilet; today they just go to the bathroom, to the WC, or they bother you with details. However, I have to admit that I have no idea what need was once referred to as ‚Francesco‘. That’s probably a task for folklorists.

Neues aus der Wissenschaft (51)

Als sich neulich ein bisher unerklärlicher Riss im Himmel auftat, waren die Flacherdler natürlich die ersten, die im Internet herumschrien, dies sei der Beweis, dass die Erde flach und unter einem ‚dome‘ befindlich sei und von den Globusgläubigen eine Entschuldigung forderten. Die meisten Astronomen freuten sich, dass sie nun wieder etwas zu tun hatten und stimmten darin überein, der sogenannte Riss beweise nur, dass die flerfs einen Sprung in der Schüssel hätten. Alle anderen zuckten mit den Schultern und gingen weiter jeden Tag zur Arbeit oder auch nicht.

Science news – When a crack appeared in the sky recently, that is still not explained, flat-earthers were naturally the first to shout on the internet that this was proof that the Earth was flat and domed, and demanded an apology from the globe-believers. Most astronomers were happy to have something to do again and agreed that the so-called crack only proved that the flerfs are only good to crack one up. Everyone else shrugged and continued to go to work every day, or not.

Wie es wirklich war (31)

Über die Umstände, unter denen Bouchard 1799 den Stein von Rosetta gefunden hat, gibt es zwei Versionen. Wenig bekannt ist jedoch, dass beide Geschichten falsch sind, denn in Wahrheit ist der in London ausgestellte Stein eine Kopie, die Bouchard selbst aus dem Gedächtnis angefertigt hat. Nach der Entdeckung des Steines verbreitete sich die Neuigkeit unter den französischen Soldaten, die, wie das Touristen und Besatzungsmächte eben machen, alle ihre Namen oder andere Obszönitäten auf dem Stein hinterließen, während Bouchard nur kurz auf der Toilette war.

How it really was There are two versions of the circumstances under which Bouchard discovered the Rosetta Stone in 1799. What is little known, however, is that both stories are false, as the stone on display in London is actually a copy that Bouchard himself made from memory. After the stone’s discovery, the news spread among the French soldiers, who, as tourists and occupying forces do, all inscribed their names or other obscenities on the stone while Bouchard was only briefly using the restroom.

Aus dem Familienalbum (79)

Ich kann es nicht selbst bezeugen, weil ich noch zu klein war, aber angeblich waren die ersten Worte meines Cousins „umgekehrte Wagenreihung“. Während andere Kinder, ich eingeschlossen, ‚Mama‘ oder ‚Papa‘ sagten und dafür gelobt wurden, sagte mein Cousin angeblich nur Dinge wie ‚Ihr Anschluss wird leider nicht erreicht‘ und ‚Wir bitten um Ihr Verständnis‘, obwohl es meist gar keinen Sinn ergab. Ich verstand nur Bahnhof. Dafür, das behauptete zumindest meine Mutter, nannte mein Cousin seinen Vater ‚Auto‘ und rief ‚Ball‘ sobald er seine Mutter sah, was durchaus eine nachvollziehbare Assoziation ist. Seine Eltern sagten dann später gegenüber der Polizei, mein Cousin sei eines Tages verschwunden und habe nur eine Notiz hinterlassen, dass die Bahn nun an die Börse gehe. Sie hätten erleichtert gewirkt.

From the family album – I can’t personally testify because I was too young, but apparently my cousin’s first words were „reverse carriage order.“ While other children, including me, said „Mom“ or „Dad“ and were praised for it, my cousin supposedly only said things like „Unfortunately, your connection will be missed“ and „We ask for your understanding,“ even though it usually made no sense at all. It was all creak to me. On the other hand, or so my mother claimed, my cousin always called his father „car“ and shouted „ball“ whenever he saw his mother, which is a perfectly understandable association. His parents later told the police that my cousin disappeared one day and left only a note saying that the railway was going public. They seemed relieved.

Neues aus dem Wald (17)

Nicht nur die menschliche Gesellschaft überaltert, auch der Wald hat dieses Problem. Der Klimawandel macht vor allem den Nadelhölzern zu schaffen, weshalb die Jungen sich lieber in kühleren Gegenden niederlassen. Die Folge ist, dass es generell immer mehr alleinstehende Bäume gibt. Manche haben ihre Partner verloren und langweilen sich nun zu Tode, andere suchen freiwillig die Einsamkeit, weil sie das dumme Geschwätz der jungen Setzlinge nicht mehr aushalten. „Das Konzept Wald muss wohl neu gedacht werden“, sagt ein Förster. Andererseits mache es der fehlende Zusammenhalt der Bäume einfacher, Individuen herauszunehmen. „Die meisten sind froh, ihren Nachbarn endlich los zu sein.“

News from the Forest – Not only is human society aging, but forests also have this problem. Climate change is particularly affecting conifers, which is why young trees prefer to settle in cooler areas. The result is that there are generally more and more solitary trees. Some have lost their partners and are now bored to death, others are voluntarily seeking solitude because they can no longer stand the inane chatter of the young saplings. „The concept of a forest probably needs to be rethought,“ says one forester. On the other hand, the lack of solidarity among trees makes it easier to remove individuals. „Most are happy to finally be rid of their neighbors.“

An der Peripherie (7)

Manche Männer legen sich schon in vergleichsweise jungen Jahren, meist nach dem zweiten Kind, den Körper eines Greises zu, komplett mit gedecktfarbener Verpackung, in den sie dann über die kommenden Jahrzehnte hinweg hineinaltern. Es ist ja eh alles gleich, und so kann man eine weitere Sache zu der Liste der Dinge hinzufügen, über die man sich keine Gedanken mehr machen muss.

On the Periphery – Some men acquire the body of an old man at a relatively young age, usually after their second child, complete with muted packaging, which they then age into over the coming decades. Everything’s the same anyway, and so they can add one more thing to the list of things they no longer have to worry about.