
Poetry is broken
Texte und Bilder /// Texts and Images
Wenn mich früher jemand gefragt hat, woher nur meine Ideen kämen, habe ich immer gelogen, die stammten aus ökologischem Anbau und seien rein vegan. Richtig ist, dass ich meine Ideen schon seit Jahrzehnten von einem Großbetrieb in Niedersachsen beziehe, wo sie in Massenideenhaltung in winzigen Käfigen gemästet werden, bis sie richtig fett sind und sich aus eigener Kraft nicht mehr auf den Beinen halten können. Mit dem Lügen ist jetzt Schluss, denn ab heute stehe ich dazu! So!
Confession – In the past, when someone asked me where my ideas came from, I always lied, they came from organic farming and were purely vegan. It’s actually a fact that I’ve been getting my ideas from a large company in Lower Saxony for decades, where they’re fattened up in tiny cages until they’re really fat and can’t stand up on their own. The lying is over now, because from today I stand by it! So!
freut sich der Reichsbürger, denn neuerdings behauptest du in deinen Werbespots: „Jedesmal, wenn du dich für Sheba entscheidest, entsteht Lebensraum.“ Jetzt war der Hitler ja dummerweise eher ein Freund des Hundes, sonst hätte er sich den Ostfeldzug sparen können. Ich bleibe so oder so lieber beim Fischfutter.
Is the cat hungry, Sheba cat food, the Reich citizen is happy, because recently you have been claiming in your commercials: „Every time you decide in favor of Sheba, living space is created.“ Unfortunately, Hitler was more of a dog’s friend, otherwise he could have saved himself the eastern campaign. Either way, I stick to the fish food.

Wie immer am Tag der Arbeit erheben sich die Gewerkschaften aus ihren Gräbern und wandeln untot einen sonnigen Tag lang über Straßen und Plätze, ihre roten Leichentücher auslüftend, bis sie dann am Abend wieder zurückkehren müssen in die dunklen Grüfte. So ist der Lauf der Natur, da kann man nix machen, Genosse.
Happy Labour Day! – As always on Labour Day, the unions rise from their graves and roam the streets and squares undead for a sunny day, airing their red shrouds, until they have to return to the dark tombs in the evening. That’s the way nature goes, there’s nothing you can do about it, comrade.

In Stuttgart steigt ein Louis-Vuitton-Edelproll zu, der natürlich keine Maske trägt. „Maske habischnisch. Wusstischnisch. Is Pflischt?“ Ja, is. Jemand gibt ihm eine Maske, die er dann natürlich unterm Kinn trägt. Warum gibt es eigentlich keine FFP2-Masken von Gucci? Die Deppen würden sich drum reißen.
News from the train – In Stuttgart, a Louis Vuitton noble chav, who of course doesn’t wear a mask, gets on. „Mask don’thaveone. Didn’tknow. Is mandatory?” Yes, is. Someone gives him a mask, which of course he wears under his chin. Why are there no FFP2 masks from Gucci? The idiots would tear themselves over it.
Hab heute mal in den Abgrund geschaut, doch der hat verschämt in eine andere Richtung geguckt. Ich fürchte, man hat ihm lange Unrecht getan.
Nietzsche correction – Today I looked into the abyss, but he looked bashfully in a different direction. I’m afraid he’s been wronged for a long time.
(Erschienen / published in Titanic 5/2022)

Aus deutscher Sicht ist man ja schnell bereit, den Franzosen zu unterstellen, sie würden den Bock zum Gärtner machen, nicht nur in Bezug auf ihre Präsidentschaftswahlen, aber wie man hier vor dem Louvre beobachten kann, stimmt das nur zum Teil, denn dieser Gärtner ist angekettet und kann darum nur wenig Schaden anrichten.
Saying checked for suitability for everyday use – From a German point of view, one is quick to accuse the French of turning the goat into a gardener, not only in relation to their presidential elections, but as you can see here in front of the Louvre, that’s only partly true, because this gardener is chained and can therefore only do little damage.