Im Café Sperl in Wien

Das Café Sperl kennen Sie zwar schon, aber diese Ecke wollte ich dann doch noch gerne zeigen. Außerdem: Wien ohne einen Besuch im Sperl, das geht nicht.
(Ich hoffe, dass manche jetzt nicht schon stöhnen: „Och nee, schon wieder ein Café! Gibt es denn in Wien nichts anderes zu sehen?“ Die Antwort darauf lautet natürlich: Nein, jedenfalls nichts Wichtigeres! Wer was anderes sehen will, muss halt nach Mönchengladbach fahren oder so).

At the Café Sperl in Vienna – You already know the Café Sperl, but I still wanted to show you this corner. Also: Vienna without a visit to the Sperl is not possible. (I hope that some of you are not already moaning: „Oh no, another café! Isn’t there anything else to see in Vienna?“ The answer to that is of course: No, at least nothing more important! If you want to see something different, you have to just go to Mönchengladbach or something like that).

Ja und?

Neulich in Wien habe ich meine bildungsbürgerliche Pflicht getan und selbstverständlich auch die berühmte Strudelhofstiege besichtigt, die der Schriftsteller Doderer in Roman und Gedicht so zauberhaft verewigt hat. Manche Leute, die mir auf der Treppe entgegenkamen, sahen mich, wie mir schien, mit einer Melange aus Mitleid und Spott an, als würden sie denken: Noch so ein Piefke, der nur herkommt, um sich eine depperte Treppe anzuschauen! – Wiener, was soll ich sagen, Ihr habt recht. Aber die Deutschen hatten schon schlechtere Gründe Wien zu besuchen, vergesst das nicht! Ich will’s nur gesagt haben.

So what? – Recently in Vienna I did my bourgeois duty and of course also visited the famous Strudelhof stairs, which the writer Doderer immortalized so enchantingly in novel and poem. Some of the people who met me on the stairs looked at me, it seemed to me, with a mélange of pity and mockery, as if they were thinking: Another kraut who only comes here to look at a stupid staircase! – Viennese, what can I say, you are right. But the Germans had worse reasons to visit Vienna, don’t forget that! I just want it said.

(erschienen / published inTitanic 7/2023)

Das Böse besiegen

Das Böse ist ja bekanntlich geduldig, aber auch ein bisschen doof. Was es nicht weiß, ist, dass die Ampelschaltung absichtlich manipuliert wurde und niemals auf Grün schalten wird. Die Menschheit ist also fürs Erste sicher.

Defeat Evil – Evil is known to be patient, but also a bit stupid. What it doesn’t know is that the traffic light has been deliberately tampered with and will never turn green. So humanity is safe for now.

Im Café Camus in Wien

Das Camus ist kein klassisches Wiener Kaffeehaus, sondern anscheinend eine eher vom jugendlichen Publikum frequentierte Kneipe, aber wer sich nach dem französischen Philosophen benennt, verdient einen zweiten Blick. Zuerst fällt auf, dass man eine halbe Treppe hinab muss, also vielleicht im Sinne einer Metapher für den Tod. Wenn dem so ist, dann ist das Camus ein sehr hübsches und bequemes Grab. Da legt man sich gerne rein. Camus wird ja meist irrtümlich für einen Existenzialisten gehalten, dabei teilte er nicht dessen Annahme, dass die Existenz der Essenz vorausgeht: „Sie gehen und erheben sich beide im gleichen Schritt.“ Das ist offensichtlich wahr, denn der Old Fashioned, den ich bestellt habe, kam ohne Eis, war also die reine Essenz und haute so dermaßen rein, dass ich meiner Existenz aber so was von versichert wurde und das ganz ohne Schritt, sondern im Sitzen. Dem Leid und dem Elend in der Welt sei kein Sinn abzugewinnen, sagte Camus. Da hat er Recht, aber der Freude und dem Genuss durchaus schon – wofür man zwar nicht ins Café Camus gehen muss, aber es tun sollte.

At Café Camus in Vienna – The Camus is not a classic Viennese coffee house, but apparently a pub frequented more by the young crowd, but anyone who names themselves after the French philosopher deserves a second look. The first thing you notice is that you have to go down half a flight of stairs, so maybe in the sense of a metaphor for death. If so, the Camus is a very pretty and comfortable tomb. You like to lie down there. Camus is often mistaken for an existentialist, although he did not share the assumption that existence precedes essence: „They both go and rise in the same step.“ This is obviously true, for the Old Fashioned I ordered, came without ice, so it was the pure essence and hit me so hard that I was assured of my existence and that without any steps, but while sitting. Camus said there was no meaning to be gained from the suffering and misery in the world. He’s right about that, but from joy and enjoyment certainly is – for which you don’t have to go to Café Camus, but you should.

Dialektik der Gastronomie

In einem Wiener Gasthaus stellt mir der aufgeschwemmte und an den Herrn Karl erinnernde Kellner wortlos einen Espresso hin, den ich nicht bestellt habe. Als ich mich wieder gefangen und entschieden hatte, den Espresso dennoch zu trinken, nimmt ihn mir die kleine asiatische Kellnerin, quasi die Antithese zum Herrn Karl, ebenso wortlos wieder weg. Der Schluss, den ich daraus gezogen habe, war, eine Portion Marillenpalatschinken zu bestellen. Ob das logisch war, interessiert mich eigentlich gar nicht, es war aber sicher vernünftig.

