Aus dem Familienalbum (76)

Ein Cousin meiner Mutter hatte einmal die Idee, ein Verkehrsmuseum zu gründen. In seiner Begeisterung trug er aus der Garage und dem Schuhschrank seiner Frau die beiden ersten und vermutlich auch einzigen Ausstellungsstücke zusammen und präsentiert sie auf dem Gehweg vor dem Haus. Dass seine Frau ihn einen Deppen nannte, bestätigte ihn in seinem Vorhaben sogar noch, und erst als ihm einer der Passanten, von denen er Eintrittsgeld forderte, eine Tracht Prügel versprach, trug er die Fortbewegungsmittel wieder zurück ins Haus und erklärte, das Museum habe für heute geschlossen. Interessanter als diese Geschichte fand ich damals, dass auch jemand, der gar keinen Alkohol trinkt, eine Schnapsidee haben kann.

From the family album – A cousin of my mother once had the idea of ​​founding a transportation museum. In his enthusiasm, he gathered the first two, and probably only, exhibits from the garage and his wife’s shoe cabinet and displayed them on the sidewalk in front of the house. The fact that his wife called him an idiot only served to confirm his resolve, and only when one of the passersby, from whom he demanded an entrance fee, promised him a beating did he carry the vehicles back into the house and declared that the museum was closed for the day. At the time, I found it more interesting that even someone who doesn’t drink alcohol at all could have a home-distilled idea.

Wandertag bei Familie Rorschach

Jeden Samstag mussten die Rorschachbuben mit Vater und Hund aufs Land fahren und wandern, wie es der Vater nannte. Die Mutter hatte sich wie immer ein Attest besorgt, da konnte der Vater nichts machen. Die Buben bettelten und benzten, sie würden lieber ins Kino gehen oder wenn es sein müsse auch ins pathologische Museum, aber Vater Rorschach war unnachgiebig. Das Schlimmste aus Sicht der Buben war jedoch, dass man eh nie weit kam und sich das Wandern tatsächlich darin erschöpfte, dass der Vater an jeder Pfütze und jedem Teich Halt machte und seine Söhne dazu zwang, stundenlang die Landschaft zu interpretieren. Sogar der Hund wurde gefragt. Wenn nicht jeder mindestens einmal „Mutter“ oder „Mutters Schoß“ gesehen haben wollte, war der Vater für den Rest des Tages aufgebracht und unausstehlich.

Hiking Day with the Rorschach Family – Every Saturday, the Rorschach boys had to go to the countryside with their father and dog and go hiking, as their father called it. Their mother, as always, had obtained a doctor’s note, and the father couldn’t do anything about it. The boys begged and pleaded that they would rather go to the movies, or, if necessary, to the pathology museum, but Father Rorschach was relentless. The worst part, from the boys‘ perspective, however, was that they never got very far anyway, and the hiking essentially consisted of their father stopping at every puddle and pond, forcing his sons to spend hours interpreting the landscape. Even the dog was consulted. If everyone didn’t want to see „Mother“ or „Mother’s Lap“ at least once, their father would be upset and unbearable for the rest of the day.

Guter Rat (7)

Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut, aber nun ist es an der Zeit, mich für heute allein zu lassen.

Good advice – It was very nice, I enjoyed it very much, but now it’s time to leave me alone for today. (Please leave soon/go slowly.)

Am Tag vor dem Tag danach (8)

Als dann endlich doch der Atomkrieg ausbrach, konnte sich keiner erklären, wie es dazu gekommen war. So viele Schultern wurden noch nie gleichzeitig gezuckt. Selbst die Bombe war sich nicht sicher, ob das jetzt wirklich hatte sein müssen. Weil sie eine intelligente Bombe war, beschloss sie, mit dem Weiterfallen und Explodieren noch eine Weile zu warten, bis sie sich darüber im Klaren wäre, ob sie tatsächlich schon ihre Existenz beenden und ihr Schicksal erfüllen wollte. Einer ihrer Schaltkreise beharrte darauf, dass es durchaus einen freien Willen gebe und man gar nichts müsse, nur weil irgendein Mensch sich das so ausgedacht habe. Die Bombe schwebte also eine Zeit lang über der Stadt, während ihre Schaltkreise miteinander stritten. Weit unter ihr schauten einige Menschen ungläubig nach oben, während die Mehrheit noch schnell ETFs kaufte, weil man in einer Baisse ja bekanntlich investieren soll. Irgendwann wurde es der Schwerkraft zu dumm und sie beendete das unwürdige Schauspiel.

The Day Before the Day After – When nuclear war finally broke out, no one could explain how it had happened. Never before had so many shoulders shrugged at once. Even the bomb wasn’t sure if it really had to happen. Because it was an intelligent bomb, it decided to wait a while before continuing to fall and explode, until it was clear whether it really wanted to end its existence and fulfill its destiny. One of its circuits insisted that free will does indeed exist and that one doesn’t have to do anything just because some human thought it up. So the bomb hovered above the city for some time while its circuits argued with each other. Far below, some people looked up in disbelief, while the majority quickly bought ETFs because, as we all know, you’re supposed to invest in a bear market. At some point, gravity got tired of it, and it ended the undignified spectacle.

Kriegsende vor 80 Jahren

Es kann nicht schaden, vor dem nächsten Weltkrieg einmal innezuhalten, vor allem an einem Datum wie diesem, und eine Zwischensumme zu ziehen. Mit dem Erreichten können wir ja durchaus zufrieden sein, aber das kann man doch auch anders ausdrücken.

End of the war 80 years ago – It can’t hurt to pause for a moment before the next world war, especially on a date like this, and take stock. We can certainly be satisfied with what we have achieved, but there are other ways to express that. („Subtotal over all“)