Dieser kleine Platz am Rande des Stadtteils Dorsoduro markiert vermutlich den Ort eines aufgelassenen Friedhofs, aber der durch und durch verlassene Eindruck, den er sogar tagsüber macht, weckt die Vorstellung, dass dies vielleicht tatsächlich der Ort ist, an dem die Toten wohnen. Ehrlich gesagt kann ich mir Schlimmeres vorstellen. Wo kann man sich vormerken lassen?
Campiello dei morti – This small square on the edge of the Dorsoduro district probably marks the site of an abandoned cemetery, but the thoroughly deserted look it gives even during the day makes you think that this might actually be where the dead live. To be honest, I can think of worse things. Where can I put my name down?
Nachdem man in den USA schon länger weiß, dass es nicht die Waffen sind, die töten, sondern deren Besitzer, geht Neuseeland nun den umgekehrten Weg und droht jedem Auto, das seinen Fahrer dazu zwingt, einen Unfall zu verursachen, mit harten Gefängnisstrafen. Da eine lebenslange Haft im Falle einer Maschine aber sehr lange dauern kann, werden die Haftstrafen im Freien vollzogen, so dass der Täter meist schon nach wenigen Monaten verrostet ist und verschrottet werden kann.
Different countries, different customs – After the USA has long known that it is not the guns that kill, but their owners, New Zealand is now going the other way and threatening any car that forces its driver to cause an accident with harsh prison sentences. However, as life imprisonment in the case of a machine can be very long, the prison sentences are served outdoors, so that the offender is usually rusted away after just a few months and can be scrapped.
Im Zuge des Klimawandels und der globalisierten Wirtschaft finden sich vermehrt Neozoen, die sich mangels natürlicher Feinde unkontrolliert ausbreiten können. Eine Spezies Zwergelefanten, die bisher ausschließlich auf bengalischen Fensterbänken heimisch war, wurde vermutlich von heimkehrenden Touristen eingeschleppt und breitet sich seit diesem Frühjahr vor allem in den Städten aus, in denen die Fensterbrettdichte weit höher ist als auf dem Land. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Art langfristig heimisch wird, denn die Tiere sind sehr ungeschickt und überleben einen Fall aus mehr als zwei Metern Höhe nur selten.
News from the animal kingdom – As a result of climate change and the globalized economy, there are increasing numbers of neozoans that can spread uncontrollably due to a lack of natural enemies. A species of dwarf elephant that was previously only native to Bengali window sills was probably introduced by returning tourists and has been spreading since this spring, especially in cities where the density of window sills is much higher than in the countryside. However, it is unlikely that the species will become native in the long term, as the animals are very clumsy and rarely survive a fall from a height of more than two meters.
Vermutlich kann man in jeder von Touristen überlaufenen Stadt ähnliche Beobachtungen machen, aber Venedig ist eben eine von Touristen überlaufene KLEINstadt, weshalb man nicht nur Aliens aus allen Teilen des Universums zu sehen und zu zeichnen bekommt, sondern auch eine Handvoll älterer Damen aus der Nachbarschaft, die nach dem Einkaufen im Café einen Schwatz halten, oder eine Gruppe, die laut und uneins ist, wo man einkehren soll: Einer ruft gespielt dramatisch „Wir haben einen Interessenkonflikt!“ und schon wird ein Stück von Goldoni improvisiert.
Heads in cafes – You can probably make similar observations in any city overrun with tourists, but Venice is a SMALL city overrun with tourists, which is why you not only get to see and draw aliens from all parts of the universe, but also a handful of older ladies from the neighborhood chatting in a cafe after shopping, or a group that is loud and disagreeing about where to stop: One of them calls out in a mock-dramatic way „We have a conflict of interests!“ and suddenly a piece by Goldoni is improvised.
Das Böse ist neulich umgezogen. Von außen könnte man meinen, es lebe auf großem Fuße, aber tatsächlich wohnt es nur zur Untermiete beim Guten, in einem kleinen Zimmer ohne Küche und Bad. Für deren Mitbenutzung verlangt das Gute obszöne Zuschläge, die das Böse aber auf keinen Fall zahlen wird. Lieber geht es zur Tafel und ins Tröpferlbad, als sich vom Guten ausnehmen zu lassen. Das Gute ließ sich auch nicht davon abbringen, an der Fassade auf seinen neuen Untermieter hinzuweisen, weshalb nun ständig fremde Leute unter dem Fester stehen und glotzen und freche Dinge rufen. Manchmal fragt sich das Böse, womit es das verdient hat und warum die Leute nicht sehen, dass das Gute eigentlich einen echt miesen Charakter hat. Aber dann fallen ihm leider immer die beiden Weltkriege ein und all der andere Mist, den es verbrochen hat und dann weint es ein bisschen und wenn keiner hinschaut, dreht es einem kleinen Kätzchen den Hals um.
