Vergessene Helden (1)

Als der alte Admiral Almdudler in den Ruhestand versetzt worden war und auf sein Leben zurückblickte, dachte er: „Meine besten Jahre habe ich der österreichischen Kriegsmarine geschenkt und hin und wieder durfte ich sogar einen Piefke mitsamt seinem Motorboot auf den Grund des Wörthersees schicken. War es das wert?“ Natürlich war es das, aber eigentlich war der Admiral ein Schöngeist und Weltverbesserer, weshalb er den Rest seines Lebens damit verbrachte, die Welt ein wenig bunter zu machen. Sogar die Piefkes müssen das anerkennen, wenn sie es überhaupt bemerken.

Forgotten Heroes – When the old Admiral Almdudler had retired and looked back on his life, he thought: „I gave my best years to the Austrian Navy and every now and then I was even allowed to send a Piefke and his motorboat to the bottom of the Wörthersee. Was it worth it?” Of course it was, but actually the admiral was an esthete and a do-gooder, which is why he spent the rest of his life trying to make the world a little brighter. Even the Piefkes have to acknowledge that, if they even notice it.

Café Sperl in Wien

Im Sperl gibt es wahrscheinlich eine bessere Sachertorte als im Sacher, aber das ist, zugegeben, nur mein Vorurteil, weil ich nicht ins Sacher gehe – man kommt ja eh nicht rein, weil da die Touristen Schlange stehen, die nicht wissen, dass es im Sacher nur die zweitbeste Sachertorte gibt. Aber das ist auch gut so, weil ich dann gewiss einen Platz bekomme in meinem Lieblingscafé.

Cafe Sperl in Vienna – The Sperl probably has a better Sacher cake than the Sacher, but admittedly that’s just my prejudice, because I don’t go to the Sacher – you can’t get in anyway because there are queues of tourists who don’t know that at the Sacher you only get the second best Sacher cake. But that’s a good thing, because so I can be sure I’ll get a seat in my favorite café.

Café Zartl in Wien

Im Café Zartl haben schon Musil und Doderer gesessen und bestimmt die ein oder andere Kardinalschnitte genossen. Wären Sie etwas später gekommen, hätten sie auch mit Eisler anstoßen und sich von Hrdlicka anknurren lassen können. Weil ich leider zu spät dran war, konnte ich dies nicht, aber der Kuchen war sehr gut.

Cafe Zartl in Vienna – Musil and Doderer have already sat in Café Zartl and certainly enjoyed one or the other cardinal cut. If they had come a little later, they could have toasted with Eisler and let Hrdlicka growl at them. Unfortunately I was late so I couldn’t, but the cake was very good.

Aus dem Familienalbum (62)

Nachdem unser Großvater gestorben war, begann die Großmutter, sich eigenartig zu benehmen. Es fing damit an, dass sie keinem ihrer Kinder und Enkel mehr zum Geburtstag gratulierte, aber dafür jeden Tag ihren eigenen feierte, weil sie, wie sie sagte, immer nur die Geburtstage ihres Mannes und der unzähligen Familienmitglieder feiern musste, aber ihre eigenen meist vergessen worden waren, und sie deshalb einige Feiern nachzuholen habe. Gäste allerdings werde sie nicht bewirten, denn das habe sie schon seit langem satt. Dafür bestelle sie sich nun jeden Tag etwas beim örtlichen Feinkostladen. Man brauche darum auch gar nicht auf eine eventuelle Erbschaft spekulieren, denn sie sei gewillt, das Vermögen des verblichenen Geizhalses bis auf den letzten Pfennig zu verprassen. Einige ihrer Kinder verschworen sich nun, sie entmündigen zu lassen und ließen als Begründung anführen, dass sie den Gegenständen in ihrem Haushalt idiotische Namen gebe und mit ihnen spreche, aber das zuständige Betreuungsgericht überzeugte sich bei einem Ortstermin davon, dass die Unterhaltungen durchaus ernsthaft und tiefsinnig seien und der Antrag daher abzuweisen sei.

From the family album – After our grandfather died, the grandmother began to behave strangely. It started with the fact that she no longer wished any of her children or grandchildren happy birthdays, but celebrated her own every day because, as she said, she only ever had to celebrate the birthdays of her husband and the countless family members, but her own mostly had been forgotten, and she therefore had to catch up on some celebrations. However, she will not entertain guests because she has had enough of that for a long time. She now orders something every day from the local deli. There is therefore no need to speculate on a possible inheritance, because she is willing to squander the assets of the deceased miser down to the last penny. Some of her children now conspired to have her incapacitated, arguing that she gave idiotic names to the items in her household and spoke to them, but the responsible court made sure that the conversations were serious and profound during an on-site visit and the application should therefore be dismissed.