Berichtigung

Gestern wurde an dieser Stelle eine falsche Behauptung aufgestellt. Die billigste Art der Bestattung auf dem Friedhof von Venedig ist natürlich die Beisetzung der kremierten Leiche in der Trockenabfalltonne (bitte Beutel benutzen). Leerung mittwochs gegen sieben Uhr.

Correction
Yesterday at this point a false statement was made. The cheapest way of burial in the cemetery of Venice is, of course, the burial of the cremated body in the dry waste bin (please use bag). Emptying at seven o’clock on Wednesday.

Für jeden Geschmack etwas dabei

Auf dem Friedhof von Venedig kann der Verstorbene zwischen drei Begräbnisarten wählen: ganz klassisch hinter einer Steinplatte (ist natürlich nicht billig), hinter einer teilweise verglasten Tür aus dem Baumarkt (für alle, die auch nach dem Tode noch Besuch erwarten) oder in einem defekten Kartenfernsprechgerät, wenn man einfach nichts mehr zu sagen hat (preiswerteste Variante).

There is something for every taste
At the cemetery of Venice, the deceased can choose between three burial places: quite classic behind a stone slab (which is of course not cheap), behind a partially glazed door from the hardware store (for those who still expect visitors after death) or in one inoperative card telephone, if you just have nothing left to say (cheapest option).

Schlau

In Venedig hat man offenbar eine Art Boot erfunden, mit dem man zugleich auch die Unterseite des Wasserspiegels befahren kann.

Smart
In Venice, apparently, a kind of boat was invented, with which one can navigate also the underside of the water level at the same time.

Köpfe in Cafés (5)

Am Anfang der Via Garibaldi gibt es diese kleine Bar, die den Vorteil hat, dass dort meistens vom Wasser her ein Wind geht und die Mücken tiefer in die Straße hineinweht. Außerdem ist der Ort nicht schlecht geeignet, um Menschen zu beobachten und zu zeichnen, so z.B. den Mann mit dem langen Hals, die Frau mit der Mickey-Maus-Frisur und die Damen, die ihre Kleider im Wind wehen ließen. Am Tisch nebenan lärmten ein paar angeschickerte, ältere deutsche Lehrerinnen, aber zum Glück nicht lange. Ein Zausel und seine Begleiterin warteten eine gute halbe Stunde schüchtern etwas abseits stehend, bis ein Tisch frei wurde und bestellten vor Freude darüber gleich eine Flasche Wein. Später ersetzten zum Feierabend herausgeputzte Anwohner die vom Nichtstun erschöpften Touristen. Vielleicht ist das Lokal auch so beliebt, weil der Wirt ein bissl Theater macht und der Kellner die in der Hitze dampfenden Gäste zwischendurch mit einer Wasserpistole beschießt.

Heads in cafes
At the beginning of Via Garibaldi there is this little bar, which has the advantage that there is usually a wind coming from the water which blows the mosquitoes deeper into the street. Moreover, the location is not bad for observing and drawing people, e.g. the man with the long neck, the woman with the Mickey Mouse hairstyle and the ladies who let their clothes blow in the wind. At the table next to ours, some older tipsy German teachers were brawling, but fortunately not for long. An old buffer and his companion waited shyly for about half an hour until a table was set free and ordered a bottle of wine for joy. Later, dressed up residents replaced the tourists who were exhausted by idleness. Maybe the place is so popular, because the host knows to act up and the waiter likes to shoot at the sweltering guestes with a water gun.

Vorbild Venedig

Nur einen Tag nach der Wahl Ursula von der Leyens zur Königin von Europa reagierte Sig. Albert Gardin, der selbsternannte 121. Doge der Republik Venedig, welche freilich seit 1797 nicht mehr besteht, und gratulierte der Deutschen zu ihrem Erfolg, nicht ohne der Hoffnung Ausdruck zu geben, ihre Herrschaft werde die letzte sein und zu einer vom Atlantik bis zur Beringstraße reichenden Konföderation aller europäischen Nationen führen. Dann wird noch ein bissl gejammert über die illegitime Besetzung Venedigs durch Franzosen, Deutsche und das sog. „Italien“ und über transatlantische Hegemonie, trotz derer die Republik lebendiger und aktiver sei denn je. – Mögen sich die deutschen Reichsbürger, die österreichischen Staatsverweigerer, die amerikanischen Sovereign citizens und alle anderen rechtsextremen Spinner an diesem wackeren Separatisten aus der Lagune ein Vorbild nehmen! Sie sind und bleiben zwar politische, intellektuelle und ästhetische Vollpfosten, aber wie man sieht, lässt sich Wahnsinn durchaus mit Charme vereinbaren.

Model Venice
Only one day after the election of Ursula von der Leyen as Queen of Europe, Sig. Albert Gardin, the self-appointed 121st Doge of the Republic of Venice, which of course no longer exists since 1797, responded and congratulated the German on their success, not without to express the hope, that their rule would be the last and would lead to a confederation of all European nations extending from the Atlantic to the Bering Strait. Then there is a bit of moaning about the illegitimate occupation of Venice by Frenchmen, Germans and the so-called „Italy“ and also about transatlantic hegemony, despite which the republic is livelier and more active than ever. – May the German Reich citizens, the Austrian state objectors, the American sovereign citizens and all other far-right spinners take a role model in this noble separatist from the lagoon! Although they are and will remain political, intellectual and aesthetic douche bags, lunacy can be quite charming, as you can see.

Psychotest

Was fällt Ihnen beim Anblick eines solchen Himmels ein: ein böses Omen, ein aufziehender Weltkrieg, das jüngste Gericht, das überzogene Girokonto? – Ich finde ja, dieser Himmel sieht aus wie ein schönes Glas Campari-Spritz an einem lauen Sommerabend. Für Katastrophen ist am nächsten Morgen immer noch Zeit.

Psychological test
What do you think of seeing a sky like this: a bad omen, a rousing world war, doomsday, the overdrawn current account? – I think, this sky looks like a nice glass of Campari-Spritz on a warm summer evening. There is still time for disasters the next morning.

Dänisches Tetris

Ein besonderes Feature des dänischen Pavillons auf der Biennale in Venedig ist der Boden, auf dem zwei aus Dänemark eingeflogene Fliesenleger zwischen Eröffnung im Mai und Schließung der Kunstausstellung im November eine sehr langsame Partie Tetris gegeneinander spielen.

Danish Tetris
A special feature of the Danish pavilion at the Venice Biennale is the floor on which, between opening in May and closing of the art exhibition in November, two pavers, flown in from Denmark, play a very slow game of Tetris against each other.