
„Keine Ahnung, aber bitte nicht so laut! Oh, mein Schädel!“
How will the new year be? – “I have no idea, but please not so loud! Oh, my head!”
Texte und Bilder /// Texts and Images

Mein Onkel Raimunth, der so ähnlich heißt, aber von allen so genannt wird, weil er einen leichten Sprachfehler hat, lebt seit Jahrzehnten in einer winzigen Einliegerwohnung im Haus seines Bruders. Er komme mit den zwei kleinen Zimmern wegen der vielen Bücher eigentlich nicht aus, sagt er, aber was er an der Wohnung schätze, sei, dass die beiden einzigen Fenster aufeinander schauten. So werde er nicht mit dem Anblick der völlig vertrottelten und gemeingefährlichen Menschheit belästigt und weder das Wetter noch die Abfolge der Jahreszeiten habe ihn jemals interessiert. Oft stehe er stundenlang am oberen Fenster und schaue hinüber. Dann könne er sich manchmal sogar selbst beobachten, wie er im anderen Zimmer im Sessel sitze und lese oder am Schreibtisch arbeite oder sonst etwas Sinnvolles tue. Das gebe ihm Hoffnung, dass es mit dieser Welt vielleicht doch noch nicht an ein Ende gekommen sei.
From the family album – My uncle Raimunth, who has a similar name but is called that by everyone because he has a slight speech impediment, has lived in a tiny apartment in his brother’s house for decades. He says he can’t really get along with the two small rooms because of all the books, but what he likes about the apartment is that the only two windows look at each other. In this way he is not bothered by the sight of completely idiotic and dangerous humanity and neither the weather nor the sequence of the seasons has ever interested him. He often stands at the upper window for hours and looks over. Then he can sometimes even observe himself sitting in the armchair in the other room and reading or working at the desk or doing something else useful. This gives him hope that this world may not have come to an end after all.

Nachdem die letzte PISA-Studie erneut gezeigt hat, wie miserabel unser Schulsystem tatsächlich ist, gackern wieder alle aufgeregt durcheinander und tun so, als sei nicht eh klar, wie das Problem zu lösen wäre. Wir Lehrer bekommen einfach nicht den notwendigen Raum für Vermittlung, weil so ein Raum eben eine Stange Geld kostet, das dann aber fehlen würde, wenn wieder einmal eine Bank gerettet werden muss oder ein DB-Vorstandmitglied eine neue Yacht braucht.
Space for imparting – After the last PISA study showed once again how miserable our school system actually is, everyone is cackling excitedly again and acting as if it wasn’t clear how the problem could be solved. We teachers simply don’t get the necessary space for imparting because such a room costs a lot of money, which would then be missing if a bank had to be saved again or a DB board member needed a new yacht.

Ich kann ja verstehen, dass man sich als Autofahrer über die vielen Radfahrer ärgert, mir geht es umgekehrt genauso, aber dass man in Neuseeland anscheinend sogar ein Schild aufstellen darf, um seinem Ärger Ausdruck zu geben, das halte ich für übertreiben. Wo soll das hinführen?
Other countries, other customs – I can understand that as a driver you are annoyed by the many cyclists, I feel the same the other way round, but the fact that in New Zealand you are apparently even allowed to put up a sign to express your anger, I think that is an exaggeration. Where is this supposed to lead?

Weihnachten muss dieses Jahr leider ausfallen, weil der Weihnachtsengel, der die frohe Botschaft in die Welt tragen sollte, während einer kurzen Rast auf dem Glockenturm eines oberbayerischen Kuhkaffs leider einen schrecklichen Unfall hatte. Gott bekam vor Schreck angeblich einen Migräneanfall und lässt ausrichten, dass die Welt in der Zwischenzeit doch bitteschön weitermachen solle wie bisher, aber auch gerne einfach den Mund halten dürfe!
Tragic accident – Unfortunately, Christmas has to be canceled this year because the Christmas angel, who was supposed to carry the good news to the world, unfortunately had a terrible accident during a short rest on the bell tower of an Upper Bavarian cow village. God supposedly got a migraine attack because of the shock and sent word that in the meantime the world should please carry on as before, but that it could also just keep its mouth shut!

Neulich war ich wieder mal unzufrieden mit meinem Kopf, weil der immer öfter ohne ersichtlichen Grund weh tut und Unsinn redet. Vernünftige Gedanken dagegen hat er immer seltener, kurz gesagt, ein neuer Kopf muss her. Dann aber die Ernüchterung: Beim Ersatzkopfhändler gibt es nur in China billig zusammengeklebten Plunder, blutleer, mit dümmlichem Gesichtsausdruck und schlecht sitzender Frisur. Blöd dreinschauen kann ich auch so, da brauch ich nicht ein paar Hundert Euro in einen noch hässlicheren Dummkopf investieren. Muss ich wohl mit meinem alten Kopf weiterleben. Sei’s drum! Immerhin verstehe ich nun, weshalb so viele Menschen so unfassbar dümmlich daherkommen.
Poor quality – Recently I was dissatisfied with my head again because it hurts more and more often for no apparent reason and talks nonsense. Moreover, he has fewer and fewer sensible thoughts; in short, I need a new head. But then the disillusionment: the replacement head dealer only sells cheaply glued-together junk from China, bloodless, with a stupid facial expression and an ill-fitting hairstyle. I can look stupid like that, so I don’t need to invest a few hundred euros in an even uglier idiot. I guess I have to keep living with my old head. So be it! At least I now understand why so many people seem so incredibly stupid.

Ein anstrengender Tag geht für den Tag zu Ende. Jetzt ist er schon durch die Tür hinein, gleich kann er auf dem Sofa die Beine ausstrecken, dann ist endlich Feierabend. Zum Glück ist Winter, da muss er nicht so lange draußen sein. Zwar ist es im Sommer wärmer, aber wenn die Leute ewig nicht nach Hause gehen wollen und quengeln: „Jetzt komm halt, häng noch eine Viertelstunde dran, ein paar Minuten nur, geh! noch einen Augenblick!“, dann geht ihm dann das schon ein bissl auf die Nerven. Winter ist trotzdem schlimmer, weil es so scheiß kalt ist. Doch jetzt gibt es gleich einen schönen warmen Tee und hinterher ein Glas Wein und morgen muss er schon wieder zwei Minuten weniger arbeiten. Das ist doch eine schöne Aussicht.
Home at last! – A busy day comes to an end for the day. Now he’s already through the door, in a few moments he will stretch his legs on the sofa and then it’s finally end of work. Luckily it’s winter, so he doesn’t have to be outside for so long. It’s warmer in the summer, but when people don’t want to go home for ages and whine: „Now come on, hang on for another quarter of an hour, just a few minutes, come on! Just a moment!” then it gets on his nerves a bit. Winter is still worse because it’s so damn cold. But now there’ll be a nice warm tea and then a glass of wine and tomorrow he has to work two minutes less. That’s a nice perspective.