Dialectics of gastronomy – In a Viennese inn, the bloated waiter, reminiscent of Herr Karl, wordlessly put an espresso in front of me that I didn’t order. When I recovered my composure and decided to drink the espresso anyway, the little Asian waitress, quasi the antithesis of Herr Karl, took it away from me just as wordlessly. The conclusion I drew from this was to order a portion of apricot pancakes. I’m not really interested in whether that was logical, but it was certainly reasonable.

Für Peter Hammerschlag zum 121. Geburtstag

Pülcher-Dialog ad infinitum: »Tepperter, was schaust denn so?« »Wer is bei dir teppert?« »Der was fragt!!« – »Geh kusch!« – »Ziach o!« – »Wuist a poar, dass’ scheppert?« etc.

For Peter Hammerschlag on his 121st birthday – Bummer dialogue ad infinitum: „Schmuck, what are you staring at?“ – „Who is a schmuck?“ – „The one who asks!“ – „Get lost!“ – „Shove off!“ – „Wanna get a smack?” etc.

(Gesehen am Donaukanal in Wien. – Peter Hammerschlag wurde 1942 in Auschwitz ermordet. / Seen at the Danube Canal in Vienna. – Peter Hammerschlag was murdered in Auschwitz in 1942)

Im Café Eiles in Wien

Im Café Eiles fand im Juli 1934 das letzte Treffen der Nazis vor dem misslungenen Putschversuch gegen die Dollfuß-Regierung statt. Der Ort hat ihnen offenbar kein Glück gebracht. Wie will man auch eine Regierung stürzen, wenn man sich zuvor den Magen mit so vielen schönen Sachen überladen hat. Insofern haben der gute Kaffee und die leckeren Kuchen wohl einen faschistischen Umsturz verhindert. Man kann sich also nur wünschen, dass der Kickl und seine Minions sehr oft und ausgiebig im Eiles speisen.

At Café Eiles in Vienna -The last meeting of the Nazis before the failed coup attempt against the Dollfuss government took place in Café Eiles in July 1934. Apparently the place didn’t bring them luck. How do you want to overthrow a government when you have overloaded your stomach with so many nice things. In this respect, the good coffee and the delicious cakes probably prevented a fascist overthrow. So one can only wish that Kickl and his minions dine very often and extensively in the Eiles.

Neues aus der Wissenschaft (17)

Der bekannte ungarische Hobbypsychoanalytiker Alégpárnáshajómtelevanangolnával behauptet, die Psychologie revolutioniert, wenn nicht gar überflüssig gemacht zu haben. Er sei nämlich zufällig bei der Selbstanalyse, hinter einer scheinbar harmlosen Erinnerung an einen langweiligen Fernsehabend bei seinen Eltern, auf einen versteckten Zugang in sein Unbewusstes gestoßen. Erstaunlicherweise befinde sich dort nichts, der Raum sei vollkommen leer. Es muffle zwar ein wenig, wie das in schlecht gelüfteten Räumen eben so sei, aber seine Entdeckung lege nahe, dass die ewige Suche nach einem verborgenen Sinn hinter allem, was uns so umtreibt, vergebens und völlig sinnlos sei: „Wir Menschen sind eben Vollidioten, die meistens nichts auf die Reihe bekommen und nur aus Versehen und ohne Verstand auch mal etwas Schönes zustande bringen.“ Das müsse man halt akzeptieren. Er jedenfalls fühle sich seitdem schon viel besser.

Science news – The well-known Hungarian amateur psychoanalyst Alégpárnáshajómtelevanangolnával claims to have revolutionized psychology, if not made it obsolete. During self-analysis, he accidentally stumbled upon a hidden access to his unconscious behind an apparently harmless memory of a boring TV evening at his parents‘. Surprisingly, there is nothing there, the room is completely empty. It smells a bit musty, how things are in poorly ventilated rooms, but his discovery suggests that the eternal search for a hidden meaning behind everything that concerns us is in vain and completely pointless: „We humans are outright idiots, who usually don’t get anything done and only accidentally and without understanding manage something nice.” You just have to accept that. In any case, he has been feeling much better since then.

Einfache Lösung

Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr nach Ostbrandenburg an den arbeitslosen Bergführer Mario Karsunke. Nach der Wende wurden die Brandenburger Alpen ja bekanntlich abgetragen, da sie angeblich nicht konkurrenzfähig gewesen seien, was Herrn Karsunke zufolge völliger Quatsch sei, weil die westdeutschen Alpen gegenüber den Schweizer oder Österreicher Alpen „ja ooch komplett abstinken“ würden. „Seit denne bin ick arbeitslos.“ Darum habe er viel Zeit gehabt, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen und sei so schließlich auf die Lösung des vor allem in den USA grassierenden Problems der Massenschießereien gekommen. „Einfach ’n Schild uffhängen und vabieten, wa!“ Tatsächlich ist seit der Einführung dieser Maßnahme in den USA kein einziger Schuss mehr gefallen. Die UNO prüft nun, ob man auf diese Weise auch den Krieg in der Ukraine beenden könne. Hoffen wir das Beste.

Simple solution – This year, the Nobel Peace Prize goes to the unemployed mountain guide Mario Karsunke in East Brandenburg. As is well known, the Brandenburg Alps were removed after reunification because they were allegedly not competitive, which, according to Mr. Karsunke, is complete nonsense, because the West German Alps “also loose completely” compared to the Swiss or Austrian Alps. „Since then I’ve been unemployed.“ That’s why he had a lot of time to deal with other things and finally found a solution to the problem of mass shootings, which is particularly rampant in the USA. „Just hang up a sign and ban it, right?“ In fact, since the introduction of this measure in the USA, not a single shot has been fired. The UN is now examining whether the war in Ukraine could also be ended in this way. Let’s hope the best.