Es gibt Dinge, die hätten sich auch die Väter und Mütter des Grundgesetzes in ihren verwegensten Albträumen nicht ausdenken können, da können wir ihnen heute schlecht vorwerfen, dass wir uns jetzt damit befassen müssen: Söder auf tiktok, Merz im Bundeskanzleramt und die AfD weiterhin in allen talkshows. Da fühlt sich auch die wehrhafteste Verfassung plötzlich ganz schwach und müde. Wer mag es ihr verdenken?
The Basic Law turns 76! – There are things that even the fathers and mothers of the Basic Law couldn’t have imagined in their wildest nightmares, so we can hardly blame them today for having to deal with them: Söder on TikTok, Merz in the Federal Chancellery, and the AfD still on all the talk shows. Even the most resilient constitution suddenly feels weak and tired. Who can blame her? („Don’t do drugs“)
Ein Cousin meiner Mutter hatte einmal die Idee, ein Verkehrsmuseum zu gründen. In seiner Begeisterung trug er aus der Garage und dem Schuhschrank seiner Frau die beiden ersten und vermutlich auch einzigen Ausstellungsstücke zusammen und präsentiert sie auf dem Gehweg vor dem Haus. Dass seine Frau ihn einen Deppen nannte, bestätigte ihn in seinem Vorhaben sogar noch, und erst als ihm einer der Passanten, von denen er Eintrittsgeld forderte, eine Tracht Prügel versprach, trug er die Fortbewegungsmittel wieder zurück ins Haus und erklärte, das Museum habe für heute geschlossen. Interessanter als diese Geschichte fand ich damals, dass auch jemand, der gar keinen Alkohol trinkt, eine Schnapsidee haben kann.
From the family album – A cousin of my mother once had the idea of founding a transportation museum. In his enthusiasm, he gathered the first two, and probably only, exhibits from the garage and his wife’s shoe cabinet and displayed them on the sidewalk in front of the house. The fact that his wife called him an idiot only served to confirm his resolve, and only when one of the passersby, from whom he demanded an entrance fee, promised him a beating did he carry the vehicles back into the house and declared that the museum was closed for the day. At the time, I found it more interesting that even someone who doesn’t drink alcohol at all could have a home-distilled idea.
Da hat sich seit Borchert nichts geändert: Draußen gibt es nur Kännchen, aber gekehrt wird nicht.
Saying tested for its everyday suitability – Nothing has changed since Borchert: Outside, coffee is only served in pots, but there will be no sweeping. (Explain? I honestly don’t know where to begin. Just forget it.)
Am Bahnsteig lausche ich der Unterhaltung eines älteren Paares. Sie: „Woher weiß man denn, wo beim Zug vorne ist?“ Er tut das einzig Vernünftige und schweigt. Vielleicht aber weiß er es auch nicht. Später im Zug fragt der Zugführer per Durchsage, ob ein Arzt unter den Fahrgästen sei. In Wagen 3 werde einer benötigt. Sie steht sofort auf und nickt ihrem Begleiter zu. Ich beschließe, nie wieder krank zu werden.
Deutsche Bahn news – I listen to an older couple talking on the platform. She asks, „How do you know which way is at the front of the train?“ He does the only sensible thing and remains silent. But maybe he doesn’t know either. Later on the train, the conductor asks over the loudspeaker if there is a doctor among the passengers. One is needed in car 3. She immediately stands up and nods to her companion. I resolve never to get sick again.
Jeden Samstag mussten die Rorschachbuben mit Vater und Hund aufs Land fahren und wandern, wie es der Vater nannte. Die Mutter hatte sich wie immer ein Attest besorgt, da konnte der Vater nichts machen. Die Buben bettelten und benzten, sie würden lieber ins Kino gehen oder wenn es sein müsse auch ins pathologische Museum, aber Vater Rorschach war unnachgiebig. Das Schlimmste aus Sicht der Buben war jedoch, dass man eh nie weit kam und sich das Wandern tatsächlich darin erschöpfte, dass der Vater an jeder Pfütze und jedem Teich Halt machte und seine Söhne dazu zwang, stundenlang die Landschaft zu interpretieren. Sogar der Hund wurde gefragt. Wenn nicht jeder mindestens einmal „Mutter“ oder „Mutters Schoß“ gesehen haben wollte, war der Vater für den Rest des Tages aufgebracht und unausstehlich.
Hiking Day with the Rorschach Family – Every Saturday, the Rorschach boys had to go to the countryside with their father and dog and go hiking, as their father called it. Their mother, as always, had obtained a doctor’s note, and the father couldn’t do anything about it. The boys begged and pleaded that they would rather go to the movies, or, if necessary, to the pathology museum, but Father Rorschach was relentless. The worst part, from the boys‘ perspective, however, was that they never got very far anyway, and the hiking essentially consisted of their father stopping at every puddle and pond, forcing his sons to spend hours interpreting the landscape. Even the dog was consulted. If everyone didn’t want to see „Mother“ or „Mother’s Lap“ at least once, their father would be upset and unbearable for the rest of the day.
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