Where Evil Lives – The Evil recently moved. From the outside you might think it lives in style, but in fact it only sublets from the Good, in a small room without a kitchen or bathroom. The Good demands obscene surcharges for sharing the kitchen, which the Evil will not pay under any circumstances. It would rather go to the food bank and the public bath than let the Good rip it off. The Good could not be dissuaded from pointing out its new subtenant on the facade, which is why strangers are constantly standing under the window, staring and shouting cheeky things. Sometimes the Evil wonders what it has done to deserve this and why people don’t see that the Good actually has a really bad character. But then unfortunately it always remembers the two world wars and all the other crap it has done and then it cries a little and when no one is looking it wrings the neck of a little kitten.
Ägyptologen der Universität Sankt Pölten haben in Wien einen Fries entdeckt, der „auf jeden Fall altägypisch ist, also mindestens, wenn nicht älter!“, so ein Sprecher des Instituts. Die genaue Datierung stehe noch aus und auch bei der Interpretation sei man noch nicht sehr weit gekommen. Wie der Fries in die österreichische Hauptstadt gekommen ist, sei ebenfalls unklar. „Also, eigentlich wissen wir noch gor nix, aber dös macht nix, weil wir hams ja net eilig“, so ein anderer Wissenschaftler.
Science news – Egyptologists from the University of St. Pölten have discovered a frieze in Vienna that is „definitely ancient Egyptian, at least if not older!“, said a spokesperson for the institute. The exact date is still pending and no one has made much progress in interpreting it. How the frieze came to the Austrian capital is also unclear. „Well, actually we don’t know anything yet, but that doesn’t matter because we’re not in a hurry,“ said another scientist.
Seit über 20 Jahren versuche ich, diesen verbauten Haufen von krummen Kuben und Kegelstümpfen akkurat aufs Papier zu bringen, aber es will nicht gelingen. Vermutlich ist es auch besser, denn so habe ich immer einen guten Grund, wieder hinzufahren. – Über die Biennale dagegen: lieber kein Wort.
San Giacomo dall’orio – For over 20 years I have been trying to accurately capture this pile of crooked cubes and truncated cones on paper, but it seems that I can’t get it right. It’s probably for the best, because then I always have a good reason to come back. – But I’d rather not say a word about the Biennale.
Dass es sich um eine W-Frage handelt, ist offensichtlich. Jetzt müsste die Natur nur noch einen Weg finden, ihre Frage so zu stellen, dass wir sie auch verstehen können! Dummes Ding!
When nature poses questions to us – It is obvious that this is a W-question. Now nature just needs to find a way to pose its question in such a way that we can understand it! Stupid thing!
Der Wiener Stadtteil mit dem albernsten Namen ist natürlich Wien Albern. Albern ist aber nichts in Albern. Tatsächlich ist Albern vom Albernsein so weit entfernt wie der Stadtteil von dem, was man sich gemeinhin unter Wien vorstellt. Hoffentlich hat Albern auch einen Keller, so dass es wenigstens einen Ort gibt, an dem man lachen kann. Das Albernste an Albern ist sicher, dass jeder, der hierherkommt, sich einbildet, der erste zu sein, der diesen Witz macht. Um zu dem Ort zu kommen, der am allerwenigsten albern ist in Albern, muss man kurz durch Niederösterreich und an der Bushaltestelle „Alberner Hafen“ und dem Polizeiübungsplatz mit der Adresse „Sauhaufen“ (man kann es sich nicht ausdenken) vorbei, dann kann man den „Friedhof der Namenlosen“ am Rande der Donau besuchen, auf dem zwar nicht nur Namenlose liegen, aber eben auch die vielen Ersoffenen, die von der Donau hier wieder ausgespien wurden. Danach empfiehlt sich ein Besuch in der Gaststätte Knödelmanufaktur. Reichlich Kohlenhydrate machen auch das unalbernste Gemüt glücklich und man kann Albern dann doch mit einem Lächeln wieder verlassen.
At the ‚Knödelmanufaktur‘ in Vienna – The district of Vienna with the silliest name is of course Wien Albern. But there is nothing silly in Albern. In fact, Albern is as far away from being silly as the district is from what is commonly imagined as Vienna. Hopefully Albern also has a basement so there’s at least one place where you can go to laugh. The silliest thing about Albern is that everyone who comes here imagines that they are the first to make this joke. To get to the least silly place in Albern, you have to briefly go through Lower Austria and past the “Silly habour” bus stop and the police training area with the address “Mess” (you can’t make it up), then you can visit the “Cemetery of the Nameless” on the edge of the Danube, where not only the nameless lie, but also the many drowned people who were spit out again by the Danube. Afterwards, I recommend a visit to the Knödelmanufaktur restaurant. Plenty of carbohydrates make even the most silly soul happy and you can leave Albern with a smile. (‚Knödelmanufaktur‘ translates to ‚dumpling factory‘ and ‚Albern‘ means ’silly‘, ‚giggly‘, ‚inane‘, ‚ridiculous‘)
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